Eine Person zählt türkische Lira. | REUTERS

Schlüsselsatz von 19 Prozent Türkischer Leitzins unverändert hoch

Stand: 14.07.2021 14:38 Uhr

Angesichts einer galoppierenden Inflation von zuletzt 17,5 Prozent hat die türkische Notenbank ihren Leitzins wie erwartet unverändert gelassen - bei 19 Prozent. Und noch ist keine Wende in Sicht.

Die türkische Notenbank hält auch im Juli an ihrer Hochzinspolitik fest. Sie beließ heute den Schlüsselsatz bei 19 Prozent. Damit bleibt er seit März unverändert. Die Entscheidung war erwartet worden, nachdem vor wenigen Tagen bekannt wurde, dass die Inflationsrate in der Türkei im Juni auf 17,5 Prozent angestiegen ist. Im Mai hatte der Anstieg noch bei 17,0 Prozent gelegen. Die Erzeugerpreise der Unternehmen stiegen im Juni sogar um 42,9 Prozent.

Dies deutet darauf hin, dass die Verbraucherpreise in den kommenden Monaten noch weiter steigen dürften, wirken sich doch die Herstellungskosten der Unternehmen meist zeitverzögert auch auf die Verbraucherpreise aus. Zudem verteuert der schwache Kurs der türkischen Lira die Einfuhren, allen voran das in Dollar zu zahlende Erdöl sowie anderer Rohstoffe. Damit dürfte der Spielraum der Notenbank für eine Absenkung des Leitzinses sehr gering bleiben.

In ihrer Mitteilung fehlt jeglicher Hinweis auf eine baldige Änderung des derzeitigen geldpolitischen Kurses. Im Gegenteil: Die Notenbank zeigt sich fest entschlossen, den Leitzins so lange unverändert zu lassen, bis der im April prognostizierte deutliche Rückgang der Inflation erreicht sei und sich eine Entspannung bei den Verbraucherpreisen abzeichne.

Zinssatz schon lange ein Politikum

Auf ihrer letzten Sitzung hatte die Notenbank noch signalisiert, dass sie sich auf eine Senkung des Leitzinses zubewegt. Experten rechnen für das Jahresende damit. Hintergrund ist die Hoffnung auf ein Abebben der Teuerung zum Jahresende. Der erklärte Zinsgegner und einflussreiche Staatschef Recep Tayyip Erdogan hat allerdings bereits laut darüber nachgedacht, dass auch die Sommermonate für eine Zinssenkung in Frage kämen. Dies hat Analysten zu Warnungen bewogen, die Lira und die Wirtschaft könnten unter einer frühzeitigen Senkung leiden.

Im März hatte Erdogan den Gouverneur der Zentralbank, Naci Agbal, entlassen, nachdem dieser den Leitzins von 17 auf 19 Prozent angehoben hatte. Dabei hatte der Staatschef zu Jahresbeginn noch versprochen, die "bittere Pille" hoher Zinsen zur Eindämmung der zweistelligen Teuerungsrate zu akzeptieren. Auch Agbals Nachfolger, Sahap Kavcioglu, ein ehemaliger AKP-Abgeordneter, gilt eigentlich als Befürworter niedriger Zinssätze. Doch die weiter anziehende Inflation lässt ihm offenbar keine andere Wahl, als an der restriktiven Geldpolitik seines Vorgängers festzuhalten.

Kräftige Erholung der Wirtschaft erwartet

Dies gilt um so mehr, als sich die wirtschaftliche Erholung des Landes trotz der hohen Zinsen fortsetzt. Die Notenbank spricht von einer starken Entwicklung der Binnenwirtschaft. Die wachsende Zahl von Corona-Impfungen im Land erleichtere die Erholung der Dienstleistungs- und Tourismusbranche, die unter der Pandemie besonders gelitten haben, schreibt die Notenbank. Dies führe zu einem breiter aufgestellten Wirtschaftswachstum als bisher. Die Ökonomen der großen Ratingagenturen rechneten zuletzt mit einer kräftigen Erholung. Moody’s erwartet ein Wachstum von vier Prozent, Fitch Rating sogar von 6,7 Prozent - trotz der weiter grassierenden Inflation.

Über dieses Thema berichteten die tagesthemen am 02. Juni 2021 um 22:15 Uhr.