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Marktbericht

Unruhe vor EZB-Sitzung Licht und Schatten

Stand: 02.02.2022 22:16 Uhr

In Europa wird die Zinsdiskussion angesichts der rekordhohen Inflation intensiver. Am Tag vor der wichtigen EZB-Sitzung machte der DAX schlapp. Die Wall Street rappelte sich im späten Geschäft auf.

Nach verhaltenem Start drehten die amerikanischen Indizes gegen Handelsende deutlicher ins Plus. Der Standardwerteindex Dow Jones schloss 0,6 Prozent höher, während der Technologieindex Nasdaq-100 um 0,8 Prozent zulegte.

Erfreuliche Quartalsdaten insbesondere von Alphabet und dem Chipkonzern AMD hoben die Stimmung. Die Zinssorgen flauten zudem nach überraschend schwachen Arbeitsmarktdaten ab. Laut der Arbeitsagentur ADP hat die US-Privatwirtschaft im Januar überraschend 301.000 Stellen abgebaut. Analysten hatten mit dem Aufbau von 207.000 Jobs gerechnet. Damit sinke die Wahrscheinlichkeit rascher und drastischer Zinserhöhungen durch die Notenbank Fed, hieß es auf dem Parkett.

DAX als Bettvorleger gelandet

Der DAX war nach einem überwiegend guten Börsentag mit einem kleinen Minus aus dem Handel gegangen. Man könne nicht sagen, dass die Märkte das Thema Inflation und Zinswende sowie das Risiko eines Kriegs in der Ukraine bereits abgehakt hätten, warnte Analyst Jochen Stanzl vom Online-Broker CMC Markets.

Thema des Tages war tatsächlich die rekordhohe Inflation im Euroraum, oder vielmehr ihre Folgen für die Geldpolitik. Explodierende Energiepreise haben die Teuerung im Januar auf 5,1 Prozent getrieben. Das ist mehr als erwartet und der höchste Wert seit Beginn der Statistik 1997, was die Europäische Zentralbank (EZB) kurz vor ihrer nächsten Zinssitzung in Erklärungsnot bringt.

Eigentlich hatte die EZB, die eine Rate von 2,0 Prozent als optimalen Wert anpeilt, immer von einem vorübergehenden Phänomen gesprochen. Jetzt wird schon darüber spekuliert, ob es schon in diesem Sommer zu einer ersten Anhebung des Leitzinses kommt. Dieser liegt seit September 2019 bei minus 0,5 Prozent. "Spannend ist, ob die EZB-Präsidentin morgen auf der Pressekonferenz erneut betont, dass Zinserhöhungen in diesem Jahr sehr unwahrscheinlich seien", kommentierte Helaba-Volkswirt Ralf Umlauf mit Blick auf die anstehende Zinssitzung.

Zinsspekulationen stützen Euro

Die Spekulationen, dass die EZB doch früher von ihrer ultralockeren Geldpolitik Abschied nehmen muss, stützten heute auch den Euro. Die Gemeinschaftswährung hielt sich bis zum Abend über der Marke von 1,13 Dollar.

OPEC+ hält an Förderzielen fest

Das Thema Inflation beschäftigt auch die Verbraucher stark: Spritpreise etwa steigen in Deutschland immer weiter. Grund dafür ist vor allem der hohe Rohölpreis. Ein Barrel der Sorte Brent kostet aktuell über 89 Dollar. In der vergangenen Woche sind die US-Lagerbestände an Rohöl überraschend gefallen.

Trotz der hohen Ölpreise dreht der Produktionsverbund OPEC+ den Ölhahn nicht weiter auf als geplant. Die von Saudi-Arabien und Russland angeführte Allianz beschloss heute, die Ausweitung der Tages-Fördermenge um 400.000 Barrel (je 159 Liter) wie in den vergangenen Monaten auch im März fortzusetzen. Eine höhere Ausweitung der Fördermenge scheint auch technisch schwierig. Zuletzt hatte der Verbund Probleme, seine eigenen Ziele zu erfüllen. Die knappe Produktion gilt als ein Grund für die gestiegenen Ölpreise, die sich in der Nähe ihres Höchststandes vom Herbst 2014 bewegen.

GM erleidet Gewinneinbruch

Die Aktie von General Motors rutschte im Verlauf ins Minus. Der Autoriese fuhr im vierten Quartal weniger Umsatz und Gewinn ein. Der Umsatz ging von 37,5 Milliarden Dollar im Vorjahreszeitraum auf 33,6 Milliarden Dollar zurück. Unter dem Strich blieb ein Nettogewinn von 1,7 Milliarden Dollar nach 2,85 Milliarden Dollar im vierten Quartal 2020.

Google-Mutter Alphabet schlägt Erwartungen

Die Alphabet-Aktie gewann über sieben Prozent. Der Google-Mutterkonzern hat mit seinen Zahlen die Markterwartungen deutlich übertroffen. Der Umsatz in den Monaten Oktober bis Dezember stieg im Jahresvergleich um 32 Prozent auf 75,3 Milliarden Dollar. Unterm Strich kletterte der Quartalsgewinn von 15,2 auf 20,6 Milliarden Dollar, wie Alphabet am Dienstag nach US-Börsenschluss mitteilte. Wie gewohnt waren es die Werbeerlöse von Google, die den Großteil des Geschäfts einbrachten. Sie stiegen binnen eines Jahres von 46,2 auf 61,2 Milliarden Dollar.

PayPal stürzt ab

Ein bitteres Minus von über 24 Prozent mussten die Aktionäre von PayPal verkraften. Der Gewinn des Bezahldiensts fiel im Schlussquartal um 49 Prozent auf 801 Millionen Dollar. Die Erlöse legten um 13 Prozent auf 6,9 Milliarden Dollar zu, vor einem Jahr hatte das Wachstum jedoch noch bei über 20 Prozent gelegen. Besonders der verhaltene Ausblick missfiel den Marktteilnehmern.

Chef von Siemens Gamesa muss gehen

Die Probleme beim spanischen Windkraftanlagenbauer Siemens Gamesa führen zu einem Wechsel an der Unternehmensspitze. Der bisherige Vorstandschef Andreas Nauen wird zum 1. März durch Jochen Eickholt ersetzt, der im Vorstand der Mutter Siemens Energy sitzt. Nach der abermaligen Senkung des Geschäftsausblicks hatte es bereits Spekulationen über einen Führungswechsel gegeben. An Gamesa hält Siemens Energy 67 Prozent.

Vodafone will Partnerschaft mit der Telekom

Der britische Mobilfunkkonzern Vodafone umgarnt beim Funkturm-Geschäft die Deutsche Telekom. Eine Kombination der Funkturm-Geschäfte beider Konzerne wäre ideal, erklärte Vodafone-Chef Nick Read. Die Deutsche Telekom sucht ihrerseits seit Monaten nach einem Partner für die Deutsche Funkturm, die über 40.000 Standorte in Deutschland und Österreich hat. Als potenzieller Käufer oder Partner für die Telekom-Tochter wird neben der Vodafone-Tochter Vantage Towers auch Europas Branchenprimus Cellnex gehandelt.

Siltronic-Zahlen gut aufgenommen

Einen Tag nach der geplatzten Übernahme wartete Siltronic mit guten Zahlen auf. "Das Unternehmen bleibt bei allen Wafer-Durchschnittsgrößen voll ausgelastet", sagte ein Analyst von Jefferies. Ein neues Übernahmeangebot der taiwanischen Globalwafers für den Münchner Chip-Zulieferer ist offenbar denkbar, müsste laut Vorstandschef Christoph von Plotho aber höher ausfallen. Gestern war der Übernahmeversuch wegen der ausgebliebenen Genehmigung durch das Bundeswirtschaftsministerium geplatzt.

Teamviewer gefragt

Im MDAX machte Teamviewer mit einem Plus von 16,3 Prozent Furore. Der IT-Dienstleister will zur Stützung des Aktienkurses bis zu knapp zehn Prozent der eigenen Anteile zurückkaufen. Das Programm habe ein Volumen von bis zu 300 Millionen Euro oder maximal 20 Millionen Aktien. Der Aktienrückkauf soll morgen starten. Bis Ende des Jahres soll das Programm abgeschlossen sein. Der Kurs der seit 2019 gelisteten Aktie war zuletzt unter anderem wegen der Sorge über ein langsameres Wachstum und hohe Kosten stark gesunken.

VIB ziert sich

Der Immobilieninvestor DIC Asset stößt mit seinem Kaufangebot für den bayerischen Logistikimmobilien-Entwickler VIB Vermögen bei dessen Führung auf Widerstand. Das Übernahmeangebot "reflektiere nur unzureichend die starke Geschäftsentwicklung, die positive Marktentwicklung für Logistikimmobilien und das damit verbundene mittelfristige Wertpotenzial für unser Unternehmen", erklärte VIB-Vorstandschef Martin Pfandzelte. DIC will die Beteiligung von zehn Prozent bis auf 51 Prozent aufstocken und bietet dafür 51 Euro je VIB-Aktie.

Sony erhöht Prognose

Der japanische Elektronikriese hat trotz der Probleme mit seiner Playstation 5 die Gewinnprognose für das laufende Geschäftsjahr erneut angehoben. Das Nettoergebnis soll bis zum Bilanzstichtag 31. März umgerechnet rund 6,6 Milliarden Euro erreichen. Die Zuwächse im Filmgeschäft sowie der schwache Außenwert des Yen dürften den schwächelnden Absatz mit der Playstation 5 wettmachen, deren Produktion wegen der globalen Chip-Knappheit nur schleppend läuft.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 02. Februar 2022 um 09:00 Uhr.