Händler and er NYSE |
Marktbericht

Hoffnung auf großes Hilfspaket Yellen-Rede freut die Wall Street

Stand: 19.01.2021 22:41 Uhr

Der längere und verschärfte Lockdown hat heute den deutschen Aktienmarkt gebremst. Dagegen war die Wall Street im Aufwind - dank der Aussicht auf billionenschwere Corona-Hilfen.

Die designierte US-Finanzministerin Janet Yellen, die noch vor wenigen Jahren an der Spitze der Fed stand, warb im Kongress für die geplanten zusätzlichen Konjunkturhilfen in Billionenhöhe. Über das bereits vom Kongress gebilligte Paket hinaus sei noch weit mehr nötig, sagte Yellen am Dienstag. Der künftige US-Präsident Joe Biden hatte jüngst ein geplantes 1,9 Billionen Dollar schweres Pandemie-Programm vorgestellt. Am Mittwoch tritt er sein Amt im Weißen Haus an.

Aufbruchstimmung an den US-Börsen

Yellen wolle die niedrigen Zinsen dazu nutzen, ein großes Paket zu schnüren, um der Wirtschaft zu einer kraftvollen Erholung zu verhelfen, sagte Thomas Hayes, Manager beim Vermögensverwalter Great Hill. "Dem Markt gefällt das." Der US-Standardwerteindex Dow Jones zog am Dienstag um 0,4 Prozent auf 30.930 Punkte an. Der breit gefasste S&P 500 gewann 0,8 Prozent. Die technologielastige Nasdaq 100 zeigte sich noch stärker und kletterte um 1,5 Prozent auf fast 13.000 Zähler nach oben. Am Montag waren die US-Börsen wegen des Feiertags "Martin Luther King Day" geschlossen geblieben.

Längerer Lockdown bremst DAX

An den europäischen Börsen dagegen herrschte lethargische Stimmung. Der DAX schloss 0,25 Prozent tiefer, nachdem er lange Zeit leicht im Plus gelegen hatte. Die geplante Verschärfung der Corona-Restriktionen trübte die Kauflaune. Bei den Beratungen von Bund und Ländern zeichnet sich eine Verlängerung der aktuellen Beschränkungen bis zum 14. Februar sowie eine Art Home-Office-Pflicht ab. "Eine allzu große Überraschung ist dies angesichts der neuen Mutationen des Coronavirus nicht", sagte Marktbeobachter Christian Henke vom Brokerhaus IG. Der befürchtete Mega-Lockdown mit dem Herunterfahren sämtlicher wirtschaftlicher Aktivitäten sei aber offenbar vom Tisch.

Happy Birthday, MDAX!

In der zweiten Börsenreihe waren die Corona-Sorgen weniger präsent. Der MDAX stahl seinem großen Bruder DAX die Show. An seinem 25. Geburtstag stieg er um 0,3 Prozent. Mittel- und langfristig hat sich der MDAX besser entwickelt als der DAX, auch weil er die deutsche Wirtschaft besser abbildet.

Italiens Regierungskrise abgewendet

Der italienische Ministerpräsident Giuseppe Conte hat am Dienstag auch die Vertrauensfrage im Senat gewonnen. Damit sind der Zwang, eine neue Regierung zu bilden, oder gar eine Neuwahl mitten in der Corona- und Wirtschaftkrise abgewendet. Im Vorfeld deckten sich Anleger mit Anleihen des Landes ein und drückten die Rendite der zehnjährigen Papiere auf 0,56 Prozent.

ZEW-Index steigt

Der Konjunkturoptimismus spiegelte sich an den Devisenmärkten wider. Der Dollar wurde als sicherer Hafen weniger attraktiv und gab nach. Der Euro kletterte hingegen auf über 1,21 Dollar. Die Konjunkturerwartungen haben sich deutlich aufgehellt. Die vom Mannheimer Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) erhobenen Konjunkturerwartungen stiegen im Januar um 6,8 auf 61,8 Punkte. "Trotz der Unsicherheit über den weiteren Verlauf des Lockdowns hat sich der Konjunkturausblick für die deutsche Wirtschaft leicht verbessert", sagte ZEW-Präsident Achim Wambach.

Yellen will nicht mehr den Dollar schwächen

Die designierte US-Finanzministerin Yellen sprach sich gegen eine gezielte Schwächung des Dollar-Kurses aus. Die USA wollen keinen schwächeren Dollar anstreben, um Vorteile im internationalen Handel zu erzielen, versicherte sie am Dienstag bei einer Anhörung vor dem Finanzausschuss des US-Senats. Sie machte zudem deutlich, dass die künftige US-Administration auch den Versuchen anderer Länder entgegenwirken wird, wenn diese auf eine Schwächung der eigenen Währung abzielen.

Die künftige Finanzministerin kündigt damit einen Wechsel in der amerikanischen Politik an. Zuvor hatte der scheidende Präsident Donald Trump mehrfach deutlich gemacht, gezielt einen schwächeren US-Dollar anzustreben, um Vorteile für die heimische Exportwirtschaft zu erreichen. Yellen machte darüber hinaus deutlich, dass man vorbereitet sei, um auf "missbräuchliche" Handelspraktiken Chinas zu reagieren. Die USA müssen sich künftig Chinas "unfairen und illegalen Praktiken" stellen, sagte die künftige Finanzministerin.

Pkw-Absätze eingebrochen

Der Pkw-Markt in der Europäischen Union ist im vergangenen Jahr wegen Corona so stark eingebrochen wie nie zuvor. Die Hersteller verkauften nur noch 9,9 Millionen Pkw und damit fast ein Viertel weniger als im Jahr 2019. Das sei der größte Rückgang seit Beginn der Datenerhebung. Im Dezember schwächte sich der Rückgang auf 3,3 Prozent ab.

Deutsche Bank am DAX-Ende

Während MTU den DAX anführte, war die Deutsche Bank Schlusslicht im deutschen Leitindex. Die Aktien sackten um vier Prozent ab. Börsianer verwiesen vor allem auf das überraschend schwache Anleihengeschäft der beiden US-Großbanken Goldman Sachs und Bank of America im vierten Quartal. Zwar hätten die Erträge in dem Segment bei Goldman um sechs Prozent höher gelegen als ein Jahr zuvor. Doch am Markt sei mehr erwartet worden. Bei der Bank of America gingen die Erträge in dem Bereich sogar um rund fünf Prozent zurück, während am Markt ein Zuwachs erwartet worden war. Daher zögen Anleger nun Rückschlüsse auf die Geschäftsentwicklung der Deutschen Bank, hieß es.

20 Prozent höherer Bonus?

Die Deutsche Bank will in diesem Jahr einem Zeitungsbericht zufolge wieder deutlich mehr Boni bezahlen. Die Bank peile einen Bonustopf im Umfang von 1,8 Milliarden Euro an, meldete das "Handelsblatt" unter Berufung auf zwei Insider. Für 2019 hatte das Geldhaus 1,5 Milliarden Euro ausgezahlt. Dabei hatte die Europäische Zentralbank die von ihr beaufsichtigten Institute zur Zurückhaltung bei Dividenden und Boni aufgefordert.

Teamviewer kauft in Österreich zu

Das Softwareunternehmen Teamviewer aus dem MDAX übernimmt die österreichische Xaleon. Das Software-Startup bietet eine besondere Lösung an, um Bildschirminhalte zu teilen. Für Teamviewer, das vor allem für seine Fernwartungssoftware bekannt ist, ist es nach der Akquisition des Augmented-Reality-Spezialisten Ubimax im vergangenen Jahr erst die zweite Übernahme. Teamviewer bezahlt einen fixen niedrigen zweistelligen Millionenbetrag sowie eine variable Komponente.

Schlechtere Einstufung für CTS Eventim

Im MDAX war der Konzertveranstalter und Ticketvermarkter CTS Eventim mit einem Minus von sieben Prozent schwächster Wert. Die Privatbank Berenberg hat ihre Kaufempfehlung für die Aktie gestrichen und votiert nur noch mit "Hold". Mit dem Beginn der Impfungen habe sich die Vorhersagbarkeit der langfristigen Perspektiven zwar deutlich verbessert, und das Unternehmen könnte gestärkt aus der Krise hervorgehen. Das sei aber schon weitgehend eingepreist.

Bilfinger-Chef gibt auf

Der Industriedienstleister muss sich einen neuen Chef suchen. Der Vorstandsvorsitzende Tom Blades zieht sich aus persönlichen Gründen aus dem Tagesgeschäft zurück. Der 64-Jährige legt sein Mandat als Vorstandsvorsitzender mit sofortiger Wirkung nieder. Finanzvorständin Christina Johansson übernehme interimsweise seine Aufgaben unter Beibehaltung ihrer derzeitigen Funktionen. Bilfinger bestätigte zudem den Ausblick von Mitte Mai für 2020. Für 2021 erwartet das Unternehmen eine deutliche Verbesserung von Umsatz und Ergebnis. Einem Zeitungsbericht zufolge hat sich Bilfinger aus Angst vor US-Sanktionen vom Bau der Gaspipeline Nord Stream 2 zurückgezogen.

Ceconomy profitiert von Online-Shoppingfieber

Die Elektronikhandelsholding Ceconomy hat im ersten Quartal 2020/21 den Umsatz deutlich gesteigert - auch dank eines in der Corona-Krise florierenden Online-Geschäfts. Die Holding, zu der Media Markt und Saturn gehören, erwartet für das erste Quartal mit dem wichtigen Weihnachtsgeschäft rund 11,4 Prozent höhere Erlöse. Ceconomy erwartet ein operatives Ergebnis(Ebit) von rund 346 Millionen Euro. Der Ausblick für das Geschäftsjahr 2020/21 sei aber wegen der neuen und verlängerten Lockdowns in einer Vielzahl von Ländern mit deutlich erhöhten Unsicherheiten behaftet.

Telefonica Deutschland mit mehr Dividende

Der Telekommunikationsanbieter Telefonica Deutschland (O2) will seinen Anlegern für das abgelaufene Jahr eine Dividende von 18 Cent je Aktie auszahlen. Diese Auszahlungshöhe soll auch die Untergrenze für die Jahre 2021 bis 2023 sein. Im Vorjahr hatte die Ausschüttung bei 17 Cent je Aktie gelegen.

Eckert & Ziegler so teuer wie nie

Zu den Top-Gewinnern im SDAX gehörten die Anteilsscheine des Strahlen- und Medizintechnikkonzerns Eckert & Ziegler. Sie kletterten auf ein Rekordhoch. Die Privatbank Hauck & Aufhäuser hat das Kursziel für den Wert von 52,50 auf 70 Euro angehoben und die Einstufung auf "Buy" belassen. Das Unternehmen werde im Radiopharma-Geschäft zu dem, was der Pharma- und Laborausrüster Sartorius im Bereich Biopharma bereits sei, hieß es zur Begründung.

Carl Zeiss Meditec auf Rekordkurs

Auch der Medizintechnikkonzern Carl Zeiss Meditec ist bei den Anlegern sehr gefragt. Das Papier stieg auf ein Rekordniveau. Das Unternehmen hat im ersten Geschäftsquartal 2020/21 sein operatives Ergebnis um fast 30 Prozent auf 73,4 Millionen Euro verbessert.

S&T will expandieren

Zum Spitzenreiter im TECDAX avancierte S&T mit einem Plus von über neun Prozent. Die österreichische IT-Firma will im laufenden Jahr weiter wachsen. Der Umsatz soll um 15 Prozent auf 1,4 Milliarden Euro klettern, auch das operative Ergebnis soll zulegen.

Spekulationen um LPKF

Im TECDAX legten auch die Aktien des Laserspezialisten LPKF um zwei Prozent zu. Ein Händler verwies auf Übernahmespekulationen im Sektor, die für gute Laune sorgten. So befinde sich der US-Konzern Lumentum offenbar in fortgeschrittenen Gesprächen zum Kauf des US-Laserherstellers Coherent, so der Experte mit Verweis auf einen Medienbericht.

OHB geht leer aus

Die Aktien der OHB brachen um rund neun Prozent ein. Der Bremer Raumfahrtkonzern OHB ist laut Medienberichten bei der Auftragsvergabe für die neue Generation der europäischen Navigationssatelliten Galileo nicht berücksichtigt worden. Den Zuschlag für den Bau von zwölf Satelliten mit einem Auftragsvolumen von mehr als 1 Milliarde Euro sollten der deutsch-französische Airbus-Konzern und die italienisch-französische Thales Alenia Space erhalten, berichtete die "Frankfurter Allgemeine Zeitung". Airbus wollte die Berichte auf Anfrage nicht kommentieren. Auch OHB gab am Dienstag keine Stellungnahme ab.

Luftbild: Das Firmengebäude von OHB in Bremen. |

Microsoft entwickelt mit GM Robo-Taxis

Ein Rekordhoch markierten die Aktien von General Motors (GM). Sie verteuerten sich um mehr als zehn Prozent auf 55,14 Dollar. Die Robotaxi-Tochter Cruise des Autobauers will gemeinsam mit dem Software-Konzern Microsoft selbstfahrende Fahrzeuge entwickeln. Der Windows-Riese beteiligt sich an einer zwei Milliarden Dollar schweren Finanzierungsrunde von Cruise. Die Firma testet ihre Fahrzeuge seit Jahren in San Francisco und stellte bereits den Prototypen eines autonomen Taxis ohne Platz für einen Fahrer vor.

Netflix lockt Millionen neue Abonnenten an

Netflix hat im Feiertagsquartal deutlich mehr neue Zuschauer angelockt als von Experten erwartet. Der Internet-Filmdienst gab am Dienstag nach US-Börsenschluss ein Zunahme der zahlenden Neukunden um gut 8,5 Millionen bekannt. Getrieben wurde der Anstieg von Serien wie "Bridgerton" und "The Queen's Gambit". Der Umsatz stieg von 5,47 Milliarden auf 6,64 Milliarden Dollar. Der Gewinn fiel auf 542 Millionen Dollar von 587 Millionen. Netflix-Aktien legten im nachbörslichen Handel fast sieben Prozent zu.

Netflix |

Netflix

Boeing 737 MAX darf bald wieder abheben

Die Boeing-Aktien stiegen im frühen Handel um zwei Prozent. Die Europäische Flugsicherheitsbehörde EASA will das Boeing-Modell 737 MAX wieder zum Flugbetrieb zulassen. "Wir werden dem Flugzeug nächste Woche die Erlaubnis geben, an den Himmel zurückzukehren", sagte EASA-Chef Patrick Ky bei einem Pressegespräch mit dem Luftfahrt-Presse-Club.

Lindt & Sprüngli in der "Schoggi"-Flaute

Kein Appetit auf die Aktien von Lindt& Sprüngli hatten die Anleger. Sie büßten drei Prozent ein. Der Schweizer Schokoladenhersteller hat im vergangenen Jahr einen kräftigen Umsatzrückgang verbucht. Die Erlöse sanken um elf Prozent auf gut vier Milliarden Schweizer Franken. Das Unternehmen litt unter den Lockdown-Maßnahmen, durch die viele Filialen zeitweise geschlossen waren.

Lindt und Sprüngli |

Lindt und Sprüngli

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 19. Januar 2021 um 11:40 Uhr in der Wirtschaft.