Goldbarren sind gestapelt | AFP
Marktbericht

Börsengewinne im Corona-Jahr Nur Gold glänzt mehr als Aktien

Stand: 30.12.2020 23:28 Uhr

Ende gut, alles gut: Trotz Corona-Krise ist das Börsenjahr 2020 erfolgreich zu Ende gegangen. Der DAX schaffte ein kleines Plus, und die Wall Street legte noch kräftiger zu. Nur Gold glänzte noch mehr.

Von Notker Blechner, tagessschau.de

Das gelbe Edelmetall verteuerte sich - in Dollar gerechnet - um über 20 Prozent. Mit 2075 Dollar je Feinunze erreichte der Goldpreis im Sommer den höchsten Stand seiner Geschichte. Seither musste der Rohstoff etwas Federn lassen. Zum Jahresausklang kostet Gold 1889 Dollar je Feinunze.

Starkes Börsenjahr an der Wall Street

Der begehrte Rohstoff, der zu festlichen Anlässen als Schmuck verschenkt wird, stahl den Börsen etwas die Show. Der US-Leitindex Dow Jones gewann 2020 "nur" rund acht Prozent. Am vorletzten Handelstag des Jahres stieg er weiter um 0,2 Prozent, verfehlte aber ein neues Rekordhoch. Der breit gefasste S&P 500 legte ebenfalls leicht um 0,1 Prozent zu. Auf Jahressicht kommt der Index auf ein Plus von satten 15 Prozent.

 

Impfstoffe als "Zuversichtsspritze"

Erneut waren es die Impfstoff-Hoffnungen, die den US-Börsen Auftrieb gaben. "Die Aussicht auf schnellere und weiträumigere Impfungen ist eine Zuversichtsspritze für die Märkte, während sich der Kampf gegen das Coronavirus intensiviert", sagte Finanzmarkt-Expertin Janet Mui vom Vermögensverwalter Brewin Dolphin. Am Mittwoch hat Großbritannien einen weiteren Impfstoff zugelassen.

Selbst die vorläufige Blockade einer geplanten Aufstockung der staatlichen Konjunkturhilfen in den USA zur Abfederung der Pandemie-Folgen dämpfe die Stimmung kaum. Die Anleger glauben offenbar, dass schon bald die Biden-Regierung neue stützende Corona-Pakete verabschieden wird.

Handel an der Wall Street auch an Silvester

In New York wird auch am Silvestertag gehandelt, lediglich der US-Anleihenmarkt schließt morgen um 20 Uhr mitteleuropäischer Zeit (MEZ) nach verkürztem Handel.

DAX schließt leicht im Minus

An der Frankfurter Börse endete der Aktienhandel schon heute am frühen Nachmittag. Mit 13.718 Punkten verabschiedete sich der DAX zwar um 0,3 Prozent tiefer im Vergleich zum Vortag. Im gesamten Jahr erzielte der deutsche Leitindex nach einer heftigen Berg- und Talfahrt aber ein Plus von 3,5 Prozent. Am Montag hatte er sogar zeitweise ein neues Rekordhoch von 13.903 Zählern markiert. Bei den Werten aus der zweiten Reihe schaffte der MDAX sogar einen Zuwachs um fast neun Prozent.

Euro steigt über 1,23 Dollar

Als Bremsklotz erwies sich einen Tag vor Silvester der starke Euro. Die Gemeinschaftswährung übnersprang erstmals seit dem Frühjahr 2018 die Marke von 1,23 Dollar. Am Abend notierte die Gemeinschaftswährung bei 1,2283 Dollar. Sie profitiert von der derzeitigen Dollarschwäche. Die erhöhte Risikobereitschaft der Investoren führt dazu, dass der Greenback als Welt-Reservewährung nicht mehr so gefragt ist.

Ölpreise zeigen Konjunkturhoffnungen

Die Ölpreise haben sich am Mittwoch kaum bewegt. Ein Barrel (159 Liter) der Nordsee-Sorte Brent kostete zuletzt 51,16 US-Dollar - sieben Cent mehr als am Dienstag. Der Preis für ein Fass der US-Sorte West Texas Intermediate (WTI) fiel um zehn Cent auf 47,91 Dollar. Nach Weihnachten profitierten die Ölpreise von einer allgemein freundlichen Stimmung an den Finanzmärkten. Das Brexit-Handelsabkommen und ein neues Corona-Hilfsprogramm in den USA machten Hoffnung auf einen Konjunkturschub.

Impfstoff-Nachrichten sorgen für Bewegung

Das chinesische Unternehmen Fosun Pharma will laut einem Medienbericht mit Biontech dessen Impfstoff in China herstellen. Wie das Finanzmagazin "Caixin" berichtete, soll die erste Anlage in China eine Produktionskapazität von 200 Millionen Dosen haben. Einen Zeitraum nannte das Magazin nicht. Ein Fosun-Sprecher lehnte eine Stellungnahme ab. Biontech-Aktien stiegen zeitweise, rutschten aber dann wieder ab.

Die Aktien von Sinopharm legten deutlich zu. Der Impfstoffkandidat des chinesischen Herstellers kommt nach Ergebnissen einer Phase-3-Studie auf eine Wirksamkeit von 79 Prozent. Die Vakzine der Unternehmen Pfizer und Biontech sowie von Moderna kommen auf eine durchschnittliche Wirksamkeit von 95 beziehungsweise 94 Prozent. Anders als die Impfstoffe von Biontech/Pfizer und Moderna nutzt der nun präsentierte chinesische Impfstoff keine gentechnischen Verfahren.

Der von AstraZeneca und der Universität Oxford entwickelte Corona-Impfstoff hat in Großbritannien grünes Licht bekommen. Großbritannien ist damit das weltweit erste Land, das den Oxford-Impfstoff zugelassen hat. Die Europäische Arzneimittelbehörde (EMA) hält dagegen eine Zulassung des Corona-Impfstoffes von AstraZeneca in der Europäischen Union schon im Januar für unwahrscheinlich. Aktien des Pharmakonzerns gewinnen in London deutlich.

Relief enttäuscht gegen Corona

Deutlich unter Druck geriet die Aktie von Relief Therapeutics am Mittwoch. An der Schweizer Börse ist der Titel um 34 Prozent abgestürzt. Zuvor hatte die Schweizer Pharmafirma mitgeteilt, dass die US-Gesundheitsbehörde FDA dem Wirkstoff Zyesami eine Notfall-Zulassung verweigert habe. Die FDA wolle weitere Studienergebnisse abwarten. Mit einer Vervielfachung um über 35.000 Prozent ist Relief allerdings die Aktie mit der besten Kursentwicklung an der Schweizer Börse im laufenden Jahr.

Jahresgewinner ganz oben

Die Dax-Spitze führten Merck und Delivery Hero an. Die beiden Aktien gehörten zu den größten Kursgewinnern in diesem Jahr. Der Essenslieferdienst, der erst im August für den Skandal-Konzern Wirecard in den Dax aufgerückt war, verzeichnete 2020 ein Kursplus von 80 Prozent. Die Titel von Merck konnten über 33 Prozent zulegen.

MTU am Dax-Ende

Die rote Laterne am Mittwoch ging an MTU, einen der größten Jahresverlierer. Wegen des zusammengebrochenen Flugverkehrs sackten die Aktien des Triebwerkbauers um 16 Prozent ab. Der Dax-Konzern litt unter einer Auftragsflaute.

Autowerte im DAX schwächer

Die Anleger im europäischen Autosektor machten zum Jahresschluss weiter Kasse. BMW uund Conti verloren jeweils über ein Prozent. Während die Anleger zuletzt dank der anlaufenden Impfungen auf wieder bessere Zeiten nach der Coronakrise hoffen, wird der starke Euro für die Autoindustrie zum Jahreswechsel mehr und mehr Grund zur Sorge.

VW schließt Vergleiche

Nur die VW-Aktien hielten sich im Plus. Die Schadenersatz-Zahlungen des VW-Konzerns an rund 55.000 einzelne Dieselkläger sind zum Jahreswechsel in knapp der Hälfte aller Fälle abgewickelt. Wie die Deutsche Presse-Agentur aus dem Unternehmen erfuhr, wurden in den separaten Verfahren außerhalb des großen Mustervergleichs inzwischen "insgesamt über 25.000" Vereinbarungen geschlossen. In diesen Fällen sei die Auszahlung schon beendet oder laufe derzeit. Noch nicht abschließend beigelegt sind damit etwa 30.000 Klagen - allerdings gebe es bereits gut 15.000 Vergleichsangebote, die den Kunden nun vorlägen.

Bayer startet Joint-Venture

Der australische Medizindiagnostik-Konzern Universal Biosensors will mit Hilfe des deutschen Pharma- und Agrarchemieunternehmens Bayer die Labordienstleistungen seiner kanadischen Tochtergesellschaft Hemostasis Reference Laboratory (HRL) ausbauen. Bayer stelle über einen vereinbarten Zeitraum bestimmte Laborleistungen für die Analyse biologischer Proben. Weitere Einzelheiten zum Vertrag wurden zunächst nicht bekannt.

Katar steigt bei Siemens-JV ein

Der Staatsfonds von Katar steigt mit 125 Millionen Dollar in ein Energiespeicher-Projekt von Siemens und dem US-Versorger AES ein. Die Qatar Investment Authority (QIA) übernimmt zwölf Prozent der Anteile an Fluence, einem vor gut zwei Jahren gegründeten Gemeinschaftsunternehmen von Siemens und AES zur Entwicklung von riesigen Lithium-Ionen-Batterien zur Speicherung von Energie. Damit werde Fluence mit mehr als einer Milliarde Dollar bewertet,

Uniper hält an Datteln noch lange fest

Der Energiekonzern will bis 2038 am umstrittenen Steinkohlekraftwerk Datteln festhalten. "Datteln wird das letzte Kohlekraftwerk sein, das in Deutschland vom Netz geht. Wir wollen Datteln bis 2038 laufen lassen", sagte Uniper-Chef Andreas Schierenbeck der "Rheinischen Post". Finanziell seien die nun gestarteten Auktionen zum Ausstieg aus der Steinkohle "nicht sehr attraktiv", sagte Schierenbeck. "Aber wir bleiben bei unserem Kurs: Bis 2025 gehen alle deutschen Uniper-Kohlekraftwerke bis auf Datteln 4 vom Netz." Schierenbeck erwartet zudem nach den jüngsten Fortschritten den raschen Fertigbau der Pipeline Nord Stream 2. "Es fehlen nur noch rund 150 Kilometer. Ich gehe davon aus, dass Nord Stream die Pipeline nun zu Ende baut", sagte Schierenbeck.

Luxus-Hochzeit zwischen LVMH und Tiffany besiegelt

Die Aktien von LVMH stiegen am Mittwoch auf ein Rekordhoch von über 517 Euro. Die Aktionäre des US-Juweliers Tiffany haben die weltgrößte Luxusgüter-Übernahme besiegelt. Nach einem monatelangen, erbitterten Streit der beiden Unternehmen billigten sie auf einer virtuellen außerordentlichen Aktionärsversammlung die rund 15,8 Milliarden Dollar schwere Übernahme durch den französischen LVMH-Konzern. Die schon 2019 vereinbarte Akquisition war wegen der Corona-Pandemie und drohender US-Zölle ins Wanken geraten. LVMH wollte die Fusion abblasen, Tiffany stemmte sich dagegen und ging vor Gericht, um den Zusammenschluss durchzusetzen. Der Kaufpreis liegt 425 Millionen Dollar unter dem ursprünglich vereinbarten Preis. Die Kartellbehörden hatten der Fusion bereits zugestimmt.

Das Logo des Juweliers Tiffany & Co. | REUTERS

Bild: REUTERS

Apple wertvollstes Unternehmen der Welt

Nach dem jüngsten Rekordhoch von Apple nahmen Anleger Gewinne mit. Seit Jahresbeginn ist der Kurs um 78 Prozent gestiegen. Der iPhone-Konzern ist inzwischen mit fast 2,3 Billionen Dollar das wertvollste börsennotierte Unternehmen der Welt. Der US-Smartphone- und Softwareriese hat den Ölkonzern Saudi Aramco an der Spitze des Börsen-Rankings abgelöst, wie aus Berechnungen der Unternehmensberatung EY und von Reuters hervorgeht. Sieben der teuersten zehn Unternehmen der Welt kommen aus den USA, zwei aus China. Senkrechtstarter des Jahres ist der US-Elektroauto-Bauer Tesla, dessen Wert sich auf 631 Milliarden Dollar verachtfachte. Zum Vergleich: Toyota, der schwerste der traditionellen Autokonzerne, kommt mit 215 Milliarden Dollar auf gut ein Drittel davon, Volkswagen mit knapp unter 100 Milliarden auf ein Sechstel.

Bitcoin steuert Richtung 29.000 Dollar

Die Rekordjagd der Digitalwährung Bitcoin geht weiter. Am Mittwoch erreichte der Kurs auf der Luxemburger Handelsplattform Bitstamp ein neues Rekordhoch bei 28.908 US-Dollar. Seit Anfang November befindet sich der Bitcoin in einem rasanten Höhenflug. In dieser Zeit hat sich der Kurs mehr als verdoppelt.

Über dieses Thema berichteten die tagesthemen am 30. Dezember 2020 um 23:35 Uhr.