Händler arbeiten mit Atemschutzmasken an der New York Stock Exchange
Marktbericht

Kursgewinne an den US-Börsen Weckruf von der Wall Street

Stand: 25.03.2021 22:16 Uhr

Nach einer kleinen Schwächephase ist die Wall Street wieder in Schwung gekommen. Der DAX machte seine Verluste wett. Corona-Sorgen und chinesische Boykottdrohungen gegen Nike, Adidas & Co dämpften die Stimmung.

Am Nachmittag hatte es noch nach einem tristen Börsentag ausgesehen. Die US-Börsen hatten mit Verlusten eröffnet. Dann aber drehte rasch die Stimmung. Der Dow Jones nahm zunehmend an Fahrt auf und ging mit einem Plus von 0,6 Prozent aus dem Handel. Nun könnte er wieder Kurs auf sein altes Rekordhoch von 33.015 Punkten nehmen. Auch der marktbreite S&P 500 rückte um 0,5 Prozent auf 3.909 Zähler vor. Lediglich die technologielastige Nasdaq tat sich schwer. Sie schloss 0,15 Prozent tiefer.

Optimisten gewinnen Duell gegen Pessimisten

Nach Ansicht von Anlagestrategen liefern sich Optimisten und Pessimisten ein Tauziehen. Die Optimisten setzen auf gigantische Konjunkturhilfen der Biden-Regierung, Corona-Massenimpfungen und die Normalisierung der Wirtschaft. Die Pessimisten befürchten eine schärfere Regulierung in bestimmten Branchen, mögliche Steuererhöhungen, eine hohe Staatsverschuldung und Inflation.

Fed-Präsident will Geldhahn vorsichtig abdrehen

Die Zuspitzung der chinesisch-amerikanischen Spannungen sowie zunehmende Sorgen über die weltweiten Lieferketten wegen des gestrandeten Containerschiffs, das den wichtigen Suezkanal blockiert, belasteten nur anfangs die Kurse. Auch die Andeutung von US-Notenbankchef Jerome Powell, die geldpolitischen Zügel allmählich wieder etwas zu straffen, verunsicherte die Anleger nur kurz. Laut Powell soll sehr vorsichtig und mit großer Transparenz nach einer fast vollständigen Erholung der Wirtschaft die in der Krisenzeit geleistete geldpolitische Unterstützung für die Märkte zurückgefahren werden.

DAX kriegt kurz vor Schluss die Kurve

Im Sog der freundlichen Wall Street schaffte der DAX die späte Wende. Der deutsche Leitindex schüttelte seine Kursverluste ab und ging mit einem Mini-Plus von 0,1 Prozent aus dem Xetra-Handel. Zeitweise hatte das Minus bis zu 1,3 Prozent betragen.

Europa hinkt den USA hinterher

Die Konjunkturaussichten für Europa sind deutlich schlechter als für die USA. "Wegen der dritten Covid-Welle, der schleppenden Massenimpfungen und der vergleichsweise geringen staatlichen Konjunkturhilfen wird die Euro-Zone Nordamerika bei der wirtschaftlichen Erholung zwei bis drei Monate hinterherhinken", warnte Stephen Gallo, Anlagestratege der Investmentbank BMO.

Bringt der EU-Gipfel Fortschritte?

Anleger richten nun ihr Augenmerk auf den Gipfel der EU-Staats- und Regierungschefs, der bis Freitag läuft. Dort soll unter anderem ein mögliches Export-Verbot für Corona-Impfstoffe diskutiert werden. Das könnte nicht nur Auswirkungen auf die Impfkampagne in Großbritannien haben, sondern auch den Ton für die künftigen Beziehungen mit der EU nach dem Brexit setzen.

Konsumklima droht sich einzutrüben

In Deutschland belasten die Beschlüsse zum verlängerten Lockdown bis zum 18. April die Stimmung der Konsumenten. "Der erneute harte Lockdown wird dem Konsumklima schwer schaden und die aktuelle Verbesserung ein Strohfeuer bleiben", prognostiziert GfK-Experte Rolf Bürkl. Eine nachhaltige Erholung der Konsumstimmung werde weiter auf sich warten lassen. Das Marktforschungsunternehmen GfK prognostiziert für April zwar einen Anstieg ihres Konjunkturindikators auf minus 6,2 Punkte. Die Basis der neuen Umfrage sind allerdings Daten, die vor der Verlängerung der Corona-Restriktionen erhoben wurden.

Öl wieder billiger

Die Furcht vor einer sinkenden Nachfrage schickte den Ölpreis wieder auf Talfahrt. Die Nordsee-Sorte Brent verbilligte sich um vier Prozent auf 61,90 Dollar je Barrel (159 Liter). "Während wir uns auf Europa konzentrieren, steigen die Coronafälle auch in Ländern wie Indien oder Brasilien", sagte Analyst Vivek Dhar von der Commonwealth Bank. Diese Länder seien entscheidend für eine Erholung der weltweiten Öl-Nachfrage.

Gestern noch war der Ölpreis wegen eines blockierten Containerschiffs im Suezkanal gefallen. Schlepper haben sich bisher vergeblich bemüht, das etwa 400 Meter lange Schiff aus seiner Querlage in einer der wichtigsten Wasserstraßen der Welt zu befreien. Die Störung könnte noch Wochen dauern. Durch den Kanal läuft ein erheblicher Teil der Energietransporte vom Mittleren Osten in Richtung Europa und USA. Betroffen sind auch Exporte aus der Nordsee nach Asien.

Flucht in Dollar und Gold

Angesichts der Furcht vor weiteren wirtschaftlichen Folgen durch die dritte Corona-Welle nahmen einige Investoren Kurs auf "sichere Häfen" wie Bundesanleihen. Dies drückte die Rendite der zehnjährigen Titel auf minus 0,384 Prozent. Andere Anleger flohen in die Weltleitwährung Dollar und hievten den Dollar-Index, der den Kurs zu wichtigen Währungen widerspiegelt, auf ein Vier-Monats-Hoch von 92,753 Punkten. Die "Antikrisen-Währung" Gold verteuerte sich um 0,4 Prozent auf 1.740 Dollar je Feinunze (31,1 Gramm).

Bitcoin fällt

Abwärts ging es für den Bitcoin. Die älteste und wichtigste Cyber-Devise fiel um fast sieben Prozent auf 50.391 Dollar. Auch hier drückten Coronasorgen auf die Stimmung, sagte Analyst Timo Emden von Emden Research. Investoren schichteten Gelder zumindest teilweise in Währungen wie Dollar oder Euro um. "Ein Rutsch unter die psychologische Marke von 50.000 Dollar könnte weitere Verluste bis auf 44.000 Dollar provozieren", mreint der Experte.

E.ON empfohlen

Größter Gewinner im DAX war die E.ON-Aktie mit einem Plus von über vier Prozent. Die gestern präsentierten Jahreszahlen und der Ausblick scheinen bei Analysten gut angekommen zu sein. So gab heute die UBS eine Kaufempfehlung für E.ON. Die Aussagen des Vorstandsvorsitzenden zur weiteren geschäftlichen Entwicklung seien bemerkenswert zuversichtlich gewesen, erklärte der zuständige UBS-Analyst.

Chinesische Anti-Kampagne gegen Adidas, Nike & Co

Dagegen sackten die Aktien von Adidas um sechs Prozent ab. Nach der Verhängung von EU-Sanktionen hat China eine Negativ-Kampagne gegen westliche Unternehmen gestartet: Staatsmedien, Prominente und Nutzer von Online-Netzwerken nahmen am Donnerstag unter anderem den schwedischen Modekonzern H&M und die Sportmarken Adidas und Nike unter Beschuss. Auslöser war die Kritik westlicher Unternehmen und Länder an Menschenrechtsverletzungen gegen die Uiguren und andere Minderheiten in China.  "Das chinesische Volk wird nicht zulassen, dass einige Ausländer Chinas Reis essen, während sie seine Schalen zertrümmern", sagte eine Sprecherin des Außenministeriums in Peking. Vor allem Nike zog den Ärger der chinesischen Social-Media-Nutzer auf sich.

Conti-Tochter hat Vitesco hat viel vor

Die vor der Abspaltung stehen Antriebssparte von Continental Vitesco will in den kommenden Jahren kräftig beim Ausbau der Elektromobilität mitmischen. Im Jahr 2025 schätzt das Unternehmen den möglichen Wertbeitrag von Komponenten je batterieelektrischem Fahrzeug auf das Fünffache dessen, was Verbrennerantriebe 2018 einbrachten, wie das Unternehmen bei einer Investoren- und Analystenveranstaltung mitteilte. Ende 2020 verzeichnete Vitesco einen Auftragsbestand für Elektrifizierungsprodukte in Höhe von mehr als 13 Milliarden Euro.

VW Nutzfahrzeuge vor roten Zahlen

Die Volkswagen-Nutzfahrzeugtochter stellt sich für das laufende Jahr trotz steigender Auslieferungen auf einen Verlust ein. Das Unternehmen rechnet mit mehr als 400.000 Fahrzeugen, die an die Kunden übergeben werden sollen. Dennoch werde ein operativer Verlust erwartet. VW Nutzfahrzeuge begründete das mit Investitionen in die Transformation, den Umbau der Werke und die Einführung vollelektrischer Modelle.

Stabile Dividende bei United Internet und Drillisch

Der Telekomanbieter und Internetdienstleister United Internet und die Tochter 1&1 Drillisch wollen ihre jeweilige Dividende stabil halten. United Internet will demnach erneut 50 Cent je Aktie zahlen, 1&1 Drillisch fünf Cent. Bei United Internet war das Konzernergebnis vergangenes Jahr um ein knappes Drittel und bei 1&1 Drillisch um über 40 Prozent eingebrochen. Die Aktien von 1&1 Drillisch und United Internet büßten rund vier Prozent ein.

Siemens Healthineers holt Milliarden rein

Die ebenfalls börsennotierte Medizintechnik-Tochter von Siemens hat über Nacht rund 2,3 Milliarden Euro frisches Kapital eingesammelt. Die Aktien von Siemens Healthineers wurden zum Preis von je 44,10 Euro bei Fonds und anderen großen Investoren untergebracht, wie das Unternehmen mitteilte. Es ist die zweite und letzte milliardenschwere Kapitalerhöhung, die Siemens Healthineers für den Kauf des US-Krebsspezialisten Varian platziert.

TUI muss noch viel aufholen

Trotz mancher Jubelmeldungen hat der Reisekonzern TUI noch viel zu tun. Die Buchungszahlen lägen unverändert auf einem "ermutigenden" Niveau von 2,8 Millionen Gästen, teilte TUI zur Hauptversammlung mit. Das seien allerdings 60 Prozent weniger als im Vorkrisenjahr 2019. Zugleich betonte TUI, hier flexibel anpassen zu können, falls die Nachfrage durch Fortschritte in der Pandemie-Bekämpfung stärker steigt.

HHLA hofft auf 2021

Der Hamburger Hafenbetreiber HHLA hofft auf bessere Geschäfte im laufenden Jahr. Sowohl beim Containerumschlag als auch beim Containertransport geht HHLA wieder von einem moderaten Anstieg aus. Die Umsätze sollen demnach ebenfalls steigen, das Betriebsergebnis sieht HHLA für 2021 zwischen 153 Millionen Euro und 178 Millionen Euro. Im abgelaufenen Jahr war diese Ergebnisgröße um knapp die Hälfte auf 124 Millionen Euro eingebrochen.

Höhere Kosten bei Evotec

Zu den wenigen TecDax-Gewinnern zählte Evotec. Die Hamburger Biotech-Firma hat im vergangenen Jahr mehr umgesetzt als erwartet. Die Erlöse stiegen um 12 Prozent auf rund eine halbe Milliarde Euro. Das Ergebnis wurde unter anderem durch höhere Kosten für die Forschung und Entwicklung und den Anlauf einer neuen Produktionsanlage belastet.

SMA Solar enttäuscht beim Ausblick

Die Aktien von SMA Solar sackten um über zehn Prozent ab und waren Schlusslicht im TECDAX. Der Solarzulieferer hat im vergangenen Jahr seinen Umsatz um zwölf Prozent auf 1,03 Milliarden Euro erhöht. Das Konzernergebnis stieg auf 28,1 Millionen Euro nach einem Minus von 8,6 Millionen im Jahr zuvor. Enttäuschend war der Ausblick. Für das erste Quartal kündigte der Vorstand einen Umsatzrückgang an.

Jenoptik rechnet mit Besserung

Die Aktien von Jenoptik verloren 4,5 Prozent. Der Technologiekonzern will nach einem Umsatzrückgang 2020 im laufenden Jahr wieder wachsen. Die Erlöse sollen im niedrigen zweistelligen Prozentbereich zulegen, nachdem sie im vergangenen Jahr um acht Prozent auch wegen eines schwierigeren Geschäfts mit der Autoindustrie auf rund 767 Millionen Euro gesunken waren.

Aroundtown leidet

Die Immobilienfirma Aroundtown hat die Corona-Krise im vergangenen Jahr zu spüren bekommen. Das für die Branche entscheidende operative Ergebnis fiel 2020 wegen der Pandemie, die sich vor allem im Hotelimmobilien-Bereich der Firma niederschlug, auf 358 Millionen Euro nach 446 Millionen Euro im Vorjahr. In diesem Jahr erwartet Aroundtown ein Ergebnis zwischen 340 und 370 Millionen Euro.

Scout24 setzt voll auf Immobilien

Der Betreiber des Immobilien-Portals Immoscout24 peilt im laufenden Jahr weiteres Wachstum an. Insbesondere die Nachfrage nach Wohnimmobilien, bei Miete und Kauf, sei trotz der Pandemie weiterhin hoch, hieß es zur Begründung von Scout24. Der Vorstand strebt daher einen Umsatzanstieg im mittleren einstelligen Prozentbereich an. Die operative Umsatzrendite aus gewöhnlichem Geschäft soll bei 60 Prozent stabil bleiben.

Dividende für S&T-Aktionäre

Der im TECDAX notierte österreichische IT-Anbieter S&T will nach einem Gewinnanstieg im vergangenen Jahr seinen Aktionären wieder eine Dividende ausschütten. Für 2020 sollen die Anteilseigner 30 Cent je Aktie bekommen, nachdem die Zahlung für das Jahr davor wegen der Corona-Pandemie gestrichen worden war, wie das Unternehmen mitteilte.

SAF-Holland sehr gefragt

Nach einem ermutigenden Ausblick sprangen die Aktien des Lkw-Zulieferers SAF-Holland im SDAX um fast zehn Prozent nach oben. Der Lkw-Zulieferer rechnet im laufenden Geschäftsjahr 2021 mit einem Umsatz von 1,05 bis 1,15 Milliarden Euro nach 960 Millionen Euro im Vorjahreszeitraum.

Tierische Kursgewinne bei Zooplus

Noch begehrter waren die Aktien von Zooplus. Sie zogen um fast 15 Prozent an und ragten positiv aus dem SDAX heraus. Der Onlinehändler für Haustierbedarf plant, seinen Umsatz bis zum Jahr 2025 auf 3,4 bis 3,8 Milliarden Euro zu steigern. Im vergangenen Jahr profitierte das SDAX-Mitglied stark von Trend zum Online-Einkaufen. Der Umsatz wuchs um gut 18 Prozent auf 1,8 Milliarden Euro. Das operative Ergebnis lag bei 63,3 Millionen Euro und hat sich damit mehr als verfünffacht.

Baywa setzt auf grüne Energien

Der Mischkonzern Baywa will nach einem starken Jahr vor allem in seinen neuen Geschäftsfeldern weiterwachsen. Alleine im Bereich Erneuerbare Energien erwartet Konzernchef Klaus Josef Lutz einen künftigen Aufbau von rund 2.500 auf über 3.000 Mitarbeiter. Dagegen will das Unternehmen das klassische Agrargeschäft umbauen und kleinere Standorte schließen. Im laufenden Jahr rechnet die Baywa mit einer Steigerung von Umsatz und Ergebnis. 2020erhöhten sich die Erlöse auf etwas mehr als 17 Milliarden Euro an. Das operative Ergebnis stieg um rund 14 Prozent auf 215 Millionen Euro.

Erfolgreicher Börsengang in Frankfurt

Die Aktien des Rohrleitungsbauers Friedrich Vorwerk legten bei ihrem Debüt an der Frankfurter Börse kräftig zu. Die Aktien stiegen am ersten Handelstag auf 47,68 Euro. Der Ausgabepreis für die 9,2 Millionen Aktien hatte bei 45 Euro gelegen. Das Unternehmen aus Tostedt bei Hamburg wurde mit 900 Millionen Euro bewertet, 46 Prozent der Aktien sind im Streubesitz. Friedrich Vorwerk selbst fließen 90 Millionen Euro zu, mit denen das Unternehmen im Wasserstoff-Transport expandieren will.

Philips verkauft Geschäft mit Haushaltsgeräten

Der niederländische Konzern Philips verkauft seine Haushaltsgeräte-Sparte für rund 3,7 Milliarden Euro an den asiatischen Investmentfonds Hillhouse Capital. Philips werde außerdem für Lizenzen 700 Millionen Euro in 15 Jahren bekommen. Der Verkauf war erwartet worden und soll im dritten Quartal 2021 abgeschlossen sein. Philips setzt nun auf Medizintechnologie.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 25. März 2021 um 12:00 Uhr und 17:00 Uhr.