Die Skyline von Manhattan im Licht der untergehenden Sonne.

Wieder mehr Dividenden erlaubt US-Banken bestehen Stresstest

Stand: 25.06.2021 15:16 Uhr

Während die europäischen Banken weiter nur eingeschränkt Dividenden zahlen dürfen, sind die Begrenzungen für die US-Häuser gefallen. Und die dürften demnächst ihre Schatulle weit öffnen.

Der seit Jahren bestehende Abstand zwischen den großen amerikanischen Banken und ihren Wettbewerbern in Europa hat sich in diesem Jahr nicht verringert. Im Gegenteil. So zeigt der jüngste Belastungstest der US-Notenbank Federal Reserve (Fed), dass die großen Wall-Street-Häuser inzwischen über genügend Eigenkapital verfügen, um Krisen wie die jüngste Corona-Pandemie und den damit einhergehenden Konjunktureinbruch zu überstehen.

Zwar würden die 23 von der Fed getesteten Institute im Fall einer tiefen Wirtschaftskrise rund 474 Milliarden Dollar an Verlusten durch Kreditausfälle und andere Geschäfte erleiden. Sie besäßen dann aber immer noch mehr als doppelt so viel Eigenkapital (10,6 Prozent), wie es die Aufsichtsregeln verlangten. In der Härteprüfung wurde diesmal unter anderem eine globale Rezession durchgespielt, bei der in den USA die Arbeitslosenquote auf 10,75 Prozent anschwillt. Zudem sah das Szenario vor, dass die US-Wirtschaft um vier Prozent sinkt und die Aktienkurse um 55 Prozent einbrechen.

Auch US-Tochter der Deutschen Bank getestet

Dass die Banken eine solche Krise aushalten könnten ohne zusammenzubrechen, zeige, wie stark das amerikanische Bankensystem inzwischen sei, sagte Fed-Vize Randal Quarles, der für die Bankenregulierung zuständig ist. Folglich hob die Notenbank sämtliche Einschränkungen für höhere Dividenden und eine Ausweitung von Aktienrückkauf-Programmen auf.

Zu den getesteten Geldhäusern gehört auch die US-Tochter der Deutschen Bank. Sie verzeichnete mit 23,2 Prozent sogar die höchste Eigenkapitalquote. Bei ausländischen Instituten, die eine Niederlassung in den USA haben, ging es auch um die Frage, ob sie Kapital an den Mutterkonzern überweisen dürfen und ob sie Vorgaben in Bezug auf Kernkapital- und Verschuldungsquoten erfüllen. Weil die Deutsche Bank den Stresstest bereits in den vergangenen beiden Jahren bestanden hat, wurden aber in diesem Jahr außer der Eigenkapitalquote keine weiteren Einzelheiten veröffentlicht.

Schütten die US-Banken jetzt 140 Milliarden Dollar aus?

Die US-Bankenaufseher hatten bereits im März signalisiert, dass sie nach dem nächsten Stresstest bestehende Beschränkungen bei Dividenden und Aktienrückkäufen aufheben würden, sollten die Institute über den Mindestkapital-Anforderungen bleiben. Analysten erwarten nun, dass Großbanken wie JPMorgan Chase, Bank of America und Goldman Sachs in der Lage sein werden, zusammen mehr als 100 Milliarden Dollar in den nächsten vier Quartalen an ihre Aktionäre auszuzahlen. Anderen Schätzungen zufolge könnten die sechs größten Banken des Landes rund 140 Milliarden Dollar an ihre Aktionäre ausschütten. Branchenbeobachter erwarten, dass sich die Banken nach Börsenschluss am Montag zu ihren Plänen äußern dürften.

Die EZB bleibt bei ihren Vorgaben

In Europa müssen sich die Anleger weiter gedulden. Die Europäische Zentralbank (EZB) empfiehlt den unter ihrer Aufsicht stehenden Instituten weiterhin äußerste Zurückhaltung bei der Ausschüttung von Dividenden und Aktienrückkäufen. Sie appelliert an die Institute, bis zum 30. September 2021 keine oder nur begrenzt Dividenden auszuschütten. Die Dividenden sollen weniger als 15 Prozent ihrer kumulierten Gewinne aus den Jahren 2019 und 2020 und nicht mehr als 20 Basispunkte der harten Kernkapitalquote ausmachen. Die konkrete Höhe der Ausschüttung sollen sie in Abstimmung mit dem zuständigen Gemeinsamen Aufsichtsteam bestimmen.

Tatsächlich haben Aktionäre der Deutschen Bank und der Commerzbank bereits seit Jahren keine Dividende mehr erhalten. Andere Institute, wie die größte französische Bank BNP Paribas, hat zuletzt nur magere 1,11 Euro gezahlt, um ihre Kapitalausstattung nicht zu gefährden.