Benzinpreisanzeige an einer Tankstelle | picture alliance/dpa

Steigende Benzinpreise Der billige Euro hat nicht nur Vorteile

Stand: 17.11.2021 16:20 Uhr

Der Euro ist so günstig wie seit Sommer 2020 nicht mehr. Für deutsche Unternehmen und Anleger birgt das große Chancen. Autofahrer haben allerdings das Nachsehen.

Von Angela Göpfert, tagesschau.de

1,1270 Dollar mussten Anleger zur Wochenmitte für einen Euro zahlen - so wenig wie seit Sommer vergangenen Jahres nicht mehr. Der Euro hat derzeit einen schweren Stand. Insbesondere nachdem EZB-Präsidentin Christine Lagarde zu Wochenbeginn vor dem Wirtschaftsausschuss des Europäischen Parlaments angekündigt hat, dass die Europäische Zentralbank an ihrem expansiven Kurs festhalten werde.

Eine Leitzinserhöhung für 2022 wollte Lagarde abermals nicht in Aussicht stellen. Lieber berief sie sich auf das Narrativ, wonach die derzeit hohen Inflationsraten ein vorübergehendes Phänomen darstellten.

US-Zinswende im Anmarsch?

Die Geldpolitik in den USA und der Eurozone dürfte damit auf absehbare Zeit auseinanderklaffen. Zumal in der vergangenen Woche die US-Inflationsrate für Oktober mit 6,2 Prozent überraschend hoch ausgefallen war.

Seither mehren sich die Spekulationen an den Märkten, die US-Notenbank (Fed) könnte im kommenden Jahr an der Zinsschraube drehen. Fed-Mitglied James Bullard forderte die Federal Reserve jüngst nachdrücklich zu einem strikteren geldpolitischen Kurs auf.

Drei Zinserhöhungen bis Februar 2023

Die steigenden US-Zinserwartungen stärken dem Dollar den Rücken. US-Präsident Joe Biden gab dem Greenback zuletzt zusätzlichen Auftrieb, als er der Inflationsbekämpfung höchste Priorität beimaß.

"Der Markt geht davon aus, dass im zweiten Halbjahr nächsten Jahres der Leitzins in den USA angehoben wird", erklärt Commerzbank-Devisenexpertin Antje Praefcke.

"Laut dem Fed Watch Tool der CME Group ist für die Fed-Sitzung am 1. Februar 2023 bereits die dritte Zinserhöhung eingepreist - nach vorherigen Leitzinserhöhungen am 15. Juni 2022 (erster Schritt) und am 2. November 2022 (zweiter Schritt)", betont Marktexperte Robert Rethfeld von Wellenreiter-Invest.

Wie der DAX vom schwachen Euro profitiert

Die Euro-Schwäche ist somit in erster Linie eine Dollar-Stärke, konnte der Greenback doch zuletzt auch gegenüber anderen wichtigen Währungen wie Schweizer Franken und japanischem Yen kräftige Kursgewinne verbuchen.

Für deutsche Export-Unternehmen ist das eine gute Nachricht, verstärkt ein günstiger Euro/Dollar-Kurs doch die Nachfrage nach deutschen Produkten im Dollar-Raum. Ablesbar ist das nicht zuletzt auch an den steigenden Kursen der im DAX gelisteten Unternehmen. Der deutsche Leitindex eilte in den vergangenen Tagen von Rekordhoch zu Rekordhoch. Erst am Mittwoch stellte er bei 16.284 Zählern eine neue Bestmarke auf.

Warum sich ein Investment in US-Aktien mehr lohnt

Noch besser als mit einem Investment in den DAX fuhren Anleger allerdings zuletzt mit einem ETF auf den amerikanischen S&P 500 - nicht zuletzt dank positiver Währungseffekte. Wie sehr die Währungsentwicklung die Anleger mit einer zusätzlichen Ertragsquelle versorgen kann, zeigt beispielhaft ein Blick auf die Apple-Aktie.

So konnten Papiere des iPhone-Konzerns in Dollar in den vergangenen sechs Monaten rund 21 Prozent hinzugewinnen. In Euro belief sich das Plus auf 32 Prozent. Der positive Deviseneffekt für einen Anleger aus dem Euro-Raum belief sich somit für diesen Zeitraum auf stolze elf Prozentpunkte.

Ähnlich lässt sich mit Blick auf den Goldpreis argumentieren: Das Edelmetall eroberte jüngst in Euro ein neues Allzeithoch. In Dollar notiert es noch rund elf Prozent unter seiner vom Herbst 2020 datierenden Bestmarke.

Benzinpreis knapp unter Rekordhoch

Für Verbraucher hat der starke Dollar derweil auch negative Effekte. Nun, da die USA endlich wieder - geimpfte - Europäer einreisen lassen, können sich diese dort von ihren Euros weniger kaufen.

Auch an der Tankstelle respektive bei der Heizölabrechnung bekommen Verbraucher den schwachen Euro negativ zu spüren. Vor diesem Hintergrund wundert es kaum, dass die zuletzt - in Dollar - gesunkenen Ölpreise an den Zapfsäulen in Deutschland keine Entspannung brachten. Dem ADAC zufolge kostete ein Liter E10 im bundesweiten Tagesdurchschnitt zur Wochenmitte 1,692 Euro. Zum Rekordpreis aus dem Jahr 2012 fehlten damit gerade einmal 1,7 Cent.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 18. November 2021 um 12:00 Uhr.