Börsenhändler in Frankfurt | dpa
Marktbericht

Kleine Gewinne im April DAX mit solidem Monatsabschluss

Stand: 30.04.2021 22:50 Uhr

Das hohe Niveau der vergangenen Handelstage hat der DAX am Freitag gehalten, der Index schloss am Abend kaum verändert. An der Wall Street verlor der Dow-Jones-Index zum Wochenschluss dagegen leicht an Boden.

Knapp ein Prozent Plus steht in der Monatsbilanz des deutschen Leitindex DAX für den April. Nachdem Anfang des Monats bereits ein Rekord von 15.501 Punkten erreicht wurde, ging es in den folgenden Wochen munter auf und ab. Eine größere Abwärts-Korrektur, wie sie viele Experten erwartet hatten, gab es jedoch nicht. Zum Monatsschluss hielt sich der DAX zum Xetra-Schluss mit 15.136 Punkten 0,1 Prozent im Minus. Der Parketthandel wurde bei 15.150 Punkten beschlossen.

Sell in may?

Ob die alte Börsenweisheit, nach der der Monat Mai eine schwächere Börsenphase einläutet, sich in diesem Jahr bewahrheitet, werden die kommenden Handelstage zeigen. Laut Anlage-Experten wie Joachim Goldberg dürften sich die Börsen aber eher stabil entwickeln: "Offensichtlich hat sich der Teil der früheren Pessimisten damit abgefunden, dass es wohl nicht zu einem größeren Rücksetzer beim DAX kommen wird."

US-Indizes mit Abschlägen

An der Wall Street in New York schlossen die wichtigsten Indizes am Abend klar im Minus. Nach den Rekordständen, die in den vergangenen Tagen erreicht wurden, setzten erste Verkäufe ein. Der Dow-Jones-Index verlor rund ein halbes Prozent auf Punkte. Auch der wichtige S&P 500 büßte knapp ein halbes Prozent ein. An der Technologiebörse Nasdaq lag das Minus in der gleichen Größenordnung. Für Aufmerksamkeit sorgte hier die Aktie von Twitter, die rund 13 Prozent verlor, nachdem das Unternehmen enttäuschende Quartalszahlen und einen schwachen Ausblick veröffentlicht hatte. Amazon-Aktien erreichten dank Rekordgewinnen im ersten Geschäftsquartal zeitweise sogar einen neuen Höchststand.

US-Konjunktur unter Dampf

Auch positive Signale aus der US-Wirtschaft konnten die Kurse nicht stützen. So ist das Geschäftsklima in der Industrieregion Chicago im April überraschend gestiegen. Auch das Konsumklima im gesamten Land legte im April auf den höchsten Stand seit gut einem Jahr zu, wie die von der Universität Michigan erhobene Verbraucherstimmung zeigt. Und neue Konjunkturhilfen der US-Regierung ließen die Einkommen der privaten Haushalte im März um unerwartet deutliche 21 Prozent steigen.

Deutsche Wirtschaft schrumpft wieder

Aus Deutschland und Europa waren am Nachmittag schwache Wachstumsdaten gemeldet worden. Der Lockdown wegen der dritten Corona-Welle hat die deutsche Wirtschaft im ersten Quartal unerwartet stark schrumpfen lassen. Das Bruttoinlandsprodukt sank von Januar bis März um 1,7 Prozent zum Vorquartal, wie das Statistische Bundesamt mitteilte. Zuvor war die Wirtschaft zwei Quartale in Folge gewachsen. Und auch in Europa ging es mit der Wirtschaft abwärts, wenn auch nicht so stark wie in Deutschland. In der Eurozone ist die Wirtschaftsleistung (BIP) zum Jahresanfang im Quartalsvergleich laut dem Europäischen Statistikamt Eurostat um 0,6 Prozent gesunken.

Euro und Öl werden billiger

Am Devisenmarkt reagierte der Euro auf die EU-Daten mit deutlicheren Rückgängen gegenüber dem US-Dollar. Die Gemeinschaftswährung notiert am Abend bei 1,2020 Dollar, fast einen Cent unter dem Niveau des Donnerstags. Die Ölpreise sind am Freitag deutlich gefallen. Im späten Handel kostet ein Barrel (159 Liter) US-Sorte WTI mit 63,40 Dollar rund 1,5 Prozent weniger als am Vortag. Belastet werden die Preise durch den etwas stärkeren Dollar, der die in der US-Währung gehandelten Rohstoffe für Anleger außerhalb des Dollarraums verteuert.

Bitcoin und Ethereum steigen wieder

Bitcoin-Anleger nutzten die jüngste Talfahrt zum Wiedereinstieg. Die Cyber-Devise verteuerte sich am Freitag um rund sieben Prozent auf 56.900 Dollar, nachdem sie in den vergangenen beiden Wochen um knapp 30 Prozent eingebrochen war. Die zweitwichtigste Kryptowährung Ethereum erreichte im Tagesverlauf sogar ein neues Allzeithoch von 2802 Dollar.

BaFin fordert strengere Kontrollen bei Deutscher Bank

Die Deutsche Bank muss nach Ansicht der Finanzaufsicht BaFin mehr Maßnahmen im Kampf gegen Geldwäsche und Terrorismusfinanzierung ergreifen. Dafür habe die BaFin das Mandat des 2018 eingesetzten Sonderbeauftragten für das größte deutsche Geldinstitut ergänzt, teilte die Behörde am Freitag mit. Die Bank müsse "weitere angemessene interne Sicherungsmaßnahmen (...) ergreifen und Sorgfaltspflichten" einhalten, heißt es in der Mitteilung der Aufsichtsbehörde. Betroffen seien etwa das Korrespondenzgeschäft und die Transaktionsüberwachung. Die Bank teilte mit, die Kontrollen bereits deutlich verbessert zu haben.

Siemens Gamesa kappt Prognose

Der deutsch-spanische Windturbinenhersteller ist beim Ausblick auf das Gesamtjahr 2020/21 etwas vorsichtiger geworden. Man rechne nun mit einem Umsatz von 10,2 bis 10,5 Milliarden Euro, teilte Siemens Gamesa mit. Bisher hatte das Unternehmen 10,2 bis 11,2 Milliarden Jahresumsatz angepeilt. Die Marge vor Kaufpreisanpassungen (PPA) und Integrationskosten solle weiter bei drei bis fünf Prozent liegen. Im zweiten Quartal 2020/21 verringerte Siemens Gamesa den operativen Verlust auf 19 Millionen Euro von 118 Millionen ein Jahr zuvor, der Netto-Verlust ging von 165 auf 66 Millionen Euro zurück.

MTU als DAX-Gewinner

Mit einem Plus von fast sechs Prozent war die Aktie des Triebwerks-Herstellers MTU Spitzenreiter im DAX. Das Unternehmen habe in einem Pandemie-bedingt schwierigen Umfeld ein solides Quartalsergebnis vorgelegt, so Analyst Joachim Kotze vom Research-Haus Morningstar. Er traue dem Unternehmen die Ausweitung seiner Marktanteile zu. Der Erlös ging wegen der schweren Krise der Luftfahrtbranche im Jahresvergleich um 22 Prozent auf 989 Millionen Euro zurück, wie MTU mitteilte. Der Nettogewinn brach um mehr als die Hälfte auf 49 Millionen Euro ein.

Intel will acht Milliarden für Chip-Fabrik

Der US-Chipkonzern fordert staatliche Hilfen in Höhe von acht Milliarden Euro für den Bau einer Chipfabrik in Europa. Intel-Chef Pat Gelsinger sagte der Zeitschrift "Politico", sein Unternehmen habe sowohl die USA als auch die europäischen Regierungen aufgefordert, die Rahmenbedingungen zu schaffen, damit die Chipproduktion dort im Wettbewerb mit Asien bestehen könne. Gelsinger traf am Freitag in Brüssel EU-Kommissar Thierry Breton zu Gesprächen über eine europäische Halbleiterstrategie. Als möglichen Standort für eine Chipfabrik brachte Gelsinger Deutschland ins Gespräch: "Wir denken, dass Deutschland ein guter Kandidat ist - nicht der einzige, aber ein guter Kandidat."

BioNTech-Aktie steigt deutlich

Papiere des Mainzer Impfstoff-Herstellers BioNTech schlossen fast acht Prozent im Plus. Das Unternehmen und sein US-Partner Pfizer haben bei der Europäischen Arzneimittelbehörde (EMA) die Zulassung ihres Corona-Impfstoffs für Jugendliche beantragt. Damit solle dieser im Alter ab zwölf Jahren eingesetzt werden können, teilten die beiden Unternehmen am Freitag mit. Die Commerzbank hat das Kursziel für die Aktien von 134 auf 213 US-Dollar angehoben. Die Geschäfte des deutschen Impfstoffherstellers seien nachhaltig hoch profitabel, schrieb Analyst Daniel Wendorff. Vakzine wie die von BioNTech, die auf der mRNA-Technologie basieren, seien in der aktuellen Corona-Epidemie derzeit die erste Wahl.

Dermapharm startet Impfstoff-Produktion

Die Firma Dermapharm hat am Freitag in einem Werk in Reinbek bei Hamburg offiziell mit der Produktion des Impfstoffen von BioNTech begonnen. Nach Angaben des Unternehmens betragen die monatlichen Produktionskapazitäten bei der Tochtergesellschaft Allergopharma in dem schleswig-holsteinischen Ort 40 bis 50 Millionen Impfdosen.

Klimagespräche mit Stahlherstellern

Aktien von Salzgitter und KlöCo verloren im SDAX jeweils rund drei Prozent. Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier spricht am Montag mit führenden Vertretern der Stahlunternehmen über Pläne für eine klimafreundliche Produktion. Es gehe darum, wie das im vergangenem Jahr mit der Bundesregierung verabschiedete "Handlungskonzept Stahl" umgesetzt werden soll, sagten Vertreter der Schwerindustrie am Freitag der Nachrichtenagentur Reuters. Danach soll die Branche den Werkstoff bis 2050 klimaneutral produzieren. Vor der Bundestagswahl im September sollten möglichst noch konkrete Schritte eingeleitet werden.

Synlab mit gelungenem Börsengang

Zunächst sah es nicht danach aus, aber die Aktien von Europas größter Laborkette Synlab legten an ihrem ersten Handelstag auf dem Börsenparkett gegenüber dem Ausgabepreis von 18 Euro deutlich zu. Wegen der geringen Nachfrage von Anlegerseite bei der Zeichnung hatten die Altaktionäre um den Finanzinvestor Cinven allerdings deutlich weniger Aktien auf den Markt gebracht als zunächst geplant.