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Marktbericht

Anleger halten sich zurück Einige trauen der "Oster-Rally" nicht

Stand: 08.04.2021 22:30 Uhr

Kaufen oder verkaufen? Das fragen sich viele Anleger angesichts der jüngsten Höchststände. Am Donnerstag zeigten sie sich eher unentschlossen. Nur Hightech-Aktien standen hoch im Kurs.

Ging der Höhenflug der Standardwerte doch etwas zu weit? Seit Mittwoch scheint die Luft aus dem US-Leitindex, dem Dow Jones, raus zu sein. Er kommt kaum noch voran. Am Donnerstag schloss er nahezu unverändert bei knapp über 33.500 Punkten. Dagegen gewannen die technologielastigen Indizes an Beliebtheit. Der breiter gefasste Index S&P 500, in dem viele Tech-Werte enthalten sind, kletterte um 0,4 Prozent auf ein Rekordhoch von 4097 Punkten. Die Nasdaq 100 zog um rund ein Prozent auf 13.758 Zähler an.

Fed bleibt locker

Die Aussicht auf eine weiterhin lockere Geldpolitik der US-Notenbank half besonders den konjunktursensiblen Technologiewerten nach oben. Die am Mittwochabend veröffentlichten Protokolle der jüngsten Fed-Beratungen hätten klar gemacht, dass Notenbankchef Jerome Powell und seine Mitarbeiter den Geldhahn auf absehbare Zeit nicht zudrehen werden, sagte Analyst Connor Campbell vom Brokerhaus Spreadex.

Powell erwartet nur vorübergehenden Preisschub

Die Fed werde auch weiterhin der Wirtschaft bei der Erholung von der Pandemie unter die Arme greifen. "Wir müssen die Wirtschaft weiter unterstützen und wir werden das tun", sagte Powell am Donnerstagabend in einer Diskussionsrunde auf dem Frühjahrstreffen des Internationalen Währungsfonds (IWF). Der erwartete Preisschub im Zuge einer Erholung der US-Wirtschaft wird aus Sicht des US-Notenbankchefs nur vorübergehend zu einer stärkeren Inflation führen. Es gebe einen Unterschied zwischen einem einmaligen Anstieg der Preise und einer anhaltenden Inflation, erklärte Powell. Falls die Teuerungsrate entgegen den Voraussagen der Notenbank dennoch deutlich zulegen und anhaltend über zwei Prozent liegen sollte, werde die Fed darauf reagieren.

Inflationssorgen beflügeln den Goldpreis

Die Fed signalisierte, dass der Leitzins noch bis mindestens 2023 bei Null bleiben dürften. Doch Experten zweifeln, ob die Notenbank wirklich so lange auf Zinsschritte verzichten werde. Sie könne bereits Anfang 2022 zu Zinserhöhungen gezwungen sein, damit die Teuerung nicht außer Kontrolle gerate, meinen Investoren. Vor allem das geplante billionenschwere US-Infrastrukturprogramm schüre Inflationssorgen, sagte Anlagestratege Michael McCarthy vom Brokerhaus CMC. Deshalb erlebt Gold derzeit ein kleines Comeback. Das gelbe Edelmetall verteuerte sich heute um 1,1 Prozent auf 1757 Dollar je Feinunze (31,1 Gramm).

DAX nur knapp im Plus

Mangels echter Impulse von der Wall Street tat sich am Donnerstag auch der DAX schwer. Er schloss moderat 0,2 Prozent im Plus, nachdem er lange Zeit richtungslos vor sich hin gependelt war.Erfreuliche Industriedaten stützten den Aktienmarkt. Die anhaltende Diskussion um einen harten Lockdown dämpfte allerdings die Kauflaune.

Gefahr eines Rückschlags droht

Mehrere Beobachter befürchten inzwischen, dass der deutsche Aktienmarkt zu heiß gelaufen ist und ein Rückschlag droht. In den letzten zwei Wochen hat der DAX fast vier Prozent gewonnen und ist von einem Rekordhoch zum nächsten geklettert - angetrieben vom "großen Bruder" aus Amerika, dem Dow Jones.

"Insgesamt deutet vieles auf eine ausgedehntere Kurskonsolidierung hin", warnt Analyst Andreas Lipkow von Comdirect. Zumindest ein Test der Marke von 15.000 Punkten sei nicht ausgeschlossen. Charttechnik-Experte Andreas Büchler von Index-Radar rät ebenfalls zur Wachsamkeit. Am Dienstag habe der DAX ein klares Warnsignal gesendet, was bisher folgenlos geblieben sei. Laut einer Umfrage der Börse Frankfurt ist die Stimmung der Profis eher verhalten. "Die Mehrheit der befragten institutionellen Investoren mit mittelfristigem Ausblick scheint der laufenden Dax-Rally zu misstrauen“, meint Verhaltensökonom Joachim Goldberg.

Dollar etwas unter Druck

Dem Dollar setzt die anhaltende Fed-Geldflut zu. Der Dollar-Index, der den Kurs zu wichtigen Währungen widerspiegelt, fiel um bis zu 0,3 Prozent. Der Euro behauptete sich knapp über der Marke von 1,19 US-Dollar.

Biden plant Rabatte für E-Autos

Besonders gefragt waren am Donnerstag die Aktien von Elektroautobauern wie Tesla und Nikola. US-Präsident Joe Biden will Käufern von E-Fahrzeugen Rabatte im Gesamtvolumen von 100 Milliarden Dollar gewähren. Zudem erholt sich der chinesische Automarkt immer mehr. Der Absatz der Hersteller von Autos und Nutzfahrzeugen an die Händler stieg im Jahresvergleich um 66,8 Prozent auf 2,38 Millionen. Die chinesische Regierung hat die Verkäufe nach dem Corona-Einbruch mit Förderungen wieder angekurbelt.

BMW verkauft ein Drittel mehr Autos

BMW hat im ersten Quartal wieder mehr Autos verkauft als vor einem Jahr. Wie der Autohersteller mitteilte, setzte er von Januar bis Ende März weltweit knapp 637.000 Autos der Marken BMW, Mini und Rolls-Royce ab. Das war gut ein Drittel mehr als im ersten Quartal 2020. Entscheidend dafür war die enorme Nachfrage aus Asien.

Infineon holt mehr als eine Milliarde rein

Der Halbleiterhersteller Infineon hat in den USA Anleihen mit einem Volumen von 1,3 Milliarden Dollar begeben. Diese sollen für die Finanzierung der Übernahme des US-Rivalen Cypress Semiconductor eingesetzt werden. Mit dem Geld will Infineon Bankdarlehen ablösen.

Corona beflügelt Gerresheimer

Der Spezialverpackungshersteller Gerresheimer sieht sich angesichts florierender Geschäfte mit der Pharmaindustrie auf Kurs. "Die Auftragsbücher sind gefüllt. Wir sind ausgezeichnet unterwegs, um unsere Ziele für 2021 zu erreichen", erklärte Firmenchef Dietmar Siemssen. Diese sehen ein Umsatzplus im mittleren einstelligen Prozentbereich und eine operative Umsatzrendite von 22 bis 23 Prozent vor. Im ersten Quartal kletterten die Erlöse um drei Prozent auf 303 Millionen Euro. Gerresheimer stellt unter anderem Fläschchen für die Corona-Impfstoffe her. Ende 2020 und im ersten Quartal wurden insgesamt etwa 160 Millionen Fläschchen verkauft.

Commerzbank treibt Befesa

Im SDAX zogen die Aktien des Industrierecyclers Befesa um 2,6 Prozent an. Grund war eine Empfehlung der Commerzbank. Der zuständige Analyst verweist auf ein besseres Umfeld bei den Zink-Schmelzlöhnen für die Aufbereitung von Zinkkonzentraten, was positiv für Befesa sei. Der Experte hob seine Gewinnerwartungen an und erhöhte sein Kursziel von 67 auf 69 Euro.

Boom bei Flatexdegiro

Der stark wachsende Börsenhandel in der Corona-Krise hat dem Online-Broker Flatexdegiro im vergangenen Jahr auch unter dem Strich einen kräftigen Gewinnsprung eingebracht. Mit 49,9 Millionen Euro lag der Überschuss mehr als dreimal so hoch wie im Vorjahr. Die im SDAX gelisteten Aktien stiegen um fast fünf Prozent.

Manz vereinbart Batterie-Kooperation

Der Maschinen- und Anlagenbauer Manz hat eine strategische Kooperation im Bereich Lithium-Ionen Batteriesysteme mit den Grob-Werken geschlossen. Die beiden Unternehmen bündeln den Angaben zufolge Markt- und Kundenzugang sowie ihr technisches Wissen. So soll der komplette Produktionsprozess zur Herstellung von Lithium-Ionen Batteriezellen und -modulen aus einer Hand angeboten werden.

Umsatz- und Gewinnsprung von Mutares

Die Aktien von Mutares sprangen um rund sechs Prozent nach oben. Die Beteiligungsgesellschaft hat im vergangenen Jahr beim Umsatz einen Rekordwert von knapp 1,6 Milliarden Euro erreicht. Damit lag der Wert um mehr als die Hälfte über dem Niveau des Vorjahres. Der Gewinn legte um knapp 50 Prozent auf 79 Millionen Euro zu.

Airbus liefert deutlich mehr Flugzeuge aus

Der Airbus-Konzern hat im März mehr als doppelt so viele Flugzeuge ausgeliefert als im Februar. Im März stieg die Zahl auf 72 neue Maschinen. Im Februar waren es noch 32 Flugzeuge gewesen. Zudem erhöhten sich die Bestellungen auf 28. Die Zahl der Stornierungen ging deutlich zurück. Airbus-Chef Guillaume Faury will 2021 mindestens ähnlich viele Flugzeuge ausliefern wie im Vorjahr. Damals hatte der Hersteller 566 Maschinen an seine Kunden übergeben. Wegen der Corona-Pandemie hat der Konzern seine Produktion um rund 40 Prozent gedrosselt und will sie erst ab dem Sommer wieder etwas ausweiten.

Netflix schließt Deal mit Sony

Der Streamingdienst Netflix hat mit Sony Pictures einen mehrjährigen Vertrag über die Ausstrahlung von Filmen ab dem kommenden Jahr geschlossen. So erhält er die exklusiven US-Rechte an Fortsetzungen von Blockbuster-Reihen wie "Spider-Man" oder "Jumanji". Netflix kann die Filme von Sony Pictures ausstrahlen, sobald sie nicht mehr im Kino laufen, verkündeten am Abend Netflix und Sony. Auch ein Teil des Sony-Filmkatalogs soll Netflix zur Verfügung stehen. Die Netflix-Aktie stieg um 1,2 Prozent.

Über dieses Thema berichtet tagesschau24 am 08. April 2021 um 11:40 Uhr in der Wirtschaft.