Wall Street New York
Marktbericht

US-Märkte uneinheitlich Corona-Sorgen und Tech-Rekorde

Stand: 19.11.2021 22:28 Uhr

Die US-Börsen haben zum Wochenschluss keine klare Richtung gefunden. Corona-Sorgen schwappten über und lasteten auf den Standardwerten, Tech-Aktien hingegen setzten ihren Rekordlauf fort.

Die New Yorker Aktienbörse knüpfte zum Wochenschluss an die Tendenz des Vortages an, als vor allem die schwergewichteten Tech-Größen die Nasdaq angeschoben hatten. Der Auswahlindex Nasdaq 100 markierte bei 16.625 Punkten im Verlauf ein weiteres Rekordhoch und schloss letztlich bei 16.573 Zählern um 0,55 Prozent höher. Auch der Composite-Index rückte 0,4 Prozent vor auf 16.057 Punkte.

Angetrieben wurden die Tech-Werte sowohl von einigen guten Unternehmensnachrichten als auch von dem weiter günstigen Umfeld. So will sich die US-Notenbank mit einer Zinsanhebung, dem nach Meinung vieler Ökonomen schärfsten Schwert zur Inflationsbekämpfung, erst einmal Zeit lassen. Niedrige Zinsen erleichtern die Finanzierung der in der Regel sehr wachstumsorientierten Unternehmen der Branche.

Dow im Minus - Corona-Sorgen kommen auf

Jenseits der Technologieaktien herrschte allerdings Tristesse. Denn die Furcht vor neuen Lockdowns hat auch an den US-Börsen außerhalb der Technologiebranche die Laune getrübt.

Der Leitindex Dow Jones weitete im Verlauf seine Verluste aus und ging bei 35.601 Zählern um 0,75 Prozent niedriger aus dem Handel. Der marktbreite S&P-500-Index, der sowohl Standard-, als auch Tech-Aktien umfasst, bewegte sich wenig und endete mit einem leichten Tagesverlust von 0,14 Prozent bei 4697 Zählern.

Tom Mantione, Experte bei UBS Private Wealth Management verwies auf den Lockdown in Österreich. "Wenn Deutschland einen umfänglichen Lockdown beschließt, hätte das wohl wieder einmal Auswirkungen auf die Lieferkette." Zugleich machten sich Marktteilnehmer Sorgen, dass die US-Notenbank verstärkt gegen die steigende Inflation vorgehen könnte.

Nvidia und Apple weiter nicht zu stoppen

Inflationsängste drückten denn auch die Bankaktien. Ein entsprechender Index verlor deutlich und folgte damit dem Rückgang der Renditen am Anleihemarkt, der als sicherer Hafen wieder stärker gefragt war. Doch auch Fluggesellschaften und andere Reisewerte standen auf der Verkaufsliste. Die Aktien der großen Ölkonzerne litten hingegen unter dem Preisverfall bei dem wichtigen Rohstoff: Chevron (minus 2,2 Prozent) und Exxon Mobil (minus 4,6 Prozent) verbilligten sich deutlich.

Facebook, die jetzt "Meta" heißen, zogen um 1,95 Prozent an . Apple legten 1,7 Prozent zu auf 160,55 Dollar und markierten bei 161,02 Dollar ein weiteres Rekordhoch. Investoren gehen davon aus, dass der iPhone-Hersteller beim "Black Friday" kommende Woche auf eine hohe Nachfrage trifft.

Die Aktien des Chip-Herstellers Nvidia profitierten derweil weiter von den guten Quartalszahlen. Sie schlossen an der Nasdaq bei 329,85 Dollar um 4,14 Protzent höher und haben damit innerhalb von zwei Tagen über zwölf Prozent zugelegt. Auch Moderna-Papiere waren gefragt. Die US-Arzneimittelbehörde FDA hat Corona-Auffrischungsimpfungen mit dem Impfstoff des Unternehmens genehmigt.

DAX verliert den Schwung

Die Gewinnserie am deutschen Aktienmarkt ist heute gerissen. Der Leitindex DAX, der zuletzt an sechs Handelstagen in Folge jeweils knapp weitere Rekorde erzielte, gab moderat um 0,38 Prozent nach und schloss bei 16.159 Zählern. Im Wochenvergleich bewegte sich der DAX damit kaum. Seit Anfang Oktober ist der DAX jedoch deutlich um fast 1400 Punkte gestiegen.

Am Morgen erreichte der Index zunächst noch sein Tageshoch bei 16.282 Zählern, knapp unter der gestern erreichten Bestmarke von 16.290 Punkten. Aber anders als zuletzt reichte es zu mehr nicht. Der Index fiel danach bis auf 16.092 Punkte im Tagestief zurück, ehe er sich am Nachmittag wieder etwas erholte.

Österreich-Lockdown stimmt bedenklich

Der Grund für das zögerliche Verhalten der Anleger heute: Die in Europa grassierende Welle der Corona-Pandemie und weitere mögliche Lockdowns haben den Anlegern am Freitag die Kauflaune verdorben. So gilt in Österreich ab Montag für bis zu 20 Tage ein Lockdown.

In Deutschland fordern Mediziner eine schnelle Umsetzung der gestern von Bund und Ländern getroffenen Beschlüsse. In Bayern warnten Krankenhäuser vor einer unmittelbar drohenden Überlastung der Intensivstationen und forderten härtere Kontaktbeschränkungen.

"Ein kompletter Lockdown in Deutschland wäre ein sehr schlechte Nachricht für die wirtschaftliche Erholung", urteilte Ludovic Colin, Fondsmanager bei Vontobel.

Thomas Mathews, Volkswirt bei Capital Economics, sagte, noch seien die Auswirkungen auf die Märkte nicht so verheerend wie bei der ersten Corona-Welle. "Wenn sich die Lage jedoch verschlimmert und ein großer Teil der Wirtschaft lahmgelegt wird, könnte dies die regionalen Aktienmärkte in Mitleidenschaft ziehen."

Negatives Omen von den Erzeugerpreisen

Nicht nur die eigentlich überwunden geglaubte Corona-Pandemie steht damit wieder auf der Agenda, auch Inflationsängste haben sich heute verstärkt. Denn im Oktober sind erneut die Erzeugerpreise kräftig gestiegen. Diese kletterten um 18,4 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat.

Das ist der stärkste Zuwachs seit November 1951. Die Erwartungen von Analysten wurden klar übertroffen. Die Erzeugerpreise gelten als wichtiger Vorlaufindikator für die Verbraucherpreise.

Ölpreise im Rückwärtsgang

Die Ölpreise sind am Freitag wegen neuer Corona-Ängste deutlich unter Druck geraten. Die Nordseesorte Brent verlor 3,8 Prozent, die Verluste bei der US-Leichtölsorte WTI waren mit über 4,6 Prozent noch höher.

Für Verunsicherung sorgte ein Stück weit der österreichische Lockdown. Während der ersten Corona-Welle im Frühjahr 2020, als viele Staaten gleichzeitig die Wirtschaft dicht machten, waren die Rohölpreise wegen des wirtschaftlichen Stillstands drastisch eingebrochen.

Ansonsten beschäftigt sich der Markt nach wie vor mit der möglichen Freigabe strategischer Ölreserven durch große Volkswirtschaften. China hat einen solchen Schritt bereits angekündigt, in den USA wird seit längerem über eine Freigabe debattiert. Nach Medienberichten will die US-Regierung andere große Verbrauchsländer wie Japan, Südkorea oder Indien zu ähnlichen Schritten animieren.

Euro wegen Corona-Sorgen unter Druck

Für die europäischen Aktienmärkte kam derweil weiterhin Unterstützung vom Devisenmarkt. Denn der Euro fiel weiter und ist am Freitag spürbar durch verschärfte Corona-Ängste belastet worden. Im US-Handel kostet die europäische Gemeinschaftswährung 1,1285 Dollar, das Tagestief lag bei 1,1251 Dollar nochmals tiefer. Die Europäische Zentralbank (EZB) setzte den Referenzkurs auf 1,1271 (Donnerstag: 1,1345) US-Dollar fest.

"Vor dem Hintergrund der sich wieder zuspitzenden Corona-Lage nehmen insbesondere im Dienstleistungssektor die Konjunkturrisiken wieder zu", kommentierte Ulrich Kater, Chefvolkswirt der Dekabank. Die Erwartungen für das Wirtschaftswachstum in der Eurozone dürften also weiter nach unten revidiert werden.

Weidmann und Lagarde unterschiedlicher Meinung

EZB-Chefin Christine Lagarde sprach sich am Freitag auf einem Bankenkongress in Frankfurt erneut gegen eine Zinserhöhung im kommenden Jahr aus. Nicht zuletzt wegen dieser Position ist der Euro schon seit einiger Zeit unter Druck, da die US-Notenbank Federal Reserve im Gegenzug beginnt, die Zügel zumindest vorsichtig anzuziehen. Dadurch weitet sich das Zinsvoraus zugunsten des Dollars aus.

Christine Lagarde | picture alliance/dpa/MAXPPP

Bild: picture alliance/dpa/MAXPPP

Bundesbankchef Jens Weidmann warnte indes vor einer zu langen Festlegung auf eine sehr lockere Linie. "Wir sollten das Risiko einer zu hohen Inflation nicht außer Acht lassen und stattdessen wachsam bleiben", betonte der Bundesbankchef, der Ende 2021 vorzeitig abtritt.

Bundesbankpräsident Jens Weidmann steht vor einer Wand mit dem Schriftzug der Bundesbank | dpa

Bild: dpa

Türkische Lira auf Rekordtief

Die türkische Lira fällt auf ein Rekordtief, der Dollar zieht in der Spitze auf 11,1311 Lira an. Damit hat die Lira in dieser Woche rund elf Prozent an Wert verloren. Seit Jahresbeginn summieren sich die Kursverluste bereits auf knapp 40 Prozent. Gestern hatte die türkische Zentralbank trotz der sehr hohen Inflation den Leitzins von 16 auf 15 Prozent gesenkt.

Deutsche Bank findet neuen AR-Chef

Die Deutsche Bank soll einen neuen Aufsichtsratsvorsitzenden bekommen. Der Nominierungsausschuss des Gremiums empfehle, Alexander Wynaendts der Hauptversammlung am 19. Mai 2022 zur Wahl in den Aufsichtsrat der Bank vorzuschlagen, teilte das Institut am späten Abend mit. Es sei beabsichtigt, ihn im Anschluss zum Vorsitzenden und damit zum Nachfolger von Paul Achleitner zu wählen. Die Empfehlung steht unter dem Vorbehalt einer Zustimmung des Aufsichtsratsplenums.

Wynaendts war den Angaben zufolge von 2008 bis 2020 Chef des niederländischen Versicherungskonzerns Aegon. Der Manager sitze derzeit in mehreren Aufsichts- und Verwaltungsräten, unter anderem bei Citigroup, Uber Technologies und Air France KLM. Bei dem erstgenannten Unternehmen werde aus dem Verwaltungsrat ausscheiden.

BASF verkauft Kaolinmineralien-Geschäft

Der Ludwigshafener Chemiekonzern aus dem DAX verkauft sein Geschäft mit Kaolinmineralien im US-Bundesstaat Georgia an das US-Unternehmen KaMin. Wenn die Kartellbehörden zustimmen, soll der Verkauf in der zweiten Hälfte des Jahres 2022 vollzogen werden. Über den Kaufpreis machte BASF keine Angaben.

Telekom bereit für Funkturm-Deal

Die Deutsche Telekom wirbt um Kaufinteressenten für ihr Funkturm-Geschäft. "Wir sind bereit, und auf unserer Seite ist alles vorbereitet", erklärte Firmenchef Timotheus Höttges. Er habe immer gesagt, dass für den Telekomkonzern eine solche Trennung sinnvoll wäre. Er werde aber keine schlechten Deals machen, unterstrich Höttges mit Blick auf die kontinuierlichen Umsatzzuwächse der Sparte Deutsche Funkturm.

Paul Singer stockt Hella-Beteiligung auf

Der aktivistische US-Investor Paul E. Singer hat seine Anteile an dem Autozulieferer Hella aufgestockt. In mehreren Schritten hob er seine Beteiligung per 10. November auf insgesamt 10,75 Prozent. Hella steht derzeit vor der Übernahme durch den französischen Konkurrenten Faurecia. Singer ist dafür bekannt, dass er sich bei vor einer Übernahme stehenden Konzernen einen Minderheitsanteil sichert, um spätestens bei einem Squeeze-out einen höheren Preis zu erzielen.

Hohe Kosten für Impfstoffkandidaten belasten Curevac

Das Biotechunternehmen CureVac hat im dritten Quartal bei kräftig gestiegenen Umsätzen den Verlust deutlich ausgeweitet. Der Betriebsverlust zog von 36,7 Millionen Euro auf 143,1 Millionen Euro an. Hauptgrund sind CureVac zufolge höhere Forschungs- und Entwicklungskosten für CVnCoV, den Covid-19-Impfstoffkandidaten der ersten Generation, gewesen.

Apple treibt Pläne für autonomes Elektroauto voran

Apple forciert laut Bloomberg seine Pläne zur Entwicklung eines E-Autos. Das Vorhaben konzentriere sich nun verstärkt auf ein komplett selbstfahrendes Fahrzeug und nicht auf ein konventionelleres Fahrzeug mit halbautonomen Funktionen. Apple habe angeblich einen Großteil der Kernarbeit am Prozessor des Autos abgeschlossen. Der Konzern strebe ein Marktdebüt bereits für das Jahr 2025 an.

Ryanair verabschiedet sich von Londoner Börse

Der irische Billigflieger Ryanair zieht sich von der Londoner Börse zurück. Ein entsprechender Antrag wurde bei der britischen Finanzaufsicht FCA gestellt. Der letzte Handelstag soll demnach der 17. Dezember sein. Die Notierung an der Euronext Dublin bleibt bestehen. Hintergrund ist das im Zuge des Brexits gesunkene gehandelte Aktienvolumen.

Neue Probleme für Boeing und den Dreamliner

Ein US-Kongressausschuss will wegen der anhaltenden Probleme mit Boeings Langstreckenjet 787 "Dreamliner" mögliches Aufsichtsversagen untersuchen lassen. Der vor rund zehn Jahren als Langstreckenjet der Zukunft auf den Markt gebrachte "Dreamliner" macht Boeing schon länger schwer zu schaffen. In diesem Jahr musste der Konzern die Auslieferungen wegen verschiedener Produktionsproblemen vorübergehend stoppen und die Fertigungsrate drosseln. Eine Lösung lässt weiter auf sich warten. Boeing-Aktien verloren deutlich über 5,7 Prozent und standen am Ende des Dow Jones-Index.

Google schließt Verträge mit deutschen Verlagen

Google hat auf Basis des neuen Leistungsschutzrechts in Deutschland erste Verträge mit deutschen Verlagen abgeschlossen. Zu den Vertragspartnern gehören nach Angaben des Internet-Konzerns unter anderem das Nachrichtenmagazin "Der Spiegel", die Wochenzeitung "Die Zeit" und das Portal Golem.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 19. November 2021 um 09:00 Uhr in der Börse.