Wall Street New York

US-Märkte schwächeln Der Wall Street geht die Puste aus

Stand: 29.12.2020 22:40 Uhr

Nicht nur der DAX, auch der New Yorker Aktienmarkt hat am Dienstag seine Aufwärtsjagd unterbrochen. Die Anleger nahmen Gewinne mit, was aber kein Anlass zu größerer Sorge ist.

Von Robert Minde, tagesschau.de

An der New Yorker Weltleitbörse bot sich am Dienstag ein ähnliches Bild wie hierzulande. Nach flottem Start, bei dem der Leitindex Dow Jones mit 30.588 Punkten, aber auch die anderen führenden Indizes jeweils neue Rekordhochs markierten, ging dem Markt danach nach Gewinnmitnahmen die Puste aus. Am Ende des Handelstages bewegten sie sich unter dem Strich kaum.

Der Dow Jones schloss bei 30.335, der marktbreite S&P-500-Index bei 3.727 Punkten, jeweils leicht im Minus. Auch an der Technologiebörse Nasdaq waren die Ausschläge gering, lediglich der Auswahlindex Nasdaq 100 ging mit einem leichten Aufschlag von 0,04 Prozent auf 12.843 Punkte aus dem Handel.

Staatshilfen im Fokus

Hauptantreiber bleibt für die Wall Street trotz der heutigen Mini-Konsolidierung weiter die jüngste Zustimmung von US-Präsident Donald Trump zum Konjunkturpaket des Kongresses. Dabei zeigt sich, dass der erbitterte politische Streit in Washington weiter geht. Trump hat nämlich weitergehende Forderungen gestellt über die geplanten Hilfen hinaus. So sollen Arbeitslose jetzt 2000 Dollar erhalten anstatt wie bisher vorgesehen 600 Dollar, was das mehrheitlich demokratisch kontrollierte Repräsentantenhaus umgehend durchgewunken hat.

Die Aussicht auf staatliche und geldpolitische Hilfen zur Überwindung der Coronavirus-Pandemie habe die Börsen zunächst angetrieben, sagte Naeem Aslam, Chef-Marktanalyst des Brokerhauses AvaTrade. Es sei aber unwahrscheinlich, dass der republikanisch dominierte Senat der Aufstockung zustimmen werde, warnte Aslam.

Fantasie bei Intel

Im Dow Jones fielen Intel besonders auf. Die Papiere standen an der Indexspitze. Sie wurden getrieben von Spekulationen über eine geänderte strategische Ausrichtung des Chip-, Software- und Datenbankspezialisten. Einem Medienbericht zufolge hat der Hedgefonds Third Point eine Änderung verlangt. Der Chef Daniel Loeb von Third Point habe den Intel-Chef Omar Ishrak in einem Brief aufgefordert, umgehend alle möglichen Optionen hierfür zu prüfen.

Third Point soll den Angaben zufolge einen Anteil an Intel im Wert von einer Milliarde US-Dollar aufgebaut haben. Mit einem Verlust von knapp 18 Prozent ist der Titel bislang der viertgrößte Verlierer im Leitindex in diesem Börsenjahr.

DAX-Gewinnserie reißt

Mit viel Schwung ist der DAX am Dienstag gestartet, ehe so mancher Anleger sich nach den jüngsten Kursgewinnen im weiteren Verlauf dann doch aus dem Markt zurückzog. Der deutsche Leitindex beendete den Handel bei 13.761 Punkten, ein leichter Tagesverlust von 0,2 Prozent.

Zuvor hatte das führende deutsche Börsenbarometer am Morgen bei 13.903 Punkten noch ein neues Rekordhoch aufgestellt. Zu mehr reichte es dann aber nicht mehr, auch weil an der Wall Street nach freundlicher Eröffnung weitere Anschlusskäufe fehlten.

Luft holen heißt die Devise

Nach der Rekordhatz der letzten Tage scheint also etwas Ruhe einzukehren, die Anleger atmen durch. Das ist nach stärkeren Kursbewegungen nicht ungewöhnlich und ändert nichts daran, dass die Börsenbullen derzeit das bessere Ende für sich haben - diesseits und jenseits des Atlantiks.

Denn der Last-Minute-Brexit, vor allem aber die begonnenen Corona-Impfungen schüren Konjunkturhoffnungen. Übergeordnet bleibt die erfolgreiche Überwindung der Pandemie das Schlüsselszenario an den Finanzmärkten. Die Börse blickt dabei weit nach vorne und wird zudem durch die scheinbar unendliche Geldflut der Notenbanken immer wieder kräftig angeschoben.

Tagessieger MTU Aero

Unter den Einzelwerten im DAX lagen die Papiere des Triebwerksbauers MTU Aero an der DAX-Spitze, auch SAP waren gefragt. Der Walldorfer Softwareriese will seine US-Tochter an die Börse bringen, das kam gut an bei den Anlegern. Gewinne und Verluste gingen quer durch alle Branchen. Tagesverlierer waren Delivery Hero nach Gewinnmitnahmen. Das Papier des Essenslieferanten war allerdings gestern über neun Prozent gestiegen.

Euro bleibt robust

Am Devisenmarkt knüpft der Euro am Dienstag an die leichten Gewinne vom Wochenauftakt an. Die Gemeinschaftswährung wurde in der Spitze bei 1,2273 Dollar gehandelt. Die Europäische Zentralbank (EZB) setzte den Referenzkurs auf 1,2259 (Montag: 1,2219) Dollar fest, aktuell steht der Kurs im späten Geschäft etwas darunter.

Im Tagesverlauf legt der Eurokurs damit rund einen halben Cent zu. Marktbeobachter verwiesen auf eine Dollar-Schwäche, die seit Beginn der Woche das Geschehen am Devisenmarkt mit beeinflusst und dem Euro im Gegenzug Auftrieb verlieh. Als Ursache wurde die erhöhte Risikobereitschaft der Anleger angeführt, die wieder stärker in die Finanzmärkte streben. Vor diesem Hintergrund sind Währungen wie der Dollar weniger gefragt, die als sichere Anlagen gelten.

US-Hauspreise steigen so stark wie seit fünf Jahren nicht mehr

Fundamental gab es in Amerika heute Rückenwind vom Hausmarkt. Dort sind die Preise für Häuser in der Corona-Krise weiter kräftig gestiegen. Im Oktober gab es den stärksten Zuwachs seit mehr als fünf Jahren. In den 20 großen Metropolregionen des Landes sind die Preise im Jahresvergleich um 7,95 Prozent gestiegen, wie aus dem am Dienstag in New York veröffentlichten S&P/Case-Shiller-Index hervorgeht.

Einen stärkeren Anstieg gab es zuletzt Mitte 2014. Analysten hatten im Schnitt nur einen Zuwachs um 6,95 Prozent erwartet. Im Monatsvergleich legten die Preise um 1,6 Prozent zu und damit ebenfalls stärker als von Analysten erwartet.

Die Preisentwicklung auf dem amerikanischen Immobilienmarkt zeigt, dass die Corona-Krise hier bisher kaum geschadet hat. Fachleute erklären dies primär mit den extrem niedrigen Zinsen.

Ölpreise kaum bewegt

Am Rohstoffmarkt blieben die Schwankungen der Ölpreise überschaubar. Am späten Abend wurden für ein Barrel (159 Liter) der Nordsee-Sorte Brent gut 51 Dollar bezahlt. Marktbeobachter begründeten das hohe Niveau mit der allgemein guten Stimmung an den Börsen und den neuen Konjunkturhoffnungen. Der Goldpreis legte leicht zu.

Linde für 2021 zuversichtlich

Der weltgrößte Industriegasekonzern Linde peilt 2021 kräftige Zuwächse an. "Stabile Volumen vorausgesetzt, bin ich zuversichtlich, dass wir im nächsten Jahr beim Ertrag erneut zweistellig zulegen können", sagte Linde-Chef Steve Angel dem "Handelsblatt".

Die aus dem US-Unternehmen Praxair und der Münchner Linde AG entstandene Firma hatte Anfang November trotz der schwachen Konjunktur in der Corona-Pandemie die Gewinnprognose für das laufende Jahr erneut nach oben geschraubt. Erwartet wird ein Gewinn je Aktie zwischen 8,05 und 8,10 (bisher 7,60 bis 7,80) Dollar, das wären rund zehn Prozent mehr als im Vorjahr (7,34 Dollar je Aktie). Linde-Aktien, die zuletzt im DAX gut gelaufen waren, steigen mit dem Markt.

SAP bringt Tochter an die Börse

Die SAP-Aktie schlägt sich im DAX überdurchschnittlich. Der Softwarekonzern will seine Tochter Qualtrics an die Technologiebörse Nasdaq bringen. Die Papiere werden interessierten Anlegern in einer Spanne von 20 bis 24 US-Dollar angeboten. Qualtrics ist ein Anbieter von Marktforschungssoftware, mit der Organisationen Feedback und Daten von Kunden und Mitarbeitern einsammeln können, um diese in Echtzeit zu analysieren und weiterzuverarbeiten. SAP hatte für die Tochter vor gut zwei Jahren acht Milliarden US-Dollar bezahlt.

Lufthansa mit Swiss-Fantasie

Lufthansa-Papiere liegen mit deutlichem Abstand an der Spitze im MDAX. Damit setzt sich die Erholung der vergangenen Handelstage fort. Rückenwind bringen Aussagen von Reto Francioni. Der Verwaltungsratspräsident der Schweizer Tochter Swiss hatte sich in einem Interview mit der "Neuen Zürcher Zeitung" positiv zum Interkontinentalverkehr im kommenden Jahr geäußert.

Impfstoffaktien brechen ein

Die Aktien der Biotech-Unternehmen Biontech und Curevac stehen deutlich unter Druck. Ein Händler sprach vor allem von Gewinnmitnahmen, nachdem die Impfungen nun tatsächlich angelaufen seien. Bis einschließlich Montag haben in Deutschland fast 42.000 Menschen die erste Dosis des Corona-Impfstoffs von Biontech erhalten. Der Impfstoff der Tübinger Firma Curevac befindet sich im Gegensatz dazu noch in der klinischen Prüfung. Es wurde bislang kein Zulassungsantrag gestellt.

Niedersachen-Hilfen für TUI?

Die Anteilsscheine von TUI steigen stark an. Am Markt wird über mögliche Staatshilfen von Niedersachsen für den angeschlagenen Reisekonzern in Höhe von 400 Millionen Euro spekuliert. Allerdings sind diese politisch alles andere als unumstritten.

Impfstoff-Hoffnungen treiben AstraZeneca

Die Börse honoriert die offenbar unmittelbare bevorstehende Zulassung eines Covid-19-Impfstoffs von AstraZeneca in Großbritannien und Indien. Der Pharmakonzern hat diesen zusammen mit der Universität Oxford entwickelt.

Samsung verlängert LCD-Produktion

Der südkoreanische Elektronikkonzern will wegen der gesteigerten Nachfrage nach LCD-Bauteilen für Fernseher und Monitore länger herstellen. Ursprünglich hatte Samsung die Produktion bis zum Ende des laufenden Jahres einstellen wollen. Allerdings war die Nachfrage nach LCD-Panels im dritten Quartal um 30 Prozent geklettert. Noch ist nicht klar, wie lange die alte Technologie noch weiter produziert werden soll.

Boeings 737 MAX in Amerika wieder in der Luft

Fast zwei Jahre nach dem Flugverbot für die Boeing 737 Max ist der Flugzeugtyp in den USA wieder mit Passagieren regulär unterwegs. Die Fluggesellschaft American Airlines setzte eine 737 Max erstmals am Dienstag auf der Strecke von Miami nach New York ein. Die Maschinen dieses Flugzeugtyps waren im März 2019 nach zwei Abstürzen mit 346 Toten aus dem Verkehr gezogen worden.

Als Hauptursache der Unglücke galt ein fehlerhaftes Steuerungsprogramm, das die Maschinen Richtung Boden lenkte. Nach einer Reihe technischer Veränderungen und Nachbesserungen an der Software hatte die US-Luftfahrtbehörde FAA den erneuten Einsatz der Boeing 737 Max genehmigt.

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