Die Bank of England in London | picture alliance / empics

Bank of England und SNB Weitere Notenbanken erhöhen Zinsen

Stand: 16.06.2022 15:30 Uhr

Überraschend hat heute die Schweizer Notenbank die Zinsen angehoben. Auch die Bank of England strafft die Geldpolitik weiter. Die Währungshüter sind durch die hohe Inflation unter Zugzwang geraten.

Europas Notenbanken bemühen sich zunehmend um eine Eindämmung der hohen Inflation über höhere Zinsen. Am Morgen überraschte die Zentralbank der Schweiz die Märkte mit der ersten Anhebung des Leitzinses seit dem Jahr 2007. Die Schweizerische Nationalbank (SNB) erhöhte den Zins um einen halben Prozentpunkt. Er bleibt damit aber weiter im negativen Bereich und liegt nun bei minus 0,25 Prozent.

"Preisstabilitätsziel absolut zentral"

Weitere Zinserhöhungen seien nicht ausgeschlossen, um die Inflation mittelfristig zu stabilisieren, erklärte die Zentralbank. In der Schweiz ist die Inflation allerdings wegen des starken Frankens vergleichsweise gering. Im Mai lag sie bei 2,9 Prozent. Für das Gesamtjahr 2022 wird nun nach SNB-Angaben eine Teuerung der Verbraucherpreise um 2,8 Prozent erwartet. Ohne die Leitzinserhöhung würde die Prognose "deutlich höher" ausfallen, so die SNB.

"Es wäre fahrlässig, wenn man inflationäre Entwicklung nicht berücksichtigt", sagte SNB-Präsident Thomas Jordan. Zugleich stellte er weitere Zinsanhebungen bei Bedarf in Aussicht, um die Teuerung unter Kontrolle zu bringen. "Das Preisstabilitätsziel ist für uns absolut zentral."

Thomas Jordan | picture alliance/KEYSTONE

Neuer Kurs: Thomas Jordan, Präsident des Direktoriums der Schweizerischen Nationalbank. Bild: picture alliance/KEYSTONE

Damit setzen die Schweizer Notenbanker neue Prioritäten. Denn schon seit Jahren kämpfen sie gegen den stetigen Aufwärtsdruck der Landeswährung Franken. Diese legt nach dem überraschenden Entscheid am Devisenmarkt deutlich zu.

Schon der fünfte Zinsschritt in Großbritannien

Eine erneute Leitzinserhöhung gab am Nachmittag die Bank of England bekannt. Im Kampf gegen die Inflation setzte sie den Schlüsselsatz um einen Viertelpunkt herauf auf 1,25 Prozent. Dies ist bereits der fünfte Zinsschritt binnen sieben Monaten. Die Entscheidung fiel mit sechs zu drei Stimmen, wobei sich drei Währungshüter vergeblich einen noch größeren Schritt auf 1,50 Prozent gewünscht hatten.

Zuvor hatte am Vorabend die US-Notenbank den Leitzins außergewöhnlich kräftig um 0,75 Prozentpunkte erhöht, um die Inflation einzudämmen. Dies war der größte Zinssprung in den USA seit 1994. Auch die EZB hat bereits eine Zinserhöhung im Juli um 25 Basispunkte angekündigt.

Die Bank von England teilte mit, sie sei bereit "kraftvoll" zu handeln, um die von der hohen Inflation ausgehenden Gefahren einzudämmen. Sie war im Dezember die erste unter den führenden Notenbanken, die seit der Corona-Pandemie die Zinsen angehoben hat. Danach folgten zügig weitere Zinsschritte nach oben. Die Notenbank will damit die starke Inflation bekämpfen, die nach ihren neuen Prognosen nun im Oktober bei etwas über elf Prozent liegen könnte. Im April erreichte die Teuerungsrate im Vereinigten Königreich mit neun Prozent ein 40-Jahres-Hoch.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 16. Juni 2022 um 16:00 Uhr.