Händler an der New Yorker Börse
Marktbericht

Verluste auf breiter Front Tristesse an der Wall Street

Stand: 20.12.2021 22:20 Uhr

Gleich eine ganze Reihe von Belastungsfaktoren haben heute die Kurse an der New Yorker Börse gedrückt. Von Weihnachtsstimmung jedenfalls keine Spur. Auch der DAX gab deutlich nach.

Die US-Börsen haben am ersten Tag der Weihnachtswoche an ihre schwache Vorwoche angeknüpft. Analyst Craig Erlam vom Broker Oanda machte mit den negativen Auswirkungen der Corona-Variante Omikron, den geldpolitischen Straffungsplänen der großen Notenbanken und dem drohenden Scheitern von US-Präsident Joe Bidens Sozial- und Klimaplänen gleich mehrere Belastungsfaktoren aus.

Die US-Großbank Goldman Sachs senkte gar ihre Wachstumsprognose für die US-Wirtschaft, nachdem der demokratische Senator Joe Manchin am Sonntag verkündet hatte, einem billionenschweren Sozial- und Klimapaket nicht zustimmen zu wollen. Ohne seine Stimme im Senat hat die Regierung keine Mehrheit.

Die Anleger in den USA könnten sich jetzt wohl nur noch an den Strohhalm klammern, dass das Konjunkturpaket in einem kleineren Volumen im kommenden Jahr doch noch erfolgreich sein wird, sagte Analyst Jochen Stanzl vom Broker CMC Markets.

Verluste auf breiter Front

Alle großen US-Aktienindizes sind heute auf Talfahrt gegangen. Zwar konnten sie sich im späten Geschäft noch etwas von ihren Tiefständen lösen, aus der Verlustzone kamen sie aber nicht mehr. Der Leitindex Dow Jones schloss bei 34.932 Punkten um 1,23 Prozent schwächer. Im Tagestief hatte der Dow bei 34.665 Zählern gelegen.

Die Technologiebörse Nasdaq ging ebenfalls mit einem Abschlag von 1,24 Prozent auf 14.980 Zähler aus dem Handel. Der Auswahlindex Nasdaq 100 gab 1,10 Prozent nach auf 15.627 Punkte und der marktbreite S&P-500-Index beendete den Handel bei 4568 Punkten um 1,14 Prozent leichter.

Oracle vor Milliardenübernahme

Neben Impfstoffaktien stand Oracle im Fokus der Anleger. Denn der SAP-Konkurrent Oracle steht vor der größten Übernahme seiner Firmengeschichte. Für 28,3 Milliarden Dollar kauft der US-Softwarespezialist den IT-Gesundheitsversorger Cerner, wie Orcale heute mitteilte.

Mit der Akquisition baut Oracle seine Präsenz im Gesundheitssektor aus und sichert sich Zugriff auf Unmengen an medizinischen Daten, um seine von Künstlicher Intelligenz gestützten Cloud-Angebote zu verbessern. Seit dem Ausbruch der Corona-Pandemie stehen IT-Spezialisten im Gesundheitsbereich hoch im Kurs.

Cerner-Aktionäre erhalten je Aktie 95 Dollar in bar, wie Oracle mitteilte. Das entspreche einem Aufschlag von 5,8 Prozent auf den Schlusskurs am Freitag. Die Transaktion solle im Laufe des nächsten Jahres abgeschlossen werden. Cerner bietet Software und Hardware sowie Dienstleistungen und Geräte an, mit denen Arztpraxen, Krankenhäuser und Labore ausgestattet werden.

Nike über Erwartungen

Der Adidas-Konkurent hat am Abend nach Börsenschluss in New York seine Zahlen für das zweite Geschäftsquartal veröffentlicht. Diese fielen besser aus als erwartet, die Aktie legte nachbörslich zu. Im regulären Handel war sie mit dem schwachen Gesamtmarkt noch 2,71 Prozent gefallen.

Nike verdiente mit 0,83 Dollar je Aktie deutlich mehr als im Vorjahr (0,78 Dollar) und lag damit auch klar über den Erwartungen von 0,63 Dollar. Der Umsatz betrug 11,4 Milliarden Dollar, erwartet worden waren 11,3 Milliarden. Die Bruttomarge lag mit 45,9 Prozent ebenfalls über den Erwartungen von 44,2 Prozent. Etwas unter den Prognosen schnitt das Geschäft im Quartal in China ab.

Das Lockdown-Szenario wird konkreter

Mit herben Verlusten von 1,88 Prozent ist der DAX in die verkürzte Weihnachtswoche gestartet. Der deutsche Leitindex schloss am Ende bei 15.239 Punkten. Vom Tagestief am Vormittag bei 15.060 Punkten konnte sich der Index im Verlauf allerdings etwas lösen, was vor allem für markttechnisch orientierte Anleger von Bedeutung war.

Denn immerhin hat der Index die technische Unterstützungsmarke bei 15.000 Punkten heute erfolgreich getestet, was zumindest für etwas Hoffnung sorgte. Der deutsche Leitindex drehte oberhalb seines November-Tiefs (15.015 Zähler) nach oben ab. Im DAX-Chart steht nun ein Doppel-Tief, das zumindest kurzfristig Halt bieten könnte.

Lockdown-Ängste belasten

Grund für den Ausverkauf, der an die Anfänge der Pandemie im März 2020 erinnert, war die Angst der Anleger vor weiteren Lockdown-Maßnahmen der Regierung, wie sie zuletzt in den Niederlanden beschlossen wurden. Die hochansteckende Omikron-Variante sorgt für sprunghaft ansteigende Infektionszahlen in nie geahntem Tempo und setzt die Politik unter Druck. Auf dem morgigen Bund-Länder-Treffen stehen nun offenbar Kontaktbeschränkungen auf der Tagesordnung.

"Die Angst der Investoren vor einem erneuten Stillstand in weiten Teilen der Wirtschaft nimmt wieder zu und schickt die Börsen rund um den Globus auf Talfahrt", sagte Anlagestratege Jürgen Molnar vom Brokerhaus RoboMarkets. "Die Niederlande sind schon im Lockdown, und auch in Deutschland könnte es nach Weihnachten so weit sein." Ein Lockdown würde die Konjunktur bis weit in das neue Jahr hinein belasten und die Gefahr einer Winter-Rezession hierzulande erhöhen.

Moderna-Booster schützt wohl vor Omikron-Variante

Experten verwiesen aber auch auf erfreuliche Nachrichten, die das Minus an den Märkten zumindest etwas eindämmten. So erhöht eine Auffrischdosis mit dem Impfstoff von Moderna die Immunabwehr des Körpers gegen Omikron nach Herstellerangaben deutlich.

Der Impfstoff von Moderna scheint Studiendaten zufolge nach drei Dosen effektiv gegen die neue Omikron-Variante zu sein. Der Booster mit einer Dosierung von 50 Mikrogramm erhöhe den Omikron-neutralisierenden Antikörperspiegel um das rund 37-fache, teilt Moderna unter Verweis auf vorläufige Daten mit. Eine Booster-Dosis über 100 Mikrogramm erhöhe den Antikörperspiegel um das rund 83-Fache im Vergleich zum Niveau vor der Auffrischungsimpfung. Die Moderna-Aktie konnte ihre Anfangsgewinne an der Nasdaq aber nicht halten und rutschte wie auch die anderen Impfstoffaktien ins Minus.

Lufthansa und Fraport massiv unter Druck

Unter den Einzelwerten am deutschen Aktienmarkt gerieten Papiere aus der Luftfahrtbranche unter Druck, nachdem die Bundesregierung nun Großbritannien wieder als Virusvariantengebiet eingestuft hat. Fluggesellschaften dürfen nun auf wichtigen Strecken etwa nach London im Wesentlichen nur noch deutsche Staatsbürger oder in Deutschland lebende Personen von Großbritannien nach Deutschland befördern.

Lockdown-Sorgen stützen "Stay-at-Home-Aktien"

In dem von Lockdown-Sorgen gebeutelten Marktumfeld waren dagegen einige sogenannte "Stay-At-Home-Aktien" gefragt. Darunter versteht man Anteilsscheine von Unternehmen, die davon profitieren, dass Menschen von zu Hause aus arbeiten oder den Einkauf vor Ort meiden. Papiere des Kochboxenlieferanten HelloFresh gehörten zu den wenigen Gewinnern im DAX. Auch Sartorius hielten sich im Leitindex gegen den Trend besser, Tagessieger waren Merck, die deutlicher zulegten.

Ölpreise weiten Omikron-Verluste aus

Aus Furcht vor einem Nachfragerückgang zogen sich Anleger aus dem Rohölmarkt zurück. Die Sorte Brent aus der Nordsee gab nach volatilem Handel gut drei Prozent nach, die US-Leichtölsorte WTI verlor knapp vier Prozent. Anleger fürchten eine nachlassende Ölnachfrage angesichts von Befürchtungen, mehr Länder als bisher könnten strikte Maßnahmen im Kampf gegen die Ausbreitung der neuen Coronavirus-Variante verhängen.

Der Euro legt zu

Der Euro hat am Montag zugelegt. Im US-Handel kostet die Gemeinschaftswährung 1,1280 US-Dollar. Dies ist rund 0,35 Prozent mehr als am Nachmittag. Die Europäische Zentralbank setzte den Referenzkurs auf 1,1273 (Freitag: 1,1330) Dollar fest.

Auch am Devisenmarkt waren Omikron-Sorgen allgegenwärtig. Die USA könnten durch Omikron noch härter getroffen werden, da hier die Impfquote niedriger liegt als in vielen europäischen Ländern. Der Dollar wurde auch deshalb belastet, weil die US-Notenbank bei einer Verschärfung der Lage die Zinsen im nächsten Jahr weniger als erwartet anheben könnte. In der Eurozone wurde bisher noch gar keine Zinserhöhung prognostiziert.

US-Frühindikatoren etwas besser

Etwas besser als erwartet ausgefallene Frühindikatoren in den USA bewegten den Markt nicht. Der Sammelindex der wirtschaftlichen Frühindikatoren stieg um 1,1 Prozent gegenüber dem Vormonat, wie das private Forschungsinstitut Conference Board heute in Washington mitteilte. Volkswirte hatten im Schnitt mit einem Plus von 1,0 Prozent gerechnet. Im Oktober war der Indikator noch um 0,9 Prozent gestiegen.

Der Sammelindex setzt sich aus zehn Indikatoren zusammen. Dazu zählen unter anderem die Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe, die Neuaufträge in der Industrie, das Verbrauchervertrauen und die Baugenehmigungen. Die Indikatoren geben einen Eindruck über den Zustand der US-Wirtschaft. Weitere Makro-Daten aus den USA gab es heute nicht.

Lira erholt sich am Abend

Die türkische Lira rauschte auf ein neues Rekordtief. Für einen Euro wurden erstmals 20 Lira gezahlt. Ein Dollar kostete erstmals mehr als 18 Lira. Beide Währungen legten über neun Prozent im Vergleich zum Freitag zur Lira zu. Am Abend schoss dann der Kurs nach oben.

Grund der neuen Kursentwicklung waren die von der Regierung von Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan angekündigten Maßnahmen zur Stützung der Währung einschließlich eines neuen Programms, das Ersparnisse vor hohen Schwankungen in der lokalen Währung schützen soll. Nachdem für einen US-Dollar im Tagesverlauf teils über 18 Lira fällig waren, kostete die US-amerikanische Währung am späten Abend weniger als 14 Lira.

Der türkische Präsident hatte am Wochenende aufs Neue seine Politik der niedrigen Leitzinsen verteidigt. "Zinsen machen die Reichen reicher und die Armen ärmer", sagte Recep Tayyip Erdogan einem Bericht der Staatsagentur Anadolu zufolge. Er werde nicht zulassen, dass sein Volk von Zinsen zermürbt werde.

Die türkische Zentralbank hatte in der Vorwoche trotz einer Inflationsrate von 21 Prozent auf Druck von Erdogan hin erneut den Leitzins gesenkt. Seit Jahresbeginn hat die Lira bereits über die Hälfte ihres Wertes zum Dollar eingebüßt.

Fresenius-Familie kann nicht von der Krise profitieren

Im Gesundheitssektor ging heute die Schere zwischen Corona-Profiteuren und vermeintlichen Opfern der wieder zugespitzten Infektionslage wieder weit auseinander. Während die Papiere des Diagnostik-Spezialisten Qiagen oder des Pharmakonzerns Merck KGaA zu den wenigen gefragten DAX-Werten zählten, sackten die Kurse von Fresenius auf ein Jahrestief ab, jene der Konzerntochter FMC sogar auf das tiefste Niveau seit 2014.

"Fresenius gehört zu den wenigen Unternehmen der Branche, die von der Pandemie negativ betroffen sind", schrieb unlängst Analyst Alexander Neuberger in einer Studie. Dem Fresenius-Konzern mit seinen Krankenhausaktivitäten macht die Corona-Pandemie zu schaffen, weil Betten vorgehalten werden müssen und medizinische Eingriffe aufgeschoben werden. Die Dialyse-Tochter FMC gilt wegen der erhöhten Patienten-Übersterblichkeit seit Ausbruch der Krise schon als negativ betroffen.

Qatar Airways verklagt Airbus in London

Der Flugzeugbauer Airbus wird von seinem wichtigen Kunden Qatar Airways wegen Problemen mit dem Flugzeugtyp A350 verklagt. Das Unternehmen habe am Montag bei der Abteilung für Technologie und Bauwesen des High Court in London eine Klage gegen Airbus eingereicht, teilte Qatar Airways mit.

Qatar Airways gehört zu den wichtigsten Airbus-Kunden und hat bereits 53 Maschinen der A350-Reihe in der Flotte. Weitere 23 sind bestellt. Allerdings hat die Fluggesellschaft des arabischen Emirats Katar eine Reihe von Maschinen des Typs wegen Problemen an der Oberflächenbeschichtung der Maschinen außer Betrieb genommen und im Juni die Abnahme weiterer Jets ausgesetzt.

Airbus-Programmchef Philippe Mhun hatte zuletzt betont, die Probleme seien nicht sicherheitsrelevant. Dies habe auch die europäische Luftfahrtbehörde EASA bestätigt.

RWE warnt vor Kraftwerksausfällen wegen Gasmangels

Der Energiekonzern RWE hat einem Bericht zufolge seine Handelspartner an der Strombörse EEX vor Kraftwerksausfällen wegen Gasmangels gewarnt. In der Zeit bis zum 1. April könne es bei mehreren Kraftwerken in Nordrhein-Westfalen zu Betriebsunterbrechungen kommen, deren Grund das erhöhte Risiko von Lieferschwierigkeiten bei Erdgas sei, zitierte die Zeitung "Welt am Sonntag" aus einer Meldung des Unternehmens an die Informationsplattform der EEX.

Die Energiewirtschaft sieht nach Verbandsangaben derzeit kein erhöhtes Risiko für die Versorgungssicherheit durch die Omikron-Variante. Die Unternehmen beobachteten die Entwicklungen aber sehr genau und führten regelmäßig Risikobewertungen durch, teilte die Chefin des Bundesverbands der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW), Kerstin Andreae, heute in Berlin mit

Hornbach will börsennotierte Tochter ganz übernehmen

Der Hornbach-Konzern will seine Tochter Hornbach Baumarkt AG komplett schlucken und von der Börse nehmen. Der im SDAX gelistete Konzern bietet den übrigen Anteilseignern der ebenfalls börsennotierten Tochtergesellschaft 47,50 Euro je Aktie in bar, wie er heute im pfälzischen Bornheim mitteilte. Dies entspreche einem Aufschlag von 13,8 Prozent auf den Schlusskurs vom Freitag.

Die Hornbach Holding hält bisher 76,4 Prozent der Anteile an der Hornbach Baumarkt. Die Übernahme soll spätestens Anfang März vollzogen werden. An der Börse kam die Nachricht gut an, Hornbach Baumarkt legten deutlich zu.

Indexänderungen im MDAX und SDAX

Heute traten im MDAX und SDAX die jüngsten Indexänderungen der Deutschen Börse in Kraft. Im MDAX ersetzt Deutsche Wohnen Zooplus. In den SDAX steigen Vitesco, Heidelberger Druck und GFT Technologies auf und ersetzen dort Home24, Hensoldt und Westwing.

Novavax-Impfstoff in der EU zugelassen

Der Corona-Impfstoff des US-Herstellers Novavax ist offiziell in der EU zugelassen. Die europäische Arzneimittelbehörde EMA hat den Weg frei gemacht für das Vakzin. Nach einer entsprechenden Empfehlung der EU-Arzneimittelbehörde erteilte die EU-Kommission dem Impfstoff am Montag die bedingte Marktzulassung, wie EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen mitteilte. Es ist der fünfte Impfstoff mit EU-Zulassung.

Die EU-Kommission hat bereits im August einen Vertrag über insgesamt bis zu 200 Millionen Dosen abgeschlossen. Darin enthalten ist eine Option auf 100 Millionen Dosen für die Jahre 2022 und 2023. Die ersten Dosen werden nach Angaben der Brüsseler Behörde voraussichtlich in den ersten Monaten 2022 in den Mitgliedstaaten eintreffen. Für die ersten drei Monate haben die EU-Staaten demnach rund 27 Millionen Dosen bestellt.

EU bekommt zusätzlich 20 Millionen BioNTech-Dosen

Die EU bekommt angesichts der Omikron-Variante des Coronavirus für die ersten drei Monate 2022 zusätzliche 20 Millionen Dosen des Impfstoffs von BioNTech/Pfizer. Dies solle helfen, den kurzfristigen Bedarf der Mitgliedsstaaten zu decken, teilte die EU-Kommission am Sonntag in Brüssel mit. Ein ähnliches Abkommen sei mit dem Hersteller Moderna geschlossen worden.

Gericht kippt Ryanair-Klauseln zu Flugrechtsportalen

Das Frankfurter Landgericht hat Klauseln der Fluggesellschaft Ryanair gekippt, mit denen Passagiere davon abgehalten werden sollten, ihre Entschädigungsansprüche an Internetportale abzutreten. Das Gericht sah verschiedene Punkte als rechtswidrig an, welche die Verbraucher unangemessen benachteiligten. Der Kunde müsse selbst entscheiden dürfen, ob er nach Verspätungen oder Flugausfällen seine Ansprüche selbst verfolge oder an Dritte abtrete.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 20. Dezember 2021 um 11:00 Uhr.