Händler arbeiten mit Atemschutzmasken an der New York Stock Exchange
Marktbericht

Nasdaq deutlich im Minus Tech-Aktien ziehen die Wall Street nach unten

Stand: 16.12.2021 22:12 Uhr

Nach einem recht positiven Beginn sind die amerikanischen Aktienmärkte im Handelsverlauf deutlich abgerutscht. Aktien wie Apple und Microsoft standen überdurchschnittlich unter Druck.

Der Dow-Jones-Index beendete den Handel bei 35.897 Punkten und damit 0,1 Prozent in der Verlustzone. An der Technologiebörse Nasdaq rutschte der alle Werte umfassende Composite-Index sehr viel deutlicher um zweieinhalb Prozent auf 15.180 Punkte ab. Die Technologiewerte litten unter der Aussicht auf mehrere Zinserhöhungen in den USA im kommenden Jahr. Höhere Zinsen entwerten die erwarteten Gewinne dieser überdurchschnittlich wachsenden Konzerne.

Besonders hart traf es die Adobe-Aktie. Ein enttäuschender Ausblick führte bei dem Wert zum größten Kurssturz seit dem Börsen-Crash vom März 2020. Der "Photoshop"-Anbieter rechnet für das Geschäftsjahr 2022 mit einem Umsatz von 17,9 Milliarden Dollar und damit weniger als von Marktbeobachtern erwartet.

Besser lief es am deutschen Aktienmarkt. Zuvor hatte der DAX den Handel im elektronischen Handelssystem Xetra mit 15.636 Punkten beendet, ein Plus von gut einem Prozent. Zwischenzeitlich war der deutsche Leitindex sogar nahe an die Marke von 15.800 herangerückt.

EZB zieht die Zügel an - ein bisschen

Ansonsten sind mehrere Notenbankentscheidungen das wichtigste Thema an diesem "Super Donnerstag". Die EZB wagt die schrittweise Abkehr vom Krisenmodus und lässt ihr billionenschweres Pandemie-Notprogramm PEPP auslaufen. Der EZB-Rat beschloss am Nachmittag, die Anleihekäufe Ende März 2022 zu beenden. Dennoch bleibt die Geldpolitik noch immer sehr expansiv, denn der Leitzins bleibt auf dem Rekordtief von null Prozent.

Darüber hinaus ist eine weitere Straffung der Geldpolitik mit steigenden Zinsen offenbar nicht in Sicht. "Unter den gegenwärtigen Umständen, wie ich zuvor gesagt habe, ist es sehr unwahrscheinlich, dass wir die Zinsen im Jahr 2022 anheben", sagte EZB-Präsidentin Christine Lagarde nach dem Zinsbeschluss. Das gelte weiter. Die Währungshüter müssten aber sehr aufmerksam die Daten beachten. "Und das werden wir tun," sagte Lagarde.

Gleichzeitig hat die Notenbank ihre Inflationsprognose im kommenden Jahr fast verdoppelt. Ihre Ökonomen sagen jetzt eine durchschnittliche Teuerungsrate in der Währungsunion von 3,2 Prozent voraus. Im September waren sie noch von 1,7 Prozent ausgegangen. "Die Inflation dürfte kurzfristig hoch bleiben, aber sich im Laufe des kommendes Jahres abschwächen", sagte Lagarde.

"Die Beschlüsse der EZB sind allenfalls eine geringfügige Korrektur an einer weiterhin sehr expansiven Politikausrichtung. Dämpfende Auswirkungen auf die Inflationsrate sind davon nicht zu erwarten", sagte Volkswirt Michael Heise vom Vermögensverwalter HQ Trust.

Deutlich weiter ist hingegen die Notenbank des Vereinigten Königreichs. Die Bank of England (BoE) hob heute überraschend den Leitzins von 0,1 auf 0,25 Prozent an. Sie ist damit die erste der großen Zentralbanken weltweit, die seit dem Beginn der Pandemie den Schlüsselsatz nach oben nimmt.

Bereits gestern hatte die Fed eine Trendwende in der amerikanischen Geldpolitik eingeläutet. Die Fed wird das Tempo der Anleihekäufe weiter drosseln.

Wie Analystin Birgit Henseler von der DZ Bank kommentierte, steigt das Leitzinsniveau in den USA zwar "schneller, auf lange Sicht aber nicht höher". Das bis Ende 2024 erwartete Zinsniveau habe sich kaum verändert. Die Notenbanker wollten lieber früher handeln, um später nicht länger und aggressiver auf der Bremse stehen zu müssen.

"Die US-Notenbank legt einen Zahn zu und wird im kommenden Jahr den Leitzins wahrscheinlich drei Mal anheben", schrieb Chefvolkswirt Cyrus de la Rubia von der Hamburg Commercial Bank in einem Kommentar. Am Markt hieß es, die Währungshüter erfüllten damit die Erwartungen und sorgten für mehr Klarheit ohne das die Gefahr bestünde, das Wirtschaftswachstum abzuwürgen.

Der Euro reagierte mit Kursgewinnen auf die Notenbankentscheidungen. Die Gemeinschaftswährung legte zeitweise bis auf 1,1360 US-Dollar.

Die türkische Lira sackt von Tief zu Tief. Die türkische Notenbank hat den Leitzins um ein Prozent auf 14 Prozent gesenkt. Die Inflation in der Türkei liegt bei rund 21 Prozent. Die politische Führung lehnt hohe Zinsen zur Inflationsbekämpfung ab, während der ökonomische Konsens, in Zinsanhebungen ein Mittel gegen hohe Teuerungsraten sieht.

In der Türkei frisst die hohe Inflation mittlerweile die Löhne auf, und der Unmut der Bevölkerung nimmt zu.

Der Sportartikelhersteller Adidas will über mehrere Jahre eigene Aktien im Wert von bis zu vier Milliarden Euro kaufen. Vom kommenden Januar an bis zum Jahr 2025 soll das Aktienrückkaufprogramm laufen, wie der Konzern mitteilte. Erst Mitte Oktober hatte der Konzern angekündigt, im laufenden Jahr eigene Anteilsscheine im Wert von einer Milliarde Euro zu erwerben.

Europas größter Online-Modehändler Zalando erweitert seinen Vorstand. Finanzvorstand David Schröder sei künftig für das operative Geschäft (COO) zuständig, teilte der DAX-Konzern mit. Zur neuen Finanzchefin werde Sandra Dembeck ernannt, die vom britischen Caterer Compass Group zu den Berlinern stößt. Damit holt Zalando nach Personalchefin Astrid Arndt die zweite Frau in den dann sechsköpfigen Vorstand. Die Änderungen sollen zum 1. März in Kraft treten.

Ein negativer Bericht des Leerverkäufers Viceroy führte bei S&T zum größten Kurssturz seit 14 Jahren. Die in Deutschland notierten Aktien der österreichischen IT-Firma fielen um knapp 30 Prozent und waren mit gut 13 Euro so billig wie zuletzt vor knapp zwei Jahren. Der Firma des britischen Investors Fraser Perring zufolge sind die im TecDAX notierten Aktien völlig überbewertet. Das Unternehmen war für einen Kommentar zunächst nicht zu erreichen. Perring war einer der ersten Kritiker des in einem Bilanzbetrugs-Skandal zusammengebrochenen Zahlungsabwicklers Wirecard und hat in den vergangenen Wochen auch die Immobilienfirma Adler angegriffen.

Rückschlag für Boeing: Der europäische Erzrivale Airbus hat sich sich bei gleich mehreren Großaufträgen durchgesetzt. So stellt die australische Fluggesellschaft Qantas ihre alternde Heimat-Flotte aus Boeing 737- und 717-Fliegern vornehmlich auf Maschinen von Airbus um. Auch Air France-KLM entschied für 100 Mittelstreckenjets der Typen A320neo und A321neo.

Mit der Auslieferung des letzten A380 hat der Flugzeugbauer heute das Kapitel des weltweit größten Großraumfliegers zudem beendet. Der A380-Großkunde Emirates hat auf dem Werksgelände in Hamburg-Finkenwerder die allerletzte bestellte Maschine dieses Typs in Empfang genommen, gut 14 Jahre, nachdem Erstkunde Singapore Airlines im Herbst 2007 den ersten A380 in Toulouse abgeholt hatte. Airbus hatte Anfang 2019 unter seinem damaligen Chef Tom Enders beschlossen, dass die Produktion des weltgrößten Passagierjets vorzeitig eingestellt wird.

Beim Arzneimittelhersteller Dermapharm läuft es gewinnseitig noch besser als zuletzt gedacht. Angesichts der Zahlen für November hat der Vorstand deshalb ein weiteres Mal seine Ergebnisziele für das laufende Jahr hochgeschraubt. Wie Dermapharm mitteilte, dürfte das bereinigte Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) nunmehr um 70 bis 75 Prozent im Vergleich zu den im Vorjahr erzielten gut 200 Millionen Euro zulegen. Die Aktie schnellte nach oben.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 16. Dezember 2021 um 07:35 Uhr.