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Marktbericht

Dow Jones im Fokus Erholung an der Wall Street

Stand: 06.12.2021 22:20 Uhr

Abebbende Omikron-Sorgen der Anleger haben der Wall Street eine starke Gegenbewegung beschert. Star des Tages war der Leitindex Dow Jones, aber auch die Nasdaq legte im Verlauf wieder stärker zu.

Die Börsenbullen haben zum Wochenauftakt an der Wall Street kräftig das Zepter geschwungen. Aktien waren wieder gefragt, nachdem Sorgen um die neue Omikron-Variante in den Hintergrund traten. Auch wenn die Datenlage weiter als dünn gilt, hieß es am Markt, Omikron habe ein wenig den Schrecken verloren wegen hoffnungsvollerer Nachrichten aus Südafrika. Berichte darüber, dass Infektionen mit der Virusvariante weniger dramatisch verlaufen könnten, ermutigten Anleger wieder verstärkt zum Kauf.

Dow Jones wieder über 35.000 Punkte

Vor allem der Leitindex Dow Jones präsentierte sich heute an der New Yorker Börse sehr robust. Er gewann 1,87 Prozent auf 35.227 Punkte, in der Spitze war er sogar bis 35.356 Punkte oder um fast 2,2 Prozent gestiegen. Der marktbreite S&P-500-Index stieg um 1,17 Prozent auf 4591 Punkte.

Laut Marktbeobachtern schichten Anleger angesichts der Anzeichen für eine Straffung der US-Geldpolitik zunehmend von Technologiewerten in Papiere klassischer Branchen um. Der am Freitag veröffentlichte Arbeitsmarktbericht für November war zwar etwas durchwachsen ausgefallen, aber laut Experten gut genug, dass die US-Notenbank Federal Reserve (Fed) rascher als noch zuletzt gedacht ihre Anleihekäufe zurückfahren könnte.

Was vor allem für die Papiere aus klassischen Industriezweigen und jenen Branchen galt, die für Entwicklungen in der Corona-Krise besonders anfällig sind. Im Reisesektor zum Beispiel waren die Papiere von Fluggesellschaften rasant im Steigflug, und auch bei Kreuzfahrt-Aktien griffen die Anleger wieder zu. Umgekehrt sank das Interesse an Impfstoffaktien rapide, wie Rücksetzer um 18,6 und 13,5 Prozent bei Biontech oder Moderna zeigten.

Nasdaq dreht ins Plus

Das Bemerkenswerteste an diesem Tag war aber wohl, dass auch die Technologiebörse Nasdaq im Verlauf nicht nur anfängliche Verluste komplett wieder aufholte, sondern sogar noch deutlich ins Plus drehte. Der Composite-Index rückte am Ende um 0,93 Prozent auf 15.225 Punkte, der Auswahlindex Nasdaq 100 um 0,85 Prozent auf 15.846 Zähler vor.

Dies, obwohl die sich andeutende Zinswende der Notenbank Federal Reserve (Fed) für Gegenwind sorgt. Denn die Geschäftsmodelle der hochbewerteten Technologie-Firmen weisen meist meist höhere Refinanzierungskosten auf als die der "Old Economy". Zwar kommt die Entwicklung nicht überraschend, und die Gewinne zuvor waren atemberaubend, der Nasdaq droht vor diesem Hintergrund aber das Momentum abhanden zu kommen.

DAX mit Happy-End

Der heimische Aktienmarkt hat sich zum Wochenstart sehr volatil präsentiert und knüpfte damit nahtlos an die heftigen Schwankungen der Vorwoche an. Der deutsche Leitindex DAX bewegte sich dabei V-förmig durch den Tag, was stets ein Zeichen für eine erhöhte Nervosität der Anleger ist. Am Ende hatten dann aber die Börsenbullen, also die Optimisten, das bessere Ende für sich.

Der Index schloss letztlich um 1,39 Prozent höher bei 15.380 Punkten und damit in der Nähe seines Tageshochs bei 15.415 Punkten. Er gewann absolut damit etwas über 210 Punkte und hat damit die 200-Tage-Linie wieder knapp erreicht. Die Linie gilt als wichtiger Trendindikator im Rahmen der technischen Analyse.

Nach einem solchen Happy-End hatte es zwischenzeitlich nicht ausgesehen, denn nach flottem Start war der Index zunächst zurückgefallen und markierte am späten Vormittag bei 15.150 Punkten sein Tagestief. Mit deutlichen Kursgewinnen des US-Leitindex Dow Jones im Rücken ging es dann am Nachmittag aber wieder genau so schnell bergauf.

Omikron-Sorgen etwas relativiert

Die derzeit hohe Volatilität ist weiterhin der zuletzt aufgetauchten Corona-Mutation Omikron geschuldet. Denn insgesamt fehlen weiterhin fundierte Informationen zum Virus, was für Nervosität und Unsicherheit an der Börse sorgt. Hinzu kommen Anzeichen für eine früher als bisher erwartet beginnende Zinswende in den USA.

Für Zuversicht in Sachen Omikron sorgten heute Aussagen von Gesundheitsbehörden in Südafrika und den USA, wonach mit der Corona-Variante bislang keine schweren Krankheitsverläufe verbunden werden.

"Die Verluste der letzten Woche werden in dieser Woche wahrscheinlich wieder aufgeholt, wenn die Leute sehen, dass Omikron nicht so tödlich ist wie frühere Mutationen und die Europäische Zentralbank an ihrer vorübergehenden Inflationslinie festhält", sagte Stuart Cole, Ökonom des Brokerhauses Equiti Capital. Im Gegensatz zu den USA ist in Europa weit und breit kein Wechsel des Zinsregimes in Sicht.

Drei Zinserhöhungen in den USA 2022?

Anleger spekulieren mittlerweile darauf, dass die Fed ihre Anleihenkäufe ab Januar monatlich um 30 Milliarden Dollar reduzieren könnte. Das Tempo würde sich damit verdoppeln, bereits im März könnte das sogenannte "Tapering" beendet sein. Dann wäre der Weg frei für Zinserhöhungen.

"Die US-Futures preisen bis Ende 2022 drei Leitzinserhöhungen der Fed ein", betont Marktexperte Robert Rethfeld von Wellenreiter-Invest. Die erste Zinssenkung könnte im Juni, vielleicht sogar bereits im Mai erfolgen. Steigende Zinsen machen Aktien im Vergleich zu Anleihen weniger attraktiv.

Evergrande-Pleite-Ängste neu geschürt

Derweil wurden die Sorgen der Anleger mit Blick auf den chinesischen Immobiliensektor heute wieder größer. Ängste vor einer Zahlungsunfähigkeit haben den Aktienkurs des zweitgrößten chinesischen Immobilienentwicklers Evergrande an der Hongkonger Börse um rund 20 Prozent auf ein Rekordtief fallen lassen. Mit Sunshine 100 China Holdings hat ein weiterer chinesischer Immobilienentwickler Probleme bei der Bedienung eines Großkredits eingeräumt.

"Auch wenn es der Regierung in Peking in den letzten beiden Jahrzehnten immer erstaunlich gut gelang, platzende Spekulationsblasen am Immobilienmarkt und deren Folgen ohne Ansteckungseffekte für die Weltwirtschaft zu verwalten, ist nicht gesagt, dass es auch dieses Mal gelingt", warnt Marktanalyst Jochen Stanzl von CMC Markets.

Bitcoin-Kurssturz als Warnsignal

Ein Warnsignal für die Aktienmärkte sind derweil auch die Turbulenzen an den Kryptobörsen. Der Bitcoin war am Wochenende zeitweise um über 20 Prozent in die Tiefe gerauscht. Zu Wochenbeginn stabilisierte er sich bei etwas über 49.000 Dollar.

Experten stellen den Kurs der Krypto-Währungen gerne in einen Zusammenhang mit der generellen Risikobereitschaft der Investoren. Von einer "Risk off"-Bewegung spricht man dabei an der Börse, wenn Anleger bei riskanten Anlagen wie Kryptowährungen aber auch Rohstoffen und Aktien aussteigen.

Ölpreise wieder auf dem Vormarsch

Steigende Konjunkturhoffnungen werden jedoch gerne mit einem steigenden Ölpreis verknüpft. In der Hoffnung auf eine anhaltend robuste Nachfrage decken sich Anleger heute mit Rohöl ein. Die Sorte Brent aus der Nordsee verteuert sich ebenso um rund 4,0 Prozent wie der Preis für die US-Leichtölsorte WTI.

Mut machten Öl-Anlegern Preiserhöhungen Saudi-Arabiens für asiatische Kunden, so Börsianer. Außerdem schwinde wegen der stockenden Atomgespräche des Westens mit dem Iran die Aussicht auf eine rasche Rückkehr iranischen Erdöls auf den Weltmarkt.

Die Feinunze Gold kostet mit 1779 Dollar rund 0,2 Prozent weniger. Der Euro gibt im US-Handel knapp 0,3 Prozent nach auf 1,1284 Dollar. Die Europäische Zentralbank setzte den Referenzkurs auf 1,1287 (Freitag: 1,1291) Dollar fest.

Kurseinbruch bei Delivery Hero

Die Delivery-Hero-Aktie gehörte heute gegen den Trend zu den größten Verlierern im DAX, auch wenn sie im späten Geschäft ihre Verluste noch etwas eingrenzen konnte. Aus Furcht vor einer strengeren EU-Regulierung zogen sich Anleger bei Essenslieferanten zurück. Sollten Austräger künftig Angestellte statt Subunternehmer sein, werde das die Ertragskraft und Flexibilität der Branche schmälern, prognostiziert Stuart Cole, Chefvolkswirt des Brokerhauses Equiti Capital.

Im Falle von Delivery Hero kam noch die schlechte Nachricht hinzu, dass der Online-Lieferdienstleister vorerst auch mit einem zweiten Übernahmeversuch eines Konkurrenten in Saudi-Arabien gescheitert ist. Die Wettbewerbskommission des Landes untersagte dem DAX-Konzern am Wochenende die Übernahme von The Chefz.

Diess darf wohl bleiben

Volkswagen-Chef Herbert Diess kann den Umbau des Wolfsburger Autokonzerns wohl fortsetzen. Nachdem seine Zukunft als Vorstandschef in den vergangenen Wochen wegen des Machtkampfs mit dem Betriebsrat lange am seidenen Faden hing, mehren sich Anzeichen, dass sich der 63-Jährige im Amt halten kann. "Es geht in die Richtung, dass der Streit beigelegt wird und Diess Vorstandschef bleibt", sagte heute eine Person mit Kenntnis der Beratungen der Nachrichtenagentur Reuters.

Die in langwierigen Verhandlungen gefundene Lösung sehe vor, dass VW-Markenchef Ralf Brandstätter in den Konzernvorstand aufsteige. Diess solle sich künftig auf strategische Fragen der Konzernführung konzentrieren. Mit dem Aufstieg von Brandstätter verliere Diess an Einfluss auf das operative Geschäft, hieß es in Konzernkreisen weiter. Weder Volkswagen noch die Porsche SE, über die die Familien Porsche und Piech die Stimmrechtsmehrheit an dem Wolfsburger Konzern halten, äußerten sich.

Deutsche Bank mit Analysten-Bonus

JPMorgan hat die Aktie der Deutschen Bank von "Neutral" auf "Overweight" hochgestuft. Der Konzern habe die 2019 vorgestellte Umbaustrategie unter dem aktuellen Management konsequent umgesetzt, schrieb Analyst Kian Abouhossein. Die Erträge stabilisierten sich und - noch wichtiger - der Kostenplan trage Früchte. Das Papier legte deutlich über vier Prozent zu.

Deutsche Wohnen bald im MDAX?

Der vor der Übernahme stehende Immobilienkonzern Deutsche Wohnen soll in den MDAX aufsteigen und dort Zooplus ersetzen. Die Aufnahme soll zum 20. Dezember erfolgen. Bis dahin dürfte aber Vonovia Deutsche Wohnen übernommen haben, was erneute Indexveränderungen nach sich ziehen würde.

Drei Änderungen im SDAX

Ab dem 20. Dezember gibt es folgende Änderungen im SDAX: Vitesco Technologies ersetzt den Online-Möbelhändler Home24, und Heidelberger Druckmaschinen zieht für den Rüstungszulieferer Hensoldt ein. Zudem macht Westwing für GFT Technologies Platz.

Positive Booster-News von Bavarian Nordic

Die Investmentbank Jefferies hat die Papiere des Impfstoffforschers Bavarian Nordic nach Neuigkeiten zum Covid-Booster mit einem Kursziel von 415 dänische Kronen auf "Buy" belassen. Die Signale aus der Phase-II-Studie zu ABNCoV2 bestätigten das Serum als möglichen universellen Booster, so Analyst Peter Welford. Es zeige sich ein massiver Antikörper-Anstieg gegen alle getesteten Covid-Varianten vor Omikron. Die Phase III könnte im ersten Halbjahr 2022 starten.

AstraZeneca vor Börsengang der Impfstoffsparte?

Der Pharmakonzern AstraZeneca denkt Insidern zufolge über einen Börsengang seiner neuen Sparte rund um Impfstoffe und Immuntherapien nach. Das Management ist in einer frühen Phase, die beste Aufstellung der Sparte auszuloten, wie die Nachrichtenagentur Bloomberg unter Berufung auf mit der Sache vertraute Personen schrieb. Dabei sei auch über einen Gang an die Börse gesprochen worden.

Über dieses Thema berichtete am 06. Dezember 2021 tagesschau24 um 09:00 Uhr und die tagesschau um 17:00 Uhr.