Händler an der New Yorker Börse
Marktbericht

Nasdaq so hoch wie nie Tech-Rekordrally geht weiter

Stand: 01.09.2021 22:31 Uhr

Ernüchternde Jobdaten aus den USA haben die Spekulationen um eine baldige Straffung der Geldpolitik gedämpft. Vor allem Technologie-Aktien waren gefragt. Die Nasdaq stürmte auf ein neues Allzeithoch.

Für Hightech-Fans hat der neue Börsenmonat prächtig begonnen. Die technologielastige Nasdaq startete in den September, so wie sie den August beendet hatte: mit neuen Rekorden. Der Index rückte um 0,3 Prozent auf 15.309,38 Punkte vor.Die Erholung der zuletzt unter Druck geratenen, in den USA börsennotierten China-Aktien gaben der Nasdaq neuen Schub. Zudem stützte die Hoffnung auf anhaltende Konjunkturhilfen. Diese wurden genährt durch enttäuschende Arbeitsmarktdaten.

Weniger neue Jobs als erhofft

Mit 374.000 neuen Stellen fiel der Zuwachs im August nur etwa halb so hoch aus wie erhofft. Wenn sich die offiziellen Daten am Freitag ähnlich entwickelten, werde sich die US-Notenbank Federal Reserve (Fed) jegliche Signale in Richtung einer Drosselung ihrer Wertpapierkäufe verkneifen, bis der Arbeitsmarkt wieder auf Kurs sei, glaubt Sam Stovall, Chef-Anlagestratege des Research-Hauses CFRA. Damit hätten die US-Börsen trotz ihrer rund 20-prozentigen Kursgewinne in den vergangenen Monaten noch Luft nach oben.

Im Gegensatz zur Nasdaq scheint die Luft für den Dow Jones dünner zu werden. Der US-Standardwerte-Index schloss 0,2 Prozent im Minus. Er blieb aber in Schlagdistanz zum jüngst erreichten Rekordhoch. Der breit gefasste S&P 500 beendete den Tag kaum verändert bei 4.524 Punkten.

Mangels Unterstützung vom Dow Jones tat sich auch der DAX schwer. Er zog am ersten Handelstag des neuen Monats zunächst kräftig an und näherte sich seinem Rekordhoch. Dann aber verließ ihn die Kraft. Das deutsche Börsenbarometer büßte komplett seine Gewinne ein und drehte ins Minus. Das Auf und Ab am deutschen Aktienmarkt setzt sich also auch im September fort, der traditionell als einer der schwächsten Börsenmonate gilt.

Zu hohe Bewertung?

Aktienstrategen warnen vor den hohen Bewertungen am Aktienmarkt. Hohe Mittelzuflüsse in Aktien und immer mehr aktive Privatanleger in der Corona-Pandemie könnten Zeichen einer Überhitzung der Börsen sein, meinte Analyst Christian Schmidt von der Landesbank Helaba. Hinzu kommen die zunehmenden Spekulationen über eine Reduzierung der Anleihenkäufe durch die Notenbanken, die die Anleger verunsichern.

Wann reduziert die EZB die Anleihenkäufe?

Die gute Laune an den europäischen Börsen wurde von der Europäischen Zentralbank (EZB) getrübt. Einige führende EZB-Vertreter brachten rund eine Woche vor der nächsten Ratssitzung eine Drosselung der Wertpapierkäufe ins Gespräch. Gestern hatten Äußerungen von Österreichs Zentralbankchef Robert Holzmann zur Reduzierung der Corona-Pandemiehilfen die Aktienmärkte belastet. Investoren warfen heute weitere Staatsanleihen aus ihren Depots und trieben die Rendite der zehnjährigen Bundestitel auf ein Sechseinhalb-Wochen-Hoch von minus 0,354 Prozent.

Euro-Industrie beklagt Lieferprobleme

Aktuelle Daten zur Industrie in der Euro-Zone zeigen eine anhaltende Konjunkturerholung. Allerdings hat sich die Stimmung in den Industrieunternehmen der Eurozone im August zum zweiten Mal in Folge verschlechtert. Der Einkaufsmanagerindex des Forschungsunternehmens IHS Markit gab zum Vormonat um 1,4 Punkte auf 61,4 Zähler nach. Trotz des Rückgangs liegt der Indikator auf hohem Niveau, die befragten Unternehmen berichteten aber erneut von erheblichen Versorgungsproblemen und hohen Einkaufspreisen.

Delle im deutschen Einzelhandel

Deutschlands Einzelhändler haben im Juli weniger Umsatz erwirtschaftet als im Juni. Das habe aber auch daran gelegen, dass der vergangene Juni aufgrund der bundesweit damals noch sinkenden Corona-Inzidenz ein umsatzstarker Monat gewesen sei, so das Statistische Bundesamt. Der im Juli erzielte Umsatz lag auch weiterhin über dem Vorkrisenniveau. Preisbereinigt sank der Umsatz des Einzelhandels im Juli verglichen zum Vormonat um 5,1 Prozent, wie die Statistiker mitteilten. Wegen "deutlich" gestiegener Preise betrug der Rückgang nominal - also nicht preisbereinigt - nur 4,5 Prozent.

Die europäische Gemeinschaftswährung konnte sich deutlich über der Marke von 1,18 Dollar etablieren. Nach den enttäuschenden US-Jobdaten kletterte der Euro auf 1,1840 Dollar.

Opec+ dreht den Ölhahn auf

Mit Erleichterung nahmen Rohöl-Anleger die Entscheidung der Opec+ zu den Förderquoten auf. Die Sorte Brent aus der Nordsee grenzte ihre Verluste ein und notierte am Abend 0,4 Prozent tiefer bei 71,37 Dollar je Barrel. Das US-Öl WTI verbilligte sich um 0,2 Prozent auf 68,35 Dollar. Die großen Exportstaaten gaben dem Drängen der USA nach einer raschen Anhebung der Fördermengen nicht nach und halten an ihrem Plan einer Ausweitung der Quoten um 400.000 Barrel pro Tag fest.

Papiere der Siemens-Tochter Siemens Energy legten im DAX rund zwei Prozent zu und waren hinter Delivery Hero größter Gewinner. Dagegen gehörten die Papiere der Konzernmutter Siemens zu den Verlierern im Index. Dabei hat die Bahntechniksparte des Konzerns einen milliardenschweren Auftrag aus Ägypten erhalten. Der Vertrag umfasst die Lieferung eines umfassenden Bahnsystems, die erste Hochgeschwindigkeitsstrecke des Landes soll entstehen, wie Siemens Mobility mitteilte. Den Auftragswert bezifferte das Unternehmen auf etwa drei Milliarden US-Dollar.

VW-Aktien schlossen leicht im Minus. Der Konzern zieht in einem weiteren Rechtsstreit wegen des Abgasskandals vor das Oberste US-Gericht, den Supreme Court. VW hatte im Juni eine juristische Niederlage gegen den Bundesstaat Ohio erlitten, die womöglich zu weiteren Sanktionen wegen systematischer Abgasmanipulation bei Dieselautos führen könnte. Das Unternehmen hofft, dass das Urteil vom Supreme Court gekippt wird.

Der Duft- und Aromenhersteller Symrise steigt beim US-Unternehmen Kobo ein und verstärkt sich damit im Bereich Sonnenschutz und Farben für Kosmetika. Symrise beteiligt sich mit einem Anteil von 25 Prozent an Kobo. Über den Kaufpreis sei Stillschweigen vereinbart worden, hieß es. Kobo beschäftigt rund 170 Mitarbeiter und ist weltweit über selbstständige Vertreter in mehr als 30 Ländern präsent. Das Unternehmen hat sich auf Farben für Make-up-Produkte und mineralische Sonnenschutztechnologien spezialisiert. Beide Firmen wollen künftig unter anderem beim Vertrieb von UV-Filtern zusammenarbeiten.

Der Milliardär und Chef des Luxusgüter-Konzerns LVMH Bernard Arnault hat seine letzten Aktien an der größten Supermarktkette Frankreichs für 724 Millionen Euro verkauft. Seine Beteiligungsgesellschaft Financière Agache gab ihren Anteil von 5,7 Prozent an Investoren in einem beschleunigten Verfahren über den Markt für 16 Euro je Aktie ab. Arnault war vor 14 Jahren bei Carrefour mit knapp zehn Prozent eingestiegen - zu einem durchschnittlichen Preis von 47 Euro je Aktie. Er gehörte zu den drei größten Investoren des Unternehmens, das seitdem eine Reihe von Restrukturierungen durchlaufen hat. Carrefour-Aktien fielen in Paris um rund vier Prozent.

Aktien des Stahl- und Industriekonzerns Thyssenkrupp konnten heute ihren Höhenflug nicht fortsetzen und drehten ins Minus. Stahlchef Bernhard Osburg soll mit einem neuen Vertrag den Umbau des Unternehmens vorantreiben. Der Aufsichtsrat von Thyssenkrupp Steel Europe verlängerte den Vertrag des Managers bis Ende Juni 2027. Damit stelle der Aufsichtsrat die personellen Weichen für die Zukunft von Thyssenkrupp Steel Europe.

Ein Altaktionär von Auto1 hat sich von Aktien des Autohändlers getrennt. Die Investmentbank Goldman Sachs verkaufte im Auftrag des Investors DN Capital 2,3 Millionen Aktien zum Preis von je 36 Euro, wie die US-Bank mitteilte. Dies entspreche 1,1 Prozent des Aktienkapitals von Auto1. Die Papiere wurden über ein beschleunigtes Bookbuilding-Verfahren institutionellen Investoren angeboten.

Post steigt in die europäische Champions League auf

Am späten Abend wurde die Neuzusammensetzung des Stoxx Europe 50 und EuroStoxx50 veröffentlicht. Demnach zieht die Deutsche Post neben der Bank Santander in den Stoxx Europe 50 ein. Ihre Plätze räumen müssen der französische Technologiekonzern Safran und der britische Versorger-Netzbetreiber National Grid. Die Umsetzung nach dieser jährlichen regulären Index-Überprüfung erfolgt am 20. September. Wichtig sind Index-Änderungen vor allem für Fonds, die Indizes real nachbilden (etwa physisch replizierende ETF). Dort muss dann entsprechend umgeschichtet und umgewichtet werden, was Einfluss auf die Aktienkurse haben kann.

Nach US-Börsenschluss gab Tesla noch bekannt, dass sich die Auslieferung des neuen Sportwagens auf 2023 verschiebt. "2021 war ein Jahr verrückter Lieferkettenengpässe, und selbst wenn wir 17 neue Produkte hätten, würde das nichts nützen, weil sie nicht an die Kunden gehen könnten", twitterte Konzernchef Elon Musk am Mittwoch. "Sollte 2022 kein Megadrama werden, sollte der neue Roadster 2023 ausgeliefert werden." Bei der Vorstellung des Modells 2017 war noch von einem Start im Jahr 2020 die Rede gewesen.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 01. September 2021 um 17:00 Uhr in der Börse.