Händler an der NYSE
Marktbericht

Gewinne auf breiter Front Wall Street mit Schwung ins neue Jahr

Stand: 03.01.2022 22:16 Uhr

Auch die US-Börsen sind heute mit Gewinnen in das neue Jahr gestartet. Das hatte zuvor schon der DAX geschafft. Ein Erlebnis der besonderen Art gab es darüber hinaus auch noch.

Die US-Börsen sind am ersten Handelstag des neuen Jahres gestiegen. Unter der Führung der Technologiebörse Nasdaq, die 1,20 Prozent auf 15.832 Zähler zulegte, ging es flächendeckend bergauf. Auch der Auswahlindex Nasdaq 100 rückte um 1,11 Prozent auf 16.501 Punkte vor.

Der Leitindex Dow Jones gewann am Ende 0,68 Prozent auf 36.585 Punkte und der marktbreite S&P-500-Index zog um 0,64 Prozent auf 4796 Stellen an. Die Anleger trotzten damit wie zuvor schon in Europa den derzeitigen Sorgen um die Ausbreitung der Corona-Mutation Omikron. An den Märkten setzen sie zunehmend auf einen milderen Infektionsverlauf, so dass auch hohe Neuansteckungen derzeit nicht zu Panik führen.

Im vergangenen Jahr hatte von den drei großen US-Indizes übrigens der S&P 500 die Nase vorn. Der Dow stieg 2021 um 18,7 Prozent, die Nasdaq gewann 21,4 Prozent und der S&P 26,9 Prozent. Experten trauen den US-Börsen und dem DAX 2022 zwar weitere Gewinne zu, allerdings könnte es nicht zuletzt wegen der restriktiveren Geldpolitik in den USA holprig werden.

Apple ist drei Billionen Dollar schwer

Im Fokus stand unter den Einzelwerten das Apple-Papier, dass im Handelsverlauf in der Spitze bis auf 182,88 Dollar auf ein Rekordhoch gestiegen war. Damit wurde der Kultkonzern aus Kalifornien als erstes Unternehmen weltweit mit etwas über drei Billionen Dollar bewertet. Analysten rechneten schon seit einer Weile damit, dass es nur noch eine Frage der Zeit sei, bis die Börsenbewertung diese Schallmauer durchbricht. Der Schlusskurs lag bei 182,01 Dollar, ein Tagesgewinn von 2,5 Prozent.

Tesla-Hausse nach Auslieferungsrekord

Spektakulär ging es auch bei der Tesla-Aktie zu, die 13,53 Prozent haussierte auf 1199,78 Dollar. Der Elektroautobauer hat zum sechsten Mal in Folge einen Rekord bei den Auslieferungen erzielt.

Tesla brachte im vierten Quartal 308.600 Fahrzeuge an die Kunden, während der Markt mit nur 263.000 gerechnet hatte. Im gesamten Jahr kommt das Unternehmen auf gut 936.000 Auslieferungen, ein Plus von 87 Prozent im Vergleich zu 2020. Der Vorreiter bei der Auto-Elektrifizierung will auf lange Sicht ein jährliches Plus von mindestens 50 Prozent bei den Auslieferungen halten.

DAX-Gewinne zum Jahresstart

Am ersten Handelstag des neuen Jahres hat der deutsche Leitindex DAX 0,86 Prozent zugelegt auf 16.020 Punkte. Im Tageshoch war der Index dabei bis auf 16.069 Punkte gestiegen, das Tagestief lag bei 15.943 Zählern. Damit bleibt der Index trotz der weiterhin drohenden Omikron-Welle auf hohem Niveau und knüpft an die Weihnachtsrally der letzten Handelstage vor dem Jahreswechsel an. Das Rekordhoch aus dem November bei 16.290 Punkten bleibt damit in Reichweite.

Analyst Christian Henke vom Brokerhaus IG mahnt mit Blick auf die Omikron-Variante des Coronavirus allerdings zur Vorsicht. "Zwar wird der neuen Mutation ein eher milder Krankheitsverlauf unterstellt, dennoch dürfte sich die Frage aufdrängen, inwieweit sich das mutierte Virus auf die Wirtschaftsleistung auswirkt."

Weihnachtsrally wird ihrem Namen gerecht

Abseits der Omikron-Sorgen sind statistisch gesehen Kursgewinne zu dieser Jahreszeit übrigens nicht ungewöhnlich. Denn diese Weihnachtsrally, im angelsächsischen Raum als "Santa Claus Rally" bezeichnet, umfasst dem "Stock Traders' Almanac" zufolge nämlich die letzten fünf Handelstage im Dezember und die ersten zwei Handelstage im Januar.

Startschuss war demzufolge hierzulande am Donnerstag, dem 23. Dezember. Schon morgen endet sie wieder. Die bisherige Bilanz nach gut fünf Handelstagen sieht vielversprechend aus: Seit dem 23. Dezember (Schlusskurs: 15.756 Punkte) ging es im DAX in der Spitze um 1,9 Prozent aufwärts.

Konjunktursensible Aktien auf dem Kaufzettel

Die Marktteilnehmer setzten bei der Titelauswahl offensichtlich weiter auf einen milden Verlauf und bevorzugten zyklische Aktien wie Automobilwerte oder solche aus dem Luftfahrtbereich, meinte Andreas Lipkow von der Comdirect.

Porsche SE, die VW-Holding, stand an der Indexspitze, auch die Papiere des Triebwerkbauers MTU und von Airbus waren gefragt. Verlierer gab es nur vereinzelt, so wie etwa die Merck-Aktie. Diese war aber zuvor sehr gut gelaufen und hatte zum Jahresende erst Rekordstände erreicht. Allerdings sind noch nicht alle Marktteilnehmer am Markt. In London, der größten europäischen Börse, wurde heute der Neujahrsfeiertag nachgeholt und nicht gehandelt. Gleiches galt heute für den Handel in Tokio.

Der Euro baut Verluste aus

Der Kurs des Euro ist heute unter Druck geraten und im Handelsverlauf unter die Marke von 1,13 Dollar gerutscht. Im US-Handel wird die Gemeinschaftswährung bei 1,1299 US-Dollar gehandelt. Die Europäische Zentralbank setzte den Referenzkurs auf 1,1355 (Freitag: 1,1326) Dollar fest.

Die Kursausschläge hielten sich jedoch insgesamt in Grenzen. Zu Jahresbeginn sind die Handelsvolumen noch niedrig und die Bewegungen weniger aussagekräftig. Die Stimmung in den Industrieunternehmen der Eurozone hat sich im Dezember unterdessen eingetrübt. Die Daten bewegten den Markt jedoch kaum, da es sich um eine zweite Veröffentlichung handelt und die erste Erhebung bestätigt wurde.

Gleiches galt für die US-Industrie, die zum Jahresende etwas an Fahrt verloren hat. Der Einkaufsmanagerindex sank im Dezember um 0,6 auf 57,7 Punkte, wie das IHS Markit Institut heute zu seiner monatlichen Firmenumfrage mitteilte. Das Barometer bleibt damit aber noch deutlich über der Wachstumsschwelle von 50 Zählern.

Die Feinunze Gold ist einhergehend mit dem starken Dollar deutlicher gefallen. Sie kostet mit 1801 Dollar rund 1,5 Prozent weniger. Die Ölpreise haben heute nach volatilem Handel kaum verändert geschlossen. Marktbeobachter sprachen von einer zwischenzeitlichen Gegenbewegung nach den Verlusten am Freitag. Am Freitag hatte die Sorge vor der Ausbreitung der Omikron-Variante des Coronavirus und den damit verbundenen Folgen für die weitere Entwicklung der Weltwirtschaft die Ölpreise belastet

Massiver Inflationsanstieg in der Türkei

Nach deutlich gestiegenen Inflationszahlen ist die türkische Lira nur vorübergehend unter Druck geraten. Zeitweise Verluste machte sie wieder wett und drehte gegenüber Euro und Dollar wieder ins Plus.

Die Inflation in der Türkei gerät zunehmend außer Kontrolle. Im Dezember sprang die Inflationsrate über die Marke von 30 Prozent und erreicht im Jahresvergleich bei 36,08 Prozent den höchsten Stand seit rund zwei Jahrzehnten. Analysten wurden von der Stärke des Preisanstiegs überrascht.

Verschlimmert wird die Lage seit Monaten durch die türkische Zentralbank, die unter dem Druck des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan trotz der hohen Inflation den Leitzins zuletzt immer weiter senkte. Die Notenbank versuchte zuletzt mit Interventionen am Devisenmarkt die Lira zu stützen.

Airbus nach Großauftrag gefragt

Im DAX gehört die Airbus-Aktie zu den großen Gewinnern. Der Flugzeugbauer hatte kurz vor Jahresschluss einen weiteren Großauftrag eingesammelt. Der Flugzeugfinanzierer Aviation Capital Group (ACG) habe 40 Maschinen aus der Modellfamilie A320neo bestellt, hatte der DAX-Konzern am Donnerstagnachmittag nach dem Handelsschluss mitgeteilt.

Gleichzeitig wurde heute bekannt, dass der Konzern nach Insiderberichten sein Auslieferungsziel für 2021 von 600 Flugzeugen übertroffen habe. Dank eines Schlussspurts im Dezember habe der Hersteller insgesamt rund 610 Jets an seine Kunden übergeben, berichtete die Nachrichtenagentur "Bloomberg" und berief sich dabei auf mit den Zahlen vertraute Personen.

Derzeit würden die Daten geprüft, sodass die genaue Zahl noch nicht feststehe. In jedem Fall wäre der europäische Konzern damit das dritte Jahr in Folge weltgrößter Flugzeughersteller vor dem US-Konkurrenten Boeing.

Glyphosatklagen gegen Bayer auch in Deutschland

Der Bayer-Konzern steht wegen des möglicherweise krebsverursachenden Unkrautvernichters Roundup mit dem umstrittenen Wirkstoff Glyphosat nun auch in Deutschland juristisch unter Druck. Wie das Magazin "Wirtschaftswoche" berichtet, wurden beim Landgericht Köln rund 320 Klagen gegen das Unternehmen eingereicht. Die Forderungen summierten sich auf rund 2,2 Milliarden Euro. Das Blatt berief sich auf Angaben der baden-württembergischen Anwaltskanzlei Tilp, die die Klägerinnen und Kläger betreue.

Bislang sah sich Bayer vor allem in den USA mit Schadensersatzforderungen von Menschen konfrontiert, die Krebserkrankungen auf den Kontakt mit dem Glyphosat-haltigen Präparat von Bayers US-Tochter Monsanto zurückführen. Die deutschen Kläger machen laut "Wirtschaftswoche" nun Kursverluste am Aktienmarkt geltend, die durch das Verschweigen der Prozessrisiken bei der Übernahme von Monsanto 2016 entstanden seien. Die Verjährungsfrist dafür war Ende 2021 abgelaufen.

Mercedes E-Forschungsauto hat 1000 Kilometer Reichweite

Daimler plant Elektroautos mit rekordverdächtiger Reichweite und vergleichsweise wenig Energieverbrauch. Dazu stellte der Autobauer am Montag bei einer digitalen Weltpremiere anlässlich der global größten Technikmesse CES in den USA einen Prototyp des "effizientesten Mercedes-Benz aller Zeiten" vor. "Der Mercedes-Benz VISION EQXX zeigt, wie wir uns die Zukunft des Elektroautos vorstellen", erklärte Daimler-Chef Ola Källenius. Nach digitaler Simulation schaffe der Wagen mehr als 1000 Kilometer Strecke mit einer Batterieladung, und das mit einer Batterie, die in einen Kleinwagen passe.

Der Autobauer sieht derweil in der Chip-Krise noch keine durchgreifende Besserung. Die Knappheit an Halbleitern werde die Pkw-Tochter Mercedes-Benz auch in diesem Jahr begleiten, sagte heute der für Einkauf verantwortliche Forschungschef Markus Schäfer.

Delivery Hero vor Mehrheitsübernahme in Spanien

Der Berliner Lieferdienst Delivery Hero will die Mehrheit an dem spanischen Konkurrenten Glovo übernehmen. Es sei eine Vereinbarung mit einer Reihe von Glovo-Aktionären unterzeichnet worden, um weitere Anteile in Höhe von 39,4 Prozent im Tausch gegen eigene Aktien zu erwerben, teilte der DAX-Konzern kurz vor dem Jahreswechsel mit. Infolge der Transaktion werde Delivery Hero mit einem Anteil von über 80 Prozent zum Mehrheitsaktionär von Glovo.

BioNTech-Gründer als Motiv für neue Euro-Banknoten?

Auf der Suche nach Motiven für künftige Euro-Geldscheine bekommt die Europäische Zentralbank (EZB) eine Anregung aus dem EU-Parlament: Der FDP-Politiker Moritz Körner fordert, die BioNTech-Gründer Ugur Sahin und Özlem Türeci auf einem der Scheine abzubilden. Ihre Arbeit habe Millionen Europäern das Leben gerettet.

Lufthansa und Fraport mit Analysten-Empfehlung

Kaufempfehlungen der Citigroup trieben im MDAX Aktien von Fraport und Deutsche Lufthansa an. Citigroup-Analyst Sathish Sivakumar sieht für die Papiere der Lufthansa weiteren Spielraum: Er hob sein Kursziel deutlich von 1,43 auf 7,50 Euro an. Für die Aktien von Fraport errechnet der Experte ein Ziel von 70,50 Euro nach bislang 41,20 Euro. Daher stufte er die Papiere jeweils um gleich zwei Stufen von "Verkaufen" auf "Kaufen" hoch.

Evergrande-Aktien vom Handel ausgesetzt

Am Handelsplatz Hongkong sind heute Aktien des angeschlagenen chinesischen Immobilienkonzerns Evergrande vom Handel ausgesetzt worden. Dies teilte die Börse ohne weitere Angaben von Gründen mit. Evergrande hat Schulden von mehr als 300 Milliarden US-Dollar angehäuft.

Samsung bringt Vertikal-Modus für Fernseher

Samsung buhlt mit seinen neuen Fernsehern um die TikTok-Generation. Der Branchenführer stellte vor dem Start der Technik-Messe CES in Las Vegas eine Wandhalterung für diesjährige TV-Modelle vor, die den Fernseher automatisch senkrecht dreht. Damit werden Smartphone-Videos, die im Vertikal-Format aufgenommen wurden, deutlich größer als bei der klassischen TV-Ausrichtung dargestellt.

Klassische Blackberry-Telefone funktionieren bald nicht mehr

Für Blackberry-Telefone mit den betagten hauseigenen Betriebssystemen des Smartphone-Pioniers schlägt bald die letzte Stunde. Geräte mit den Betriebssystemen Blackberry OS 7.1 und 10 werden ab Dienstag nicht mehr verlässlich funktionieren, wie das Unternehmen zum Jahresausklang in Erinnerung rief. Weiterhin funktionieren werden neuere Blackberry-Smartphones, die mit dem Betriebssystem Android laufen.

Über dieses Thema berichtete die BR24 Börse am 03. Januar 2022 um 17:43 Uhr.