Die Zentrale des insolventen Zahlungsdienstleisters Wirecard | REUTERS

Börsen stellen Handel ein Die Zeit drängt für Wirecard-Aktionäre

Stand: 12.11.2021 08:16 Uhr

Die Tage der Wirecard-Aktie an der Börse sind gezählt. Für Anleger, die immer noch Papiere des Skandal-Unternehmens besitzen, ist es Experten zufolge nun höchste Zeit zu handeln.

Von Angela Göpfert, tagesschau.de

Der tiefe Fall der Wirecard-Aktie hat Geschichte geschrieben. Im September 2018 zahlten Anleger in der Spitze 199 Euro für eine Wirecard-Aktie. Heute ist das Papier ein sogenannter Pennystock, erst im Oktober markierte es bei knapp 14 Cent ein Rekordtief. Der Zahlungsabwickler hatte im Juni 2020 einen Insolvenzantrag gestellt, nachdem der größte Wirtschaftsskandal der deutschen Nachkriegsgeschichte aufgeflogen war.

Entsetzt entfernten viele Anleger die Aktie daraufhin aus ihren Portfolios. Doch in einigen Depots dürfte das Papier heute immer noch ein Schattendasein führen - als "Zombie-Aktie". Schließlich ist die Wirecard-Aktie heute nahezu wertlos, wozu lohnt sich also die Mühe des Verkaufs?

Nur noch bis 15. November handelbar

Tatsächlich gibt es für die verbliebenen Wirecard-Aktionäre nun gute Gründe zu handeln und ihre "Depotleiche" zu verkaufen. Die Zeit drängt: Denn die Deutsche Börse streicht die Wirecard-Aktien mit Ablauf des 15. November aus dem Angebot im regulierten Börsenhandel.

Auch im Freiverkehr werde die Aktie dann nicht mehr handelbar sein, wie eine Konzernsprecherin auf Anfrage von tagesschau.de erklärte. Ab dem 16. November könne die Aktie dann nicht mehr an der Deutschen Börse gekauft oder verkauft werden. Andere Börsen ziehen nach, so wird auch an der Börse Stuttgart der Handel mit der Wirecard-Aktie zum 15. November eingestellt.

Nach dem Rauswurf aus dem DAX schließt sich damit für Wirecard ein weiteres Börsenkapitel. Das hat Folgen - für die Kursermittlung, die Handelbarkeit der Aktie und die steuerlichen Verrechnungsmöglichkeiten von Verlusten.

Anlegerschützer alarmiert

"Wer zukünftig Wirecard-Aktien handeln will, wird auf den weitgehend unregulierten Freiverkehr ausweichen müssen. Wie lange das funktioniert, ist völlig offen", so Marc Tüngler, Hauptgeschäftsführer der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW).

Sobald das Papier den regulierten Handel verlässt, dürfte der Kursverlauf noch erratischer werden. Die Preisfeststellung werde deutlich schwieriger, gleiches gelte für den Verkauf größerer Positionen, so der Anlegerschützer. "Betroffene Aktionäre sollten jetzt mehr denn je über einen Verkauf der Aktie nachdenken."

Die Krux mit der Steuer

Ein Verkauf ist für Aktionäre aber besonders in steuerlicher Hinsicht sinnvoll. Denn so können die mit Wirecard erlittenen Verluste mit Gewinnen aus anderen Aktienverkäufen verrechnet werden. Aktionäre müssen dann entsprechend weniger Abgeltungssteuer zahlen.

Anleger haben zwar grundsätzlich auch die Möglichkeit, Aktien wegen Wertlosigkeit auszubuchen; so können sie sich die bei einem Verkauf entstehenden Transaktionskosten sparen. Doch diese Vorgehensweise hat zumindest für größere Investments einen gewaltigen Haken: Die so realisierten Verluste können seit dem 1. Januar 2020 nur noch bis zu 20.000 Euro geltend gemacht werden. Darauf weist auch der DSW-Experte hin.

Über dieses Thema berichtete Inforadio am 12. November 2021 um 06:38 Uhr und 07:37 Uhr.