US-Präsident Joe Biden | AP
Marktbericht

Kurse rutschen ab Wall Street fürchtet Steuererhöhungen

Stand: 22.04.2021 22:36 Uhr

US-Präsident Joe Biden hat heute die Wall Street ausgebremst. Seine Pläne, die Kapitalertragssteuer für reiche Amerikaner zu verdoppeln, belasteten die US-Börsen. In Europa stützte die EZB die Kurse.

Bisher war Biden ein Liebling der Wall Street. Seit seinem Wahlsieg im November 2020 hat der Dow Jones fast 20 Prozent gewonnen. Doch nun wird der Demokrat plötzlich zum Schreckgespenst für die Anleger. Denn laut der Nachrichtenagentur Bloomberg will Biden für wohlhabende US-Amerikaner eine Kapitalertragssteuer von 43,4 Prozent vorschlagen. Dadurch würde sich die bisherige Abgabe in etwa verdoppeln.

Dow Jones taucht ab

Steueranhebungen sind Gift für die Börse. Prompt sackten die Kurse an der Wall Street am Donnerstag ab. Der Dow Jones verlor 0,9 Prozent und entfernte sich von seinem in der letzten Woche erreichten Rekordhoch. Der breiter gefasste S&P 500 gab um rund ein Prozent nach. Und die technologielastige Nasdaq 100 rutschte gar um 1,2 Prozent ab.

US-Klimaschutzziel beflügelt Öko-Aktien

Bidens Klimaschutz-Offensive sorgte nur bei den Anbietern erneuerbarer Energien für Jubelsprünge. Die Aktien von Solarfirmen wie First Solar sprangen um über drei Prozent hoch. Biden kündigte an, bis 2030 die US-amerikanischen Treibhausgasemissionen im Vergleich zum Jahr 2005 mindestens zu halbieren.

Rekordrally kommt ins Stocken

Laut Aktienstrategen scheint ohnehin die jüngste Rekordrally angesichts einer schon sehr hohen Aktienbewertung allmählich ins Stocken zu geraten. Während die gut angelaufene Berichtssaison der US-Unternehmen nicht mehr helfe, mehrten sich derzeit wieder die Sorgen wegen der weltweit immer noch hohen Covid-19-Infektionen und neuer Mutationen. "Die Besorgnis wächst, dass dies den globalen Wachstumsaufschwung zum Entgleisen bringen könnte, nachdem sich die Anleger in Erwartung einer sich erholenden Weltwirtschaft zuletzt reichlich mit Aktien eingedeckt haben", sagte ein Marktexperte.

DAX erholt sich weiter

Am deutschen Aktienmarkt nutzten einige Anleger den jüngsten Kursrückschlag für Aktienkäufe. Der DAX erholte sich und schloss um 0,8 Prozent fester bei 15.320 Punkten. Am Montag war er nach seinem Rekordhoch von 15.501 Zählern abgerutscht und büßte binnen zwei Tagen rund zwei Prozent ein. In der bisherigen Börsenwoche liegt der DAX noch im Minus, auf Monatssicht hingegen hat er kräftig zugelegt.

EZB hält die Geldschleusen offen

Ermutigende Firmenbilanzen und die Aussicht auf weiter billiges Geld der Europäischen Zentralbank (EZB) lockte die Anleger zurück. EZB-Präsidentin Christine Lagarde trat den Befürchtungen entgegen, die Notenbank wolle bald vom Gaspedal gehen und die gigantischen Anleihenkäufe allmählich reduzieren. Der EZB-Rat habe nicht über die Rückführung der Käufe über das Corona-Programm PEPP diskutiert, sagte Madame Lagarde nach der Zinssitzung der Notenbank in Frankfurt. Dafür sei es schlicht zu früh. Jede Anpassung des Programms sei abhängig von der konjunkturellen Entwicklung und nicht von Kalenderdaten.

Noch keine Reduzierung der Anleihenkäufe diskutiert

An den Finanzmärkten hat unlängst eine Diskussion darüber eingesetzt, ob und wann die EZB ihr 1,85 Billionen schweres Corona-Kaufprogramm zurückführen könnte. Zurzeit gehen viele Analysten von einer ersten Rückführung in der zweiten Jahreshälfte 2021 und einem Ende im Frühjahr 2022 aus. Die EZB hatte erst im März entschieden, das Tempo bei ihren umfangreichen Anleihenkäufen im Rahmen des Notfall-Programms PEPP deutlich zu erhöhen.

Höhere Inflation beunruhigt Lagarde nicht

Der konjunkturelle Ausblick für die Eurozone bleibt aus Sicht von Lagarde mit Unsicherheit behaftet, während der grundlegende Preisdruck schwach bleiben dürfte. Die Inflation sei zuletzt zwar gestiegen, sagte die Französin am Donnerstag. Der Preisauftrieb dürfte aber vorerst schwach bleiben, da es aufgrund der Corona-Beschränkungen noch viel wirtschaftlichen Leerlauf gebe.

"EZB macht es allen recht!"

Volkswirte und Börsianer zeigten sich erleichtert über die Aussagen der EZB-Präsidentin. Sie habe es allen recht gemacht, meint Volkswirt Otmar Lang von der Targobank. "Mit ihrer heutigen Aussage zum zukünftigen geldpolitischen Kurs hat EZB-Chefin Lagarde einerseits Handlungsfähigkeit demonstriert. Andererseits blieben entscheidende Fragen – etwa nach der Höhe und vor allen Dingen der Dauer der Unterstützung - unbeantwortet." So habe sie sämtliche Lager im EZB-Rat auf Kurs gebracht - und doch alle wichtigen Entscheidungen vertagt.

Christine Lagarde

Christine Lagarde

Euro behauptet sich

Der Euro gab leicht nach, hielt sich aber bei über 1,20 US-Dollar. Zeitweise war er bis auf 1,2060 Dollar gestiegen. Positive Signale gab es vom US-Arbeitsmarkt: Die Zahl der Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe in den USA ist auf den tiefsten Wert seit Ausbruch der Virus-Pandemie gesunken. Insgesamt stellten vergangene Woche 547.000 Amerikaner einen Antrag auf staatliche Stütze. Ökonomen hatten mit einem Anstieg auf 617.000 Anträge gerechnet.

Türkische Lira fällt weiter

Die Flucht der Anleger aus der türkischen Lira hält angesichts der politischen Spannungen zwischen Washington und Ankara an. Ein Dollar kostete am Donnerstag 8,357 Lira - zwei Prozent mehr als am Vortag. Die Beziehungen zu den USA könnten "in naher Zukunft angespannter werden", warnte ein Devisenhändler. Für zusätzliche Verunsicherung sorgte die Ankündigung von Türkeis Präsident Erdogan, dass bei Bedarf weitere Devisenreserven verkauft werden könnten.

Prima Klima für Öko-Aktien

Am "Tag der Erde" waren besonders Öko-Aktien begehrt. Die anspruchsvolleren Klimaziele der USA und der EU trieben Wind-, Solar- und Energiewerte. Die Aktien von RWE waren mit einem Plus von 4,5 Prozent Spitzenreiter im DAX, die Papiere des Windanlagenbauers Nordex führten mit Zuwächsen von fast neun Prozent den MDAX an. Dahinter folgten die Papiere des Solar- und Windparkentwicklers Encavis mit plus fünf Prozent. Im SDAX zogen die Titel des Biosprit-Herstellers Verbio um über sieben Prozent, die Aktien von SMA Solar gewannen 6,3 Prozent.

Milliardengewinn von SAP

Zu den Favoriten im DAX zählte SAP. Die Aktien stiegen um über drei Prozent. Deutschlands größter Softwarekonzern hat die vor neun Tagen veröffentlichten Quartalszahlen sowie auch den leicht angehobenen Ausblick bestätigt. Der Nettogewinn kletterte vor allem dank Wertsteigerungen bei Unternehmensbeteiligungen um 70 Prozent auf 1,7 Milliarden Euro. Die Erlöse für das Flaggschiffprodukt S/4Hana Cloud stiegen währungsbereinigt um ein Drittel auf 227 Millionen Euro. Damit veröffentlichte SAP erstmals Zahlen zu dieser Entwicklung, die vielen Marktteilnehmern besonders wichtig ist.

Deutsche Börse verdient weniger

Nur knapp im Plus schlossen die Aktien der Deutschen Börse. Der Frankfurter Börsenbetreiber hat in den ersten drei Monaten weniger umgesetzt und verdient als vor einem Jahr. Der Gewinn sank um 14 Prozent auf 317 Millionen Euro. Im ersten Quartal 2020 hatte die Deutsche Börse von den Folgen des Corona-Crashs profitiert, der das Handelsvolumen in die Höhe getrieben hatte.

Wechselt VW-Betriebsratschef Osterloh zu Traton?

Im Blickpunkt stand mal wieder VW. Insidern zufolge steht der langjährige Betriebsratschef Bernd Osterloh vor dem Absprung. Dem Kritiker von VW-Chef Herbert Diess sei der Posten des Personalvorstands bei der VW-Tochter Traton angeboten worden, sagte eine mit der Diskussion vertraute Person zu Reuters. Sollte Osterloh die Offerte bei Traton annehmen, müsste er als Arbeitnehmervertreter seinen Posten im Aufsichtsrat von Volkswagen aufgeben. Ein weiterer Eingeweihter bestätigte, es gebe Überlegungen, einen führenden Arbeitnehmervertreter im Aufsichtsrat zu ersetzen. Mehrere Insider sagten Reuters, das Kontrollgremium werde demnächst über eine wichtige personelle Veränderung im Aufsichtsrat beraten. Weder VW noch der Betriebsrat äußerten sich dazu.

Nächster Wasserstoff-Großauftrag für Thyssenkrupp

Der Industriekonzern Thyssenkrupp hat einen weiteren Großauftrag für den Bau einer Anlage zur Produktion von grünem Wasserstoff an Land gezogen. Der Industriekonzern wird für den US-Düngemittelhersteller CGF Industries in Louisiana eine 20-MW-Wasserelektrolyseanlage errichten. Der Wasserstoff solle anschließend in grünes Ammoniak umgewandelt werden. Grüner Ammoniak könne als hocheffizienter Speicher für erneuerbare Energie und auch direkt als klimaneutraler Kraftstoff, etwa im Seeverkehr, eingesetzt werden. Der Produktionsstart sei für das Jahr 2023 vorgesehen.

Evonik beliefert BioNTech

Im MDAX legten die Aktien von Evonik leicht zu. Der Spezialchemiekonzern ist mit dem Ausbau der Produktion von Lipiden für den Corona-Impfstoff von BioNTech schneller vorangekommen als geplant. Die Anlagen am Standort Hanau seien aufgebaut, und erste Lipide würden ausgeliefert, teilte der Essener Konzern mit. Ursprünglich war die Herstellung größerer Mengen erst für das zweite Halbjahr avisiert worden.

Optimismus bei Gea

Die Papiere von Gea stiegen um rund 1,7 Prozent. Der Maschinen- und Anlagenbauer rechnet mit besseren Geschäften nach dem Sommer. "Wir gehen davon aus, dass die Geschäftsdynamik wieder anzieht ab dem dritten Quartal, wenn die Pandemie dann weitgehend überwunden ist", sagte Vorstandschef Stefan Klebert gegenüber Bloomberg. Außerdem erwarte er einen gewissen Nachholeffekt, wenn Unternehmen wieder mehr Fremdpersonal für Wartungen und Inspektionen in die Produktionen hineinlassen.

Hensoldt-Großaktionär will Anteil reduzieren

Der US-Finanzinvestor KKR will seine Beteiligung am Rüstungselektronikhersteller Hensoldt weiter reduzieren. Die Square Lux Holding, eine Gesellschaft im indirekten Besitz von Fonds, die von KKR beraten werden, wolle sich dabei voraussichtlich von bis zu 25,1 Prozent ihrer Beteiligung trennen. Der Finanzinvestor führe Gespräche mit verschiedenen Interessenten, dazu gehörten laut Hensoldt Indra, Leonardo, Saab und Thales.

Amadeus Fire mit gutem Jahresbeginn

Positiv aus dem SDAX ragte Amadeus Fire mit einem Kursplus von fast sieben Prozent heraus. Der Personaldienstleister ist wegen guter Geschäfte in der Personalvermittlung mit einem Plus bei Umsatz und Gewinn in das Jahr gestartet. Im ersten Quartal 2021 legte der konsolidierte Umsatz um 15 Prozent auf 88 Millionen Euro zu. Das operative Ergebnis stieg um 39 Prozent auf 15 Millionen Euro.

Credit Suisse rutscht in die roten Zahlen

Der Zusammenbruch des Großkunden Archegos hat der Credit Suisse rote Zahlen eingebrockt. In den ersten drei Monaten des Jahres fuhr die Schweizer Großbank einen Verlust von 252 Millionen Franken ein. In der Vorjahresperiode hatte noch ein Gewinn von 1,3 Milliarden Franken in den Büchern gestanden. Der Chef der Investmentbank, Brian Chin, und die Risiko-Chefin Lara Warner müssen gehen. Bonuszahlungen werden gestrichen, die Dividende gekürzt. Die Schweizer Börsenaufsicht Finma knöpft sich nun die Credit Suisse wegen des Archegos-Debakels vor. Die Aktien büßten über zwei Prozent ein.

Nestlé wächst so stark wie schon lange nicht mehr

Dagegen waren die Papiere von Nestlé mit Kursgewinnen von 2,9 Prozent gefragt im Schweizer Leitindex SMI. Der Schweizer Nahrungsmittelkonzern hat zu Jahresbeginn von einer starken Nachfrage nach Kaffee, Milchprodukten und Tiernahrung profitiert. Das organische Umsatzwachstum betrug im ersten Quartal knapp acht Prozent. Es ist das stärlkste Plus seit fast zehn Jahren. Der hohe Zuwachs aus eigener Kraft zum Jahresbeginn ist umso bemerkenswerter, da schon das Vorjahresquartal stark ausgefallen war: Damals hatten im Zuge der beginnenden Corona-Pandemie Hamsterkäufe in den Industrieländern dem Konzern kräftig Rückenwind beschert.

Renault schrumpft weiter

Der französische Renault-Konzern profitiert weniger als seine deutschen Konkurrenten von der Erholung der Autonachfrage. Der Umsatz des zweitgrößten französischen Autobauers sank zu Jahresbeginn um ein Prozent auf rund zehn Milliarden Euro. Das ist das fünfte Quartal in Folge seit Ausbruch der Pandemie Anfang 2020, in dem die Erlöse des Konzerns gefallen sind.

Volvo beschleunigt

Der schwedische Nutzfahrzeughersteller Volvo hat im ersten Quartal von der anhaltenden Erholung des Marktes profitiert. Der Auftragseingang wurde zwischen Januar und Ende März mit gut 85.000 bestellten Lkw im Jahresvergleich mehr als verdoppelt. Während die Schweden den Umsatz um drei Prozent auf 94 Milliarden schwedische Kronen (umgerechnet rund 9,3 Milliarden Euro) steigerten, verdoppelte sich der Nettogewinn mit rund neun Milliarden Kronen annähernd.

Intel hebt Prognose an - und enttäuscht trotzdem

Nach US-Börsenschluss meldete Intel noch starke Zahlen. Der weltgrößte Chipkonzern ist dank der starken Nachfrage von Rechenzentren und Computerherstellern in der Corona-Krise besser in das Jahr gestartet als erwartet. Im ersten Quartal stagnierte der Umsatz bei 18,6 Milliarden Dollar - 1,1 Milliarden Dollar mehr als noch im Januar in Aussicht gestellt wurden. Der Gewinn fiel um sechs Prozent auf 5,7 Milliarden Dollar. Für das zweite Quartal stellte Intel einen Umsatz von rund 17,8 Milliarden Dollar in Aussicht. Diese Prognoseanhebung fanden manche Anleger zu bescheiden.

Verbrauchermagazin findet gefährliche Mängel bei Tesla

Nach einem Unfall mit angeblich leerem Fahrersitz, bei dem jüngst zwei Männer ums Leben kamen, gerät Tesla weiter unter Druck. Das einflussreiche US-Verbrauchermagazin Consumer Reports hat nach eigenen Angaben gefährliche Mängel beim Fahrassistenzprogramm "Autopilot" des Elektroautobauers festgestellt. Auf einer Teststrecke sei es Ingenieuren beim Model Y gelungen, das Programm trotz leeren Fahrersitzes anzuwenden, teilte Consumer Reports mit. Dabei habe das System keinerlei Warnungen oder Hinweise abgegeben. Auf öffentlichen Straßen würde ein solches Szenario eine "extreme Gefahr" darstellen, so das Blatt.

Katek will an die Börse

Das Elektronikunternehmen Katek will bei seinem Börsengang je nach Platzierungspreis 83 bis 103 Millionen Euro erlösen und bietet seine Aktien in einer Preisspanne von 21 bis 26 Euro an. Der endgültige Angebotspreis werde voraussichtlich am 28. April festgelegt, die Erstnotierung ist für den 4. Mai geplant.

Über dieses Thema berichtete B5 aktuell am 22. April 2021 um 16:12 Uhr.