Händler an der NYSE
Marktbericht

Dritter Gewinntag Börsen fassen wieder Tritt

Stand: 09.02.2022 22:19 Uhr

Ein um Nuancen besseres Umfeld hat die Optimisten heute bestärkt. Sowohl in New York als auch in Frankfurt
beschleunigte sich die Kurserholung.

Die diplomatischen Bemühungen im Ukraine-Konflikt laufen auf Hochtouren, heute zumindest mit vorsichtig optimistischem Grundton. Auch die Unternehmensdaten des Tages waren überwiegend erfreulich.

Das bestärkte die jüngsten Erholungstendenzen an den Börsen. An der Weltleitbörse in New York schlossen die Standardwerte des Dow Jones 0,86 Prozent höher. Die Technologietitel des Nasdaq-100 erholten sich sogar um 2,1 Prozent.

Morgen dreht sich alles um die Zinsen

Auch das Zinsthema verlor etwas an Schrecken: So schwächte sich der Ausverkauf von US-Staatsanleihen wieder ab. In den vergangenen Wochen waren die Bonds angesichts der bevorstehenden Zinswende erheblich unter Druck geraten. Fallende Anleihekurse, also steigende Renditen, sind eine Belastung für den Aktienmarkt, weil Rentenpapiere dadurch tendenziell attraktiver werden.

Nun richtet sich alle Aufmerksamkeit auf die morgen anstehenden Daten zu den US-Verbraucherpreisen. Sollte die Inflation stärker anziehen als erwartet, könnte die US-Notenbank Federal Reserve (Fed) rigoroser an der Zinsschraube drehen, was an den Aktienmärkten nicht gut ankäme. Experten erwarten einen weiteren Anstieg der Teuerungsrate auf 7,3 Prozent.

Ein Fed-Vertreter beruhigte heute aber etwas: Der Inflationsschub in den USA dürfte bald nachlassen, sagte der Chef des US-Notenbankbezirks Atlanta, Raphael Bostic, dem Sender CNBC. Er sei mit Blick auf ein Abebben der Teuerung "sehr hoffnungsvoll": "Es gibt einige Anzeichen dafür, dass wir kurz davor sind."

DAX schafft dritten Tagesgewinn

Der DAX beendete den Handelstag mit einem deutlichen Aufschlag von 1,57 Prozent. Das war der dritte Handelstag mit Pluszeichen. Die Zeit scharfer Kurseinbrüche scheint vorerst vorbei. Dabei hilft, dass sich die Unterstützungszone knapp oberhalb von 15.000 Punkten im DAX jüngst abermals bewährt hat.

Spritpreise auf neuem Rekordhoch

Die Ölpreise zogen ab dem Nachmittag wieder an. Die US-Lagerbestände an Rohöl sind in der vergangenen Woche überraschend und deutlich gefallen. Dagegen könnte die Wiederaufnahme der indirekten Gespräche zwischen den USA und dem Iran zu einer erneuten Öffnung der internationalen Märkte für iranisches Öl führen, hieß es von Experten. Die Spritpreise stiegen unterdessen weiter. Sowohl die Preise für Benzin als auch für Diesel erreichten "neue historische Höchststände", wie der ADAC mitteilte. Demnach kletterte der Preis im bundesweiten Mittel auf 1,725 Euro. Der Dieselpreis stieg auf 1,654 Euro.

Während der Euro sich über 1,14 Dollar hielt, setzte der Goldpreis seine Klettertour fort und notierte am Abend über 1830 Dollar.

Meta erstmals erholt

Die Erholung der Tech-Werte in den USA wurde von Meta angeführt. Erstmals seit ihrem Kurssturz am Donnerstag legte die Aktie des Facebook-Mutterkonzerns wieder zu. Insgesamt hatte das Papier in den vergangenen vier Handelstagen rund ein Drittel eingebüßt. Vergangene Woche hatte Meta die Anleger mit sinkenden Nutzerzahlen bei Facebook geschockt. Zahlreiche Analysten hatten daraufhin ihre Prognosen gesenkt. Sie verwiesen dabei auch auf die Konkurrenz durch die Plattform Tiktok.

Exporteure auf Rekordkurs

Die deutschen Exporteure haben sich im vergangenen Jahr trotz gestörter Lieferketten vom Corona-Schock 2020 erholt. Ihre Ausfuhren wuchsen im Gesamtjahr um 14 Prozent auf den Rekordwert von 1375,5 Milliarden Euro, wie das Statistische Bundesamt mitteilte. Damit wurde das Niveau des Vorkrisenjahres 2019 um 3,6 Prozent übertroffen. Die deutsche Industrie sitzt auf einem rekordhohen Auftragsberg, der wegen Materialengpässen nicht im eigentlich möglichen Tempo abgetragen werden kann.

Siemens verkauft Postlogistik und E-Antriebe

Am späten Abend meldete Siemens den Verkauf seines Geschäfts mit Brief- und Paket-Sortieranlagen an den Hamburger Maschinenbauer Körber. Der Verkaufspreis von 1,15 Milliarden Euro liegt deutlich höher als erwartet. Das Post- und Paketgeschäft setzt mit rund 1200 Mitarbeitern eine halbe Milliarde Euro pro Jahr um. Es zählt zu den Geschäftsteilen, die nicht mehr zum Kerngeschäft von Siemens gehören und nach und nach verkauft werden sollen.

Einen weiteren Geschäftsteil schlägt Siemens zur Jahresmitte los. Das 2016 gegründete Gemeinschaftsunternehmen Valeo Siemens eAutomotive, an dem der Konzern bisher 50 Prozent hält, geht nun ganz an den französischen Autozulieferer Valeo. Siemens bekommt dafür 277 Millionen Euro, wie die Franzosen mitteilten. In den Aufbau des defizitären Geschäfts hat Siemens bisher rund eine Milliarde Euro gesteckt.

Deutsche Börse wächst weiter

Trotz eines rückläufigen Aktien- und Derivategeschäfts ist die Deutsche Börse 2021 weiter gewachsen. Der Börsenbetreiber steigerte seine Nettoerlöse unter anderem dank Zukäufen und einem lebhaften Geschäft mit Fonds und an der Strombörse um neun Prozent auf 3,5 Milliarden Euro. Unter dem Strich stieg der Gewinn um zwölf Prozent auf gut 1,2 Milliarden Euro, wie der DAX-Konzern am Abend mitteilte. Damit erfüllte die Deutsche Börse die Erwartungen. Die Dividende soll um sieben Prozent auf 3,20 Euro steigen. Im laufenden Jahr peilt der Konzern weitere Zuwächse an.

L'Oréal stärker als vor Corona

Der französische Kosmetikkonzern L'Oréal hat im zweiten Corona-Jahr deutlich mehr Geschäft gemacht als vor der Pandemie. Mit fast 32,3 Milliarden Euro lag der Umsatz währungsbereinigt und auf vergleichbarer Basis um gut elf Prozent höher als 2019, wie der französische Kosmetikkonzern am Abend mitteilte. Im Vergleich zum ersten Corona-Jahr 2020 legte der Umsatz um gut 16 Prozent zu. Unter dem Strich verdiente L'Oréal rund 4,6 Milliarden Euro und damit 29 Prozent mehr als im Vorjahr. Die Dividende soll um 20 Prozent auf 4,80 Euro steigen.

Metro meldet gutes Weihnachtsgeschäft

Auch Metro legte am Abend Zahlen vor. Der Großhandelskonzern konnte im wichtigen Weihnachtsgeschäft deutlich zulegen. Im ersten Quartal des Geschäftsjahres 2021/22 sei der Umsatz um 20 Prozent auf 7,6 Milliarden Euro gestiegen, teilte der Düsseldorfer Konzern mit. Unter dem Strich blieb ein Gewinn von 195 Millionen Euro, nach 99 Millionen im Vorjahreszeitraum. "Im Umsatz liegen wir über Vor-Pandemie-Niveau und auch das Ergebnis entwickelt sich positiv", sagte Metro-Chef Steffen Greubel. Greubel bekräftigte seine Jahresprognose. Im laufenden Geschäftsjahr erwartet er ein Wachstum von drei bis sieben Prozent. Das operative Ergebnis soll auch wegen Investitionen in die Digitalisierung bei rund 1,18 Milliarden Euro stagnieren.

Autoaktien im DAX gefragt

Die Autohersteller können auf ein gutes Jahr hoffen. Nach Angaben des Branchenverbandes VDA wird der deutsche Pkw-Markt 2022 voraussichtlich um sieben Prozent auf 2,8 Millionen Fahrzeuge zulegen. Das wären allerdings noch deutlich weniger als in den Jahren vor der Pandemie, als meist mehr als drei Millionen Neuwagen auf die Straßen kamen. Entsprechend waren Autotitel im DAX heute gefragt. Die Aktie der Volkswagen-Mutter Porsche SE gewann über acht Prozent. Auch Volkswagen, Mercedes-Benz und BMW legten überdurchschnittlich zu.

Wacker Neuson schlägt Erwartungen

Im SDAX gewann die Aktie von Wacker Neuson 5,6 Prozent. Umsatz und Gewinn lagen im vergangenen Jahr über den eigenen Erwartungen, teilte der Münchner Baumaschinenhersteller mit. Der Umsatz kletterte um 15 Prozent auf 1,87 Milliarden Euro, das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) hat sich auf 193 Millionen Euro mehr als verdoppelt. Die deutlich gestiegenen Input- und Transportkosten könnten in diesem Jahr voraussichtlich nicht vollständig kompensiert werden, hieß es ausblickend. Dabei sei die Nachfrage nach Baumaschinen unverändert stark.

Siemens Energy in der Windflaute

Siemens Energy ist durch die schlechten Ergebnisse der Windkrafttochter Gamesa im ersten Quartal in die roten Zahlen gerutscht. Per Ende Dezember stand ein Verlust nach Steuern von 240 Millionen Euro in der Bilanz, im Vorjahreszeitraum hatte Siemens Energy einen Gewinn von 99 Millionen Euro erzielt. Die erneute Gewinnwarnung von Siemens Gamesa sei ein Rückschlag "und für alle Aktionäre enttäuschend", so Konzernchef Christian Bruch.

Maersk schafft dänischen Rekord

Die angespannten Lieferketten mit viel zu knappen Transportkapazitäten haben der dänischen Reederei Maersk 2021 einen Gewinn von 18 Milliarden US-Dollar eingebracht. Das ist mehr als sechsmal so viel wie im bereits profitablen ersten Corona-Jahr 2020. Damit sorgte Maersk zugleich für einen dänischen Rekord: Nach Angaben der heimischen Nachrichtenagentur Ritzau hat noch nie zuvor ein dänisches Unternehmen in einem Jahr so viel Geld verdient wie Maersk 2021.

Toyota trotzt Chipmangel

Der japanische Autoriese Toyota hat trotz der globalen Halbleiterengpässe seinen Gewinn in den ersten neun Monaten des laufenden Geschäftsjahres gesteigert. In den drei Quartalen bis Ende Dezember fiel ein Nettogewinn von 2,32 Billionen Yen (17,4 Milliarden Euro) an. Das ist ein Plus im Vergleich zum Vorjahreszeitraum von 57,8 Prozent. Für das bis 31. März laufende Geschäftsjahr rechnet Toyota jedoch mit einem etwas geringeren Umsatz von 29,5 Billionen Yen statt zuvor erwarteter 30 Billionen Yen. Das wäre allerdings trotzdem noch ein Anstieg von 8,4 Prozent.

Jenoptik meldet Umsatzrekord

Der Technologiekonzern aus Jena hat im abgelaufenen Jahr so viel erlöst wie nie zuvor. Der Umsatz kletterte um 17 Prozent auf 895 Millionen Euro. Das lag innerhalb der erwarteten Spanne. Das Betriebsergebnis (Ebitda) legte um fast 60 Prozent auf 177 Millionen Euro zu. Jenoptik befindet sich in der Restrukturierung und will sich zu einem reinen Photonik-Konzern entwickeln.

Heideldruck wird optimistischer

Der Hersteller von Druckmaschinen ist angesichts der gestiegenen Nachfrage etwas zuversichtlicher. In dem im März endenden Geschäftsjahr rechnet der Konzern mit einem Umsatz von mindestens 2,1 Milliarden Euro. Bisher hatte der SDAX-Konzern mindestens 2,0 Milliarden Euro in Aussicht gestellt. Das Nachsteuerergebnis solle nach einem Verlust im Vorjahr "leicht positiv" ausfallen. Von April bis Dezember kletterten die Erlöse um 21 Prozent auf 1,57 Milliarden Euro, während das Betriebsergebnis (Ebitda) ebenfalls um 21 Prozent auf 132 Millionen Euro zulegte.

DIC Asset liefert Rekordergebnis

2021 steigerte der Frankfurter Gewerbeimmobilien-Spezialist DIC Asset das für die Branche entscheidende operative Ergebnis FFO um elf Prozent und erreichte mit 107,2 Millionen Euro erstmals den dreistelligen Millionenbereich. "Wir werden auch im laufenden Jahr 2022 wieder mit großer Dynamik wachsen", so Firmenchefin Sonja Wärntges. Das FFO soll auf 115 bis 119 Millionen Euro steigen.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 09. Februar 2022 um 09:54 Uhr.