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Marktbericht

DAX und Dow auf Rekordjagd Ende einer denkwürdigen Woche

Stand: 13.08.2021 22:31 Uhr

Sowohl die Wall Street als auch der heimische Markt bleiben nach einer turbulenten Woche auf Rekordkurs. Erneut war dabei der DAX der Star des Tages, er knackte die Marke von 16.000 Punkten.

An der New Yorker Aktienbörse ließen es die Anleger zum Wochenschluss verhalten angehen. Nicht ohne dass sowohl der Leitindex Dow Jones (bei 35.610 Punkten) im Verlauf, als auch der marktbreite S&P-500-Index (mit seinem Schlusskurs bei 4468 Punkten) erneut Rekordmarken erreicht hätten. Aber wie schon gestern konnte der Dow die hohen Niveaus in der Folge nicht verteidigen und bewegte sich wenig.

Der Dow Jones ging letztlich bei 35.515 Punkten aus dem Handel, ein Mini-Tagesgewinn von 0,04 Prozent. Im Wochenvergleich rückte der Leitindex der US-Standardwerte damit um 0,9 Prozent vor. Der Schlussrekord beim S&P-500-Index bedeutete ein Plus von 0,18 Prozent. Kaum bewegt ging die Technologiebörse Nasdaq bei 14.822 Punkten aus dem Handel, einzig der Auswahlindex Nasdaq 100 beendete den Handel bei 15.136 Punkten um 0,32 Prozent etwas höher.

US-Rentenmarkt im Aufwind

Die Kurse von US-Staatsanleihen haben am Freitag ihre Anfangsgewinne deutlich ausgebaut. Der Terminkontrakt für zehnjährige Treasuries (T-Note-Future) stieg um 0,36 Prozent auf 133,94 Punkte. Die Rendite für zehnjährige Staatsanleihen betrug 1,30 Prozent. Die jüngste Entwicklung der Corona-Krise in China mit der Schließung wichtiger Container-Terminals für den internationalen Seehandel dämpfte an den Märkten die Risikofreude der Investoren, während festverzinsliche Papiere etwas Auftrieb erhielten.

Streamingdienst und Freizeitparks treiben Disney an

Unter den Einzelwerten lagen Aktien des Unterhaltungsriesen Walt Disney im Dow in Front und gewannen ein Prozent. Allerdings gingen die meisten Gewinne im Verlauf verloren, so dass die Aktie am Tagestief schloss.

Das Unternehmen hat sich nach heftigen Geschäftseinbußen in der Corona-Krise wieder berappelt. Vor allem der hauseigene Streamingdienst Disney+ und die wieder geöffneten Freizeitparks kurbelten das Geschäft an. In den drei Monaten bis Anfang Juli wuchsen die Erlöse um 45 Prozent auf 17,0 Milliarden Dollar, wie Disney am Vorabend nach Börsenschluss mitgeteilt hatte. Unter dem Strich machte Disney einen Gewinn von 923 Millionen Dollar nach einem Minus 4,7 Milliarden Dollar im Vorjahresquartal.

Damit übertraf der Konzern die Erwartungen der Analysten deutlich. Analyst Kutgun Maral von der kanadischen Bank RBC schrieb, mit den Neukunden für den Streaming-Dienst Disney+ habe der Unterhaltungskonzern mal wieder die Erwartungen geschlagen. Dem Unternehmen stünden angesichts der Markteinführung neuer Angebote zwei weitere gute Quartale bevor.

DAX erstmals über 16.000 Punkte - dritter Rekordtag in Folge

Erstmals in seiner Geschichte hat der DAX heute die Marke von 16.000 Punkten überschritten. Die neue Bestmarke im deutschen Leitindex liegt nun bei 16.030 Zählern, es war zudem der dritte Rekordtag in Folge. Allerdings konnte der deutsche Leitindex das Niveau am Nachmittag nicht halten und fiel wieder moderat zurück.

Was allerdings nicht ungewöhnlich ist, wenn nach zahlreichen Versuchen eine wichtige Chartmarke geknackt wird. Am Ende des Tages schloss der deutsche Leitindex bei 15.977 Punkten um 0,25 Prozent im Plus. Auf Wochensicht ergibt sich ein Gewinn von knapp 1,4 Prozent.

Der MDAX der mittelgroßen Werte kam am Freitag mit plus 0,32 Prozent auf 35.918 Punkte knapp an sein Rekordhoch vom Dienstag heran. Mit erstmals über 17.000 Punkten machte der Nebenwerteindex SDAX einen Satz nach oben und schloss mit einem Plus von 1,42 Prozent bei 17.115 Zählern.

Der DAX holt auf

Der Index folgte damit der Wall Street, die sich schon länger auf Rekordkurs befindet. Spätestens seit mit den jüngsten US-Inflationsdaten Zinsängste abgeebbt waren, gewinnt der Markt auch hierzulande an Kraft. Viele Anleger gehen nun fürs Erste von einer Fortsetzung der ultra-lockeren Geldpolitik der Federal Reserve (Fed) aus. Die Geldflut der Notenbanken (auch der EZB) ist der wohl wichtigste Kurstreiber der globalen Aktienmärkte.

"Mit den neuen Allzeithochs hat sich die Stimmung auf dem Parkett deutlich verbessert", sagte Portfolio-Manager Thomas Altmann vom Vermögensverwalter QC Partners. "Wir sehen wieder Neu-Einstiege und Aufstockungen von Positionen."

Hält die positive Tendenz an, besteht nach Ansicht von Marktstratege Jochen Stanzl vom Handelshaus CMC Markets für die kommende Woche eine gute Chance auf weitere Bestmarken über der 16.000er-Marke.

Starke Berichtssaison geht zu Ende

Die Berichtssaison der Unternehmen stand heute nochmals stärker im Fokus, sie neigt sich damit allerdings dem Ende zu. Insgesamt fünf DAX-Unternehmen sowie zahlreiche Firmen aus der zweiten Reihe haben in dieser Woche ihre Bücher geöffnet.

Aktienstratege Frank Klumpp von der Landesbank Baden-Württemberg stellte fest: "Bei allen Risiken rund um Corona und eine weniger lockere US-Geldpolitik ließen sich die Anleger an den Aktienmärkten nicht aus der Sommerruhe bringen. Schließlich präsentierten sich die Unternehmen anlässlich der Berichtssaison zum zweiten Quartal zumeist in glänzender Verfassung."

Inzwischen hätten nahezu alle DAX-Unternehmen ihre Zahlenwerke zum zweiten Quartal vorgelegt. "Bereits jetzt lässt sich konstatieren: In der Gesamtbetrachtung entwickelten sich die Gewinne deutlich stärker als erwartet", betonte Klumpp. Knapp 70 Prozent der Unternehmen aus der ersten Börsenliga hätten die Gewinnerwartungen übertroffen, der Rest habe wie erwartet abgeschnitten. Im historischen Vergleich lasse sich diese Gesamtbilanz als sehr positiv bewerten.

Adidas an der DAX-Spitze

Beim Blick auf die Einzeltitel im DAX lagen Adidas-Papiere heute vorne, hier wirkte der Verkauf der Tochter Reebok noch positiv nach. Umgekehrt standen Henkel-Aktien nach den gestrigen Quartalszahlen am Indexende. Diese kamen nicht gut an, ebenso wie das Zahlenwerk von Delivery Hero. Zwar zogen die Umsätze an, die Profitabilität ging aber zurück - so etwas hört man an der Börse nicht gerne.

Heute hat Deutsche Wohnen als fünfter DAX-Wert in der laufenden Woche berichtet. Mit dem Übernahmeangebot durch Vonovia für 53 Euro ist bei der Aktie allerdings die Luft raus.

Adidas-Analysten äußern sich zu Reebok

Nachdem Adidas den US-Sportartikelkonzern Reebok zurück in die USA verkauft hat, kamen auch die ersten Analystenstimmen. Die US-Investmentbank Goldman Sachs hat die Einstufung für Adidas mit Blick auf den Verkauf der Marke Reebok auf "Buy" mit einem Kursziel von 360 Euro belassen. Der Verkaufspreis von 2,1 Milliarden Euro entspreche dem 1,2-fachen des von Reebok im Jahr 2019 erzielten Umsatzes, schrieb Goldman in einer ersten Einschätzung.

Die Schweizer Großbank UBS hat die Einstufung für Adidas auf "Buy" mit einem Kursziel von 371 Euro belassen. Die Bewertung von Reebok decke sich mit dem in der Sportartikelbranche Üblichen, schrieb Analystin Zuzanna Pusz in einer am Freitag vorliegenden Studie. Der Konzern könne sich nun ganz auf die Marke Adidas konzentrieren in einer Branchenwelt, in der vor allem Größeneffekte zählten.

Die Investmentbank Kepler Cheuvreux hat die Einstufung für Adidas auf "Buy" mit einem Kursziel von 317 Euro belassen. Der von der Authentic Brands Group (ABG) bezahlte Preis von insgesamt bis zu 2,1 Milliarden Euro für Reebok sei deutlich höher, als er erwartet habe, schrieb Analyst Jürgen Kolb in einer am Freitag vorliegenden Studie.

Deutsche Wohnen verdient mehr

Im DAX macht auch die Deutsche Wohnen auf sich aufmerksam. Der Berliner Immobilienkonzern hat im ersten Halbjahr mehr verdient und seine Jahresprognose bestätigt. Das Ergebnis aus dem operativen Geschäft (FFO I) stieg im Vergleich zum Vorjahr um zwei Prozent auf 291,4 Millionen Euro. Branchenprimus Vonovia will den Berliner Konkurrenten im dritten Anlauf schlucken und die neue öffentliche Offerte dafür noch im August vorlegen.

Euro legt nach schwachen US-Verbraucherdaten zu

Die europäische Gemeinschaftswährung behauptete im US-Handel nach einem schwächer als erwartet ausgefallenen Konsumentenvertrauen der Uni Michigan ihre Gewinne - und ringt dabei mit der Marke von 1,18 Dollar, die kurz übersprungen wurde. Sie legt damit gegenüber dem Dollar rund 0,6 Prozent zu. Im Wochenverlauf war der Euro noch bis auf 1,17 Dollar gefallen, eher er nach moderat ausgefallenen US-Preisdaten wieder Boden gut machte.

Diese Tendenz setzte sich heute fort. Denn wegen stark steigender Preise hat sich die Stimmung der US-Konsumenten im August so stark eingetrübt wie seit Dezember 2011 nicht mehr. Das Barometer für die Verbraucherlaune sank auf 70,2 Zähler von 81,2 im Juli, wie die Universität Michigan am Freitag unter Berufung auf ihre monatliche Umfrage mitteilte. Ökonomen hingegen hatten mit einer Stagnation gerechnet.

Auch die freundliche Stimmung an den europäischen Aktienmärkten stützten den Euro etwas. In der Eurozone wurden keine marktbewegenden Daten veröffentlicht. Die Europäische Zentralbank (EZB) setzte den Referenzkurs auf 1,1765 (Donnerstag: 1,1739) US-Dollar fest.

Ölpreise weiter unter Druck

Nachfragesorgen lasteten weiterhin auf den Ölpreisen, die beiden führenden Sorten Brent und WTI verloren ein Prozent. Die Internationale Energiebehörde (IEA) rechnet damit, dass die Ölnachfrage im Laufe des Jahres wegen neuer Pandemiebeschränkungen - insbesondere in Asien - sinken wird. Die Feinunze Gold legte mit dem schwachen Dollar zu und kostete mit 1778 Dollar 1,4 Prozent mehr.

Rückschlag für Volkswagen

Der Volkswagen-Konzern hat im Juli einen deutlichen Dämpfer bei den weltweiten Verkäufen erlitten. Im vergangenen Monat sorgten vor allem die beiden größten Märkte, China und Westeuropa, für einen herben Rückgang der Auslieferungen auf 720.200 Fahrzeuge, wie die Wolfsburger am Freitag mitteilten. Das waren 18,7 Prozent weniger als im Vorjahresmonat.

Seit Jahresbeginn liegt Volkswagen von Januar bis Juli mit knapp 5,7 Millionen ausgelieferten Autos und Nutzfahrzeugen aber noch fast ein Fünftel über dem von der Corona-Pandemie gezeichneten Vorjahreszeitraum, als wegen geschlossener Autohäuser und Fabriken teils über Monate kaum Autos verkauft werden konnten. VW-Vorzüge gaben im DAX ein halbes Prozent nach.

Finanzinvestor will Zooplus übernehmen

Der US-Finanzinvestor Hellman & Friedman will den Online-Tierbedarfshändler Zooplus aus München übernehmen und bietet 390 Euro in bar je Zooplus-Aktie. Damit entspricht die Offerte einem Unternehmenswert von knapp 2,8 Milliarden Euro. Vorstand und Aufsichtsrat begrüßten das Angebot und beabsichtigen, den Aktionären die Annahme zu empfehlen. Die Zooplus-Aktie springt um über 40 Prozent auf 394 Euro in die Höhe und damit sogar über den Angebotspreis.

Starke Lkw-Nachfrage hält Knorr-Bremse auf Kurs

Eine starke Nachfrage nach Nutzfahrzeugen hat den Lkw- und Zugbremsen-Hersteller Knorr-Bremse im zweiten Quartal weiter angetrieben. Der Auftragsbestand kletterte zur Jahresmitte auf knapp 5,2 Milliarden Euro und erreichte damit ein Rekordniveau. Unter dem Strich entfiel auf die Aktionäre ein Gewinn von 164 Millionen Euro, ein Plus von rund 60 Prozent. Vorstandschef Jan Mrosik sieht Knorr-Bremse auf gutem Weg zu seinen Jahreszielen.

Varta verfehlt Erwartungen

Der Batteriekonzern Varta hat im ersten Halbjahr nicht so viel Geschäft machen können wie von Experten erwartet. Der Umsatz kletterte gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 1,8 Prozent auf 397,6 Millionen Euro. Das operative Ergebnis bereinigt um Sondereffekte sowie vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen legte um zehn Prozent auf 112,3 Millionen Euro zu. Sowohl beim Umsatz als auch beim operativen Ergebnis hatten sich Analysten zuvor im Schnitt mehr ausgerechnet.

Deutsche Euroshop hofft auf zweites Halbjahr

Der auf Einkaufszentren spezialisierte Immobilienkonzern Deutsche Euroshop setzt nach deutlichen Rückgängen bis Ende Juni auf ein besseres Geschäft in der zweiten Jahreshälfte. "Mit dem Ende des Lockdowns wurde ein wichtiger Meilenstein in Richtung einer Normalisierung des Wirtschaftslebens erreicht", teilte das SDAX-Unternehmen am Donnerstagabend mit. Die Wiedereröffnungen stimmten optimistisch für die zweite Jahreshälfte.

Airbnb warnt vor Delta-Gefahren

Beim Apartment-Vermittler Airbnb läuft es nach dem Geschäftseinbruch in der Corona-Krise wieder besser. Im zweiten Quartal legte der Umsatz im Jahresvergleich um fast 300 Prozent auf 1,3 Milliarden Dollar zu. Seinen Nettoverlust konnte Airbnb von 576 auf 68 Millionen Dollar verringern. Angesichts der jüngsten Corona-Welle durch die besonders ansteckende Delta-Variante warnte der Konzern jedoch vor neuen Belastungen und möglichen Rückschlägen für die Tourismus-Branche.

Amazon: "Herr der Ringe" zieht nach Großbritannien um

Die Hobbits, Elben und Orks aus Mittelerde ziehen um: Die Amazon-Streamingserie "Der Herr der Ringe" wird künftig nicht mehr in Neuseeland gedreht - sehr zum Unmut der Regierung in Wellington. Nach Angaben von Amazon Studios soll ab Staffel 2 in Großbritannien gedreht werden. Derzeit sind fünf Staffeln geplant. Starttermin der kostspieligen Fantasyserie bei Amazon Prime Video ist Herbst 2022.

Über dieses Thema berichtete BR24 aktuell am 13. August 2021 um 18:13 Uhr in der Börse.