Händler arbeiten mit Atemschutzmasken an der New York Stock Exchange | picture alliance / ASSOCIATED PR
Marktbericht

DAX, Dow & Co geht die Kraft aus Ein Monat voller Rekorde

Stand: 30.07.2021 22:33 Uhr

Die Warnung von Amazon vor einem schwächeren Wachstum hat zum Wochenschluss die Anleger in die Flucht geschlagen. Der Juli war aber dennoch ein erfolgreicher Börsenmonat.

Zwar war das deutsche Börsenwetter im Juli recht wechselhaft mit einigen kleinen Schauern und Gewittern. An der Wall Street herrschte jedoch meist eitel Sonnenschein. Fast täglich gab es neue Rekorde. Der S&P 500 stürmte von einer Bestmarke zur nächsten. Er schaffte auf Monatssicht ein Plus von 2,3 Prozent. Es war der sechste Monat in Folge mit einem Plus. Nicht ganz so stürmisch entwickelte sich der Dow Jones. Im gesamten Juli stieg er um knapp 1,3 Prozent. Erstmals bezwang er die Schallmauer von 35.000 Punkten. Am letzten Handelstag des Monats machten Anleger Kasse. Der US-Standardwerte-Index schloss um 0,4 Prozent tiefer. Damit ergab sich ein Wochenverlust von rund 0,4 Prozent.

Amazon-Warnung überschattet die Tech-Aktien

Noch größer waren am Freitag die Kursverluste an der Nasdaq. Sie sackte um 0,6 Prozent ab. Der trübe Ausblick von Amazon setzte dem Tech-Index zu. Der weltgrößte Online-Händler warnte nach einem soliden zweiten Quartal vor einem schwächeren Wachstum im laufenden Quartal. Die Amazon-Aktien brachen um fast acht Prozent ein. Es war der größte Tagesverlust seit 2014. Amazon ist stark gewichtet im Nasdaq.

DAX schafft sechsten Monatsgewinn in Folge

Angesichts des fehlenden Rückenwinds von der Wall Street konnte auch der DAX seine Aufholjagd nicht fortsetzen. Er schloss 0,6 Prozent tiefer und beendete die Woche 0,8 Prozent im Minus. Die Hoffnungen auf eine echte "Sommer-Rally" haben sich nicht erfüllt. Der Juli war ein durchwachsener Börsenmonat. Zwar schaffte der DAX Mitte Juli mit 15.810 Punkten ein Rekordhoch, fiel danach aber wieder zurück. Letztlich beendete der deutsche Leitindex den Juli ganz knapp im Plus. Es ist der sechste Monatsgewinn in Folge und damit immerhin die längste Positivserie seit 2015.

Neue China-Sorgen

Ein neuerlicher Kursrutsch an Chinas Börsen - der Hang Seng sackte um über zwei Prozent ab - verunsicherte die Anleger. Sie befürchten weitere regulatorische Eingriffe der Behörden in China. Die Versuche von Peking, nach den jüngsten Kursverlusten der großen Techwerte die Märkte zu beruhigen, liefen ins Leere. Das Vertrauen in chinesische Unternehmen sei angeschlagen, sagte Lewis Grant, Portfoliomanager beim Vermögensverwalter Federated Hermes. "Die Anleger werden sich fragen, worauf sich die chinesischen Regulierungsbehörden als Nächstes konzentrieren werden: Welche Sektoren oder Kapitalquellen bleiben gefährdet?" Insidern zufolge bearbeitet die US-Aufsicht SEC wegen dieser Risiken vorerst keine Anträge chinesischer Firmen auf einen Börsengang an der Wall Street.

Amerikaner konsumieren mehr

Aus den USA kamen am Nachmittag eine Reihe positiver Konjunkturdaten. So stiegen im Juni die Konsumausgaben überraschend deutlich um 1,0 Prozent. Im Mai hatte es noch einen leichten Rückgang gegeben. Die Einkommen der Haushalte stiegen moderat um 0,1 Prozent nach einem deutlichen Minus im Vormonat. Auch das von der Universität Michigan erhobene Verbrauchervertrauen sowie das Geschäftsklima in der Region Chicago fielen besser als erwartet aus.

Warnung vor Inflationsspirale

Der für die Michigan-Umfrage zuständige Chefökonom Richard Curtin warnte aber vor einer Inflationsspirale. "Während die meisten Verbraucher immer noch von einem vorübergehenden Inflationsanstieg ausgehen, gibt es immer mehr Hinweise darauf, dass in nicht allzu ferner Zukunft ein Inflationssturm aufziehen wird", sagte er. Er befürchtet eine Spirale aus steigenden Preisen und Löhnen. Die US-Notenbank sieht derartige Gefahren gegenwärtig nicht und will auf die deutlich erhöhte Inflation nicht reagieren.

Die Preise in Europa ziehen an

Die Inflation im Euroraum hat sich im Juli weiter beschleunigt. Die Verbraucherpreise stiegen binnen Jahresfrist laut der Statistikbehörde Eurostat um 2,2 Prozent. Das ist die höchste Rate seit Herbst 2018. Volkswirte hatten ein Plus von 2,0 Prozent erwartet. Gestern war auch aus Deutschland von einer noch höheren Inflationsrate berichtet worden.

Keine Rezession in Deutschland

Die deutsche Wirtschaft wächst nach dem Corona bedingten Einbruch wieder kräftig. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) stieg von April bis Juni um 1,5 Prozent zum Vorquartal. Somit blieb eine Rezession aus, nachdem die Wirtschaft zu Jahresbeginn merklich geschrumpft war.

Euro fällt zurück

Die starken US-Konjunkturdaten schwächten den Euro. Er rutschte am Abend auf 1,1862 Dollar, nachdem er noch am Vormittag die Marke von 1,19 Dollar überwunden hatte. Im Verlauf der Woche hatte das Ausbleiben von klaren Hinweisen der US-Notenbank Federal Reserve auf einen Ausstieg aus der extrem lockeren Geldpolitik und enttäuschende Konjunkturdaten den Dollar belastet.

Linde-Aktien auf Rekordhoch

Im DAX gab es nur ein halbes Dutzend Gewinner. Am höchsten in der Anlegergunst standen die Aktien von Linde. Sie kletterten auf ein Rekordhoch. Mit einem Plus von 2,5 Prozent führten sie den DAX an. Der weltweit größte Industriegasekonzern wird dank gut laufender Geschäfte immer zuversichtlicher. Das um Sondereffekte bereinigte Ergebnis je Aktie soll 2021 auf 10,10 bis 10,30 US-Dollar zulegen. Das sei ein Anstieg im Jahresvergleich um 23 bis 25 Prozent.

RWE hebt Prognose an

Zu den DAX-Gewinnern gehörte auch RWE. Der Energiekonzern rechnet 2021 wegen eines starken Handelsgeschäfts im ersten Halbjahr mit einem besseren Ergebnis als bisher. Beim um Sondereffekte bereinigten Ergebnis werde jetzt ein Wert zwischen 1,05 und 1,45 Milliarden Euro erwartet, teilte das Unternehmen heute mit. Die neue Spanne liegt damit 300 Millionen Euro über der alten.

Europas Banken kommen gut durch den Stresstest

Am Abend veröffentlichten die europäische Bankenbehörde EBA und die Aufsicht der EZB die Ergebnisse der Banken-Stresstests. Eine neue Wirtschaftskrise würden Europas Banken durchstehen. In einem simulierten Krisenszenario würde die harte Kernkapitalquote der Geldhäuser auf etwas mehr als zehn Prozent im Jahr 2023 schrumpfen. Die deutschen Banken schnitten schlechter ab als der europäische Durchschnitt.

Die harte Kernkapitalquote der Deutschen Bank ging im Krisenszenario 2023 auf 7,4 von 13,6 Prozent 2020 zurück. "Selbst in einem noch verschärften ungünstigen Szenario beweist die Deutsche Bank ihre Widerstandsfähigkeit in einer möglichen Wirtschaftskrise", erklärte Finanzchef James von Moltke. Bei der Commerzbank schrumpfte die Quote auf 8,2 von 13,2 Prozent. "Die deutschen Institute haben sich auch unter großem Stress als robust erwiesen", erklärte Bundesbank-Vorstand Joachim Wuermeling.

Daimlertreibt die Aufspaltung voran

Daimler ebnet den Weg für seine Aufspaltung in zwei börsennotierte Unternehmen - Trucks & Buses sowie Pkw & Vans. Vorstand und Aufsichtsrat gaben am Freitag Details des angekündigten Spin-offs der Truck-Sparte bekannt. Demnach sollen die Aktionäre für je zwei Aktien eine zusätzliche Aktie der Daimler Truck Holding bekommen. Daimler behält einen Minderheitsanteil von 35 Prozent. Die Aktionäre sollen das Vorhaben auf einer außerordentlichen Hauptversammlung am 1. Oktober beschließen. Daimler soll später in Mercedes-Benz Group umbenannt werden.

Licht und Schatten in der Fresenius-Familie

Beim Krankenhaus- und Medizinkonzern Fresenius wächst nach deutlichen Zuwächsen im zweiten Quartal die Zuversicht. 2021 rechnet Fresenius nun mit einem Anstieg des währungsbereinigten Konzerngewinns im niedrigen einstelligen Prozentbereich. Bislang hatte der Konzern mit einem Gewinn mindestens auf dem Niveau des Vorjahres gerechnet. Die Dialysetochter Fresenius Medical Care, die wie Fresenius im DAX gelistet ist, hielt an ihren Zielen fest. Allerdings brach der Gewinn im zweiten Quartal um mehr als ein Drittel ein. Das verschreckte die Anleger. Die beiden Papiere landeten mit einem Minus von um die vier Prozent am DAX-Ende.

Siemens Healthineers sieht Ende des Corona-Test-Booms

Die Übernahme des US-Krebsmedizin-Spezialisten Varian und das florierende Geschäft mit Corona-Schnelltests schieben Siemens Healthineers kräftig an. Der Umsatz schnellte im dritten Quartal 2020/21 um gut die Hälfte auf fünf Milliarden Euro in die Höhe. Das bereinigte Ergebnis vor Steuern und Zinsen (Ebit) verdoppelte sich auf 945 Millionen Euro. Außerdem erhöhte der Konzern seine Jahresprognose. Der Umsatz soll auf vergleichbarer Basis (ohne Varian) um 17 bis 19 Prozent zulegen.

920 Millionen Euro hat die Siemens-Tochter bisher mit Antigen-Tests erwirtschaftet, 600 Millionen alleine im abgelaufenen Quartal. Doch der Boom geht allmählich zu Ende. Mit dem Abflauen der Pandemie lasse die Nachfrage der öffentlichen Hand bereits deutlich nach, erklärte Vorstandschef Bernd Montag. Künftig dürften also wieder die Computertomografen und die Laborstraßen von Siemens in den Vordergrund des Geschäfts rücken.

Mehr Optimismus bei MTU

Der Triebwerksbauer MTU traut sich nach einem Umsatz- und Gewinnsprung im zweiten Quartal eine konkretere Prognose für 2021 zu. Das Unternehmen rechnet jetzt mit einem Umsatz von 4,3 bis 4,5 Milliarden Euro. Damit engte MTU die bisherige Spanne um jeweils 100 Millionen Euro ein. Beim Ergebnis wird MTU etwas optimistischer: So sollen jetzt 10 bis 10,5 Prozent des Umsatzes als bereinigtes operatives Ergebnis hängen bleiben. Bisher hatte MTU mindestens 9,5 Prozent angepeilt.

Fuchs läuft wie geschmiert

Der Schmierstoffhersteller Fuchs Petrolub hat in den ersten sechs Monaten das Vorkrisenniveau übertroffen und seine Jahresziele angehoben. Das Management erwartet nun für 2021 einen Umsatz am oberen Ende der Spanne von 2,7 bis 2,8 Milliarden Euro. Das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) will der Konzern auf 350 bis 360 Millionen Euro steigern. Bereits bei Vorlage der Zahlen zum ersten Quartal hatte das Unternehmen das Ziel auf 330 bis 340 Millionen angehoben.

Hapag-Lloyd versechsfacht Ergebnis

Vom boomenden Welthandel profitiert Hapag-Lloyd. Im ersten Halbjahr steigerte die Hamburger Reederei das operative Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) um fast das Sechsfache auf 3,5 Milliarden US-Dollar. Die Prognose für das Gesamtjahr hob Hapag-Lloyd deshalb an: Die Hamburger peilen nun ein Ebit in einer Bandbreite von 7,5 bis 9,5 Milliarden Dollar an. Die nach der Corona-Rezession anspringende Konjunktur in vielen Weltregionen schlägt sich im globalen Warenhandel nieder.

Zieht sich Deliveroo aus Spanien zurück?

Der britische Online-Essenslieferdienst Deliveroo erwägt den Rückzug aus Spanien - wegen eines neuen Gesetzes. Dieses schreibt vor, dass Lieferdienste ab dem 12. August ihre Fahrerinnen und Fahrer fest einstellen und für sie Sozialabgaben zahlen müssen. Es seien überproportionale Investitionen nötig, um die Marktposition in dem Land nach Inkrafttreten dieses "Rider Law" genannten Gesetzes beibehalten zu können, teilte das Unternehmen heute mit. Anfang September wolle sich der Konzern mit Mitarbeitern und Fahrern beraten. Bislang ist es in der Branche üblich, dass Fahrer (englisch: Rider) auf selbstständiger Basis für ihre Auftraggeber arbeiten. Spanien ist für Deliveroo nur ein kleiner Markt. Der Anteil am Umsatz lag im ersten Halbjahr bei zwei Prozent.

Ein Fahrer des Lieferdienstes Deliveroo | AFP

Bild: AFP

Ergebnisumschwung bei Eni

Der italienische Ölkonzern Eni setzt seinen Erholungskurs fort. Dank gestiegener Ölpreise verbesserte das Unternehmen seine Ergebnisse deutlich. So stieg der Nettogewinn im zweiten Quartal auf 247 Millionen Euro. Im Vorjahr war im Zuge des starken Rückgangs bei den Ölpreisen ein Verlust von 4,4 Milliarden Euro angefallen. Der Konzern hatte hohe Wertberichtigungen auf seine Lagerbestände vorgenommen.

Renault kommt wieder in die Spur

Der französische Autobauer Renault hat im ersten Halbjahr wieder schwarze Zahlen geschrieben. Wie das Unternehmen mitteilte, betrug der auf den Konzern entfallene Nettogewinn 354 Millionen Euro. Im Vorjahreszeitraum hatte Renault einen Verlust von 7,29 Milliarden Euro eingefahren. Der Konzern sieht die Ergebnisse als Erfolg seines Sparplans.

BNP hat sich deutlich verbessert

Die französische Großbank BNP Paribas hat im zweiten Quartal dank einer gesunkenen Risikovorsorge deutlich mehr verdient. Der Überschuss stieg im Vergleich zum Vorjahr um 27 Prozent auf 2,9 Milliarden Euro.

Milliardengewinne von Exxon und Chevron

Die beiden Öl-Multis Chevron und ExxonMobil scheffeln wieder Milliardengewinne. Der größte US-Ölkonzern ExxonMobil hat nach heftigen Verlusten in der Corona-Krise seinen höchsten Quartalsgewinn seit anderthalb Jahren geschafft. Dank der Ölpreis-Erholung verdiente das Unternehmen in den drei Monaten bis Ende Juni unterm Strich 4,7 Milliarden Dollar.

Exxon-Konkurrent Chevron hat im zweiten Quartal ebenfalls erstmals seit über anderthalb Jahren wieder einen hohen Gewinn verbucht. Der zweitgrößte US-Ölkonzern verdiente unterm Strich 3,1 Milliarden Dollar. Vor einem Jahr hatte Chevron wegen hoher Belastungen durch die Pandemie einen Quartalsverlust von 8,3 Milliarden Dollar erlitten. Die Aktien von Exxon und Chevron gaben heute trotzdem nach.

Procter & Gamble: Mehr Nachfrage nach Körperpflege-Produkten

Die Aktien des Konsumgüter-Herstellers Procter & Gamble stiegen um knapp drei Prozent auf ein Achteinhalb-Monats-Hoch von 143,44 Dollar. Die Quartalsergebnisse fielen besser aus als erwartet. So stiegen die Erlöse um sieben Prozent auf 18,9 Milliarden US-Dollar. Unter dem Strich verdiente Procter & Gamble, dem Marken wie Gillette, Pampers und Oral B gehören, mit 2,9 Milliarden Dollar vier Prozent mehr. Für das neue Geschäftsjahr 2021/22 erwartet der Konzern einen organischen Umsatzanstieg von zwei bis vier Prozent, von 76,1 Milliarden Euro. Das bereinigte Ergebnis je Aktie soll um drei bis sechs Prozent steigen.

Pinterest verliert Nutzer

Um gut 18 Prozent brachen die Titel von Pinterest ein. Die Zahl der mindestens einmal im Monat auf der Plattform aktiven Nutzer sank binnen drei Monaten von 478 auf 454 Millionen. Da half es auch nicht, dass Pinterest den Umsatz um 125 Prozent auf 613 Millionen Dollar deutlich erhöhte. Unterm Strich gab es schwarze Zahlen von 69,4 Millionen Dollar nach einem Verlust von knapp 101 Millionen Dollar im Vorjahresquartal.

Kaum Appetit auf Dole

Beim erneuten Börsengang von Dole hatten Anleger wenig Appetit auf die Aktien des Obst- und Gemüse-Produzenten. Die Titel fielen deutlich um gut zehn Prozent unter dem Ausgabepreis von 16 Dollar. Das Unternehmen hatte zuvor bereits die Angebotsspanne auf 16 bis 17 von 20 bis 23 Dollar gesenkt und die Zahl der angebotenen Aktien auf 25 Millionen reduziert.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 30. Juli 2021 um 07:35 Uhr.