US-Dollars

Kursgewinne in New York Inflations-Vorbote aus den USA?

Stand: 05.01.2021 22:12 Uhr

Die Wall Street hat sich nach der gestrigen Verkaufswelle stabilisiert. Der Dow Jones schloss mit Gewinnen. Doch ein wichtiger Inflations-Indikator gibt den Anlegern zu denken.

Von Angela Göpfert, tagesschau.de

Nach dem gestrigen Kursrutsch an der Wall Street konnten sich die US-Börsen heute stabilisieren und zumindest einen Teil der Kursverluste vom Montag wieder wettmachen. Der Dow Jones legte 0,6 Prozent auf 30.392 Punkte zu. Der marktbreite S&P 500 stieg um 0,7 Prozent auf 3727 Zähler. Der technologielastige Nasdaq 100 zeigte relative Stärke und schloss 0,9 Prozent höher bei 12.802 Stellen.

Die Märkte lieben einen gespaltenen Kongress

Mit Spannung wurde an den Märkten der Ausgang der heutigen Stichwahl für die Senatsposten des US-Bundesstaats Georgia erwartet. Sollten die Demokraten beide Sitze erringen, könnte der neue US-Präsident Joe Biden durchregieren. Die Börsen fürchten in einem solchen Fall schärfere Regulierungen der Unternehmen und Steueranhebungen. Für die Märkte wäre ein Demokraten-Sieg im "Powerhouse" des Südens daher definitiv kein Wunschszenario.

In der historischen Betrachtung war vielmehr ein gespaltener Kongress stets die bessere Option, da dieser "extreme" und damit womöglich marktunfreundliche politische Entscheidungen im Vornhinein unterband.

Starker Preisanstieg mahnt zur Vorsicht

Am Tag der Georgia-Nachwahl ging dabei eine auf den ersten Blick überaus positive Nachricht von der US-Konjunktur fast unter. Der Einkaufsmanagerindex ISM stieg von 57,5 Punkten im Vormonat auf 60,7 Zähler. Die Stimmung in der amerikanischen Industrie ist damit so gut wie seit August 2018 nicht mehr.

Zur Vorsicht mahnt allerdings der Indikator für die Preisentwicklung. Er stieg besonders deutlich um 12,2 auf 77,6 Punkte. Der ISM-Index der bezahlten Herstellungspreise gilt als führender Inflationsindikator: Denn müssen die Produzenten mehr an die Lieferanten zahlen, steigt auch die Wahrscheinlichkeit für einen Preisanstieg beim Endprodukt.

Bitcoin und Gold als Inflationsabsicherung gefragt

Der vom Institute for Supply Management (ISM) ermittelte starke Preisanstieg lässt auch die jüngsten Entwicklungen bei Gold und Bitcoin in einem anderen Licht erscheinen. Die älteste und bekannteste Kryptowährung kletterte auf der Handelsplattform Bitstamp am Dienstag zeitweise über 34.000 Dollar.

Nicht wenige Investoren sehen im Bitcoin auch ein Absicherungsinstrument gegen Inflation. Die Digitalwährung läuft damit so manchem traditionellen Inflations-Hedging-Instrument wie Gold fast den Rang ab. Zumindest in der medialen Wahrnehmung.

Doch auch der Goldpreis zeigt zu Jahresbeginn deutliche Stärke. Am Dienstag kletterte der Goldpreis in der Spitze auf über 1952 Dollar. Das gelbe Edelmetall hat damit seine Kursdelle vom November, die es bis auf 1764 Dollar in die Tiefe geführt hatte, schon wieder nahezu ausgemerzt.

DAX mit Verlusten

Am deutschen Aktienmarkt zeigten die Anleger am zweiten Handelstag des Jahres Nerven. Der DAX notierte zum Xetra-Schluss 0,6 Prozent tiefer bei 13.651 Stellen. Im Tief verlor der deutsche Leitindex 1,2 Prozent auf 13.567 Zähler. Die deutschen Standardwerte rutschten damit unter ihr Tagestief vom Montag, schlossen sogar die Kurslücke vom 23. Dezember.

Für Anspannung unter den Anlegern sorgte auch der nun bis Ende Januar verlängerte und in Teilen sogar verschärfte Lockdown in Deutschland. Drohende wirtschaftliche Belastungen durch zusätzliche Pandemie-Beschränkungen sind Gift für die Börsen.

Lockdown-Verschärfungen, na und!?

Dabei halten führende Ökonomen die wirtschaftlichen Folgen einer Einschränkung des Bewegungsradius' in Regionen mit besonders hohen Infektionszahlen für überschaubar - solange die Menschen noch zu ihrer Arbeit fahren dürfen.

"Wenn die berufliche Mobilität weiter möglich bleibt, dürften sich die wirtschaftlichen Zusatzkosten in Grenzen halten", sagte etwa Gabriel Felbermayr, Präsident des Instituts für Weltwirtschaft Kiel (IfW), der "Welt".

Mut macht in diesem Kontext auch eine neue Studie des German Business Panels der Universität Mannheim, wonach der erneute Lockdown im Dezember die Gewinne der deutschen Unternehmen nicht spürbar belastet hat. Im Gesamtjahr 2020 rechnen die Forscher mit einem Rückgang der Firmengewinne in Deutschland um 16,6 Prozent.

Wellenmuster - auch an der Börse

Fakt ist aber auch: Die Anleger reagieren derzeit offensichtlich mal wieder etwas sensibler auf die aktuelle Corona-Nachrichtenlage. Wie die Pandemie selbst, scheint auch die Wahrnehmung der Anleger diesbezüglich in Wellen zu verlaufen.

Stand bis vor kurzem an den Märkten noch die Hoffnung auf eine Wiederbelebung der Wirtschaft dank der angelaufenen Impfaktionen im Vordergrund, so liegt derzeit der Fokus offensichtlich wieder mehr auf den immer weiter steigenden Infektions- und Todeszahlen.

Impfstoff-Effekt schon in den Kursen drin?

Hinzu kommt: Die positiven Effekte der bislang verfügbaren Impfstoffe dürften an den Börsen mittlerweile weitgehend "eingepreist", also in den aktuellen Kursen enthalten sein. Das lässt weniger Luft nach oben.

Vor diesem Hintergrund wundert es kaum, dass die globalen Aktienmärkte unter der Führung der Wall Street nach der wahrlich beeindruckenden Weihnachtsrally nun erst einmal verhaltener agieren, weil der eine oder andere Anleger doch kalte Füße bekommen hat oder einfach einen Teil der angelaufenen Gewinne mitnehmen möchte.

Überraschender OPEC-Entscheid

An den Rohstoffmärkten konnten die Ölpreise am Dienstag kräftig zulegen. Ein Barrel (159 Liter) der Nordsee-Sorte Brent kostete zuletzt mit 53,75 Dollar 4,5 Prozent mehr. Der Preis für ein Fass der US-Sorte West Texas Intermediate (WTI) legte ähnlich stark zu und kletterte über die viel beachtete Marke von 50 Dollar.

Hintergrund ist die überraschend starke Kürzung der Ölproduktion, auf welche sich die Öl-Allianz OPEC+ am Abend geeinigt hatte. Demnach soll die Ölförderung im Februar und März um mindestens 1,425 Millionen Barrel am Tag sinken. Saudi-Arabien allein wird nach eigenen Angaben eine Million Barrel am Tag weniger fördern.

Euro bleibt gefragt

An den Devisenmärkten kann der Euro gegenüber dem Dollar weiter Boden gutmachen. Am Abend notiert die europäische Gemeinschaftswährung bei bis zu 1,2304 Dollar deutlich höher. Kurz vor dem Jahreswechsel hatte der Euro bei 1,2309 Dollar ein Zwei-Jahres-Hoch markiert. Steigende Euro/Dollar-Kurse belasten die Gewinnaussichten der im DAX stark vertretenen deutschen Exporteure.

Immer wieder Delivery Hero

An der DAX-Spitze notierte auch am zweiten Handelstag des Jahres erneut die Delivery-Hero-Aktie. Der Essenslieferant gilt als Gewinner des Lockdowns, Anleger setzen überdies große Hoffnungen in die Expansion nach Asien. Die Papiere setzen ihre Rekordrally mit einem Sprung bis auf 145,50 Euro fort. Bereits 2020 waren die Anteilsscheine mit einem Kursplus von 80 Prozent der Favorit im Dax.

Understatement bei Eon?

Zu den größten DAX-Verlierern gehörte dagegen die EON-Aktie mit einem Minus von 2,5 Prozent. Analyst Vincent Ayral von JPMorgan stellte in einer Studie zur Diskussion, dass sich der Energiekonzern im neuen Jahr möglicherweise nicht im allerbesten Licht zeigen könnte. Denn 2021 bringe neue Entscheidungen zur Regulierung der Branche, da könne das Unternehmen mit Understatement auf einen günstigeren Ausgang setzen wollen.

SUVs verhelfen VW zu Absatzsprung in den USA

Volkswagen hat seinen Absatz auf dem US-Markt im vierten Quartal kräftig erhöht, insgesamt sorgte die Corona-Krise 2020 aber für ein deutliches Minus. In den drei Monaten bis Ende Dezember brachten die Wolfsburger nach Angaben vom späten Dienstagabend 94.330 Autos mit dem VW-Logo an die Kunden, elf Prozent mehr als im Vorjahr. Vor allem das SUV-Segment mit dem begehrten Modell Atlas kurbelte die Verkäufe stark an.

TUI-Aktionäre winken Rettungspaket durch

In der zweiten Reihe machte TUI auf sich aufmerksam. Die Eigner des durch die Pandemie besonders hart getroffenen Reise-Veranstalters billigten am Dienstag auf einer außerordentlichen Hauptversammlung ein knapp zwei Milliarden Euro schweres Rettungspaket. TUI-Aktien notierten nach einer Achterbahnfahrt zum Xetra-Schluss 2,1 Prozent im Plus.

Düsterer Dezember für Ryanair

Die verschärften Reisebeschränkungen in der Pandemie haben Ryanair das Geschäft im Dezember noch stärker verhagelt als in den Monaten zuvor. Im vergangenen Monat zählte der irische Billigflieger 1,9 Millionen Fluggäste und damit 83 Prozent weniger als ein Jahr zuvor. Damit fiel der Einbruch so stark aus wie seit dem faktischen Reisestopp im April, Mai und Juni nicht mehr.

Bezos, Buffett und Dimon beschließen Haven-Aus

Die US-Großkonzerne Amazon und JPMorgan sowie die Beteiligungsgesellschaft Berkshire Hathaway von Starinvestor Warren Buffett beenden ihr gemeinsames Gesundheitsvorsorgeprojekt Haven Healthcare nach nur rund drei Jahren schon wieder. Das Geschäft soll bereits Ende Februar eingestellt werden.

Amazon vergrößert Frachtflugzeugflotte

Während die Airlines in der Coronakrise dahinsiechen, treibt Amazon den Ausbau seine Frachtflugzeugflotte kräftig voran. Der weltgrößte Onlinehändler gab am Dienstag den Kauf von elf Boeing-Maschinen vom Typ 767-300 bekannt. Amazon erwirbt die Flieger von den Airlines Delta und Westjet - die derzeit dafür wohl eher keinen Bedarf haben. Mit seiner Luftfrachtsparte Amazon Air will Amazon Lieferungen beschleunigen und sich von Logistikern unabhängiger machen.

5G-Experte übernimmt bei Qualcomm

Beim Chipkonzern Qualcomm übernimmt ein Experte für den superschnellen 5G-Datenfunk den Chefposten. Der 50-jährige Christiano Amon löst Steve Mollenkopf ab. Amon war in den vergangenen Jahren eine treibende Kraft hinter den Anstrengungen von Qualcomm, den US-Konzern zu einem führenden Player im Geschäft mit 5G-Technik zu machen. Mit Erfolg: Unter anderem stecken 5G-Modems von Qualcomm in den aktuellen Modellen von Apples iPhone.

Über dieses Thema berichtete B5 aktuell am 05. Januar 2021 um 10:15 Uhr.