Gut gelaunter Händler an der New Yorker Börse

Wall Street Dieser Jahresbeginn lässt hoffen

Stand: 07.01.2021 22:19 Uhr

Der Weltleitindex Dow Jones liegt nach den ersten vier Handelstagen im neuen Jahr klar im Plus. Laut Statistik ist das ein positives Omen für das Gesamtjahr.

Von Angela Göpfert, tagesschau.de

Es war ein Jahresstart nach Maß für den Weltleitindex: Nach den ersten vier Handelstagen des neuen Jahres notiert der Dow Jones Industrial Average klar oberhalb seines Endstandes des Vorjahres (30.606,50).

Am Donnerstag verabschiedeten sich die US-Standardwerte mit einem Plus von 0,7 Prozent auf 31.041 Punkte aus dem Handel. Im Handelsverlauf waren sie den zweiten Tag in Folge auf ein neues Rekordhoch gestiegen. Bis auf 31.193 Zähler ging es am Donnerstag aufwärts.

Auch der marktbreite S&P 500 verbuchte ein Rekordhoch, zum Handelsschluss notierte er 1,5 Prozent höher bei 3804 Punkten. Der technologielastige Nasdaq Composite kletterte erstmals in seiner Geschichte über die Marke von 13.000 Punkten und schloss 2,6 Prozent höher bei 13.067 Zählern.

Wie der Januar, so das Jahr?

Börsen-Statistiken zufolge stellt das Ergebnis der ersten vier Tage im Dow Jones eine gute Indikation für das Gesamtjahr dar. Mit anderen Worten: Liegt der Dow nach vier Handelstagen unterhalb des Vorjahres-Endstandes, so endet das laufende Jahr in der Regel negativ. Ein Plus nach vier Tagen hingegen lässt auf Kursgewinne auch im Gesamtjahr schließen.

"Hat sich der Dow nach vier Handelstagen ein Plus erarbeitet, so folgt in 74 Prozent der Fälle tatsächlich ein positives Jahr", unterstreicht Marktexperte Robert Rethfeld von Wellenreiter-Invest.

Diese Regel lässt sich übrigens - mit noch höherer Trefferquote - auch auf den Januar erweitern, weshalb sie auch als Januar-Effekt bekannt ist: "Beendet der Dow Jones den Januar mit einem positiven Ergebnis, so wird das Jahr in 82 Prozent aller Fälle positiv", so Rethfeld.

DAX erstmals über 14.000 Punkten

Auch im Dax stehen für die ersten vier Handelstag deutliche Kursgewinne zu Buche. Am Donnerstag beendete das deutsche Börsenbarometer Nummer eins den Xetra-Handel mit einem Schlusskursrekord von 13.968 Punkten, ein Plus von 0,6 Prozent.

Seit dem Jahresschlusskurs vom 30. Dezember bei 13.719 Punkten beläuft sich das Plus sogar auf 1,8 Prozent. Genau wie der "große Bruder" Dow Jones konnte auch der DAX im neuen Jahr neue Bestmarken aufstellen. Am Donnerstag kletterte der deutsche Leitindex im Handelsverlauf erstmals in seiner Geschichte über die Marke von 14.000 Punkten und markierte bei 14.007 Zählern ein frisches Rekordhoch.

"Politische Börsen haben kurze Beine"

Rückenwind für den deutschen Leitindex kommt einmal mehr von der Wall Street, die sich angesichts der unfassbaren Ereignisse in Washington unfassbar gelassen zeigt.

Bewahrheitet sich also einmal mehr die alte Börsenweisheit, wonach politische Börsen "kurze Beine" haben? Fakt ist: Die Märkte sind für gewöhnlich recht gut darin herauszufiltern, ob politische Ereignisse einen nachhaltigen langfristigen Einfluss auf die Wirtschaft und die Unternehmen haben. Falls nicht, kehren sie meist nach einer kurzen Schrecksekunde rasch zur Tagesordnung zurück.

Mehr noch: Im Falle des Kapitol-Sturms sollte nicht vergessen werden, dass seit gestern feststeht, dass Joe Biden über eine Mehrheit im Kongress verfügt. Er kann also "durchregieren".

Hoffnung auf neue Corona-Hilfen

Das ist aber wiederum kein politisches Ereignis mit "kurzen Beinen", sondern eines mit langfristigen, zumindest teilweise positiven Wirkungen für die Märkte. Sie können nun etwa auf raschere und großzügigere Konjunkturhilfen im Kampf gegen die wirtschaftlichen Folgen der Pandemie hoffen.

"Die Konstellation lässt weitere fiskalpolitische Stimulierungsmaßnahmen in den USA erwarten", sagte Commerzbank-Analyst Daniel Briesemann. "Schon kurzfristig könnten neue Corona-Hilfsmaßnahmen beschlossen werden, die von den Republikanern bislang abgelehnt wurden."

Entsprechend waren an der Wall Street heute erneut Infrastruktur-Werte gefragt. Aber auch Solar-Titel und Cannabis-Aktien zogen deutlich an. Sie alle gelten als potenzielle Profiteure der Biden-Agenda. Am Markt wird unter anderem auf eine vollständige Legalisierung von Marihuana in den USA spekuliert.

Deutsche Industrie mit vollen Auftragsbüchern

Positiver Rückenwind für den deutschen Aktienmarkt kam aber nicht nur von der Wall Street, sondern auch von der deutschen Konjunktur. So hatten sich die Auftragseingänge der deutschen Industrie im November mit einem Plus von 2,3 Prozent gegenüber dem Oktober überraschend positiv entwickelt.

"Der Lockdown light im November scheint der Industrie wenig angehabt zu haben", so Martin Moryson, DWS-Chefvolkswirt Europa. "Daher ist zu erwarten, dass auch die Ausfälle durch die Verschärfungen im Dezember und jetzt im Januar überschaubar bleiben."

Dollar stärker, Gold schwächer

Der Euro fiel bis auf 1,2245 Dollar und notierte damit rund ein Cent tiefer als gestern im Tageshoch. Am Mittwoch hatte der Euro noch bei 1,2349 Dollar den höchsten Stand seit April 2018 markiert. Die Euro-Schwäche ist dabei in erster Linie eine Dollar-Stärke: Nach der "blauen Welle" in Washington wird an den Märkten derzeit offenbar eine eventuell frühere Reaktion der Fed auf eine schneller als erwartet steigende Inflation eingepreist.

In einem solchen Szenario gehört Gold naturgemäß zu den Verlierern. Schließlich wirft das gelbe Edelmetall selbst keine Zinsen ab. Der Goldpreis fiel am Abend 0,5 Prozent auf 1915 Dollar je Feinunze.

Bitcoin knackt Marke von 40.000 Dollar

Unterdessen setzte der Bitcoin seinen spektakulären Höhenflug fort. Auf der Handelsplattform Bitstamp kostete ein Bitcoin erstmals mehr als 40.000 US-Dollar. Im Bitcoin-Sog zogen auch andere Digitalwährungen deutlich an, der Börsenwert sämtlicher Kryptowährungen knackte erstmals die Marke von einer Billion Dollar.

"Die Geschwindigkeit und das Ausmaß der Rally sind spätestens jetzt außer Kontrolle geraten", kommentierte Analyst Timo Emden von Emden Research. "Eine ausgeprägtere Konsolidierungsphase scheint mehr als überfällig."

HeidelbergCement erneut gefragt

Unter den Einzelwerten im DAX ragten einmal mehr HeidelbergCement positiv heraus. Wie schon tags zuvor profitierte die Aktie des Baustoffherstellers von der Aussicht auf vermehrte Infrastrukturmaßnahmen in den USA nach dem Machtwechsel in Washington. Die französische Großbank Societe Generale hatte mit Blick auf das US-Geschäft des Konzerns eine Kaufempfehlung für die Aktie ausgesprochen.

Nationale Impfstoff-Allianz beflügelt CureVac

Jenseits der großen Indizes schnellte die CureVac-Aktie prozentual zweistellig empor. Das Tübinger Unternehmen hatte gemeinsam mit dem deutschen Pharmariesen Bayer eine nationale Impfstoff-Allianz vereinbart. Gemeinsam wollen sie die Weiterentwicklung, Produktion und den Vertrieb eines Corona-Impfstoffes vorantreiben.

Delivery Hero mit roter Laterne

Am DAX-Ende rangierte die Delivery-Hero-Aktie mit einem Minus von 2,9 Prozent. Der Essenslieferant hatte am Vorabend eine Kapitalerhöhung bekannt gegeben. Das Geld soll auch in weiteres Wachstum investiert werden. Jenseits der Kapitalerhöhung machen der Aktie auch Gewinnmitnahmen nach dem jüngsten Rekordlauf zu schaffen.

Daimler sieht digitale Dienste als Gewinnmotor

Daimler-Chef Ola Källenius erwartet ein kräftiges Gewinnwachstum durch die Nutzung digitaler Dienste im Auto. Seit Einführung des Infotainment-Systems MBUX im Kompaktwagen Mercedes A-Klasse vor drei Jahren hätten sich die Ausgaben der Kunden für digitalen Content verdoppelt, wenn nicht verdreifacht. Zudem soll die Pkw-Tochter Mercedes-Benz dank höherer Verkäufe von Elektroautos und Fahrzeugen mit Hybrid-Motoren die CO2-Ziele in Europa erreicht haben.

Nordex mit Biden-Rückenwind

Im SDAX zogen Aktien des Windkraft-Anlagenherstellers Nordex um 8,0 Prozent auf 26,02 Euro an und markierten damit ein neues Hoch seit Oktober 2016. Die politischen Aussichten in den USA beflügelten das Papier, will Biden in den kommenden Jahren doch Billionen in ein grünes Infrastrukturprogramm investieren.

Facebook sperrt Trump-Accounts

Facebook wird den scheidenden US-Präsidenten Donald Trump bis auf Weiteres sperren. Sein Facebook- und auch sein Instagram-Account sollten mindestens für zwei Wochen beziehungsweise bis zur Machtübergabe an Biden blockiert bleiben, kündigte Facebook-Chef Mark Zuckerberg am Donnerstag an. Zunächst war Trump nur für 24 Stunden gesperrt worden.

Tesla erstmals über 800 US-Dollar

Aktien von Tesla haben am Donnerstag erstmals die Marke von 800 Dollar geknackt. RBC-Analyst Joseph Spak hatte eingestanden, dass er das Potenzial der Papiere bislang "komplett falsch" eingeschätzt habe, und seine Kaufempfehlung gestrichen. Der Höhenflug der Tesla-Aktie machte Elon Musk laut dem "Bloomberg Billionaires Index" zum reichsten Menschen der Erde - vor Amazon-Chef Jeff Bezos.

WSJ: Untersuchungen gegen American Express

Mehrere US-Behörden prüfen einem Medienbericht zufolge, ob beim Verkauf von Kreditkarten von American Express an Firmenkunden alles mit rechten Dingen zuging. Wegen des Verdachts auf aggressive und irreführende Vertriebsmethoden hätten sowohl das Finanzministerium als auch die Notenbank Federal Reserve und die Einlagensicherung FDIC Untersuchungen eingeleitet, schrieb das "Wall Street Journal" am Donnerstag unter Berufung auf Insider.

Rheuma-Mittel als Covid-19-Hoffnungsbringer?

Einer Studie zufolge steigen die Überlebenschancen schwer erkrankter Covid-19-Patienten durch die Medikamente Actemra (Tocilizumab) von Roche oder Kevzara (Sarilumab) von Sanofi. Diese sind eigentlich für rheumatoide Arthritis zugelassen. Den noch nicht begutachteten Ergebnissen der Studie des Imperial College London zufolge reduzierte sich die Sterblichkeitsrate dank der Arzneien um 8,5 Prozentpunkte. Der britische Premier Boris Johnson kündigte an, man werde ab sofort die "lebensrettenden" Medikamente Tocilizumab und Sarilumab einsetzen.

Covid-19 kann einen sogenannten Zytokinsturm hervorrufen, eine Überreaktion des Immunsystems, welche lebensbedrohliche Komplikationen begünstigt. Rheuma-Mittel unterdrücken die körpereigene Abwehr.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 07. Januar 2021 um 11:40 Uhr in der Wirtschaft.

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