Händler an der New Yorker Börse | picture alliance / Xinhua News A
Marktbericht

Börsen klar im Minus Kein Frühling in Sicht

Stand: 23.03.2022 21:26 Uhr

Eine weitere Eintrübung der Beziehungen zwischen dem Westen und Russland sowie neue Konjunktur- und Zinssorgen setzten den Aktienmärkten zur Wochenmitte zu.

Zwischen Russland und den westlichen Staaten herrscht fast einen Monat nach Beginn der Invasion in die Ukraine eisige Stimmung. Während die US-Regierung Russland heute erstmals offiziell Kriegsverbrechen vorwarf, wies Moskau mehrere US-Diplomaten aus.

Für Unruhe sorgte auch die Ankündigung des Kreml-Chefs Wladimir Putin, dass Russland für seine Gaslieferungen künftig nicht mehr Dollar oder Euro, sondern nur noch russische Rubel als Bezahlung akzeptiere. Das neue Zahlungsregime soll möglicherweise schon in einer Woche gelten. Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck warf Putin Vertragsbruch vor. Man werde mit den europäischen Partnern über eine Antwort reden.

An der Wall Street nahmen viele Anleger in New York nach der jüngsten Erholungsphase Gewinne mit. Der Dow Jones büßte 1,3 Prozent ein, während die Technologietitel des Nasdaq-100 1,4 Prozent tiefer aus dem Handel gingen.

Neben den weiter beunruhigenden Nachrichten aus der Ukraine beherrschte das Rätselraten um das Tempo des US-Zinserhöhungszyklus das New Yorker Börsengeschehen. "Die Inflation ist sehr hoch", sagte Andrea Cicione, Chef-Anlagestratege des Research-Hauses TS Lombard. "Daher steigt das Risiko geldpolitischer Fehler, wenn die Fed zu aggressiv strafft und die Wirtschaft in eine Rezession stürzt."

Hohe Inflation und Konjunkturbremse erwartet

Der DAX hatte am Morgen noch die Marke von 14.500 Punkten übersprungen, musste dann aber der unsicheren Lage in der Ukraine und neuen Wirtschaftsdaten Tribut zollen. Der deutsche Leitindex fiel um 1,3 Prozent zurück.

Bereits am Vormittag hatte eine pessimistische Konjunkturprognose die Stimmung getrübt. Das ifo-Institut erwartet in diesem Jahr nur noch zwischen 2,2 und 3,1 Prozent Wachstum. Bisher hatten die Forscher noch mit einem Anstieg des Bruttoinlandsprodukts (BIP) von 3,7 Prozent gerechnet. Außerdem dürfte die Inflation wegen Rohstoffmangels und Lieferengpässen schneller steigen als gedacht. Das ifo rechnet mit 5,1 bis 6,1 Prozent für 2022 statt der noch im Dezember erwarteten 3,3 Prozent.

Die um 16 Uhr veröffentlichten Daten zur Verbraucherstimmung in der Eurozone deuteten zudem darauf hin, dass sich diese nach Beginn des Ukraine-Kriegs überraschend deutlich eingetrübt hat. Das Barometer für das Konsumklima stürzte im März um 9,9 Punkte auf minus 18,7 Punkte ab.

Euro ringt mit der Marke von 1,10

Der Euro bleibt wegen der Aussicht auf schnellere Zinsanhebungen in den USA tendenziell weiter belastet. Dazu kommt die wieder nachlassende Risikoneigung, die Anleger in der Regel in den US-Dollar flüchten lässt. Die europäische Gemeinschaftswährung konnte sich am Nachmittag aber wieder über die Marke von 1,10 Dollar erholen.

Öl- und Goldpreis steigen wieder

Am Tag vor dem Gipfel der Staats- und Regierungschefs der sieben führenden Industriestaaten (G7) hat die Diskussion über ein europäisches Embargo russischer Ölimporte erneut Fahrt aufgenommen. Vor diesem Hintergrund verteuerte sich die Ölsorte Brent um mehr als fünf Prozent auf über 121 Dollar. Die Feinunze Gold zog wieder auf mehr als 1940 Dollar an.

Delivery Hero auf der Verkaufsliste

Die Aktie von Delivery Hero stand abermals stark unter Druck. Der Lieferdienst ist mit einem Verlust von über 60 Prozent schwächster Wert der DAX-Familie in diesem Jahr.

VW plant weitere Batteriefabrik

Der Volkswagen-Konzern baut seine zweite europäische Batteriezellfabrik in Spanien. Die Fabrik mit einer Produktionskapazität von 40 Gigawattstunden (GWh) im Jahr und mehr als 3000 Mitarbeitern soll in Valencia entstehen. Zusammen mit Partnern will Volkswagen dort mehr als sieben Milliarden Euro investieren. Bis zum Ende des Jahrzehnts will der Autobauer sechs große Fabriken in Europa mit einer Kapazität von insgesamt 240 GWh in Betrieb haben. Ihre Batterie-Aktivitäten hatten die Wolfsburger vor Kurzem in einer separaten Gesellschaft zusammengefasst, um sie kapitalmarktfähig zu machen. Der Bereich soll bis zum Ende des Jahrzehnts einen Umsatz von 20 Milliarden Euro erzielen.

Tencent leidet unter Regulierung

Die staatlichen Beschränkungen in China haben den chinesischen Technologiekonzern Tencent ausgebremst. Der Umsatz kletterte im vierten Quartal um acht Prozent auf 144,2 Milliarden Yuan (20,5 Milliarden Euro), das ist die niedrigste Wachstumsrate seit dem Börsengang 2004. Im Gesamtjahr lag das Umsatzplus mit 16 Prozent ebenfalls auf dem niedrigsten Stand. Die Aufsichtsbehörden der Volksrepublik haben seit dem vergangenen August die Zulassung von Online-Spielen gestoppt, was den Sektor erschüttert und viele kleine Anbieter aus dem Geschäft drängt.

Norma rechnet mit geringerem Wachstum

Im vergangenen Jahr konnte Norma seine Erlöse im Vergleich zu dem stark von Corona geprägten Jahr 2020 um 14,7 Prozent auf 1,09 Milliarden Euro steigern. Der Autozulieferer will für 2021 eine Dividende in Höhe von 75 Cent pro Aktie ausschütten, fünf Cent mehr als ein Jahr zuvor. Für das laufende Geschäftsjahr peilt er ein Umsatzplus im mittleren bis hohen einstelligen Prozentbereich an. Die Prognose steht aber unter dem Vorbehalt, dass es zu keinen erheblichen negativen Auswirkungen durch die Corona-Pandemie, den Ukraine-Krieg oder durch Sanktionen kommt. Norma hat nach eigenen Angaben alle Lieferungen nach Russland eingestellt.

Auto1 mit mehr Umsatz und mehr Verlust

Auto1 konnte seinen Umsatz im vergangenen Geschäftsjahr um 69 Prozent auf 4,8 Milliarden Euro steigern. Das Rohergebnis stieg um 51 Prozent auf 431 Millionen Euro. Der bereinigte Betriebsverlust (Ebitda) weitete sich allerdings wegen des teuren Investitionskurses auf 107,1 Millionen Euro aus. Die Zahl der verkauften Autos stieg 2021 um 31 Prozent auf 596.731 Wagen. Für das laufende Jahr ist Auto1 deutlich zurückhaltender - auch wegen der Auswirkungen des Ukraine-Kriegs auf das Konsumklima in Osteuropa. Der Umsatz soll 2022 auf 5,7 bis 6,8 Milliarden Euro steigen. Die Aktie brach dennoch zeitweise auf ein Rekordtief knapp unter 9,00 Euro ein.

LPKF-Aktie stürzt ab

Die Aktie von LPKF verlor mehr als 18 Prozent. Projektverzögerungen und anhaltende Logistik-Engpässe hinterließen bei dem Hightech-Unternehmen 2021 deutliche Spuren. Der Umsatz schrumpfte um fast drei Prozent. Unter dem Strich fiel ein Verlust von 0,1 Millionen Euro an nach einem Gewinn von 5,3 Millionen Euro im Vorjahr. Eine Dividende will LPKF seinen Aktionären deshalb nicht zahlen. Für das laufende Jahr zeigt sich das SDAX-Unternehmen zudem vorsichtig. Aufgrund des aktuellen politischen und wirtschaftlichen Umfelds sei die Planbarkeit der Geschäftsentwicklung deutlich eingeschränkt, hieß es.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 23. März 2022 um 12:00 Uhr.