In einem US-amerikanischen Waffengeschäft hält ein Verkäufer mit Trump-Mütze ein Gewehr in die Höhe. | REUTERS
Marktbericht

Wall Street in Kauflaune Warum Waffen-Aktien so gefragt sind

Stand: 06.01.2021 22:25 Uhr

Die Aussicht auf einen Sieg der Demokraten bei der US-Senatswahl in Georgia hat dem Dow Jones zu einem Rekordhoch verholfen - und den Anbietern von Handfeuerwaffen zu den größten Kurssprüngen seit Monaten.

Von Angela Göpfert, tagesschau.de

Die Hoffnung auf eine demokratische Dominanz im US-Senat und damit größere Chancen für umfangreichere Konjunkturhilfen hat den amerikanischen Leitindex Dow Jones und den marktbreiten S&P 500 zur Wochenmitte auf neue Rekordhochs getrieben.

Der Dow Jones kletterte erstmals in seiner Geschichte über die Marke von 31.000 Punkten bis auf 31.021 Zähler, bevor die Ausschreitungen am US-Kapitol die Kursgewinne begrenzten. Am Ende des Handelstages notierte das weltweit bekannteste Börsenbarometer 1,4 Prozent höher bei 30.829 Punkten.

Der technologielastige Nasdaq 100 zeigte hingegen relative Schwäche. Zum Handelsschluss in New York verbuchte er ein deutliches Minus von 1,4 Prozent auf 12.623 Punkte. Dahinter steckt die Angst der Investoren vor einer stärkeren Besteuerung und Regulierung vor allem der großen Technologiekonzerne im Falle einer demokratischen Senatsmehrheit.

Hohe Kursgewinne für Waffenhersteller

Die Kursentwicklung der großen Börsenindizes verblasst ohnehin nachgerade, schaut man auf die Aktien der Waffenhersteller. Papiere von Smith & Wesson und Sturm Ruger & Co gewannen am Mittwoch zeitweise über 20 Prozent. Die Papiere des Munitionshändlers Vista Outdoor zogen um mehr als 14 Prozent an auf ein Vier-Jahres-Hoch.

Hintergrund des plötzlichen Waffen-Booms an der Börse sind neben den Ausschreitungen am US-Kapitol die Senats-Nachwahlen in Georgia.

Spekulation auf Waffen-Hamsterkäufe

Während die Republikaner traditionell der mächtigen US-Waffenlobby nahestehen, treten Biden und die künftige Vizepräsidentin Kamala Harris für schärfere Waffengesetze ein. Daher dürften sich viele Amerikaner im Vorfeld mit Waffen eindecken und so den Waffen-Absatz kurzfristig in die Höhe treiben, so das Kalkül der Anleger.

Sie schauen dabei auch die Erfahrungen in der Obama-Ära: Nach Obamas Wahl zum Präsidenten 2008 bis zur Wahl Donald Trumps 2016 stiegen etwa die Aktien von Sturm Ruger um fast 900 Prozent. Zum Vergleich: Der marktbreite S&P 500 verzeichnete im gleichen Zeitraum ein Plus von 113 Prozent.

Auch Solarwerte als Profiteure

Schon das Jahr 2020 hatte Inhabern von Waffen-Aktien herausragende Kursgewinne beschert, hatten sich doch viele Amerikaner aus Angst vor sozialen Unruhen infolge der Corona-Pandemie und des gewaltsamen Tods von George Floyd mit Waffen eingedeckt.

Die Nachrichten aus Georgia beflügelten zur Wochenmitte aber nicht nur Waffen-Aktien - auch Anteilscheine von Unternehmen aus der Solarbranche waren gefragt: First Solar, Fuelcell Energy, Sunworks und Sunpower zogen teils prozentual zweistellig an. "Aktien aus dem Bereich erneuerbarer Energien sollten weiterhin zu den Profiteuren zählen", unterstrich Marktexperte Robert Rethfeld von Wellenreiter-Invest.

DAX mit Rekordhoch und Rekordschlusskurs

Dank des starken Rückenwinds von der Wall Street hat auch der deutsche Leitindex DAX ein neues Rekordhoch markiert. Bis auf 13.913 Punkte ging es zur Wochenmitte aufwärts. Damit übertraf der DAX seine gerade einmal zwei Tage alte Bestmarke.

Zum Xetra-Schluss notierte der deutsche Leitindex 1,8 Prozent höher bei 13.892 Stellen. Das war der höchste Schlusskurs in seiner Geschichte.

Positive Impfstoff-News

Jenseits der Hoffnung auf einen demokratischen Sieg in Georgia stützten auch positive Nachrichten von der Impfstoff-Front die europäischen Märkte. So hat die EU-Kommission dem Corona-Impfstoff des US-Biotechunternehmens Moderna eine Marktzulassung erteilt.

Zudem könnte die EMA in Kürze die Entnahme von sechs statt fünf Dosen aus den Ampullen des Impfstoffs von BioNTech und Pfizer genehmigen. Dadurch würden auf einen Schlag mehr Impfdosen in der EU zur Verfügung stehen.

Notenbanken als Kurstreiber

Nicht zuletzt sorgen auch die Ausgabenprogramme von Fed und EZB, die sich in einer historisch nie dagewesenen Größenordnung bewegen, einmal mehr für ein positives "Hintergrundrauschen" an den Märkten. Aktien sind und bleiben in der Nullzinsära alternativlos.

Die Vertreter der US-Notenbank standen zuletzt einhellig hinter der Anleihekaufpolitik. "Alle Teilnehmer waren der Meinung, dass es angemessen wäre, diese Käufe zumindest im derzeitigen Tempo fortzusetzen und fast alle befürworteten die Beibehaltung der aktuellen Zusammensetzung der Käufe", hieß es im am Mittwoch veröffentlichten Protokoll (Minutes) der Sitzung der US-Notenbank vom 15. bis 16. Dezember.

Ölpreise auf Zehnmonatshoch

An den Rohstoffmärkten setzten die Ölpreise auf ihre starken Kursgewinne vom Dienstag noch eins drauf und stiegen auf ein Zehnmonatshoch - dank der Förderkürzung der Opec+ sowie überraschend stark gesunkener US-Rohöllagerbestände.

Neue Bestmarke für den Bitcoin

Die älteste und bekannteste Kryptowährung ist am Mittwoch auf ein neues Rekordhoch von 35.879 Dollar gestiegen. Nicht wenige Investoren sehen im Bitcoin mittlerweile auch ein Absicherungsinstrument gegen Inflation. Die Digitalwährung läuft damit so manchem traditionellen Inflations-Hedging-Instrument wie Gold fast den Rang ab. Zumindest in der medialen Wahrnehmung.

Der Goldpreis schwächelte zur Wochenmitte, am Abend notierte er 1,4 Prozent tiefer bei 1924 Dollar je Feinunze. Am Dienstag war das gelbe Edelmetall noch zeitweise über 1952 Dollar geklettert. Heute machten ihm die nachlassende Risikoaversion der Investoren zu schaffen.

Euro auf höchstem Stand seit April 2018

Am Devisenmarkt erreichte der Euro heute ein Mehrjahreshoch. Die europäische Gemeinschaftswährung zog bis auf 1,2349 Dollar an. Das war der höchste Stand seit April 2018. Steigende Euro/Dollar-Kurse belasten die Gewinnaussichten der im DAX stark vertretenen deutschen Exporteure.

Deutsche Bank mit Kurssprung

An der DAX-Spitze gewann am Mittwoch die Aktie der Deutschen Bank 6,0 Prozent. Europaweit profitierten Banken-Titel von der gestiegenen Risikoneigung an den Finanzmärkten.

HeidelbergCement gefragt

Auch Aktien von HeidelbergCement waren heute gefragt. Der Zementhersteller dürfte nach Aussage von Händlern von hohen Investitionen in die US-Infrastruktur profitieren, sollten die Demokraten im Kampf um den Senat punkten und dann ein milliardenschweres Hilfsprogramm zügig umsetzen. Die Heidelberger sind auf dem nordamerikanischen Markt sehr aktiv.

Delivery Hero besorgt sich frisches Geld

Dagegen ging es für den DAX-Überflieger der vergangenen Tage heute zur Abwechslung mal abwärts. Die Delivery-Hero-Aktie litt nach ihrem starken Jahresstart, der ihr erst gestern ein frisches Rekordhoch beschert hatte, unter Gewinnmitnahmen. Zum Xetra-Schluss notierte sie 4,0 Prozent tiefer.

Im späten Handel weitete sie ihre Verluste aus. Der Essenslieferant hatte sich mit einer Kapitalerhöhung frisches Geld besorgt. Der Bruttoemissionserlös der Barkapitalerhöhung ohne Bezugsrecht der Aktionäre lag bei rund 1,2 Milliarden Euro. Insgesamt hatte das Unternehmen knapp neuneinhalb Millionen neue Stammaktien an institutionellenInvestoren für 132 Euro je Stück verkauft. Der Xetra-Schlusskurs hatte bei 138,35 Euro gelegen.

Starker Jahresbeginn für K+S

Im MDAX setzten die Aktien des Salz- und Düngerproduzenten K+S ihren starken Lauf mit einem Plus von 7,1 Prozent fort. Seit Montag haben sie über 20 Prozent zulegen können. "Die Landwirte haben 2020 mit viel Cash abgeschlossen und hatten die höchsten Nettoeinkommen seit 2012", betont Analyst Jonas Oxgaard vom Investmenthaus Bernstein in einer Branchenstudie. Davon dürften alle Unternehmen im Agrarumfeld profitieren.

Am MDAX-Ende machten Teamviewer nach der jüngsten Kursrally Gewinnmitnahmen zu schaffen. Die Aktie verlor 5,4 Prozent.

Trump macht Druck, NYSE knickt ein

Der US-Börsenbetreiber New York Stock Exchange (NYSE) will unter dem Druck der Trump-Regierung und nach einigem Hin und Her nun doch drei große chinesische Telekom-Konzerne vom Handel ausschließen. Die Entscheidung erfolge im Zuge "neuer spezifischer Richtlinien" des Finanzministeriums. China Mobile, China Unicom und China Telecom würden ab dem 11. Januar vom Handel ausgeschlossen.

Imagepflege à la Amazon

Der weltgrößte Onlinehändler Amazon ist dem Beispiel anderer großer US-Tech-Konzerne gefolgt und hat ein milliardenschweres Maßnahmenpaket für bezahlbaren Wohnraum angekündigt. Insgesamt versprach das Unternehmen, rund 2,0 Milliarden Dollar an Fördermitteln für erschwingliche Wohnungen an seinen wichtigsten US-Standorten bereitzustellen.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 06. Januar 2021 um 12:00 Uhr.