Freude an der NYSE | picture alliance / Xinhua
Marktbericht

Anleger in Kauffreude Hoffnung auf neue Konjunkturhilfen

Stand: 15.12.2020 22:48 Uhr

An der Wall Street setzt sich zunehmend der Optimismus durch, nachdem die größte Impfkampagne in der Geschichte der USA begonnen hat. Zudem steigen die Chancen auf ein weiteres Hilfspaket.

Bewegung im Streit um weitere Konjunkturhilfen und die Hoffnung auf weitere lockere geldpolitische Maßnahmen der Fed haben der Wall Street Auftrieb gegeben. Der US-Standardwerteindex Dow Jones stieg um 1,1 Prozent auf 30.199 Punkte. Der breit gefasste S&P 500 und der technologielastige Nasdaq legten ähnlich stark zu.

Aussicht auf Hilfspaket in den USA steigt

Anleger setzten auf eine Einigung im Streit um zusätzliche staatliche Konjunkturhilfen in den USA, sagte Marktanalyst Milan Cutkovic vom Brokerhaus Axi. "Ein Deal zwischen Demokraten und Republikanern könnte den Aktienmärkten den nötigen Schwung verleihen, um das turbulente Börsenjahr 2020 mit einem Kursfeuerwerk zu beenden."

Es sei wahrscheinlich, dass ein US-Hilfspaket verabschiedet werde, sagte auch Rick Meckler, Partner beim Vermögensverwalter Cherry Lane. Investoren hofften darauf, dass es angesichts der wieder steigenden Coronavirus-Infektionszahlen eher größer ausfällt.

Warten auf die Fed

Neue Impulse versprechen sich Marktexperten von der Sitzung der US-Notenbank am Mittwoch. Die Fed will am Mittwoch ihre geldpolitischen Entscheidungen bekannt geben. Die Notenbank werde wohl die Laufzeit ihrer Anleihekäufe verlängern und erneut signalisieren, dass der Leitzins bis mindestens 2023 bei fast null Prozent verharren wird, prognostizierte Anlagestratege Francois Rimeu vom Vermögensverwalter La Francaise. Eine noch lockerere Geldpolitik der US-Notenbank könnte den Börsen die nächste vorweihnachtliche Bescherung bringen.

DAX macht Dezember-Delle wett

Angesteckt von der guten Stimmung an der Wall Street wurde der DAX. Er knüpfte am Dienstag an seinen positiven Wochenbeginn an und legte um rund ein Prozent zu. Mit fast 13.363 Punkten notiert er nun wieder leicht über dem Niveau von Anfang Dezember. In der zweiten und dritten Börsenreihe herrscht sogar Rekordstimmung. Der SDAX der kleineren Werte kletterte auf ein neues Allzeithoch, nachdem der MDAX bereits gestern eine historische Bestmarke erreicht hatte. Die Chancen für eine Weihnachts- oder Jahresendrally sind gut.

Impfstoff in der EU noch vor Weihnachten?

Mut macht den Anlegern die Aussicht auf eine EU-weite Zulassung eines ersten Corona-Impfstoffs noch vor Weihnachten. Die Europäische Arzneimittelbehörde EMA hat dem öffentlichen Druck nachgegeben und angekündigt, schon in einer Woche am 21. Dezember die Bewertung des Zulassungsantrags abschließen zu wollen. "Die ersten Europäer können voraussichtlich vor Ende 2020 geimpft werden", twitterte EU-Kommissionschefin Ursula von der Leyen.

Sinkende Renditen bei Südeuropaanleihen

Am Anleihemarkt überwog dagegen die Vorsicht. Die Renditen vor allem der südeuropäischen Papiere sanken. Die Verzinsung spanischer und italienischer Anleihen mit zehnjähriger Laufzeit fiel auf minus 0,006 Prozent beziehungsweise 0,493 Prozent - so niedrig wie nie zuvor. Im Gegenzug stiegen die Kurse der Papiere. Zehnjährige deutsche Staatsanleihen lagen bei minus 0,627 Prozent. "Der Markt schaut nur mit großer Vorsicht auf das Licht am Ende des Tunnels", sagte Commerzbank-Stratege Rainer Guntermann. Gerade bei den südeuropäischen Papieren sorge zudem die Europäische Zentralbank für günstige Finanzierungsbedingungen für die besonders unter der Pandemie leidenden Länder.

Euro behauptet sich

Am Devisenmarkt hielt sich der Euro bei 1,2160 Dollar. Die im Tagesverlauf veröffentlichten Konjunkturdaten aus den USA gaben dem Markt keine klare Richtung. So stieg die Industrieproduktion im Oktober etwas stärker als erwartet, während ein wichtiger Frühindikator für die Region New York im November nachgab. Die Märkte warten jetzt auf die Fed am Mittwoch.

China erholt sich weiter

Chinas Industrie hat sich im November wie erwartet weiter von den Folgen der Pandemie erholt. Das Wachstum der Industrieproduktion beschleunigte sich im November gegenüber dem Vorjahr um sieben Prozent, wie Daten des Nationalen Statistikamtes am Dienstag zeigten. Dies entsprach den Erwartungen der Analysten einer Reuters-Umfrage. Im Oktober betrug die Expansion 6,9 Prozent. Die wirtschaftliche Erholung Chinas nahm damit den achten Monat in Folge Fahrt auf und scheint sich auch im vierten Quartal weiter zu beschleunigen. Hintergrund sind eine stärkere Nachfrage, ein höheres Kreditwachstum und Konjunkturmaßnahmen, die voraussichtlich für einen starken Rückenwind bis ins Jahr 2021 sorgen werden.

Ölmarkt schwächer als erwartet

Die Erholung des Ölmarkts wird nach Einschätzung der Internationalen Energieagentur (IEA) langsamer als bisher prognostiziert verlaufen. "Die Nachfrage wird eindeutig längere Zeit niedriger sein als erwartet", teilte die IEA mit. Sie reduzierte ihre Prognose für die Rohölnachfrage. "Der Markt bleibt fragil", schreibt die IEA. Schließlich wurden zuletzt in Europa erneut viele wirtschaftliche Beschränkungen beschlossen, die die Nachfrage nach Rohöl dämpfen. Für das Jahr 2021 senkte der Interessenverband führender Industriestaaten seine Prognose für die globale Nachfrage nach Rohöl um 110 000 Barrel (je 159 Liter) pro Tag. Im gesamten Jahr 2021 dürfte die Nachfrage trotzdem um 5,7 Millionen Barrel pro Tag zum Vorjahr steigen. Damit hätte die Ölnachfrage rund zwei Drittel ihres historischen Rückgangs im Jahr 2020 wettgemacht.

Herbert Diess bleibt VW-Chef

Angetrieben wurde heute der Dax von den Autoaktien, vor allem VW. Mit einem Plus von 7,6 Prozent waren die VW-Vorzugsaktien absoluter Dax-Spitzenreiter. Der VW-Aufsichtsrat hat Konzernchef Herbert Diess nach dem jüngsten Führungsstreit seine "Unterstützung" ausgesprochen. Er äußerte sich dabei jedoch nicht zu einem konkreten Anschlussvertrag für den Manager über das bisherige Ablaufdatum im April 2023 hinaus. Der Vorstandschef genieße das Vertrauen der Kontrolleure, und man wolle mit ihm weiter zusammenarbeiten, hieß es nach einer Sondersitzung des Gremiums.

Die US-Investmentbank Goldman Sachs hat die Einstufung von VW auf "Buy" mit einem Kursziel von 181 Euro belassen. Investoren dürften leicht positiv sehen, dass der Aufsichtsrat des Autobauers VW-Chef Herbert Diess den Rücken gestärkt hat, schrieb Analyst George Galliers in einer am Dienstag vorliegenden Studie. Außerdem gebe es nun Klarheit bei der Finanzchef-Nachfolge und eine Bestätigung, dass VW sich in den kommenden Jahren auf weitere Effizienzsteigerungen fokussieren will.

Telekom arbeitet mit Vodafone zusammen

Die Deutsche Telekom und Vodafone bauen ihre Zusammenarbeit aus und wollen beim Thema Glasfaser an einem Strang ziehen. Durch den Zugang zum Telekom-Glasfasernetzwerk könne Vodafone künftig auch dort direkte Glasfaseranschlüsse ins Haus ("Fiber to the Home") vermarkten, wo das Unternehmen bislang noch kein eigenes Netz hat, teilten beide Konzerne mit. Im Umkehrschluss sichere sich die Telekom eine bessere Auslastung.

Deutsche Bank baut noch mehr Jobs ab

Die Deutsche Bank kommt bei ihrem Sparkurs im Privatkundengeschäft offenbar voran. Gemäß einer neuen Vereinbarung mit der Arbeitnehmerseite soll die Zahl der Vollzeitstellen im administrativen Bereich der Privatkundensparte bis Ende 2022 auf rund 4.000 sinken, berichtete das "Handelsblatt" am Dienstag und berief sich auf Insider. Ende des vergangenen Jahres war der Bereich noch auf etwa 6.300 Vollzeitstellen gekommen. Die Mitarbeiter in diesem Segment kümmern sich um Aufgaben wie Kreditsachbearbeitung, Kontoführung und Zahlungsverkehr.

Chefwechsel bei Eon

Bei Deutschlands größtem Energiekonzern Eon endet die Ära von Vorstandschef Johannes Teyssen vorzeitig. Der 61-Jährige gibt den Chefposten zum 1. April kommenden Jahres an Leonhard Birnbaum ab. Das teilte Eon nach einem Beschluss des Aufsichtsrats mit. Teyssens Vertrag als Vorstandsvorsitzender lief noch bis Ende 2021. Birnbaum galt schon seit längerem als designierter Nachfolger Teyssens. Er ist seit 2013 Mitglied des Eon-Vorstands und hat zuletzt die Integration der früheren RWE-Tochter Innogy in den Eon-Konzern geleitet.

Metro-Aktie ignoriert den schwachen Ausblick

Die im MDAX notierten Metro-Stammaktien erholen sich kräftig. Zwar rechnet der Großhandelskonzern damit, dass die-Pandemie ihn auch im neuen Geschäftsjahr noch belasten wird. Hilfreich könnte demnach auch eine stabile Dividende von 0,70 Euro je Aktie sein. Analyst James Grzinic von Jefferies äußerte sich durchaus ermutigt zum vierten Geschäftsquartal, das mit Blick auf das Ergebnis das beste seit dem vom Coronavirus noch unbeeinflussten ersten Geschäftsquartal gewesen sei. Den Ausblick sah er aber als verhalten an. Sein Kollege Volker Bosse von der Baader Bank wertete diesen sogar als enttäuschend. Der Lockdown dürfte laut Prognose zufolge noch bis ins zweite Quartal belasten, bevor Metro dann mit einem Nachholeffekt und einer schnellen Erholung in den wichtigen Kundenkreisen Gastronomie und Tourismus rechnet.

Ceconomy einigt sich mit Familie Kellerhals

Ceconomy-Aktien schlossen um 25 Prozent höher. Die Elektronik-Handelskette MediaSaturn gehört künftig ganz der Muttergesellschaft Ceconomy. Der Düsseldorfer Konzern einigte sich nach jahrelangem Tauziehen mit der Media-Markt-Gründerfamilie Kellerhals auf die Übernahme der restlichen 21,6 Prozent der Anteile an MediaSaturn, wie Ceconomy am Montag nach Börsenschluss mitteilte.

Dafür bekommt die Kellerhals-Familienholding Convergenta eine Beteiligung von 25,9 Prozent an Ceconomy, Wandelanleihen im Wert von 160 Millionen Euro und 130 Millionen Euro in bar. Ceconomy bezifferte den Wert der Transaktion auf Basis des aktuellen Ceconomy-Aktienkurses auf insgesamt 815 Millionen Euro. Convergenta wolle die Beteiligung bis auf 29,9 Prozent aufstocken.

MediaMarkt-Gründer Erich Kellerhals hatte vor 30 Jahren die Mehrheit an der Kette verkauft, hatte sich aber umfangreiche Minderheitsrechte einräumen lassen. Das sorgte immer wieder für Streit. Er starb im Dezember 2017, mit den Erben wurde der Gesprächsfaden wieder aufgenommen.

Symrise wird erpresst

Der Hersteller von Duftstoffen und Aromen Symrise ist laut einem Zeitungsbericht Opfer eines groß angelegten Hackerangriffs geworden. Am Sonntag informierte der MDax-Konzern die Mitarbeiter in einem Schreiben über die Attacke, bei der "es sich um eine kriminelle Aktion unbekannter Täter mit erpresserischer Absicht", handele, wie das "Handelsblatt" aus einem internen Schreiben zitiert. Demnach heißt es weiter, "die Arbeit an unseren Standorten ist nur sehr eingeschränkt möglich".

Klöckner & Co. hebt Prognose an

Der Stahlhändler Klöckner & Co zeigt sich für das bald zu Ende gehende Geschäftsjahr optimistischer. So habe sich im Laufe des vierten Quartals die Erholung der Stahlnachfrage stärker als erwartet fortgesetzt, teilte das Unternehmen mit. Auch das sich wieder verbessernde Preisniveau wirke sich positiv auf das Ergebnis aus. Der SDAX-Konzern erhöhte daher seine Prognose und erwartet nun ein bereinigtes operatives Ergebnis von 105 bis 115 Millionen Euro. Zuvor war Klöckner & Co von 75 bis 95 Millionen ausgegangen. Der Mittelzufluss aus betrieblicher Tätigkeit soll weiter deutlich positiv sein. Klöckner erwarte zudem, dass die Markterholung sich auch zu Beginn des neuen Jahres fortsetzen wird. In Verbindung mit Effekten aus dem laufenden Transformationsprogramm geht das Unternehmen für das erste Quartal von einem deutlich verbesserten bereinigten operativen Ergebnis im Vergleich zum Vorjahr aus. Die Aktie des Unternehmens steigt deutlich.

Vossloh sieht sich als Klimaschutz-Gewinner

Die verschärften Klimaschutz-Vorgaben dürften Vossloh Auftrieb geben. Der Bahntechnik-Konzern Vossloh nimmt sich für die kommenden Jahre einen deutlichen Geschäftsausbau und steigende Gewinne vor. "Die Erreichung von Klimaschutzzielen ohne eine zunehmende Verlagerung von Verkehr auf die Schiene ist schlicht nicht realistisch", sagte Konzernchef Oliver Schuster auf einer Investorenveranstaltung. Mittelfristig will Vossloh seinen Umsatz im Schnitt um vier bis fünf Prozent pro Jahr steigern. In allen Geschäftsbereichen sollen dann mindestens zehn Prozent der Erlöse als Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) beim Unternehmen hängen bleiben.

Für 2021 zeigte sich das Management jedoch etwas vorsichtiger. So peilt Vossloh für das kommende Jahr einen Umsatz von 850 bis 925 Millionen Euro an. Von den Erlösen sollen im nächsten Jahr sieben bis acht Prozent als Ergebnis vor Zinsen und Steuern übrigbleiben. Die Vossloh-Aktien gewannen heute über fünf Prozent.

Ein Zug von dem Unternehmen Vossloh.  | NDR

Ein Zug von dem Unternehmen Vossloh. Bild: NDR

Cropenergies empfohlen

Nach dem gestrigen Kurseinbruch legten Cropenergies-Aktie wieder deutlich zu. Die DZ Bank hat den fairen Wert für die Papiere des Ethanolherstellers nach gekappter Jahresprognose von 15,00 auf 14,25 Euro gesenkt. Die Einstufung wurde jedoch auf "Kaufen" belassen. Das Unternehmen habe seinen im September deutlich angehobenen Ausblick bereits mit einem Warnhinweis wegen einer möglichen zweiten Viruswelle versehen, schrieb Analyst Axel Herlinghaus in einer Studie. Diese Situation sei nun eingetreten und somit seien auch die Zielsenkungen "nicht gänzlich unerwartet". Er rechnet damit, dass auch das erste Quartal noch in Mitleidenschaft gezogen sein dürfte.

Credit Suisse setzt auf Super-Reiche

Nach zuletzt eher mageren Jahren will die Credit Suisse 2021 wieder den Vorwärtsgang einlegen. "Das wird das Jahr, in dem Credit Suisse in die Offensive geht", sagte der seit Februar amtierende Konzernchef Thomas Gottstein am Dienstag auf einer Investorenveranstaltung. Dank einer Wachstumsbeschleunigung im Kerngeschäft mit reichen und superreichen Privatkunden, einem stabileren Investmentbanking und einer verstärkten Digitalisierung will die Schweizer Großbank im kommenden Jahr die zuvor mehrfach verpasste Marke von zehn Prozent bei der Eigenkapitalrendite erreichen. Credit Suisse hat es dabei vor allem auf erfolgreiche Unternehmer in Schwellenländern und Superreiche rund um den Globus abgesehen. Beide Kundengruppen wachsen deutlich schneller als die Weltwirtschaft.

Credit Suisse | Imago

Credit Suisse Bild: Imago

Mehr Corona-Probleme bei H&M

Die schwedische Textilkette hat die Kaufzurückhaltung der Kunden in der Corona-Krise zu spüren bekommen. Im vierten Quartal des Bilanzjahres sank der Nettoumsatz in lokaler Währung um zehn Prozent auf 52,5 Milliarden schwedische Kronen. "Zwischen dem 22. Oktober und dem 30. November gingen die Verkäufe im Vergleich zum entsprechenden Vorjahreszeitraum um 22 Prozent zurück, da die Erholung infolge der zweiten Welle der Pandemie ins Stocken kam", teilte H&M mit.

Gewinneinbruch bei Inditex

Die Zara-Mutter Inditex hat im Zeitraum August bis Oktober weniger Umsatz eingebüßt als noch im Quartal zuvor. Die Erlöse schrumpften um 14 Prozent nach einem Minus von 31 Prozent im Sommer, wie der spanische Textileinzelhändler mit seinen Marken Zara, Massimo Dutti, Bershka oder Pull & Bear mitteilte. Der Nettogewinn sank um 26 Prozent auf 866 Millionen Euro. Die zweite Corona-Welle und die damit einhergehenden neuen Beschränkungen sorgten allerdings seit November wieder für schwächere Geschäfte, teilte Inditex weiter mit. Im November seien 21 Prozent der Filialen geschlossen worden.

nb

Über dieses Thema berichteten am 15. Dezember 2020 B5 aktuell um 11:41 Uhr und die tagesschau um 12:00 Uhr.