Händler arbeiten mit Atemschutzmasken an der New York Stock Exchange
Marktbericht

Dax, Dow und S&P 500 legen zu Mit Schwung ins zweite Börsen-Halbjahr

Stand: 01.07.2021 22:50 Uhr

Die Börsen haben die zweite Jahreshälfte so begonnen, wie sie die erste beendet haben: mit Kursgewinnen. An der Wall Street gab es sogar neue Rekorde. Nur die Corona-Sorgen bremsen die Kauflaune.

Was für ein Börsenjahr! Der wichtigste Index der Welt, der Dow Jones, hat seit Anfang Januar gut 13 Prozent gewonnen. Der breiter gefasste S&P 500 legte gar um 14 Prozent zu.

S&P 500 schafft neues Rekordhoch

Auch die zweite Jahreshälfte hat gut begonnen: Der S&P 500 schaffte den sechsten Rekordtag in Folge und markierte mit knapp 4.320 Punkten eine neue historische Bestmarke. Der Dow Jones stieg um 0,3 Prozent und näherte sich der Marke von 35.000 Punkten, die er zuletzt im Mai überwunden hatte.

"Der US-Leitindex bleibt auf Nordkurs und hat noch etwas Luft nach oben, bevor er wieder technisch überhitzt ist", meinte Charttechnik-Experte Andreas Büchler von Index-Radar. Zwar will er sich nicht festlegen, ob es dem Dow Jones gelingt, bald wieder einen neuen Spitzenwert zu erreichen, er sei aber eher optimistisch gestimmt.

DAX stürmt auf über 15.600 Punkte

Die gute Stimmung an der Wall Street steckte auch den deutschen Aktienmarkt an. Der DAX schloss den ersten Handelstag im zweiten Halbjahr um 0,5 Prozent fester bei 15.603 Zählern. Am Morgen war der deutsche Leitindex zeitweise auf über 15.700 Punkte gestürmt. Danach verlor er dann an Schwung.

Starkes erstes Halbjahr

Mit dem freundlichen Juli-Auftakt knüpft der DAX an die gute erste Jahreshälfte an. Von Januar bis Ende Juni gewann er gut 13 Prozent an und eilte von einem Rekordhoch zum nächsten. Im Juni geriet die Sommer-Rally allerdings etwas ins Stocken.

WHO warnt vor der Delta-Welle

Ob es im Juli wieder nach oben geht, dürfte unter anderem von der Frage abhängen, wie sich die Corona-Krise entwickelt. In Europa breitet sich zunehmend die Delta-Variante aus. Die WHO warnt vor einer neuen Infektionswelle. Das könnte den gerade wieder in Schwung gekommenen Aufschwung der europäischen Wirtschaft bremsen.

Wie viele neue Jobs in den USA?

Ein zweiter Unsicherheitsfaktor ist die Geldpolitik der Fed. Sollte die Inflation weiter anziehen, käme die US-Notenbank unter Druck und müsste - schneller, als ihr lieb ist - die Zinsen wieder anheben. Entscheidend wird auch sein, wie stark sich der Arbeitsmarkt erholt. Mit Spannung blicken die Anleger auf die offiziellen Jobdaten am Freitag. Ökonomen rechnen mit 700.000 neuen Stellen außerhalb der US-Landwirtschaft. Sollten die Zahlen deutlich besser ausfallen als erwartet, könnten die Spekulationen auf eine baldige Straffung der US-Geldpolitik wieder hochkochen.

Zahl der Entlassungen auf niedrigstem Stand seit 2000

In der vergangenen Woche stellten 364.000 Amerikaner Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe - rund 26.000 weniger als erwartet. Gleichzeitig fiel die Zahl der Entlassungen auf den niedrigsten Stand seit 21 Jahren. Für die Börse sei entscheidend, dass sich der Arbeitsmarkt gut, aber nicht zu gut entwickle, meint Rick Meckler, Partner beim Vermögensverwalter Cherry Lane.

OPEC+ verlängert Gespräche bis Freitag

Im Blickpunkt stand heute das Treffen des Ölkartells OPEC und seiner Partnerländer. Die Allianz "Opec+" hat sich vorerst nicht auf eine Strategie zur Ausweitung der Fördermengen einigen können. Die Online-Verhandlungen der sogenannten Opec+ werden deshalb am Freitagnachmittag fortgesetzt, gab das Opec-Sekretariat in Wien am Donnerstagabend bekannt. Insidern zufolge will die "Opec+" die Förderquoten um weniger als die allgemein erwarteten 500.000 Barrel pro Tag anheben. Damit übersteige die Nachfrage das Angebot weiterhin, sagte Analyst Giovanni Staunovo von der Bank UBS. Der Preis für die Nordsee-Sorte Brent zog leicht an.

Prächtige Stimmung in der Industrie

Der Euro konnte sich heute etwas von seinem Rutsch auf den tiefsten Stand seit fast drei Monaten erholen. Die Gemeinschaftswährung war im frühen Handel noch bis auf 1,1838 US-Dollar gefallen. Am Abend pendelte sich der Euro wieder bei rund 1,1850 US-Dollar ein. Gestützt wurde die Gemeinschaftswährung von robusten Konjunkturdaten aus der Eurozone. Trotz Lieferengpässen ist die deutsche Industrie im Juni stärker gewachsen. Der Einkaufsmanagerindex stieg im Vergleich zum Vormonat um 0,7 auf 65,1 Punkte, teilte das Institut IHS Markit mit. Das Barometer liegt jetzt mehr als 15 Punkte über der Marke von 50, die auf Wachstum hindeutet. Das ist historisch betrachtet ein sehr hoher Wert.

Einzelhandel erholt

Im Einzelhandel geht es dank der Lockerungen der Corona-Beschränkungen aufwärts. Der Umsatz der Unternehmen stieg im Mai im Vergleich zum Vormonat April preisbereinigt um 4,2 Prozent, wie das Statistische Bundesamt heute mitteilte. Im Vergleich zum letzten Monat vor Beginn der Corona-Krise, dem Februar 2020, lag der Umsatz der Branche demnach um 3,9 Prozent höher. Vor allem Geschäfte, die wegen der Corona-Krise lange geschlossen waren, meldeten Umsatzsteigerungen.

Können Europas Banken bald wieder Dividenden zahlen?

Weil in den USA die Fed den Banken wieder Dividendenzahlungen erlaubt, fordern Experten, dass die Europäische Zentralbank (EZB) ähnliches tut. EZB-Präsidentin Christine Lagarde zeigt sich kompromissbereit. Sie stellte in Aussicht, dass die Dividenden von Banken im Euroraum bald wieder fließen könnten. In einer Rede vor dem Europaparlament verwies die Notenbankchefin auf jüngste Aussagen des Europäischen Ausschusses für Systemrisiken (ESRB), wonach die Einschränkungen auslaufen könnten, falls sich die Bedingungen im Finanzsektor nicht wesentlich verschlechtern sollten. Lagarde kündigte an, dass der ESRB die Einschränkungen beim nächsten Treffen im September überprüfen werde.

Bestes Halbjahr für VW in den USA seit fast 50 Jahren

Uneinheitlich präsentierten sich die Autoaktien. Während BMW und Daimler zulegten, gaben die Titel von VW leicht nach. VW hat in den USA im ersten Halbjahr 2021 einen Verkaufsrekord aufgestellt. Mit 211.000 Fahrzeugen habe Volkswagen of America den höchsten Absatz in dem Zeitraum seit fast 50 Jahren erzielt, sagte US-Chef Scott Keogh zu Journalisten. Als Grund nannte er vor allem die zunehmende Nachfrage nach SUVs.

Stahlaktien gefragt

Die deutschen Stahlwerte Thyssenkrupp, Salzgitter und Klöckner & Co. reagierten mit überdurchschnittlichen Gewinnen auf eine Studie der Deutschen Bank. Diese äußerte sich positiv zu europäischen Stahlaktien. Gestützt von einer sich erholenden Inlandsnachfrage hätten Preiserhöhungen in Europa, den USA und anderen Märkten die Margen der Stahlproduzenten auf ein Rekordniveau steigen lassen. Die Deutsche Bank rechnet für 2021 und 2022 mit einer steilen Gewinnerholung in der Stahlbranche.

CTS Eventim hofft auf volle Konzerthallen im Herbst

Aktien des Ticketvermarkters CTS Eventim stiegen um rund vier Prozent und waren zweitgrößter MDAX-Gewinner. Die US-Bank Jefferies hat für Eventim eine Kaufempfehlung abgegeben. Beim US-Wettbewerber Live Nation sei die Nachfrage nach Konzerten mittlerweile größer als je zuvor, dies lasse sich auf die künftige Nachfrage in Europa übertragen, erklärten die Analysten von Jefferies. CTS-Chef Klaus Peter Schulenberg zeigt sich für den Herbst optimistisch. "Ich hoffe, dass wir im vierten Quartal Indoor-Konzerte mit voller Kapazität ohne Abstand und Maske sehen werden", sagte er der "FAZ" vom Freitag. Es werde die 3-G-Regel angewandt werden müssen, "und das wird auch noch einige Zeit so bleiben." Beim "Frequency Festival", das im August in Österreich 55.000 Besucher anlocken soll, gelte es zu beweisen, dass Hygienekonzepte bei Großveranstaltungen umsetzbar seien.

LPKF unter Druck

Im TecDAX standen LPKF-Aktien unter Druck. Die Privatbank Hauck & Aufhäuser (H&A) hat sich kritisch zur neuen LIDE-Technik des Laserspezialisten geäußert. Zwar rechne das Unternehmen mit dem Erhalt und der Abwicklung eines größeren Auftrags. Der Zeitpunkt des Auftrages sei aber "kritisch", um die Analystenprognosen für das laufende Jahr zu erreichen.

Nordex braucht frisches Kapital

Die Nordex-Aktie sackte im MDAX um fast 13 Prozent ab. Der Windkraftanlagenbauer plant eine Kapitalerhöhung. Das Unternehmen will insgesamt knapp 42,7 Millionen neue Aktien für je 13,70 Euro ausgeben. Mit dem Geld will Nordex die Kasse und die Bilanz verbessern und künftiges Wachstum finanzieren. Das kam an der Börse gar nicht gut an.

85 Millionen Euro für den BVB

Die Aktien von Borussia Dortmund legten um fast drei Prozent im SDAX zu. Der Fußball-Bundesligist hat sich mit Manchester United auf eine 85 Millionen Euro hohe Ablösesumme für Jadon Sancho geeinigt. Vor der Abwicklung des Transfers müssten aber noch einige formale Fragen geklärt werden, so der BVB.

Villeroy & Boch traut sich mehr zu

Der Geschirr- und Sanitärkonzern Villeroy & Boch hat dank eines guten ersten Halbjahres seine Umsatz- und Ergebnisprognose für das Gesamtjahr angehoben. Das Unternehmen erwartet nun eine Steigerung des Konzernumsatzes auf rund 885 Millionen Euro. Bisher war ein Anstieg von fünf bis zehn Prozent gegenüber dem Vorjahresniveau von 800,9 Millionen Euro angepeilt. Das operative Ergebnis soll von rund 50 Millionen Euro im Vorjahr auf über 75 Millionen Euro steigen.

CureVac-Vakzin nur zu 48 Prozent wirksam

Um rund zehn Prozent sackten erneut die Aktien von CureVac ab. Gestern noch hatten sich die Papiere auf 76 Dollar erholt. Die endgültige Begutachtung der Testergebnisse bestätigte die geringe Wirksamkeit des Coronavirus-Impfstoffs. Das Vakzin zeigt eine Wirksamkeit von 48 Prozent gegen eine Covid-19-Erkrankung über alle Altersgruppen hinweg. Die Tübinger Biotechfirma hofft dennoch auf eine Zulassung und die Verwendung des Vakzins durch die EU. Vor gut zwei Wochen schon hatte der Impfstoff-Forscher einen Rückschlag einstecken müssen, da vorläufige Studiendaten eine Wirksamkeit des Hoffnungsträgers von nur 47 Prozent ergeben hatten.

Krispy Kreme schmeckt den Anlegern nicht

Nicht zum Anbeißen war der Börsengang der US-Donutkette Krispy Kreme. Die zum Firmenimperium der deutschen Milliardärsfamilie Reimann gehörende Unternehmen hat beim IPO deutlich weniger Geld eingenommen als erhofft. Krispy Kreme konnte seine Aktien nur zum Preis von 17 Dollar losschlagen. Angepeilt waren ursprünglich über 20 Dollar. Statt der erhofften 640 Millionen Dollar kamen nur rund 500 Millionen Dollar zusammen. Immerhin stiegen die Aktien am ersten Handelstag auf 21 Dollar und lagen somit fast ein Viertel über dem Ausgabekurs. Die Investmentholding JAB der Reimanns hatte Krispy Kreme 2016 für rund 1,35 Milliarden Dollar gekauft.

Robinhood strebt an die Nasdaq

Ein weiterer Börsenkandidat ist der Wertpapier-Broker Robinhood. Das Unternehmen veröffentlichte am Donnerstag seinen Wertpapierprospekt. Robinhood will seine Aktien unter dem Kürzel "HOOD" an die New Yorker Tech-Börse Nasdaq bringen. Robinhood will laut der britischen Wirtschaftszeitung "Financial Times" bei dem Börsengang eine Bewertung von mindestens 40 Milliarden US-Dollar erreichen. Im ersten Quartal dieses Jahres steigerte Robinhood die Zahl der Nutzer von 12,5 auf 18 Millionen Nutzer. Der Verlust lag bei 1,4 Milliarden Dollar. Die 2013 gegründete Firma ist mit ihrer einfach zu bedienenden App vor allem bei jüngeren Anlegern beliebt,

Über dieses Thema berichtete am 01. Juli 2021 Deutschlandfunk um 07:34 Uhr in der Börse und die tagesschau um 17:00 Uhr.