Eine Person zählt türkische Lira. | REUTERS

Einbruch nach Protesten Türkische Lira im Abwärtssog

Stand: 13.12.2021 13:51 Uhr

Der Abwärtstrend der türkischen Lira setzt sich fort. Neben einer schon bald erwarteten weiteren Zinssenkung reagiert der Markt auch auf Proteste und Festnahmen in Ankara und Istanbul.

Der Verfall der Lira geht fast ungebremst weiter. Für einen Euro erhielt man am Montagmorgen bis zu 16,5 türkische Lira. Damit wurde der erst kürzlich erreichte bisherige Rekordstand von 15,8 Lira übertroffen. Vor einem Jahr lag das Verhältnis vom Euro zur Lira nur bei eins zu 9,5. Damit hat die türkische Währung innerhalb eines Jahres um mehr als 40 Prozent abgewertet.

Im Handelsverlauf erholte sich die Lira wieder etwas von den Tiefstständen, nachdem die türkische Zentralbank nach eigenen Angaben wegen "ungesunder Preisentwicklungen" US-Dollar zugunsten der Lira verkaufte. Bisher brachten solche Eingriffe allenfalls eine kurzzeitige Entlastung.

Widerstand gegen Erdogans Kurs wächst

Am Wochenende hatten sich angesichts der Währungskrise in Istanbul und Ankara zahlreiche Menschen demonstriert. In der Metropole Istanbul gingen nach Angaben der Veranstalter am Sonntag Tausende auf die Straße. Die Demonstrierenden versammelten sich im asiatischen Teil der Stadt und hielten Schilder hoch mit der Aufschrift: "Es reicht!" In Ankara wurden unterdessen mindestens 90 Studierende festgenommen, wie die Initiative "Wir finden keinen Unterschlupf" mitteilte. In der Türkei liegt die Inflation nach offiziellen Angaben bei mehr als 20 Prozent. In Istanbul etwa hat sich das Leben nach Angaben der Stadtverwaltung innerhalb eines Jahres sogar um mehr als die Hälfte verteuert.

Beschleunigt wurde der Sinkflug durch die Entscheidung der Ratingagentur Standard & Poor's (S&P), die dem Land am Freitag eine Abstufung ihrer Bonitätsnote angedroht hatte.

Als Belastungsfaktor haben die Finanzmärkten schon seit längerem Präsident Recep Tayyip Erdogan ausgemacht. Der Politiker hat häufig die Meinung vertreten, die Notenbank müsse den Leitzins senken, um die Geldentwertung abzumildern. Mit seiner Ansicht widerspricht der Politiker den allgemein anerkannten Erkenntnissen der Finanzwissenschaft. Viele Mitglieder der Führung der angeblich unabhängigen türkischen Zentralbank, die sich mehr oder weniger gegen Erdogans Ansichten stellten, mussten bereits ihren Hut nehmen.

Nächste Leitzinssenkung erwartet

Für diesen Freitag erwarten von der Nachrichtenagentur Reuters befragte Ökonomen, dass der Zinssatz erneut gesenkt wird - und zwar von aktuell 15,0 auf dann 14,0 Prozent.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 13. Dezember 2021 um 11:00 Uhr.