Ein Händler steht an der Börse vor der Dax-Kurve. | dpa
Marktbericht

Konjunktursorgen wegen Omikron DAX beendet Woche im Minus

Stand: 17.12.2021 18:45 Uhr

Die Freude über die klaren Ansagen der Fed währte nur kurz. Zum Wochenschluss tauchte der DAX wieder ab. Anleger sorgen sich um die Konjunktur und eine zu schnelle Straffung der Geldpolitik.

Nach dem jüngsten Auf und Ab ist es heute am deutschen Aktienmarkt wieder nach unten gegangen. Vorweihnachtliche Kursgeschenke oder gar eine Jahresendrally seien derzeit nicht in Sicht, meinte Marktbeobachter Christian Henke vom Broker IG. Auch Portfolio-Manager Thomas Altmann vom Vermögensberater QC Partners sieht derzeit eine wachsende Vorsicht am Markt. "Die Angst, auf dem falschen Fuß erwischt zu werden, ist zurzeit deutlich größer als die Gier nach schnellen Kursgewinnen."

DAX behauptet sich über der 200-Tage-Linie

Der DAX gab heute seine Vortagesgewinne wieder nahezu vollständig ab. Er büßte rund 0,7 Prozent ein, hielt sich aber über der Marke von 15.500 Punkten und über der wichtigen 200-Tage-Linie, die charttechnisch interessierten Anlegern den längerfristigen Trend signalisiert. Auf Wochensicht büßte das deutsche Börsenbarometer damit 0,6 Prozent ein.

Die Hexen tanzen

Zeitweise hatte es noch düsterer ausgesehen. Am großen Verfallstag rutschte der deutsche Leitindex zeitweise bis auf knapp über 15.400 Zähler, bevor er sich wieder etwas erholte. Am heutigen Hexensabbat waren an den Terminmärkten Optionen auf Einzelaktien und Indizes sowie Futures auf Indizes fällig. Einige große Investoren versuchen an solchen Tagen, die Kurse noch schnell in die für sie günstige Richtung zu bewegen.

Dow Jones gibt nach

An der Wall Street ging es ebenfalls abwärts. Der Dow Jones verlor in den beiden ersten Handelsstunden gut ein Prozent auf rund 35.500 Punkte. Auf Wochensicht deutet sich ein Minus von 1,3 Prozent an. Der marktbreite S&P 500 büßte 0,6 Prozent ein. Nur die technologielastige Nasdaq stemmte sich gegen den Abwärtstrend und notierte unverändert.

Furcht vor zu rascher Straffung der Geldpolitik

Die Entscheidungen der Notenbanken wirkten nach. Nach der ersten Erleichterung, dass die US-Notenbank den Kampf gegen die Inflation aufnimmt, konzentrierten sich Anleger verstärkt darauf, dass die Fed die geldpolitischen Zügel schneller straffen werde als bislang gedacht, erklärte Thomas Hayes, Manager beim Vermögensverwalter Great Hill. "Sie realisieren, dass sie ihr Geld in Firmen stecken müssen, die von einem steigenden Zinsumfeld profitieren, also Substanz- und konjunkturabhängige Werte." Höhere Zinsen machen Aktien unattraktiver. Die Fed aus den USA, die Europäische Zentralbank (EZB) und die Bank von England (BoE) hatten in den vergangenen Tagen eine Straffung ihrer Geldpolitik angekündigt.

Ifo-Index sinkt überraschend deutlich

Zudem wächst die Sorge vor negativen wirtschaftlichen Folgen durch die Omikron-Variante. "Die Warnungen vor einer Verschärfung der Corona-Restriktionen werden lauter, während die Weihnachtsfeiertage näher rücken", sagte Analystin Vandana Hari vom Research-Haus Vanda Insights. In dieses Bild passte der überraschend starke Rückgang des Ifo-Index. Er sank im Dezember auf 94,7 Punkte und damit stärker als erwartet.

Erst Winter-Rezession, dann Sommer-Boom?

"Alle Zeichen deuten derzeit auf eine Schrumpfung des Bruttoinlandsprodukts hin", glaubt Volkswirt Andreas Scheuerle von der DekaBank. "Aus Sicht der Unternehmen türmen sich die Probleme allmählich zu einer Woge auf, die das Wachstum wegzuspülen droht: Lieferengpässe, Energiepreise, die Delta- und nun auch noch die Omikron-Variante des Coronavirus." Immer mehr Ökonomen rechnen damit, dass die deutsche Wirtschaft im Winterhalbjahr schrumpfen dürfte. "Ab dem Frühsommer erwarten wir aber weiter eine kräftige Erholung, einen Sommer-Boom", betont Jörg Krämer, Chefvolkswirt der Commerzbank.

Gold glänzt wieder

Der Goldpreis konnte seine jüngsten starken Gewinne weiter ausbauen - passend zum nahenden Weihnachtsfest. Eine Feinunze Gold verteuerte sich um 0,3 Prozent auf 1805 Dollar. Das gelbe Edelmetall gilt vielen Anlegern als Absicherungsinstrument gegen zu hohe Inflationsraten. Der Euro büßte derweil 0,5 Prozent ein auf 1,1267 Dollar.

Türkische Lira auf neuem Rekordtief

Die rasante Talfahrt der türkischen Lira ging unvermindert weiter. Sie hat seit Jahresbeginn mehr als die Hälfte ihres Wertes eingebüßt. Der Dollar und der Euro kletterten zur Lira erneut auf Rekordhochs. Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan lasse sich offenbar nicht von seinem Kurs abbringen, die Zinsen trotz hoher Inflation niedrig zu halten, monierte Finanzexperte Patrick Curran vom Research-Haus Tellimer. Dadurch drohe sich die Währungskrise bis zu einem Punkt zu verschärfen, an dem es kein Zurück mehr gebe. Die türkische Zentralbank hatte gestern trotz hoher Inflation auf Druck von Erdogan hin erneut den Leitzins gesenkt.

Öl deutlich billiger

Am Ende einer Woche mit teils widersprüchlichen Konjunktursignalen überwogen am Rohölmarkt die pessimistischen Töne. Ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent kostete 73,65 Dollar. Das waren 1,8 Prozent weniger als am Vortag. Der Preis für ein Fass der amerikanischen Sorte West Texas Intermediate (WTI) fiel um 1,7 Prozent auf 71,14 Dollar.

Airbus sticht Boeing bei Kurzstreckenfliegern aus

Im DAX machte Airbus auf sich aufmerksam. Air France-KLM bestellte gestern 100 Kurzstreckenjets bei Airbus - so viele Flugzeuge wie nie zuvor. Für den Boeing-Erzrivalen war es der zweite Großauftrag binnen weniger Stunden. Zuvor hatte die australische Gesellschaft Qantas dem europäischen Hersteller den Zuschlag für den Ersatz seiner Inlandsflotte gegeben.

Deutsche Post: Aus für Brief-Transportflieger?

Um weniger CO2 zu verursachen, würde die Deutsche Post nach Aussage ihres Post-&-Paket-Deutschlandchefs Tobias Meyer gerne auf Inlandsflüge zur Briefbeförderung verzichten. Voraussetzung für die Aufgabe der Inlandsflüge ist nach Darstellung des Managers aber, dass der Gesetzgeber tätig wird und eine Vorgabe zur schnellen Beförderung ändert.

S&T wehrt sich gegen Fraser Perring

Die Titel von S&T erholten sich etwas von ihrem gestrigen knapp 30-prozentigen Kurseinbruch. Sie gewannen neun Prozent. Die österreichische IT-Firma ist ins Visier des bekannten britischen Hedgefonds-Investors Fraser Perring geraten. S&T kündigte eine Stellungnahme zu den Vorwürfen an. Viceroy, die Firma von Perring sieht S&T als völlig überbewertet an.

Chef von GM-Robotaxi-Tochter Cruise tritt ab

Der US-Autobauer General Motors (GM) muss für seine ambitionierte Robotaxi-Tochter Cruise einen neuen Chef suchen. Cruise-Chef Dan Ammann verlässt das Unternehmen. Der für die Technologie zuständige Cruise-Manager Kyle Vogt übernimmt übergangsweise seine Aufgaben. Gründe für den Personalwechsel nannte GM nicht. Die GM-Aktie sackte ab.

CDC: Besser Moderna oder BioNTech statt Johnson & Johnson

Die US-Gesundheitsbehörde CDC empfiehlt künftig, andere Corona-Impfstoffe dem Wirkstoff von Johnson & Johnson vorzuziehen. Das Risiko einer Hirnthrombose in Zusammenhang mit einer Impfung mit dem Präparat von Johnson & Johnson sei höher als bislang bekannt, hieß es zur Begründung. Neben Johnson & Johnson sind in den USA noch die Präparate von BioNTech/Pfizer und Moderna zugelassen.

Valneva hofft auf seinen Totimpfstoff

Der französisch-österreichische Biotechkonzern Valneva will mit einer baldigen Zulassung seines Totimpfstoffes noch eine wesentliche Rolle im Kampf gegen die Corona-Pandemie spielen. "Wir sind leider spät, aber hoffentlich nicht zu spät", sagte Vorstandschef Thomas Lingelbach. Derzeit würden in der EU, in Großbritannien und in Bahrain gleichzeitig Zulassungsverfahren laufen, für die man allesamt bis spätestens Ende März grünes Licht erwartet.

Neuer "Spider-Man"-Film beflügelt AMC

Heiß begehrt waren heute die Papiere von AMC. Sie verteuerten sich an der Wall Street um 20 Prozent. Laut dem Unternehmen strömten über eine Million Besucher in seine US-Kinos, um den neuen Film "Spider-Man: No Way Home" zu sehen. Dies sei der größte Ansturm seit Anfang 2021. Lediglich "Avengers: Endgame" habe am Tag seiner Kinopremiere mehr Geld eingespielt. AMC betreibt auch zahlreiche Kinos in Deutschland.

Fedex verkündet milliardenschweren Aktienrückkauf

Die Aktien von Fedex zogen um sechs Prozent an. Der Deutsche-Post-Rivale will die Aktionäre nach einem unerwartet guten Verlauf im zweiten Geschäftsquartal (Ende November) mit einem fünf Milliarden Dollar schweren Aktienrückkauf beglücken. Der Konzern hat überdies für den Gesamtjahresgewinn - nach einer zwischenzeitlichen Senkung - seine ursprüngliche Gewinnprognose wiederhergestellt.

Tesla-Rivale Rivian verfehlt Produktionsziel

Der US-Elektroautobauer und Börsen-Shootingstar Rivian hat bei seiner ersten Zahlenvorlage an der Börse gepatzt. Das Unternehmen wird sein Produktionsziel von 1200 Elektro-Pick-ups in diesem Jahr wohl um einige Hundert Autos verfehlen. Die Produktion hochzufahren, sei schwieriger als gedacht, sagte Unternehmenschef Robert Scaringe in einer Analystenkonferenz. Das sorgte bei Anlegern für Enttäuschung, die Aktie fiel heute um rund elf Prozent.