Händler an der New York Stock Exchange | picture alliance / ZUMAPRESS.com
Marktbericht

Ruhiger Wochenstart Wall Street tritt auf der Stelle

Stand: 15.11.2021 22:21 Uhr

Auch das gibt es an der Wall Street - kaum Bewegung bei den großen Indizes und damit ein verhaltener Wochenauftakt. Spannend war es aber trotzdem, vor allem zwei Schwergewichte standen im Fokus.

In New York sah es heute nur zu Handelsbeginn so aus, als könnte es deutlicher bergauf gehen. Danach aber beruhigte sich das Geschehen. Die großen Aktienindizes konnten ihre Anfangsgewinne im Verlauf nicht behaupten. Am Ende schlossen sie nahe ihrer Schlusskurse vom Freitag und dabei meist leicht im Minus. Insgesamt blieben die Schwankungen damit überschaubar.

Angesichts anziehender Anleiherenditen waren vor allem Technologie-Aktien im Fokus, der Nasdaq-Composite-Index schloss 0,07 Prozent tiefer bei 15.853 Punkten. Der Auswahlindex Nasdaq 100 ging bei 16.189 Zählern ebenfalls kaum verändert aus dem Handel. "Die Zinssätze werden einen gewissen Druck auf die Technologiewerte ausüben", sagte Jay Pestrichelli, Geschäftsführer der Investmentfirma Zega Financial. Bei höheren Zinsen sei eine Umschichtung in Finanzwerte sinnvoll. "Höhere Zinsen bedeuten, dass die Banken mehr Geld verdienen."

Auch der Leitindex Dow Jones endete letztlich ebenfalls ganz leicht um 0,04 Prozent im Minus bei 36.087 Punkten. Der marktbreite S&P-500-Index schloss nahezu unverändert bei 4682 Punkten.

Als Stütze erwiesen sich aber robuste Konjunkturdaten: Die Industriestimmung in New York hellte sich deutlich auf. Der Anstieg des sogenannten Empire-State-Index, einem wichtigen Frühindikator für die wirtschaftliche Entwicklung, fiel zudem stärker als erwartet aus. Auch wenn die Berichtssaison der Unternehmen mittlerweile ausläuft, trudelten immer noch vereinzelt Resultate ein, die überwiegend positiv aufgenommen werden.

Boeing und Tesla im Fokus

Auch an einem ruhigen Tag wie heute sorgten Schwergewichte wie der E-Autobauer Tesla und der Flugzeugbauer Boeing für Schlagzeilen. Im Dow Jones bauten Boeing Aktien gegen den Trend ihre Gewinne aus. Sie stiegen über fünf Prozent und standen damit an der Indexspitze. Heute hatten bereits die Titel des europäischen Rivalen Airbus von Meldungen über neue Aufträge anlässlich der Luftfahrtschau in Dubai profitiert.

Dagegen büßten Tesla-Aktien erneut um bis zu 5,3 Prozent auf 978,60 Dollar ein, erholten sich dann aber im Verlauf wieder. Insgesamt setzten sie die Talfahrt aus der Vorwoche aber fort, am Ende stand ein Minus von 1,94 Prozent auf dem Laufband bei 1013 Dollar.

Der Börsenwert von Tesla rutschte zwischenzeitlich erneut unter die Marke von einer Billion Dollar. Für Aufsehen sorgte ein an US-Senator Bernie Sanders gerichteter Tweet von Konzernchef Elon Musk, in dem Musk fragte, ob Sanders wolle, dass er noch mehr Aktien veräußere. Da Musk bisher nur etwa drei Prozent seiner Tesla-Aktien verkauft hat, werden weitere Aktienverkäufe erwartet. Musk hatte nach einer Twitter-Abstimmung die Veräußerung von zehn Prozent seiner Anteile in Aussicht gestellt und damit eine Verkaufswelle der wertvollsten Auto-Aktie der Welt ausgelöst.

DAX trotz der Corona-Krise

Der DAX hat am Montag an seine Tendenz vom Freitag angeknüpft und moderat zugelegt. Am Ende des Tages stand ein Zuwachs von 0,34 Prozent auf 16.148 Punkte auf der Anzeigetafel der Frankfurter Börse. Im Verlauf markierte der Index dabei auch nur knapp darüber ein weiteres Rekordhoch bei 16.149 Punkten und gibt sich damit weiterhin keine Blöße. Das alte Allzeithoch datiert vom Freitag und lag bei 16.123 Zählern.

DAX stabil aufwärts

"Die Spitzenwerte, die wir sehen, werden durch den erwarteten Kaufrausch vor den Weihnachtsfeiertagen getrieben, wobei die kontinuierliche Verbesserung der Geschäftstätigkeit die Aussichten für die europäischen Märkte verbessern dürfte", sagte Kunal Sawhney, Chef des Analysehauses Kalkine.

Tagessieger waren denn auch Zalando, die Aktie des Online-Händlers legte um 4,3 Prozent kräftig zu. Auch RWE und HelloFresh gehörten zu den Anlegerfavoriten. Schlusslicht war die T-Aktie. Nach den guten Zahlen vom Freitag nahmen die Anleger Gewinne mit.

Der Markt trotzt der Corona-Dramatik

Nicht beirren lassen sich die Anleger derzeit von der dramatischen Corona-Lage. In Deutschland ist die Inzidenz auf über 300 gestiegen und damit so hoch wie noch nie in den drei vorherigen Infektionswellen. Als erstes Land in Europa führte die österreichische Regierung am Sonntag angesichts neuer Höchstwerte bei den Corona-Infektionszahlen einen Lockdown für Ungeimpfte ein.

Lagarde hält die Zinsen niedrig

Übergeordnet kam heute Unterstützung durch die EZB. Bankchefin Christine Lagarde bekräftigte erneut, 2022 sei eine Zinserhöhung sehr unwahrscheinlich. Auf eine Spekulation über den Leitzins im Jahr 2023 wollte sie sich aber nicht einlassen.

Bei einer Anhörung im Europaparlament räumte sie heute zwar ein, dass der kräftige Inflationsschub länger anhalten dürfte als ursprünglich gedacht. Doch sei derzeit keine Abkehr von der Politik des billigen Geldes angezeigt: "Falls wir jetzt Straffungsmaßnahmen einleiten sollten, würde das wesentlich mehr Schaden anrichten als Gutes bewirken." Selbst eine Straffung auf kurze Sicht anzudeuten, würde der Wirtschaft im Euroraum schaden. Diese sei auf dem Weg der Besserung und könne gegen Jahresende ihr Vorkrisenniveau übertreffen.

Euro und Öl im Rückwärtsgang

Ein weiterer Grund für den Optimismus der Anleger kommt vom Devisenmarkt. Denn der Euro neigt weiter zur Schwäche und notiert im US-Handel bei 1,1364 Dollar und damit auf dem dem tiefsten Stand seit Sommer 2020. Die robusten US-Konjunkturdaten und die Aussagen von Frau Lagarde drückten den Eurokurs weiter in die Tiefe. Die Europäische Zentralbank (EZB) setzte den Referenzkurs auf 1,1444 (Freitag: 1,1448) Dollar fest.

Ein günstiger Euro/Dollar-Kurs stärkt die Nachfrage nach deutschen Produkten im Dollar-Raum und ist somit eine gute Nachricht für die schwer gewichtete Exportindustrie im DAX.

Die Ölpreise starten derweil kaum verändert in die neue Handelswoche, hatten aber zuvor meist im Minus gelegen. Seit einiger Zeit spekulieren Marktteilnehmer über einen Rückgriff auf die strategischen Ölreserven der USA. US-Präsident Joe Biden wird auch aus den eigenen Reihen dazu gedrängt.

Unsicherheitsfaktor Biden-Xi

Für Unsicherheit unter den Marktteilnehmern könnte aber die heutige Nacht (Dienstag, 1.45 Uhr MEZ) anstehende Videokonferenz des US-Präsidenten mit dem chinesischen Staats- und Parteichef Xi Jinping sorgen.

Joe Biden kündigte im Vorfeld an, er werde im Umgang mit China auf einen "harten Wettbewerb" setzen, wolle einen offenen Konflikt aber verhindern. Neue Verwerfungen zwischen den beiden Handelsgroßmächten würden an den Märkten aller Voraussicht nach für Turbulenzen sorgen.

RWE erhöht Prognose für 2022

Der Energiekonzern RWE wird angesichts guter Erträge optimistischer für 2022. Das bereinigte Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen werde konzernweit auf 3,3 bis 3,6 Milliarden Euro steigen, teilte der DAX-Konzern beim Kapitalmarkttag mit. Beim bereinigten Nettoergebnis strebe man nun 1,1 bis 1,4 Milliarden Euro an.

Auf der Konferenz stellte das Unternehmen auch seine neue Strategie bis 2030 mit dem Titel "Growing Green" vor. Bis 2030 will der Konzern insgesamt 50 Milliarden Euro im Kerngeschäft investieren, zu dem RWE die Stromerzeugung aus Erneuerbaren Energien und Gas sowie den Energiehandel zählt. An der Börse kamen die Pläne gut an, RWE-Papiere zählten zu den größten Gewinnern im DAX.

Großauftrag beflügelt Airbus-Aktie

Der Flugzeugbauer Airbus hat auf der Dubai Airshow einen Großauftrag erhalten. Indigo Partners habe 255 Maschinen der Typfamilie A321neo bestellt, teilte der europäische Konzern mit. Zu Indigo Partners gehören die ungarische Wizz Air, die US-Gesellschaft Frontier, die mexikanische Volaris und die in Chile und Argentinien beheimatete JetSmart. Die Airbus-Aktie gehörte im DAX zu den größten Gewinnern und legte rund 1,7 Prozent zu.

Steigende Inflation: Deutsche-Bank-Chef sieht EZB am Zug

Deutsche-Bank-Chef Christian Sewing hat angesichts steigender Inflationsraten zu einem Ende der ultralockeren Geldpolitik aufgerufen. "Das vermeintliche Allheilmittel in den vergangenen Jahren - niedrige Zinsen bei vermeintlich stabilen Preisen - hat seine Wirkung verloren, denn jetzt kämpfen wir mit deren Nebenwirkungen", sagte Sewing, der auch Präsident des Bundesverbandes deutscher Banken (BdB) ist, zum Auftakt der "Euro Finance Week" in Frankfurt.

Deutsche Bank will Kernkapital stärken

Unterdessen will sich die Deutsche Bank am Finanzmarkt weiteres Kapital beschaffen. Der DAX-Konzern kündigte die Ausgabe sogenannter AT1-Papiere an, die er sich als zusätzliches Kernkapital anrechnen kann. Sie sollen ein Volumen im Benchmark-Bereich haben. Darunter versteht man im Allgemeinen Summen ab einer halben Milliarde Euro.

Analystenstudie treibt Lufthansa

Die Schweizer Großbank UBS hat Lufthansa von "Sell" auf "Neutral" hochgestuft und das Kursziel von 4,90 auf 7,05 Euro angehoben. Der Ausblick für die Airline habe sich aufgehellt, schrieb Analyst Jarrod Castle. Die Fortschritte im dritten Quartal veranlassten zur Annahme, dass der Konzern im Jahr 2024 eine Marge von über acht Prozent erreichen werde.

Rohstoffkosten vermiesen Nordex-Bilanz

Gestiegene Kosten für Rohstoffe und Transporte haben dem Windkraftanlagen-Hersteller Nordex im dritten Quartal einen Verlust eingebrockt. Unter dem Strich stand ein Minus von knapp 40 Millionen Euro nach knapp 73 Millionen Gewinn ein Jahr zuvor. Nach den ersten neun Monaten summiert sich der Verlust nun auf fast 104 Millionen Euro.

Apple will mit koreanischer Serie an Netflix-Erfolg anknüpfen

Der Streamingdienst Apple TV+ will mit seiner ersten koreanischen Originalserie zu dem Erfolg von "Squid Game" seines Konkurrenten Netflix aufschließen. Zeitgleich mit dem Start seiner Plattform in Südkorea veröffentlichte der US-Technologiekonzern die Sci-Fi-Serie "Dr. Brain", die auf dem gleichnamigen koreanischen Web-Comic basiert.

Shell will Steuersitz nach Großbritannien verlegen

Der niederländisch-britische Ölriese Shell will seinen Steuersitz von den Niederlanden nach Großbritannien verlegen. Shell wolle seine Struktur vereinfachen, teilte das Unternehmen mit. Das bedeute auch die Verlegung des Steuersitzes in das Land, wo Shell registriert sei. Die Aktionäre sollen über den Plan am 10. Dezember abstimmen. Die Regierung in Den Haag erklärte, sie sei "unangenehm überrascht".

Über dieses Thema berichtete am 15. November 2021 tagesschau24 um 09:00 Uhr und die tagesschau um 12:00 Uhr.