Tilray: Cannabispflanzen im Gewächshaus |

Cannabis-Aktie stark im Plus Ist Tilray das nächste Gamestop?

Stand: 11.02.2021 11:12 Uhr

Die Aktie das kanadischen Cannabis-Unternehmens Tilray geht an der Börse durch die Decke. Was nun folgt, weckt starke Erinnerungen an die jüngsten Gamestop-Kapriolen.

Von Angela Göpfert, tagesschau.de

Die Aufregung um Gamestop hat sich gerade gelegt, da haben die jungen Spekulanten in den USA offenbar schon die nächste Aktie ihrer Begierde gefunden: Tilray. Das kanadische Unternehmen hatte am Dienstag offiziell angekündigt, künftig mit Grow Pharma zusammenzuarbeiten und so seine medizinischen Cannabis-Produkte auch in Großbritannien zu vertreiben.

Es folgte ein Kursplus von rund 40 Prozent, das bereits erste Zweifel weckte, ob dies wirklich nur dieser Nachricht geschuldet war. Richtig los ging es aber Mittwoch: Da schoss die Tilray-Aktie knapp 51 Prozent in die Höhe. Seit Jahresbeginn hat sich der Titel damit mehr als versechsfacht. Tilray war zur Wochenmitte auch beim deutschen Onlinebroker Flatex unter den meistgehandelten Werten.

Vorangegangen war der Kursrally der Tilray-Aktie ein Beitrag in dem Anlegerforum "WallStreetBets" auf der Internet-Plattform Reddit. Darin hieß es, dass die Titel von Tilray und Aphria viel Luft nach oben hätten. Dieser Post wurde binnen zwölf Stunden rund 10.000-fach geliked, berichtet die Nachrichtenagentur Reuters.

Tilray Chart: 1. August 2020 bis 11. Februar 2021 |

Die Kursrally der Tilray-Aktie hat sich im Februar rasant beschleunigt.

Spekulanten erneut in Aktion?

Junge Spekulanten treffen sich in Foren, verabreden sich zum Aktienkauf - und plötzlich schnellen die besprochenen Aktien rasant in die Höhe. Das dürfte einigen recht bekannt vorkommen. Tatsächlich erinnert der aktuelle Tilray-Hype stark an die Gamestop-Story.

Dieselbe Investorengruppe, die schon die Gamestop-Aktie in schwindelerregende Höhen trieb, hat nun offenbar die Tilray-Aktie ins Fadenkreuz genommen. Die Anleger, die sich auf "WallStreetBets" austauschen, soll sich laut dem Finanzen-Portal "Marketwatch" gegenseitig ermutigt haben, Tilray zum nächsten Fall Gamestop zu machen.

Screenshot der Redditseite über Tilray-Aktion |

Auf WallStreetBets wird Tilray zur nächsten Gamestop ausgerufen.

Anleger setzen auf Kursverfall

In der Tat sind die Ähnlichkeiten zwischen Gamestop und Tilray frappierend: zwei Unternehmen, die Verluste schreiben und bei denen viele Anleger auf einen Kursverfall gesetzt haben. Laut Korey Bauer, Chefanlagestratege und Fondsmanager des "Cannabis Growth Fund" von Foothill Capital Management, hat Tilray eine der höchsten "Short-Interest"-Quoten unter den Cannabis-Aktien. Der Analysefirma Ortex zufolge war zuletzt 37 Prozent des Streubesitzes von Tilray in so genannten Short-Geschäften gebunden. Dabei gilt: Je höher die Quote, desto mehr Anleger gehen von fallenden Kursen aus.

Short-Seller wetten nämlich auf den Kursverfall einer Aktie, indem sie die Aktie leerverkaufen: Sie leihen sich die Aktie und verkaufen sie in der Hoffnung, sie später zu einem niedrigeren Preis zurückkaufen zu können. Dahinter stecken meist professionelle Investoren wie Hedgefonds. Einige von ihnen hielten die starke Kursrally der Cannabis-Aktien seit der US-Wahl im November für übertrieben und setzten daher verstärkt auf fallende Kurse.

Leerverkäufer geraten unter Druck

Steigt aber der Kurs einer stark geshorteten Aktie, etwa durch gute Unternehmens-Nachrichten - oder etwa weil sich viele Anleger in einem Forum zum Kauf verabreden -, dann setzt das die Leerverkäufer unter Druck.

Jeder Cent nach oben ist ein Verlust für die Leerverkäufer, bei steigenden Kursen läuft ihnen die Zeit davon. Sie müssen die Aktie kaufen, um ihre Leerverkaufsposition zu schließen. So treiben sie die Aktie immer noch weiter in die Höhe. Dieses Börsenphänomen wird als "Short Squeeze" bezeichnet - und war zuletzt bei der Gamestop-Aktie zu beobachten.

Biden-Wahl gibt Cannabis-Aktien Auftrieb

Dabei sind Cannabis-Aktien nicht erst seit dieser Woche im Aufwind. Das zeigt ein Blick auf diverse börsennotierte Indexfonds (ETFs), die sich auf die Cannabis-Branche fokussiert haben. So hat sich etwa der "North America Cannabis Select" seit Anfang Januar mehr als verdoppelt, ähnlich stark lief auch der Branchen-ETF "Alternative Harvest".

Hintergrund der laufenden Cannabis-Rally ist der Sieg von Joe Biden bei der US-Präsidentschaftswahl. Sowohl der neue US-Präsident als auch seine Vizepräsidentin Kamala Harris machen sich für die Legalisierung von Cannabis auf Bundesebene stark. Ein weiterer Katalysator war schließlich die Stichwahl im Bundesstaat Georgia, mit der sich die Demokratische Partei die Mehrheit im Senat sicherte.

Biden und Harris gratulieren einander | REUTERS

Biden und Harris setzen sich für die Entkriminalisierung von Cannabis ein. Bild: REUTERS

"Dies, so die Hoffnung der Anleger, könnte der Startschuss für progressive Reformen im Bereich des Cannabis-Sektors gewesen sein", so Marktanalyst Konstantin Oldenburger von CMC Markets. Anleger spekulierten nun auf verbesserte Marktchancen, aber auch auf eine Welle von Übernahmen und Fusionen.