Wall Street New York
Marktbericht

Gewinne auf breiter Front Wall Street schafft den Dreh ins Plus

Stand: 15.09.2021 22:25 Uhr

Was der heimischen Börse derzeit einfach nicht gelingen will, passierte heute in New York. Die großen Aktienindizes erholten sich im Verlauf, gestützt durch neue Konjunkturhoffnungen.

Vor allem der besser als erwartet ausgefallene Empire-State-Konjunkturindikator für den Großraum New York kam an der Börse gut an. Der Index stieg im Vergleich zum Vormonat um 16 Punkte auf 34,3 Punkte, wie die regionale Notenbank von New York am Mittwoch mitteilte. Analysten hatten hingegen im Schnitt mit einem leichten Rückgang auf 17,9 Punkte gerechnet. Gesucht waren an den Börsen daraufhin vor allem konjunkturabhängige Sektoren wie Energieproduktion, Industriegüterhersteller und Rohstoffproduzenten.

Gestützt wurde der Markt auch durch höhere Ölpreise, die von einem unerwartet starken Abbau der US-Rohölbestände und der Hoffnung auf eine steigende Nachfrage im Zuge des Impffortschritts gegen Covid-19 profitierten.

Die Gewinne gingen dabei nach zunächst holprigem Start quer durch alle großen Indizes. Der Leitindex Dow Jones holte den Großteil seine Verluste vom Vortag wieder auf und ging am Ende bei 34.814 Punkten um 0,68 Prozent höher aus dem Handel. Der breiter aufgestellte S&P-500-Index legte sogar noch etwas stärker um 0,85 Prozent auf 4480 Zähler zu. Auch die Technologiebörse Nasdaq überzeugte und rückte um 0,82 Prozent auf 15.161 Punkte vor. Der Auswahlindex Nasdaq 100 stieg um 0,78 Prozent auf 15.503 Stellen.

Von Unternehmensseite ging es nachrichtlich überwiegend ruhig zu. Microsoft legten 1,68 Prozent zu. Der weltgrößte Software-Anbieter kündigte einen Rückkauf eigener Aktien im Volumen von bis zu 60 Milliarden US-Dollar an. Im September 2019 hatte Microsoft einen Aktienrückkauf mit einem Volumen von bis zu 40 Milliarden Dollar auf den Weg gebracht. Derzeit bringt es der Konzern auf eine Marktkapitalisierung von 2,25 Billionen Dollar und gilt aktuell als das zweitwertvollste börsennotierte Unternehmen nach Apple.

Im Gespräch war auch Apple. Das Technologieunternehmen setzt mit seinem neuen iPhone auf Geschwindigkeit und Vernetzung. Die nächste Smartphone-Generation - das iPhone 13 - sei durch den neuen A15 Bionic genannten Chip "superschnell und energieeffizient", so der US-Konzern. Zugleich könnten die 13er Modelle aufgrund von mehr 5G-Bändern die 5G-Technologie leichter nutzen. Mit der Pro-Version und ihren neuen Kameras schielt Apple auf die Kinoindustrie und verspricht, auch unerfahrenen Filmemachern gelängen kinoreife Aufnahmen. Anders als sonst reagierten die Anleger aber zunächst kühl, das Apple-Papier holte erst im Verlauf stärkere Verluste auf, und legte am Ende 0,61 Prozent auf 149,03 Dollar zu.

Fulminantes "On"-Debut

Der Laufschuh-Hersteller On Holding hat an der New Yorker Börse derweil einen fulminanten Start hingelegt. Die Aktien der Schweizer Firma kletterten am Mittwoch zu Handelsbeginn um rund 48 Prozent auf 35,4 Dollar. Insgesamt bewertet die Börse das Unternehmen, an dem auch Tennis-Star Roger Federer beteiligt ist, damit mit rund 11,4 Milliarden Dollar.

Hersteller von Laufschuhen haben während der Coronavirus-Pandemie einen Nachfrageboom erlebt. Viele Menschen wendeten sich dem Laufen zu, als Fitnessstudios geschlossen und Mannschaftssportaktivitäten verboten wurden. On wurde 2010 vom ehemaligen Spitzen-Triathleten Olivier Bernhard und den Laufenthusiasten David Allemann und Caspar Coppetti gegründet. Dank der von ihnen entwickelten Dämpfungstechnologie soll man in den On-Laufschuhe mit der markanten Sohle "auf Wolken laufen". Der 20-malige Grand-Slam-Sieger Federer stieg 2019 ein und arbeitete an der Entwicklung eines Tennisschuhs mit. On war dieses Jahr Ausrüster des Schweizer Olympia-Teams.

Am Aktienmarkt sieht es derzeit so aus, als sollte sich der ideenlose Handel der letzten Tage verfestigen. Der DAX, der lange Zeit um seinen Schlusskurs bei 15.722 Punkten gedümpelt hatte, weitete am Nachmittag seine Verluste noch aus und schloss letztlich 0,68 Prozent schwächer bei 16.616 Punkten. Der Index ging damit nahe seines Tagestiefs bei 15.614 Punkten aus dem Handel, was vor allem bei technischen Analysten als Schwächesignal interpretiert wird.

Dem DAX fehlt es spätestens seit seinem Rekordhoch aus dem Vormonat bei 16.030 Punkten an Orientierung. Immer wieder neue Konjunktursorgen, meist bedingt durch die immer wieder aufflackernde Corona-Pandemie, sowie eine drohende schärfere Gangart der US-Notenbank Federal Reserve sorgen für viel Vorsicht bei den Anlegern - was den Börsenbären derzeit vermehrt in die Hände spielt.

Aber von einem wirklichen Ausverkauf kann auch nicht gesprochen werden, der DAX bleibt trotz der derzeitig moderaten Abwärtsbewegung mit einem Abstand von rund 2,5 Prozent weiter in Schlagweite seines Rekordhochs bei 16.030 Punkten aus dem Vormonat.

Denn andererseits scharren viele Branchen mit den Hufen, werden aber durch Material- und Personalengpässe gebremst. Bestes Beispiel ist derzeit Adidas. Die Aktie des Sportartikelherstellers war zuletzt von Sorgen belastet worden, dass die Branche der hohen Nachfrage wegen Störungen in der Lieferkette nicht gerecht werden kann - auch heute gab das Papier deutlich nach.

In diesem brisanten Umfeld hangeln sich die zunehmend vorsichtiger werdenden Investoren von Tag zu Tag und blicken dabei zur Orientierung immer wieder auf die Wall Street sowie neue Makrodaten aus aller Welt.

Im DAX verloren auch die Aktien des Bad Homburger Gesundheitskonzerns Fresenius und seiner Tochter FMC weiter an Boden. Seit sich in der vergangenen Woche mit JPMorgan und Barclays gleich zwei große Analystenhäuser pessimistisch zu dem Dialysespezialisten FMC geäußert haben, hat sich der Kursrutsch der vergangenen Wochen noch einmal verstärkt, so ein Händler. Auch die Papiere der Konzernmutter Fresenius wurden mit nach unten gezogen.

Unter den Einzelwerten setzten Deutsche Post ihren Aufwärtstrend fort und standen erneut an der DAX-Spitze. Die Aktie hat dabei zwischenzeitlich die Marke von 60 Euro überschritten. Auch Autoaktien profitierten weiter von ihrem guten Momentum nach der am Wochenende beendeten IAA-Automesse.

Neue Signale von der chinesischen Konjunktur bereiteten heute den Marktteilnehmern Kopfzerbrechen. Denn in der wichtigen Volkswirtschaft steigen die Corona-Infektionszahlen weiter.

Offenbar sind bereits jetzt Auswirkungen neuer Restriktionen in dem Land zu spüren. Der Einzelhandelsumsatz wuchs im August im Vergleich zum Vorjahr nur noch um 2,5 Prozent und damit so wenig wie seit einem Jahr nicht mehr. Ähnlich sieht es bei der Industrieproduktion aus. Diese legte im August im Vergleich zum Vorjahr um 5,3 Prozent zu, nachdem sie noch im Juli noch um 6,4 Prozent geklettert war.

"Die chinesischen Konjunkturdaten für August waren eine große Enttäuschung", sagte Commerzbank-Ökonom Hao Zhou. Industrieproduktion und Einzelhandelsumsätze wuchsen jeweils so schwach wie seit rund einem Jahr nicht mehr. Angesichts der regionalen Schließungen wegen neuerlicher Corona-Infektionen sei insbesondere die Inlandsnachfrage schwach ausgefallen, sagte Zhou.

Höchster Preisanstieg seit 30 Jahren

Auch das Thema Inflation bleibt den Skeptikern am Markt erhalten. Zwar sorgten gestern moderate US-Verbrauchervertrauen für eine relative Entspannung im Hinblick auf die Politik der Notenbanken. Dass die Teuerungsrate auch in Deutschland aber wohl länger hoch bleiben wird, zeigt eine aktuelle Prognose des Münchener Ifo-Instituts.

Danach erwarten die Forscher in diesem Jahr mit 3,0 Prozent den höchsten Anstieg der Verbraucherpreise seit fast 30 Jahren. Für das kommende Jahr erwarten die Münchner Ökonomen eine Inflationsrate zwischen zwei und 2,5 Prozent, wie das Institut am Mittwoch mitteilte. Auch das wäre ein erheblich schnellerer Preisanstieg als im Mittel der vergangenen zehn Jahre.

Am Devisenmarkt wird der Euro im US-Handel bei 1,1812 leicht unter dem europäischen Niveau gehandelt. Besser als erwartet ausgefallene Daten aus der Industrie der Eurozone stützten den Euro etwas. So ist die Industrieproduktion im Juli deutlich stärker gestiegen als erwartet. Ansonsten hielten sich die Impulse für die den Euro in Grenzen. Der besser als erwartet ausgefallene Empire-State-Konjunkturindex beflügelte den Greenback hingegen nicht. Die Europäische Zentralbank (EZB) setzte den Referenzkurs auf 1,1824 (Dienstag: 1,1814) US-Dollar fest.

Die negativen Auswirkungen des Hurrikan "Nicholas" auf die Förderung im Golf von Mexiko sind offenbar nicht mehr so stark im Fokus. Mittlerweile hat sich der Hurrikan zu einem Tropensturm abgeschwächt. Das Unwetter hatte auf dem Ölmarkt für Aufsehen gesorgt, weil sich die Golfregion gerade von dem erst vor rund zwei Wochen wütenden Hurrikan "Ida" erholt.

Mit der Entwarnung zogen die Notierungen sowohl für die Nordseesorte Brent als auch die US-Sorte WTI um rund drei Prozent deutlich an. Die Ölpreise profitierten zudem von einem unerwartet starken Abbau der US-Rohölbestände und der Hoffnung auf eine steigende Nachfrage im Zuge des Impffortschritts gegen Covid-19. Die Feinunze Gold kostete bei 1792 Dollar rund 0,6 Prozent weniger.

Der Chemikalienhändler Brenntag hat dank einer anhaltend guten Geschäftsentwicklung erneut seine Prognose für das laufende Jahr eine Woche vor dem DAX-Aufstieg der Aktie erhöht. So dürfte das operative Ergebnis (Ebitda) 2021 zwischen 1,26 Milliarden und 1,32 Milliarden Euro liegen. Brenntag geht davon aus, dass sich das derzeit "außergewöhnliche Marktumfeld" mindestens bis zum Jahresende halten wird.

Der deutsche Kochboxenversender Hellofresh, der ebenfalls vor dem DAX-Aufstieg steht, hat in das russische Pendant Chefmarket investiert. Über eine Kapitalerhöhung seien rund zehn Prozent der Anteile an dem russischen Kochboxenversender erworben worden, so das Unternehmen. Die Investition belaufe sich auf einen einstelligen Millionen-Euro-Betrag, hieß es weiter. Mit dem Schritt betrete Hellofresh einen Markt mit großem Potenzial, hieß es zur Begründung.

Die Commerzbank holt sich neue Chefs für das Privatkunden- und das IT-Ressort ins Haus. Der Retail-Banking-Vorstand der österreichischen Erste Group, Thomas Schaufler, werde zum 1. Januar 2022 die Verantwortung für Privat- und Unternehmerkunden übernehmen, teilte das Frankfurter Geldhaus am Mittwoch nach einer Aufsichtsratssitzung mit und bestätigte damit entsprechende Medienberichte. Wie die Commerzbank weiter mitteilte, wird der selbstständige Berater Jörg Oliveri del Castillo-Schulz Nachfolger des bisherigen IT-Vorstands Jörg Hessenmüller. Dieser scheide spätestens zum Jahresende aus.

Der Spezialchemiekonzern Wacker Chemie profitiert weiter von hohen Polysiliciumpreisen und einer sehr starken Nachfrage in seinen Chemiebereichen. Das Münchener Unternehmen hob daher am Mittwoch nach Börsenschluss seine Jahresprognosen für Umsatz und operatives Ergebnis erneut an.

Das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen dürfte 2021 zwischen 1,2 und 1,4 Milliarden Euro liegen, nachdem Wacker bisher mit 900 Millionen bis 1,1 Milliarden operativem Gewinn gerechnet hatte. Der Umsatz soll von 4,7 Milliarden Euro im Vorjahr nun auf rund 6 Milliarden Euro steigen. Bisher hatte das Management rund 5,5 Milliarden Euro als Ziel ausgegeben. Im laufenden dritten Quartal rechnet Wacker mit einem Umsatz in der Größenordnung von 1,6 Milliarden Euro, das operative Ergebnis soll voraussichtlich bei etwa 400 Millionen Euro liegen. Die Wacker-Aktie stieg nachbörslich auf der Handelsplattform Tradegate zunächst um 1,7 Prozent über ihren Xetra-Schlusskurs.

Südzucker hat nach einem guten zweiten Quartal seine Jahresprognose bestätigt. Der Umsatz soll 2021/22 unverändert auf 7,0 bis 7,2 Milliarden Euro steigen, nach 6,7 Milliarden Euro im Vorjahr, wie das Unternehmen aus dem SDAX am Mittwoch in Mannheim nach Börsenschluss mitteilte. Das operative Konzernergebnis soll sich deutlich verbessern und wird weiterhin in einerBandbreite von 300 bis 400 Millionen Euro gesehen (Vorjahr: 236). Im zweiten Geschäftsquartal (per 31. August) stieg der Konzernumsatz vorläufigen Zahlen zufolge um rund 10 Prozent auf rund 1,84 Milliarden Euro und das operative Konzernergebnis wurde um rund 25 Prozent auf rund 85 Millionen Euro gesteigert.

Im Übernahmekampf um Zooplus hat ein Interessent aufgegeben. Der Finanzinvestor KKR habe die Gespräche über eine Offerte "angesichts der jüngsten Entwicklungen" beendet, teilte der Onlinehändler für Tierbedarf am Mittwoch in München mit. Der Zooplus-Kurs gab um 23,0 Prozent auf 466,40 Euro nach und entfernte sich damit von seinem jüngsten Rekord von 482,20 Euro.

Die Aktie des Baumarktbetreibers ist ein Gewinner der vergangenen Monate. Heute stieg der Titel auf ein Rekordhoch, gegen den allgemeinen Markttrend. Das zweite Geschäftsquartal sollte die positiven Geschäftstrends unterstreichen, der Jahresausblick sei ermutigend, schrieb Analyst Thilo Kleibauer von Warburg Research und erhöhte sein Kursziel von 119 auf 124 Euro. Gemessen am aktuellen Kurs von rund 105 Euro erwartet er damit ein Aufwärtspotenzial von 18 Prozent.

Detaillierte Zahlen hatten Investoren von Auto1 zu verarbeiten. Im ersten Halbjahr hat der Online-Gebrauchtwagenhändler seinen Verlust unter dem Strich auf 282,4 Millionen Euro mehr als vervierfacht. Die Firma hatte bereits Anfang August ihre Umsatzprognose angehoben, gleichzeitig aber die Margenziele gesenkt, da sie noch mehr Geld in ihr Wachstum stecken will. Die Aktie gab nach.

Gute Verkäufe in Filialen und per Online-Shopping haben dem Textilhändler Inditex zu einem Sprung zurück in die Gewinnzone verholfen. Im Vergleich zum Vorjahreszeitraum ist der Umsatz im ersten Halbjahr um fast die Hälfte auf gut 11,9 Milliarden Euro gestiegen, so der Eigner der Modeketten Zara, Bershka und Massimo Dutti. Von Februar bis Juli lag das bereinigte operative Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) mit 3,1 Milliarden Euro mehr als doppelt so hoch wie ein Jahr zuvor. Unter dem Strich verdiente Inditex knapp 1,3 Milliarden Euro nach einem Vorjahresverlust von 195 Millionen Euro.

Nach einem Kursrutsch von mehr als 20 Prozent ist der Handel mit der bis Mai 2023 laufenden Anleihe von China Evergrande an der Börse Shenzhen angehalten worden. Auch der bis Januar 2023 laufende Bond rutschte um rund 20 Prozent ab, der Kurs der in Shanghai gehandelten bis Mai 2024 laufenden Anleihe fiel mehr als 20 Prozent. Für diese Titel kündigte der Börsenbetreiber keine Handelsaussetzungen an. Zahlungsausfälle bei Evergrande sind für das chinesische Bankensystem nach Meinung der Ratingagentur Fitch in Gänze verkraftbar. Kleinere Institute dürften aber einen deutlichen Zuwachs an faulen Krediten in ihren Bilanzen spüren, so Fitch.

Volvo Cars soll an die Börse

Der Autohersteller Volvo macht Insidern zufolge Ernst mit seinen Plänen für einen Börsengang. Der chinesische Mutterkonzern Geely Holding will Aktien des Unternehmens Ende September an der Stockholmer Börse platzieren, wie drei mit der Angelegenheit vertraute Personen der Nachrichtenagentur Reuters sagten. Es könnte einer der größten Börsengänge in Europa in diesem Jahr werden: Volvo Cars strebt Insidern zufolge eine Bewertung von rund 20 Milliarden Dollar an. Eine weitere Person sagte, eine Marktkapitalisierung von 16 Milliarden Dollar sei realistischer.

Volvo lehnte einen Kommentar ab, Geely war zunächst nicht für eine Stellungnahme erreichbar. Die Banken Goldman Sachs und SEB begleiten den nun geplanten Börsengang gemeinsam mit den Instituten BNP Paribas, Carnegie und HSBC.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 15. September 2021 um 12:00 Uhr.