Robinhood Trader-App auf einem Smartphone

Börsengang in New York Robinhood will Herzen der Anleger erobern

Stand: 29.07.2021 10:52 Uhr

Die Trading-App Robinhood hat eine jüngere Generation fürs Spekulieren an der Börse begeistert - und sich damit nicht nur Freunde gemacht. Jetzt geht das Unternehmen in New York an die Börse.

Von Antje Passenheim, ARD-Studio New York

Ihr Gang an die Börse soll die Finanzbranche aufmischen. Von einem weißen Sofa unter Topfblumen streamen Robinhood-Chef Vlad Tenev und sein Team ihr Mantra in die Welt der Kleinanleger. Die Broker-Plattform will ihnen eine Stimme geben - und die Platzhirsche der Wall Street ins Schwitzen bringen: "Wir glauben daran, den Finanzmarkt demokratisch für alle zu machen", sagt Tenev. "Und zusammen werden wir die Wall Street für immer verändern."

Antje Passenheim ARD-Studio New York

Stützt die junge Generation auch den Börsengang?

Dafür brauchen Tenev und sein Geschäftspartner Baiju Bhatt allerdings ihre Kundschaft: eine Generation junger Privatanleger, die durch ihre kostenlose Broker-App überhaupt erst zum schnellen Aktienhandel gefunden hat. Rund 22 Millionen Nutzer sind es gerade, im Schnitt jünger als 30 Jahre. Nun sollen sie langfristig investieren - in die Robinhood-Aktie.

Der sogenannte Neo-Broker tut dafür etwas, was es vorher noch nicht gab: Er reserviert seinen Nutzern gut ein Drittel der Wertpapiere zum Ausgabepreis, erklärt Tenev: "Jahrelang konnten sich die meisten Kleinanleger erst in einen Börsengang einkaufen, wenn die institutionellen Investoren schon Anteile zum Einstiegspreis bekommen hatten und der Preis dann bereits gestiegen war." Das sei bei Robinhood anders: "Bei uns können alle gleichzeitig einsteigen - ohne Minimum."

Zwei Milliarden sind das Ziel

Unter dem Symbol "HOOD" will der Neo-Broker 55 Millionen Aktien über die Tech-Börse Nasdaq unters Volk bringen - in einer Preisspanne von 38 bis 42 Dollar. Umgerechnet rund zwei Milliarden Euro will das Unternehmen dadurch einsammeln. Um sich dann über die USA hinaus auszudehnen, sagt Tenev, der selbst in Bulgarien geboren wurde. "Als Immigranten und Kinder von Immigranten ist uns das wichtig: Wir wollen die Robinhood-Feder über die ganze Welt verbreiten", erklärt er. "Und wir glauben, die Investitionen, die wir in den letzten 18 Monaten in unserer Infrastruktur gemacht haben, versetzen uns in die Lage, international zu expandieren."

Die beiden Stanford-Studienfreunde Tenev und Bhatt hatten Robinhood 2013 gegründet - als App, über die Amateure mit einem Wisch über den Bildschirm mit Aktien, Optionen und inzwischen auch Kryptowährungen handeln können. Nun schwebt ihnen eine sogenannte "Single Money App" vor: mit Rentensparplänen, Bezahldienstleistungen und einer eigenen Geldbörse für digitale Währungen. Tenev  hat dabei die jungen Nutzer im Blick: "Viele von ihnen denken sicherlich noch lange nicht an den Ruhestand. Aber wir wollen sie dazu bringen, langfristig zu planen, damit es ihnen besser geht, wenn sie älter sind als ihre Eltern."

Vlad Tenev, Chef der Handelsplattform Robinhood

Robinhood-Co-Gründer Tenev hat noch große Pläne.

Flashmobs und Massenkäufe

Welche Macht die "Robbinhooders" über solche Handy-Apps haben, demonstrierten sie bereits. Sie verabredeten sich übers Internet und brachten den Aktienmarkt mit Flashmobs ins Trudeln. Sie trieben durch Massenkäufe den Aktienwert angeschlagener Unternehmen hoch und machten Hedgefonds damit eine lange Nase. Denn die hatten darauf gewettet, dass die Aktien sinken. Die Kleinanleger gewannen - die Hedgefonds verloren Milliarden. Das Image von Robinhood blieb in der Finanzwelt angekratzt.

Analysten an der Wall Street blickten skeptisch auf den ambitionierten Börsengang, sagt Rohit Kulkani vom Investmentberater MKM und prophezeit: "Das wird ein schwerfälliger Verkauf." Die Strategie von Robinhood sei zu schwammig: Einerseits wolle das Unternehmen seine Nutzer zu Langzeit-Anlegern machen. Andererseits animiere es seine Kunden zu viel riskantem Handel. "Da ist zum einen ein Interessenskonflikt", so Kulkani. "Zum anderen fehlen Klarheit und Transparenz."

An der Wall Street fragen sich viele, ob unter der edlen Robinhood-Kappe nicht doch eine schlichte Zocker-Plattform agiert. Altprofis wie Star-Investor Warren Buffett kritisieren, die App fördere durch ihre spielerische Ausrichtung eine "Casino-Mentalität" und verleite junge Menschen zum Geld-Risiko. Ein Generationenkonflikt, sagt Robinhood-Chef Tenev und guckt in die Sterne: "Momentan bekommen wir hier in Nordamerika einen besonders guten Blick auf die Venus." Er sei schließlich auch Amateur-Astronom, sagt der Rächer der Kleinanleger.

Über dieses Thema berichtete NDR Info am 29. Juli 2021 um 11:35 Uhr.