Der Gründer und Chef von Bike24, Andres Martin-Birner (l.), und Finanzchef Timm Armbrust | dpa

Start von Bike24 Börsengänge hoch im Kurs

Stand: 25.06.2021 13:42 Uhr

Der Online-Fahrradhändler Bike24 hat sein Debüt an der Frankfurter Börse gegeben. Besonders Internet-Anbieter wagen derzeit den Sprung aufs Parkett, denn die Zeit ist günstig.

Von Bianca von der Au, ARD-Börsenstudio

Der erste Kurs für die Bike24-Aktie lag bei 15,30 Euro und damit über dem Ausgabepreis von 15 Euro. Das Unternehmen hatte sich ursprünglich allerdings mehr erhofft. Der Ausgabepreis lag am unteren Ende der Spanne, die bis 19 Euro reichte - ein Zeichen dafür, dass die Nachfrage vorab nicht rekordverdächtig war.

Durch den Börsengang erlöst Bike 24 rund 322 Millionen Euro. Der Großteil fließt an den Mehrheitseigentümer Riverside, eine US-Beteiligungsgesellschaft. Rund 100 Millionen Euro bleiben dem Unternehmen selbst. Mit dem Geld will Firmengründer und -Chef Andres Martin-Birner die Expansion in andere europäische Länder vorantreiben. Zuletzt konnte der Versandhändler für Fahrräder, Radfahr-Zubehör und Bekleidung vom Fahrradboom in der Corona-Pandemie profitieren. Seit der Gründung im Jahr 2002 ist Bike24 ordentlich gewachsen.

Zeitpunkt und Umfeld stimmen

Das Unternehmen reiht sich ein in eine ganze Kette von Unternehmen, die in diesem Jahr schon den Sprung aufs Frankfurter Parkett gewagt oder ihn noch vor sich haben. Nach dem heutigen Börsendebüt von Bike24 stehen noch fünf weitere Unternehmen in den Startlöchern: Sie wollen noch vor der Sommerpause an die Frankfurter Börse gehen. Als nächstes ist Ende kommender Woche die Optikerkette Mr. Spex an der Reihe.

Ein Dutzend Börsenneulinge sammelten in diesem Jahr bislang zusammen mehr als acht Milliarden Euro mit ihren Neuemissionen ein. Die Bedingungen sind günstig wie lange nicht, sagt Kapitalmarktstratege Chris-Oliver Schickentanz von der Commerzbank. "Zum einen sind die Kurse kräftig gestiegen, und dann kommen die Börsenkandidaten üblicherweise aus ihren Löchern." Niedrige Zinsen sorgten dafür, dass die Nachfrage bei Investoren groß sei, denn diese suchten nach Verwendungsmöglichkeiten für ihr Kapital, so der Experte.

Abwarten als Strategie

Aber nicht alle Börsenneulinge bringen gleich zu Beginn die gewünschte Wertsteigerung. Die Online-Gebrauchtwagen-Plattform Auto1 beispielsweise wurde im Februar mit einem Erstpreis von 38 Euro je Aktie bewertet, kletterte zwischenzeitlich auf mehr als 50 Euro - und steht aber aktuell unter dem Ausgabepreis.

Kapitalmarktkenner Schickentanz rät daher insbesondere Privatanlegern, wie bei jeder Investition genau hinzuschauen, denn viele Unternehmen kämen in einem relativ frühen Stadium an die Börse. Deshalb solle man zunächst das Verhalten anderer Anleger beobachten, bevor man einsteigt: "Sind die Investoren tatsächlich von diesem Geschäftsmodell überzeugt und dann auch bereit, einen entsprechenden Preis dafür zu zahlen?"

Online-Unternehmen profitierten von Corona

Die meisten Unternehmen, die gerade an die Börse streben, sind Online-Händler wie zum Beispiel About You. Die Plattform bietet einer jungen Zielgruppe individualisiert Mode via App zum Kauf an. About You wird an der Börse mit rund vier Milliarden Euro bewertet - reicht damit aber nicht an die deutlich größeren Platzhirsche wie Amazon oder Zalando heran.

Schlucken die Großen bald den kleineren Konkurrenten? Professor Jörg Funder, Handelsexperte von der FH Worms, glaubt das nicht - zumindest nicht, solange die Newcomer eine gewisse Nische abdeckten. Außerdem sei der Markt groß genug: "Der textile Einzelhandel in Europa wird auf etwa 400 Milliarden Euro Größe geschätzt, dort kann man sich schon mit zwei, drei oder vier Wettbewerbern umtun", so Funder.

Das Einkaufen via Internet habe dank Corona einen nie gekannten Boom erlebt - und dieser Trend dürfte auch nach Ende der Pandemie weiter anhalten: "Wir gehen davon aus, dass wir in den 18 Monaten Corona-Pandemie etwa fünf Jahre Strukturwandel aufgeholt haben." Dieser "Quantensprung" sorge vorwiegend für Geschäftsmodelle, die digital aufgestellt seien, so Flunder. "Und das sorgt nicht nur für deutliche Wachstumsraten, sondern auch für Wachstumsphantasien für die Zukunft."

Über dieses Thema berichtete MDR aktuell am 25. Juni 2021 um 06:00 Uhr.