Händler an der New York Stock Exchange | picture alliance / ZUMAPRESS.com
Marktbericht

Börsen verlieren an Schwung Holpriger Start in den August

Stand: 02.08.2021 22:49 Uhr

Der neue Börsenmonat hat an der Wall Street so begonnen wie der alte geendet hat: mit Rekorden. Allerdings hielt die gute Laune nicht lange. Im DAX gab’s einen schwarzen Tag für die Allianz.

Haben die Anleger Angst vor dem August? Der Dow Jones begann den ersten Handelstag im neuen Monat noch mit einer neuerlichen Bestmarke, bevor ihm dann die Luft ausging. Der US-Standardwerte-Index schloss 0,3 Prozent tiefer bei 34.838 Punkten. Der breit gefasste S&P 500 sank um knapp 0,2 Prozent auf 4387 Zähler. Der technologielastige Nasdaq stahgnierte bei 14.681 Punkten. Der August gilt als einer der schwächsten Börsenmonate des Jahres.

Industrie-Daten schüren Konjunktursorgen

Sorgen über die Delta-Variante des Coronavirus und eine sich verlangsamende US-Wirtschaft überschatteten den Optimismus, der sich auf die Hoffnung auf steuerliche Anreize und eine starke Gewinnsaison im zweiten Quartal stützte. So trübte sich die Stimmung in der US-Industrie im Juli überraschend ein. Der Gouverneur der US-Notenbank, Christopher Waller, kündigte zudem an, dass die Fed ihre Unterstützung für die Wirtschaft bis Oktober zurückfahren könnte, wenn die nächsten beiden monatlichen Arbeitsmarktberichte jeweils einen Anstieg der Beschäftigung um 800.000 bis eine Million zeigten. Dagegen können sich Anleger Hoffnungen machen auf neues billionenschweres Infrastrukturprogramm machen. Die Beratungen des US-Senats stehen offenbar kurz vor dem Abschluss.

DAX nur knapp im Plus

Auch der Monatsbeginn am deutschen Aktienmarkt fiel verhalten aus. Der DAX legte moderat um 0,16 Prozent zu. Am Morgen hatte der deutsche Leitindex noch kräftig angezogen, bevor die Kursgewinne wieder wegschmolzen.

Der "Allianz-Schock"

Mit Schuld an dem verhaltenen Wochen- und Monatsauftakt war die Allianz. Der Kurs des DAX-Schwergewichts sackte um fast acht Prozent ab. Nach Klagen und einer Untersuchung der Wertpapieraufsichtsbehörde SEC habe nun auch das US-Justizministerium eine Untersuchung in Zusammenhang mit den sogenannten Structured Alpha Fonds der Konzerntochter Allianz Global Investors eingeleitet, teilte der Versicherungskonzern mit. Dies werde den Kurs sicher für längere Zeit belasten, prophezeien die Analysten der Bank JPMorgan.

Chinas Industrie verliert an Dynamik

Ein weiterer Rückschlag kam aus China: Das Wachstum der chinesischen Industrie ist im Juli infolge schrumpfender Nachfrage wegen hoher Produktpreise stark zurückgegangen. Der Caixin/Markit-Einkaufsmanagerindex für das verarbeitende Gewerbe fiel im Monatsvergleich auf 50,3 von 51,3 im Juni. Das Konjunkturbarometer markierte damit zwar den 15. Monat der Expansion, rutschte aber auf den niedrigsten Stand seit April 2020 ab.

Ölpreise brechen ein

Nach den enttäuschenden chinesischen Konjunkturdaten gerieten die Ölpreise deutlich unter Druck. Die Sorte Brent aus der Nordsee verbilligte sich um 4,6 Prozent auf 72,77 Dollar je Barrel (159 Liter). Wenn die weltweit zweitgrößte Volkswirtschaft schwächelt, verdüstert sich die Aussicht für die globale Konjunktur.

Kupferpreise steigen

Gefragt war indes Kupfer. Anleger spekulierten darauf, dass die Regierung in Peking mit zusätzlichen Investitionen gegensteuern werde, sagte Gianclaudio Torlizzi, Partner der Beratungsfirma T-Commodity. Andere Experten verwiesen auf mögliche Liefer-Ausfälle, nachdem die chilenische Bergarbeiter-Gewerkschaft im Tarifstreit bei der weltgrößten Mine Escondida das jüngste Angebot des Betreibers BHP zurückgewiesen und sich für einen Streik ausgesprochen hatte.

Euro kaum bewegt

Am Devisenmarkt herrschte nur wenig Bewegung. Der Euro stagnierte bei 1,1868 Dollar. Gute Konjunkturdaten konnten die Gemeinschaftswährung nur ein bisschen stützen. Die deutschen Einzelhändler haben das erste Halbjahr mit einem unerwartet großen Umsatzplus beendet. Im Juni stiegen ihre Einnahmen um 4,6 Prozent zum Vormonat, wie das Statistische Bundesamt mitteilte. Um Preisveränderungen bereinigt gab es ein Plus von 4,2 Prozent. Ökonomen hatten hier nur mit einem Anstieg um 2,0 Prozent gerechnet.

Einkaufsmanager weiter zuversichtlich

Die deutsche Industrie hat ihr Wachstum zu Beginn der zweiten Jahreshälfte trotz anhaltender Lieferengpässe beschleunigt. Der Einkaufsmanagerindex legte im Juli um 0,8 auf 65,9 Punkte zu, wie das Institut IHS Markit zu seiner monatlichen Umfrage unter Hunderten Unternehmen mitteilte. Das ist der drittbeste Wert seit Beginn der Umfrage 1996. Die Stimmung der Einkaufsmanager in den Industrieunternehmen der Eurozone hat sich im Juli nach einem Rekordhoch hingegen leicht eingetrübt, blieb aber mit 62,8 Zähler weiter auf einem sehr hohen Niveau. Einkaufsmanagerindizes signalisieren ab einem Wert von 50 Wachstum.

Goldman Sachs bevorzugt Daimler

Zu den größten DAX-Gewinnern gehörten die Aktien der deutschen Premium-Autobauer. So stiegen die Papiere von Daimler um 1,5 Prozent, die Titel von BMW gewannen 1,2 Prozent. Auch europaweit standen die Papiere aus dem Autosektor in der Anlegergunst ganz oben. Der Branchenindex Stoxx Europe 600 Automobiles & Parts verbuchte ein Plus von annähernd zwei Prozent. Die US-Investmentbank Goldman Sachs hat Daimler in ihre "Conviction Buy List" besonders aussichtsreicher Werte aufgenommen. Goldman begründete dies mit anhaltenden operativen Erfolgen bei Mercedes-Benz. Zudem gebe es mit der Abspaltung der Lkw-Sparte einen klaren Kurstreiber im zweiten Halbjahr.

Neuer Anlauf für die deutsche Immobilien-Großfusion

Die Aktien von Vonovia zogen um 2,2 Prozent an, die Titel der Deutsche Wohnen lagen nur leicht im Plus. Der Immobilienkonzern Vonovia wagt kurz nach dem gescheiterten Übernahmeversuch des Konkurrenten Deutsche Wohnen einen weiteren Anlauf. Das Gebot werde um einen auf 53 Euro je Anteil erhöht, teilten die beiden Unternehmen am Sonntagabend mit. Damit wird die Deutsche Wohnen mit rund 19 Milliarden Euro bewertet. Vonovia will erneut mindestens die Hälfte der Anteile erwerben. An dieser Schwelle war Vonovia zuletzt gescheitert. Vonovia hält derzeit knapp 30 Prozent der Aktien des Wettbewerbers.

Evotec will an die Nasdaq

Das Hamburger Biotech-Unternehmen Evotec will zurück an die US-Börse und plant eine Zweitnotiz an der Technologiebörse Nasdaq. Der Konzern hat bei der Börsenaufsicht SEC Unterlagen für ein Angebot sogenannter American Depository Shares eingereicht. Die Einwilligung der SEC vorausgesetzt, wird der Schritt für die zweite Jahreshälfte erwartet.

Stabilus wird optimistischer

Der Auto- und Industriezulieferer Stabilus hat im dritten Geschäftsquartal von der anhaltenden Erholung der Wirtschaft profitiert und Umsatz und Ergebnis deutlich gesteigert. Das Unternehmen zeigte sich daher für das laufende Geschäftsjahr 2020/21 etwas zuversichtlicher. So soll der Umsatz nun bei 930 Millionen bis 950 Millionen liegen. Bislang war der Zulieferer von mindestens 900 Millionen Euro ausgegangen. Die bereinigte operative Marge soll bei 14 bis 15 Prozent liegen. Hier hatte das Management zuletzt eine Spanne von 13 bis 15 Prozent angepeilt.

Flatexdegiro lockt neue Aktienfans an

Der Online-Broker Flatexdegiro hat im ersten Halbjahr ein halbe Million Neukunden gewonnen und damit sein Wachstum vorangetrieben. Mit nunmehr 1,75 Millionen Kunden stieg das Kundenvermögen auf über 40 Milliarden Euro. Das ist fast eine Verdreifachung gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Der Umsatz schnellte auf 226 Millionen Euro und das bereinigte operative Ergebnis auf 108 Millionen Euro in die Höhe. Die Aktien sackten um fast sechs Prozent ab und waren Schlusslicht im SDAX.

Neue Steuerbelastungen für die Aareal Bank

Die Aareal Bank muss im laufenden Geschäftsjahr eine zusätzliche Steuerlast schultern. Aus der Überprüfung eines 2012 veräußerten Fondsinvestments hätten sich neue Ergebnisbelastungen von elf Millionen Euro im sonstigen betrieblichen Ergebnis für das zweite Quartal und weiteren 26 Millionen Euro in der Steuerposition des Gesamtjahres ergeben, erklärte Aareal am Abend. Trotzdem sei das Betriebsergebnis im zweiten Quartal deutlich auf 41 Millionen Euro von zwei Millionen im Pandemie-belasteten Vorjahresquartal gestiegen. Für das Gesamtjahr bleibe es bei der Prognose von 100 bis 175 Millionen Euro Konzernbetriebsergebnis.

HSBC kann Gewinn mehr als verdoppeln

Die britische Großbank HSBC hat im zweiten Quartal dank weniger fauler Kredite deutlich mehr verdient. Das um Sondereffekte bereinigte Ergebnis vor Steuern kletterte auf 5,6 Milliarden Dollar. Im von Corona stark belasteten Vorjahresquartal lag dieser Wert bei 2,6 Milliarden Dollar. Das bereinigte Vorsteuerergebnis zog damit deutlich stärker an als Experten erwartet hatten.

AXA drohen Hochwasser-Belastungen

Der französische Versicherer AXA hat seinen Gewinn überraschend kräftig gesteigert. Mit knapp vier Milliarden Euro lag der Überschuss im ersten Halbjahr 180 Prozent höher als ein Jahr zuvor, wie der Allianz-Konkurrent mitteilte. Für die Folgen der Hochwasserkatastrophe in Deutschland, Belgien und anderen Ländern rechnet der Konzern nach Schätzung des Managements mit Belastungen vor Steuern von rund 400 Millionen Euro. Einen Teil des Geldes könnte AXA von Rückversicherern erstattet bekommen.

Google will eigene Chips in seine künftigen Handys einbauen

Der Suchmaschinen-Konzern kündigt an, selbst entwickelte Prozessoren in seinen künftigen Mobiltelefonen Pixel 6 und Pixel 6 Pro zu verbauen. Damit verzichtet der Google-Betreiber auf die seit 15 Jahren bezogenen Chips von Qualcomm. Allerdings soll das nächste Google-Handy, das Pixel 5a, noch mit Qualcomm-Chips bestückt werden. Die Qualcomm-Aktie reagierte mit leichten Verlusten.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 02. August 2021 um 07:35 Uhr in der Börse.