US-Notenbank-Vize Richard Clarida in Jackson Hole | REUTERS

Möglicher Insiderhandel US-Notenbanker unter Verdacht

Stand: 05.10.2021 13:08 Uhr

Die US-Notenbank untersucht nach eigenen Angaben die Finanzgeschäfte einiger hochrangiger Notenbanker. Es gibt zudem Forderungen, dass auch die US-Börsenaufsicht tätig werden solle, um dem Verdacht auf Insiderhandel nachzugehen.

Die US-Notenbank hat eine eigene Untersuchung begonnen, bei der Einblick in Finanzgeschäfte von Verantwortlichen der Fed genommen wird, wie sie nun mitteilte. Mit der internen Aufsichtsbehörde seien Gespräche aufgenommen worden, um den Finanzmarkthandel einiger hochrangiger Notenbanker auf mögliche ethische oder rechtliche Mängel zu überprüfen, hieß es.

"Im Rahmen unserer umfassenden Überprüfung haben wir letzte Woche Gespräche mit dem Office of Inspector General for the Federal Reserve Board aufgenommen, um eine unabhängige Überprüfung einzuleiten. Dabei soll geklärt werden, ob die Handelsaktivitäten hochrangiger Beamter den Ethikregeln der Notenbank, aber auch mit dem Gesetz in Einklang standen", so ein Sprecher der Fed.

Senatorin ruft Börsenaufsicht an

Von Seiten des US-Senats kommt Gegenwind für die Notenbank, die sich nun offenbar gedrängt sieht, Vorwürfen nachzugehen. Die amerikanische Senatorin Elizabeth Warren hatte gestern sogar die US-Börsenaufsicht SEC aufgefordert, die Handelsaktivitäten von hochrangigen Notenbankern zu untersuchen. In einem Brief an die SEC nannte die Demokratin Warren auch Fed-Vize Richard Clarida.

Dieser hat laut Medienberichten im Februar 2020 sein privates Wertpapierdepot von Anleihen auf Aktien umgeschichtet. Offenbar geschah dies einen Tag vor einer wichtigen Ankündigung von Fed-Chef Jerome Powell. Dieser warnte damals vor Risiken durch das Coronavirus und versprach eine Reaktion der Fed, falls dies notwendig werden sollte.

Geschäfte mit Aktien und Immobilienfonds

Erst in der vergangenen Woche hatte der Rücktritt zweier hochrangiger Vertreter der Notenbank für Aufsehen gesorgt. Sie hatten in der Hochphase der Corona-Krise Aktiengeschäfte auf eigene Rechnung betrieben. Die beiden Währungshüter vertreten ihre jeweiligen Notenbank-Bezirke im Offenmarktausschuss der Fed, der über die Zinspolitik entscheidet.

Dabei handelt es sich zum einen um den US-Notenbanker Robert Kaplan, der als Konsequenz aus der Debatte um persönliche Aktiengeschäfte in der Corona-Krise seinen Hut nahm. Er habe sich bei den Geschäften aber an die Compliance-Vorschriften der Bank gehalten, betonte Kaplan. Wie das "Wall Street Journal" berichtete, nutzte Kaplan das Marktumfeld voriges Jahr zu persönlichen Aktiengeschäften im Volumen von mehreren Millionen Dollar.

Robert Kaplan spricht während eines Interviews in seinem Büro | REUTERS

US-Notenbanker Robert Kaplan nahm im Zusammenhang mit persönlichen Aktiengeschäften bereits seinen Hut. Bild: REUTERS

Kurz zuvor hatte der Präsident der Fed in Boston, Eric Rosengren, seinen Rücktritt zum Monatsende aus gesundheitlichen Gründen angekündigt. Auch er war wegen umstrittener Aktiengeschäfte unter Druck geraten. Rosengren hatte in geringerem Umfang Geld in börsennotierte Immobilienfonds gesteckt. Er geriet auch in die Kritik, weil er trotz dieser persönlichen Geschäfte öffentlich vor Risiken im Immobiliensektor warnte.

Zwar waren die Finanzgeschäfte der beiden Notenbanker in einer internen Prüfung nicht beanstandet worden. Doch sind die Währungshüter nach den Regeln der Fed gehalten, auch nur den Anschein zu vermeiden, dass sie ihre Position zur persönlichen Bereicherung nutzen könnten.

Bessere Ethikregeln geplant

Fed-Chef Jerome Powell hatte vor kurzem im US-Kongress eine Erneuerung der Ethikregeln für Währungshüter angekündigt. Es gehe darum "Regeln, Praxis und Offenlegung" zu verbessern, so Powell in der vergangenen Woche. Die Fed werde sich der "Tragweite gewachsen sehen", fügte der oberste Währungshüter hinzu, der die Überarbeitung der Ethikregeln für Fed-Führungspersonal intern bereits in Auftrag gegeben hat. Der Ausschussvorsitzende Sherrod Brown kündigte seinerseits einen Gesetzentwurf an, der umstrittene Aktiengeschäfte von Fed-Spitzenpersonal künftig unterbinden soll.