Unterlagen für eine Lebensversicherung | picture alliance/dpa/dpa-Zentral

Lebensversicherungen Zinswende erlaubt Abbau von Zinspuffern

Stand: 06.10.2022 10:59 Uhr

Angesichts steigender Zinsen können die deutschen Lebensversicherer in diesem Jahr erstmals milliardenschweren Kapitalpuffer für hohe Garantien aus älteren Verträgen abbauen. Davon profitieren die Kunden.

Angesichts der wieder steigenden Zinsen können die deutschen Lebensversicherer nach Berechnungen des Branchenverbandes GDV schon im laufenden Jahr mit dem Abbau der sogenannten Zinszusatzreserve (ZZR) beginnen. Nachdem die Zinsen infolge der Zinswende der Europäischen Zentralbank nicht mehr sinken, können die Versicherer die ZZR nach und nach auflösen.

Davon profitieren die Kunden: Ihnen stünden die freiwerdenden Mittel zu, betonte der GDV. Perspektivisch könnten die knapp 80 deutschen Lebensversicherer in der Folge wieder höhere Überschussbeteiligungen bieten, die seit der Finanzkrise auf Talfahrt sind. Viele Unternehmen haben sich im Neugeschäft aber von den langfristigen Garantien weitgehend verabschiedet, weil diese nach den EU-Kapitalregeln ("Solvency II") viel Kapital binden.

Puffer musste seit 2011 aufgebaut werden

Die Zinszusatzreserve (ZZR), die die Versicherer seit 2011 auf Geheiß der Finanzaufsicht BaFin aufbauen mussten, hat Ende des vergangenen Jahres mit 96 Milliarden Euro ihren Höchststand erreicht. "In diesem Jahr wird sie voraussichtlich um etwa drei Milliarden auf 93 Milliarden Euro zurückgehen", sagte der Hauptgeschäftsführer des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV), Jörg Asmussen.

Die BaFin hatte den Unternehmen während der Dauerniedrigzinsphase auferlegt, Geld in Form der ZZR zurückzulegen, um auch künftig noch die Zinsversprechen an ihre Kunden einlösen zu können. Wie schnell die ZZR weiter abgebaut werden kann, hängt davon ab, wie sich die Zinsen entwickeln und wie hoch die versprochenen Zinsen im Policen-Bestand des einzelnen Versicherers sind und wann die Verträge mit den Kunden ablaufen.