Schweizer Nationalbank Bern | picture-alliance / dpa

Schweizerische Nationalbank SNB verteilt Milliarden Franken

Stand: 07.01.2022 14:40 Uhr

Der Schweizer Bund und die Kantone dürfen sich über eine Ausschüttung in Milliardenhöhe durch die Schweizerische Nationalbank freuen. Sie erzielte 2021 satte 26 Milliarden Franken Gewinn. Wie hat sie das geschafft?

Von Thomas Spinnler, tagesschau.de

Auch 2021 hat die Schweizerische Nationalbank (SNB) wieder ein Milliardenplus gemacht: Vorläufigen Zahlen zufolge erzielte sie im vergangenen Jahr einen Gewinn von rund 26 Milliarden Franken. Den Großteil davon verdankt sie dem Wertzuwachs der von ihr gehaltenen Reserven in anderen Währungen.

Das Ergebnis der SNB ist generell abhängig von der Wertentwicklung ihres Anlageportfolios und ihrer Devisenreserven, die einen Wert von mehreren hundert Milliarden Franken haben. Dazu zählen auch Aktien und Anleihen aus dem Ausland sowie Gold. Die Aktienportfolios der Devisenreserven setzen sich nach Angaben der SNB überwiegend aus Aktien mittel- und grosskapitalisierter Unternehmen aus Industrieländern sowie aus Aktien aus Schwellenländern zusammen.

Jahresbilanzen schwanken stark

In den Vorjahren hatte die Bank beispielsweise unter anderem mit Apple-, Microsoft oder Amazon-Aktien deutliche Gewinne erzielt. Bei den Gewinnen der Bank handelt es sich also überwiegend um Bewertungsgewinne an den Finanzmärkten, was auch eine Erklärung für die Schwankungsbreite in der Gewinnentwicklung ist. So fiel beispielsweise im vierten Quartal des abgelaufenen Geschäftsjahres ein massiver Verlust an, denn in den ersten neun Monaten dieses Jahres hatte das Plus der SNB noch bei mehr als 44 Milliarden gelegen.

Von den nun für das Gesamtjahr angegeben Gewinnen entfallen den Angaben zufolge knapp 26 Milliarden Franken auf "Fremdwährungspositionen". Dagegen ergab sich für den Goldbestand ein Bewertungsverlust von 0,1 Milliarden Franken. Einen Gewinn von gut einer Milliarde Franken meldete die SNB für die "Frankenpositionen". Dabei handelt es sich vorwiegend um von der SNB erhobene Negativzinsen.

Das sich die Gewinnen und Verluste der Schweizerischen Nationalbank vor allem aus der Wertentwicklung ihres Portfolios ergibt, ergeben sich für die einzelnen Jahresbilanzen starke Schwankungen: Im Jahr 2020 hatte der SNB-Gewinn 21 Milliarden Franken betragen. Im Jahr 2019 waren es mit 49 Milliarden Franken sogar mehr als doppelt so viel. Im Jahr 2018 fiel hingegen einen Verlust von 15 Milliarden Franken an, während 2017 ein Plus von 54 Milliarden Franken ausgewiesen wurde.

  

Milliarden gehen an Bund und Kantone

Die SNB ist eine börsennotierte Aktiengesellschaft, die wie andere Unternehmen auch, vierteljährlich Rechenschaft über ihre Geschäfte ablegen muss. Nach eigenen Angaben befindet sich rund die Hälfte des Aktienkapitals der Nationalbank in den Händen der Kantone und der Kantonalbanken sowie anderer öffentlich-rechtlicher Körperschaften oder Anstalten.

Der übrige Teil wird von Privaten gehalten. Laut Jahresbericht 2020 waren es zum Stichtag 31.12.2020 knapp 2400 Privatanleger. Mit einem Anteil von etwas mehr als fünf Prozent war seinerzeit der Düsseldorfer Investor Theo Siegert der größte Privataktionär. Heute legt die SNB-Aktie etwa zwei Prozent auf über 5600 Franken zu. Vor einem Jahr hatte das Papier noch rund 1000 Franken weniger gekostet.

Die SNB wird den Aktionären für das abgelaufene Jahr eine Dividende von 15 Franken pro Aktie zahlen, der gesetzlich festgelegten Maximalhöhe. An Bund und Kantone wird zudem eine Gewinnausschüttung von insgesamt sechs Milliarden Franken vorgenommen. Auch das entspricht der gesetzlich gestatteten maximalen Ausschüttung. Der Betrag werde zu einem Drittel an den Bund und zu zwei Dritteln an die Kantone gehen, so die Bank.

Nach diesen Auszahlungen beträgt die Ausschüttungsreserve demnach noch gut 102 Milliarden Franken. Die Ausschüttungsreserve der SNB ist eine Art Reserve oder Versicherung gegen die Schwankungen und Verlustrisiken an den Finanzmärkten.   

Handlungsspielraum durch Devisenbestände

Nach eigenen Angaben verfolgt die Nationalbank allerdings nicht das Ziel, den Gewinn zu maximieren. Vorrang habe die Geld- und Währungspolitik, das Gewährleisten der Preisstabilität und die Stabilität des Schweizer Finanzsystems, wie es im Bundesgesetz über die Schweizerische Nationalbank heißt. Deshalb seien Liquidität und Sicherheit der Anlagen entscheidend.

Mit den hohen Devisenbestände erkauft sich die SNB geld- und währungspolitischen Handlungsspielraum. Wenn die SNB, etwa um den Schweizer Export zu stützen, einen niedrigen Frankenkurs wünscht, kann sie auf dem Devisenmarkt aktiv werden und durch Verkäufe den Kurs drücken. Der endgültige Jahresabschluss soll am 7. März 2022 veröffentlicht werden.