Nasdaq Leuchtreklame
Marktbericht

Neuer Nasdaq-Rekord US-Tech-Aktien nicht zu bremsen

Stand: 16.12.2020 22:19 Uhr

Es bleibt dabei - die US-Technologiebörse bleibt im Börsenjahr 2020 weiter das Maß der Dinge. Auch heute gab es neue Rekorde. Aber auch der DAX legte zu, trotz weiter bedrückender Corona-Zahlen.

An der Wall Street bleiben die führenden Aktienindizes weiter auf hohem Niveau, allen voran die Technologiebörse Nasdaq. Dort wurde heute bei 12.687 Punkten ein neuer Rekord erzielt, am Ende ging der Index bei 12.658 Punkten aus dem Handel. Der Leitindex Dow Jones konnte da nicht mithalten, der Schlusskurs lag wenig verändert bei 30.154 Punkten. Der breiter aufgestellte S&P-500-Index legte moderat zu um 0,2 Prozent.

Fed-Entscheid bewegt nicht

Erwartungsgemäß hat die US-Notenbank Federal Reserve am Abend ihre Leitzinsen unverändert zwischen 0,00 und 0,25 Prozent belassen. Die Währungshüter gaben sich etwas zuversichtlicher für die konjunkturelle Entwicklung der Vereinigten Staaten. Die Wirtschaftsleistung dürfte infolge der Corona-Pandemie in diesem Jahr zwar zurückgehen, allerdings dürfte der Rückgang schwächer ausfallen als bisher erwartet.

Die Zinsen bleiben weiter niedrig, die Bank geht davon aus, dass die Sätze auch über die Corona-Krise hinaus bis Ende 2023 nahe Null Prozent gehalten werden. Bankchef Jerome Powell mahnte auf seiner Pressekonferenz erneut fiskalische Hilfen durch die Regierung an und verkündete keine neue Konjunkturhilfen.

Präsident der Federal Reserve Jerome Powell | picture alliance / CNP

Präsident der Federal Reserve Jerome Powell Bild: picture alliance / CNP

Ökonom Friedrich Heinemann vom Mannheimer ZEW liest aus der Fed-Entscheidung folgendes Signal heraus: "Zunächst ist der Kongress am Zug, um auf die erneute Corona-bedingte Verschlechterung am Arbeitsmarkt zu reagieren."

US-Konjunkturprogramm in Sicht

Genau bei diesem Punkt, der auch für die Börse derzeit das entscheidende Thema ist, scheint nun Bewegung in die Washingtoner Politik zu kommen. Im Raum steht eine Summe von über 900 Milliarden Dollar. Demokraten und Republikaner im US-Kongress hätten sich zwar noch nicht auf ein Paket geeinigt, sagte Peter Cardillo, Chef-Volkswirt des Vermögensberaters Spartan. "Sie bewegen sich aber eindeutig in die richtige Richtung. Ein Deal wird bald bekanntgegeben."

DAX springt nach oben

Am deutschen Aktienmarkt haben zur Wochenmitte die Börsenbullen das Kommando übernommen. Der deutsche Leitindex DAX stieg um 1,5 Prozent auf 13.565 Punkte und steht damit so hoch wie seit zehn Monaten nicht mehr. Trotz der weiter kritischen Pandemielage setzen die Anleger damit klar auf ein Erholungsszenario nach der Krise und decken sich entsprechend mit Aktien ein. Sogar das Rekordhoch aus dem Frühjahr bei 13.789 Zählern kommt wieder in Sichtweite. Gestützt wird die Börse auch durch die festen Märkte in Amerika, die auf Rekordkurs sind.

Corona-Lage bleibt ernst

Die unmittelbare Corona-Situation bleibt trotz der Zukunftshoffnungen der Börse aber weiterhin sehr ernst, entsprechend ist das zunächst bis zum 10. Januar geltende Lockdown-Szenario nicht in Stein gemeißelt. Bei der Zahl der Corona-Toten wurde ein neuer Höchststand verzeichnet.

Gute und schlechte Signale von der Konjunktur

Die Unternehmensstimmung im Euroraum hat sich im Dezember deutlich aufgehellt. Der Einkaufsmanagerindex des Forschungsunternehmens IHS Markit stieg zum Vormonat um 4,5 Punkte auf 49,8 Zähler, wie Markit am Mittwoch in London mitteilte. Die Wirtschaft der Eurozone steuere auf eine Stabilisierung zu, kommentierte Markit.

Das Münchner Ifo-Institut hat wegen der Corona-Pandemie seine Konjunkturprognose für 2021 allerdings gesenkt. Die deutsche Wirtschaft könnte demnach im kommenden Jahr um 4,2 Prozent wachsen, deutlich weniger als die bisher erwarteten 5,1 Prozent.

Autos und Versicherungen gefragt

Unter den Einzeltiteln im DAX standen vor allem Auto- und Versicherungsaktien auf dem Kaufzettel der Investoren weit oben. Aber auch Bayer und Tagessieger Delivery Hero gehörten zu den größten Kursgewinnern. Gegen den Trend schwächer tendierten Covestro und BASF.

Euro fällt leicht zurück

Am Devisenmarkt bleibt der Euro auf hohem Niveau, ist aber im späten Geschäft unter 1,22 Dollar geblieben. Zuvor war die Gemeinschaftswährung erstmals seit April 2018 über diese Marke geklettert. Die Europäische Zentralbank (EZB) setzte den Referenzkurs auf 1,2189 (Dienstag: 1,2140) Dollar fest.

Ölpreise ziehen leicht an

Die Ölpreise haben sich am Mittwoch schwer getan bei der Richtungssuche. Am Ende gingen sie etwas höher aus dem Handel und bleiben damit auf hohem Niveau in der Nähe der Höchststände zur ersten Corona-Welle im Frühjahr. Die am Nachmittag vom US-Energieministerium veröffentlichten Rohöllagerbestände bewegten die Ölpreise nicht nachhaltig. In den USA sind die Bestände in der vergangenen Woche überraschend deutlich gefallen. Die Preise für Öl und Gold haben sich heute leicht verteuert. Für eine Feinunze Gold sind 1.850 Dollar zu zahlen.

Bitcoin erstmals über 20.000 Dollar

Die Digitalwährung Bitcoin hat erstmals die runde Marke von 20 000 US-Dollar überschritten. Am Mittwoch kostete die älteste und bekannteste Kryptowährung auf der Handelsplattform Bitstamp bis zu 20.800 Dollar. Damit wurde der bisherige Rekord, der im November mit 19.700 Dollar markiert wurde, klar übertroffen.

Der Bitcoin profitiert schon seit einiger Zeit von mehreren Entwicklungen. Als ein Grund für den Aufmerksamkeitsschub wird immer wieder eine Art Ritterschlag durch Paypal genannt. Der große Bezahldienst will es seinen Kunden ermöglichen, mit Bitcoin und anderen Kryptowährungen zu bezahlen.

Ein weiterer Grund für das steigende Interesse an Digitalgeld dürfte die Corona-Pandemie sein: Aufgrund der extrem lockeren Geldpolitik vieler Notenbanken und der immensen Staatshilfen dürften sich einige Anleger in ihrer kritischen Haltung gegenüber traditionellen Währungen bestätigt sehen.

Banken gegen Dividendenstopp

Die Beschränkung von Dividenden und Aktienrückkäufen durch die EZB-Bankenaufsicht stößt bei den Geldhäusern auf Kritik. "Die Entscheidung der EZB, Ausschüttungen auch weiterhin zu beschränken, belastet die Banken auf Jahre hinaus", sagte Hans-Walter Peters, Präsident des Bankenverbandes BdB, am Mittwoch. Die EZB hatte im März angesichts der Corona-Krise einen Dividendenstopp verlängert. Am Dienstag erklärte die Bankenaufsicht der Europäischen Zentralbank (EZB), die Institute sollten angesichts der zweiten Corona-Welle Gewinne wenn überhaupt nur in sehr eingeschränktem Umfang ausschütten.

VW-Chef will sich gegen Tesla rüsten

Nach dem überstandenen Machtkampf um die Konzernführung richtet Volkswagen-Chef Herbert Diess seine Blicke laut Insidern noch stärker auf das Ringen mit dem Elektrorivalen Tesla. Das Wolfsburger Stammwerk soll sich nach Vorstellung von Diess künftig mit der im Bau befindlichen Tesla-Fabrik in Grünheide bei Berlin messen können, berichtete die Nachrichtenagentur Bloomberg am Dienstagabend .

Deutsche Börse vor Zukauf?

Die Möglichkeit einer milliardenschweren Übernahme belastet den Kurs der Deutschen Börse. Der Börsenbetreiber zähle zu den Kaufinteressenten für die Investment-Plattform Allfunds, berichtete die Nachrichtenagentur Bloomberg unter Berufung auf mit der Sache vertraute Personen. So erwäge der Besitzer Hellman & Friedman auch einen Börsengang des Unternehmens und es könnten auch noch weitere Interessenten auf den Plan treten.

Conti will es alleine schaffen

Der Autozulieferer Continental will die stärkere Ausrichtung auf Zukunftstechnologien aus eigener Kraft stemmen. Der neue Vorstandschef Nikolai Setzer sagte am Mittwoch bei der Präsentation seiner Strategie, das Geschäft mit herkömmlichen Autokomponenten wie Bremsen, Anzeigesystemen und Oberflächenmaterialien sowie das europäische Reifengeschäft solle die Erträge für die Investitionen in Zukunftsfelder aufbringen. Dazu zählte er die Vernetzung, assistiertes und autonomes Fahren und die dafür nötige Software. Die traditionellen Geschäftsfelder sollten regelmäßig daraufhin überprüft werden, "ob Continental der beste Eigentümer ist".

Springer will Beteiligung verkaufen

Der Medienkonzern will eine Mehrheitsbeteiligung an der französischen Autokleinanzeigen-Firma Groupe La Centrale verkaufen. Springer teilte mit, mit Providence Equity Partners darüber exklusive Verhandlungen zu führen. Über finanzielle Details wurde Stillschweigen vereinbart. Der Deal soll nach der Zustimmung der Kartellbehörden im ersten Quartal 2021 über die Bühne gehen. Die Transaktion ist Teil der Springer-Strategie, das Kleinanzeigenportfolio zu straffen, um sich auf die Online-Jobplattform Stepstone und die für Kleinstunternehmen bekannte Immobilienanzeigengruppe Aviv zu konzentrieren.

Grenke sieht sich entlastet

Der nach Manipulationsvorwürfen unter Druck stehende Leasingspezialist Grenke sieht sich in weiteren Punkten entlastet. Der Wirtschaftsprüfer KPMG habe im Rahmen seiner Prüfung bisher keine Anhaltspunkte gefunden, die vermuten ließen, dass das Leasinggeschäft des Konzerns nicht existiere, hieß es heute.

Die Investorengruppe Viceroy Research hatte Grenke Mitte September öffentlich angegriffen und dem Konzern unter anderem ein undurchsichtiges Geschäftsmodell mit unlauteren Praktiken, Scheingewinnen und zu hoch ausgewiesenen Geldbeständen vorgeworfen. Das Grenke-Papier rückte über fünf Prozent vor und war damit einer der größten Gewinner im MDax.

Auch China will Biontech-Impfstoff

Der in Partnerschaft des US-Pharmaherstellers mit dem Mainzer Biotech-Unternehmen BioNTech hergestellte Impfstoff soll im kommenden Jahr auch in China eingesetzt werden. Mindestens 100 Millionen Dosen würden von Shanghai Fosun Pharma nach erfolgreicher Zulassung des Vakzins in der Volksrepublik importiert, teilte der chinesische BioNTech-Partner mit. Für die ersten 50 Millionen Dosen werde Fosun Pharma eine Anzahlung von 125 Millionen Euro leisten. Die Regierung in Peking hat bislang keine Lieferabkommen mit westlichen Arzneimittelherstellern bekannt gegeben.

Zulassungserfolg für Novartis

Novartis hat von einem beratenden Ausschuss der US-Zulassungsbehörde FDA in der Nacht auf Mittwoch eine positive Rückmeldung für das Herzmittel Entresto erhalten. Darin empfehlen die Experten des sogenannten Cardiovascular and Renal Drugs Advisory Committee (CRDAC), den Zulassungsantrag für Entresto zur Behandlung von Patienten mit Herzinsuffizienz mit erhaltener Ejektionsfraktion (HFpEF) anzunehmen. Im Falle einer Zulassung könnte Entresto die erste Therapie sein, die für die Behandlung von Patienten mit HFpEF zugelassen ist.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 16. Dezember 2020 um 17:00 Uhr sowie Deutschlandfunk in der Börse am 16. Dezember 2020 um 07:35 Uhr.