Börse Frankfurt
Marktbericht

Noch unter 13.300 Warten auf die Jahresendrally

Stand: 15.12.2020 09:30 Uhr

Die Standardwerte an der Frankfurter Börse sind mit leichten Kursgewinnen in den Handel gestartet. Nun braucht der Markt Impulse von der amerikanischen Notenbank.

Zu Handelsbeginn hat der deutsche Leitindex bis zu 0,3 Prozent auf 13.267 Punkte gewonnen. Damit verharrt der Leitindex wie schon seit Wochen in der engen Bandbreite zwischen 13.000 und 13.450 Zählern.

Anleger dürften nun auf eine zusätzliche Unterstützung der US-Notenbank Fed hoffen, die morgen über ihren weiteren geldpolitischen Kurs entscheiden will. "Sollte sich das Corona-Hilfspaket weiter verzögern, dürften die Währungshüter nicht länger untätig bleiben und möglicherweise selbst das Zepter in die Hand nehmen. Der Griff in den geldpolitischen Instrumentenkasten bleibt nur eine Frage der Zeit", kommentierte Marktbeobachter Timo Emden vom gleichnamigen Analysehaus.

Milan Cutkovic, Marktanalyst beim Brokerhaus Axi, bezweifelt jedoch, dass die Sitzung der Federal Reserve am Mittwoch schon für den nötigen Funken für eine Jahresschlussrally sorgen kann. "Es könnte auch ein Treffen ohne große Maßnahmen, Überraschungen und Impulse werden. Fed-Chef Jerome Powell dürfte eher betonen, wie wichtig weitere Konjunkturmaßnahmen seitens des Staates sind, um das Risiko einer erneuten Rezession zu reduzieren."

Als Stütze wirken Wirtschaftsdaten aus China, die zeigen, dass neben der Industrie auch der Einzelhandel und die Investitionen weiter zulegen. "Chinas Wirtschaft wächst solide", fasste es Ökonom Hao Zhou von der Commerzbank zusammen.

In Japan verlor der Nikkei-Index heute 0,2 Prozent auf 26.687 Punkte. Am Devisenmarkt hält sich der Euro am Morgen weiter zwischen der Marke von 1,21 und 1,22 Dollar.

Uneinheitliche Entwicklung in New York

Der Beginn der Corona-Impfungen in den USA und die Aussicht auf ein 900 Milliarden Dollar schweres Hilfspaket für die US-Wirtschaft haben die Kurse an der Wall Street am Montag nur kurz angetrieben. Zwischenzeitlich erreichte der Dow Jones-Index sogar ein neues Rekordhoch. Zum Handelsende lag der Index aber bei 29.861 Punkten und damit 0,6 Prozent im Minus.

Der marktbreite S&P 500 gab um 0,4 Prozent auf 3.647 Punkte nach. Für den Nasdaq 100 ging es hingegen um 0,7 Prozent auf 12.462 Zähler aufwärts.

Impfstoff-Aktien fallen

Zudem begannen in den USA nach einer Notfallzulassung die Impfungen gegen das Coronavirus mit dem Impfstoff von Biontech und Pfizer. Die Aktien der beiden Unternehmen konnte das jedoch nicht weiter antreiben, im Gegenteil: Die an der Nasdaq gelisteten Biontech-Papiere sackten um 15 Prozent ab und die von Pfizer fielen um 4,6 Prozent. Beide Aktien waren zuletzt stark gestiegen, hier nahmen Anleger nun Kursgewinne mit.

China erholt sich weiter

Chinas Industrie hat sich im November wie erwartet weiter von den Folgen der Pandemie erholt. Das Wachstum der Industrieproduktion beschleunigte sich im November gegenüber dem Vorjahr um sieben Prozent, wie Daten des Nationalen Statistikamtes am Dienstag zeigten. Dies entsprach den Erwartungen der Analysten einer Reuters-Umfrage. Im Oktober betrug die Expansion 6,9 Prozent. Die wirtschaftliche Erholung Chinas nahm damit den achten Monat in Folge Fahrt auf und scheint sich auch im vierten Quartal weiter zu beschleunigen. Hintergrund sind eine stärkere Nachfrage, ein höheres Kreditwachstum und Konjunkturmaßnahmen, die voraussichtlich für einen starken Rückenwind bis ins Jahr 2021 sorgen werden.

Herbert Diess bleibt VW-Chef

Der VW-Aufsichtsrat hat Konzernchef Herbert Diess nach dem jüngsten Führungsstreit seine "Unterstützung" ausgesprochen. Sie äußerten sich dabei jedoch nicht zu einem konkreten Anschlussvertrag für den Manager über das bisherige Ablaufdatum im April 2023 hinaus.

Der Vorstandschef genieße das Vertrauen der Kontrolleure, und man wolle mit ihm weiter zusammenarbeiten, hieß es am Montagabend nach einer Sondersitzung des Gremiums. Diess soll die Neubesetzung dreier Vorstandsposten mit seiner eigenen Zukunft bei VW in Verbindung gebracht haben. Die Kontrolleure gaben nun einigen Vorschlägen statt. So soll der derzeitige Audi-Finanzchef Arno Antlitz Nachfolger von Finanzchef Frank Witter werden. Ressortchef für den Konzerneinkauf wird Murat Aksel. Für die intern "Komponente" genannte konzerneigene Zuliefersparte soll Thomas Schmall die Verantwortung erhalten.

Symrise wird erpresst

Der Hersteller von Duftstoffen und Aromen Symrise ist laut einem Zeitungsbericht Opfer eines groß angelegten Hackerangriffs geworden. Am Sonntag informierte der MDax-Konzern die Mitarbeiter in einem Schreiben über die Attacke, bei der "es sich um eine kriminelle Aktion unbekannter Täter mit erpresserischer Absicht", handele, wie das "Handelsblatt" (HB) am Montagabend aus einem internen Schreiben zitiert. Demnach heißt es weiter, "die Arbeit an unseren Standorten ist nur sehr eingeschränkt möglich".

Ceconomy einigt sich mit Familie Kellerhals

Ceconomy-Aktien steigen zu Handelsbeginn prozentual zweistellig. Die Elektronik-Handelskette MediaSaturn gehört künftig ganz der Muttergesellschaft Ceconomy. Der Düsseldorfer Konzern einigte sich nach jahrelangem Tauziehen mit der Media-Markt-Gründerfamilie Kellerhals auf die Übernahme der restlichen 21,6 Prozent der Anteile an MediaSaturn, wie Ceconomy am Montag nach Börsenschluss mitteilte.

Dafür bekommt die Kellerhals-Familienholding Convergenta eine Beteiligung von 25,9 Prozent an Ceconomy, Wandelanleihen im Wert von 160 Millionen Euro und 130 Millionen Euro in bar. Ceconomy bezifferte den Wert der Transaktion auf Basis des aktuellen Ceconomy-Aktienkurses auf insgesamt 815 Millionen Euro. Convergenta wolle die Beteiligung bis auf 29,9 Prozent aufstocken.

MediaMarkt-Gründer Erich Kellerhals hatte vor 30 Jahren die Mehrheit an der Kette verkauft, hatte sich aber umfangreiche Minderheitsrechte einräumen lassen. Das sorgte immer wieder für Streit. Er starb im Dezember 2017, mit den Erben wurde der Gesprächsfaden wieder aufgenommen.

Mehr Corona-Probleme bei H&M

Die schwedische Textilkette hat die Kaufzurückhaltung der Kunden in der Corona-Krise zu spüren bekommen. Im vierten Quartal des Bilanzjahres sank der Nettoumsatz in lokaler Währung um zehn Prozent auf 52,5 Milliarden schwedische Kronen. "Zwischen dem 22. Oktober und dem 30. November gingen die Verkäufe im Vergleich zum entsprechenden Vorjahreszeitraum um 22 Prozent zurück, da die Erholung infolge der zweiten Welle der Pandemie ins Stocken kam", teilte H&M mit.

ME/dpa/rtr

Über dieses Thema berichtete Inforadio am 15. Dezember 2020 um 09:38 Uhr.