Händler an der NYSE
Marktbericht

Trübe Stimmung Gute Nachrichten verpufft

Stand: 19.01.2022 22:12 Uhr

Eigentlich konnten die heute vorgelegten Firmenbilanzen positiv überraschen. Dennoch kam die Wall Street auf keinen grünen Zweig. Deutsche Aktien hatten noch etwas besser abgeschnitten.

Trotz guter Firmenbilanzen gab es an der Wall Street heute lange Gesichter. In den letzten Handelsminuten kam noch einmal starker Verkaufsdruck auf. Wie so oft, wenn die Kurse schwächeln, wurden Zinssorgen als Grund angeführt. Tatsächlich war im Tagesverlauf wieder das Muster zu beobachten, mit dem die Aktienmärkte auf die Aussicht steigender Zinsen reagieren. Während die Standardwerte des Dow Jones nach dem hektischen Handelsende 0,96 Prozent einbüßten, ging es mit den Technologietiteln des Nasdaq-100 um deutlichere 1,07 Prozent nach unten.

Zehnjährige Rendite wieder positiv

Der DAX hatte es hingegen trotz schwacher Vorgaben noch auf ein bescheidenes Plus von 0,24 Prozent gebracht. Dabei lieferte der deutsche Anleihemarkt ein deutliches Signal, dass die "beste aller Welten" für den Aktienmarkt der Vergangenheit angehört. Erstmals seit Anfang Mai 2019 gibt es nämlich wieder Geld für zehnjährige deutsche Anleihen. Die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihe stieg bis auf plus 0,025 Prozent. In den USA rentieren zehnjährige Staatsanleihen bereits wieder mit knapp zwei Prozent.

Zinsdruck hilft Euro

Auch in Europa bleiben Inflation und Zinswende also ein großes Thema, und auch die Banker der EZB sehen sich derzeit unter zunehmendem Druck, ebenfalls die Zinszügel stärker anzuziehen. Bisher werden für die Eurozone in diesem Jahr noch keine Zinsschritte erwartet. Hält die Teuerung aber in diesem Tempo an, werden auch die Geldpolitiker in Frankfurt gegen ihren Willen handeln müssen. Diese Erwartung zeigt sich derzeit am Devisenmarkt, wo der Euro sich wieder etwas von seinen gestrigen Verlusten erholen konnte.

Goldpreis erwacht

Am Nachmittag meldete sich der Goldpreis zurück und erreichte mit Notierungen über 1840 Dollar den höchsten Stand seit November. Die Bewegung lässt sich einerseits durch die derzeitige Risikoscheu der Anleger erklären, die etwa Technologietitel abstoßen und in vermeintlich sicherere Anlagen wie Anleihen oder Edelmetalle ausweichen. Weiterer Gründe dürften die weltweiten inflationären Tendenzen und geopolitischen Unsicherheiten sein.

Ölpreise klettern weiter

Auch die Notierungen für Öl klettern weiter. Der Preis für die Nordseesorte Brent näherte sich der Marke von 89 Dollar, ein weiteres Sieben-Jahres-Hoch. Der Drohnenangriff jemenitischer Huthi-Rebellen auf Abu Dhabi wirkte weiter nach. Verschärft wird die Nervosität der Anleger durch die Spannungen zwischen Russland und der Ukraine.

Procter erhöht Prognose

Die amerikanische Berichtssaison hatte heute durchaus Erfreuliches zu bieten: Der Konsumgüterkonzern Procter & Gamble erwartet nach starken Verkaufszahlen im vergangenen Quartal einen höheren Umsatz im Geschäftsjahr 2021/22. Der Konzern, zu dem Marken wie Gillette, Pampers und Oral B gehören, profitiert wegen steigender Corona-Infektionszahlen von einer erhöhten Nachfrage nach Reinigungsmitteln. Der Nettoumsatz lag im abgelaufenen Quartal bei 20,95 Milliarden Dollar und damit über den Erwartungen von Analysten.

Bank of America überrascht positiv

Die Bank of America hat das Jahr 2021 anders als andere US-Geldhäuser mit einem überraschend guten Quartal beendet. Dank gestiegener Erträge und der Auflösung von Rückstellungen für Kreditausfälle verdiente das zweitgrößte US-Institut in den Monaten Oktober bis Dezember rund sieben Milliarden Dollar und damit 28 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Damit übertraf die Großbank die durchschnittlichen Markterwartungen. Auch Morgan Stanley steigerte den Überschuss stärker als gedacht.

Valneva-Aktie springt nach oben

Am Abend gewann die Aktie von Valneva über ein Drittel an Wert. Der vor einer möglichen Zulassung stehende Corona-Impfstoff des französisch-österreichischen Biotechunternehmens wirkt einer Studie zufolge auch gegen die Omikron-Variante. Alle getesteten Serumproben zeigten neutralisierende Antikörper gegen das ursprüngliche Virus und die Delta-Variante, während 87 Prozent dies auch gegen Omikron täten, teilte das Unternehmen mit. Valneva rechnet mit einer Zulassung seines Vakzins durch die Gesundheitsbehörde EMA im ersten Quartal. Erste Auslieferungen könnten dann voraussichtlich im April beginnen.

Aurubis zuversichtlicher

Die Aurubis-Aktie erklomm heute ein Rekordhoch. Höhere Verkaufspreise für Metalle und Schwefelsäure stimmen den Kupferkonzern optimistischer für das laufende Geschäftsjahr. So ist die Nachfrage nach Kupfer weiterhin hoch, bei dessen Produktion Schwefelsäure als Nebenprodukt anfällt. Auch das Geschäft mit anderen Industriemetallen läuft gut. Der Rohstoffboom im Zuge der globalen Konjunkturerholung, der Digitalisierung sowie der wachsenden Elektromobilität liefern dem MDAX-Konzern also Rückenwind. Die Hamburger kalkulieren für das laufende Geschäftsjahr bis Ende September nun mit einem operativen Vorsteuerergebnis zwischen 400 und 500 Millionen Euro. Bisher war das Management von 320 bis 380 Millionen Euro ausgegangen.

Varta rutscht unter 100 Euro

Auffallend schwach präsentierte sich die Varta-Aktie im MDAX. Technische Analysten verwiesen darauf, dass die wichtige Unterstützung bei 100 Euro nicht gehalten habe. Zuletzt konnten selbst positive US-Entscheidungen im Patentstreit mit chinesischen Konkurrenten und auch eine Anteilsaufstockung von Goldman Sachs den Kurs nicht nachhaltig stützen. Seit Jahresbeginn haben mit Metzler und Stifel zwei Analysehäuser ihre Verkaufsempfehlungen bestätigt. Sie sehen Rückschlagsrisiken auf 81 und 76 Euro.

Zalando gefragt

Papiere des DAX-Neulings Zalando führten die Gewinnerliste mit einem Plus von 3,3 Prozent an. Sie reagierten damit auch auf positive Analystenaussagen. Der Goldman-Sachs-Experte Richard Edwards kappte zwar in einer Branchenstudie zu Einzelhändlern sein Kursziel etwas auf 118 Euro. Er ließ die Aktie aber auf der "Conviction Buy List" und zählt sie damit weiter zu den Favoriten.

Telekom telefoniert in der Cloud

Die Deutsche Telekom steigt zusammen mit dem französischen Anbieter Aircall in den Markt der cloudbasierten Telefonie ein. Das Angebot richte sich an Unternehmen und Organisationen, so die Firmen am Morgen. Bei der Cloud-Telefonie werden alle Funktionen einer Telefonanlage im Rechenzentrum eines Anbieters betrieben und über das Internet bereitgestellt. Bei Kunden werden so eigene Telefonanlagen-Hardware und spezielle Telefonie-Verkabelungen abgelöst. Bislang hatte die Telekom dieses Geschäftssegment weitgehend Spezialfirmen wie Vonage oder NFON überlassen.

Airbus stellt wieder ein

Der Flugzeugbauer Airbus will im ersten Halbjahr weltweit 6000 Arbeitskräfte einstellen. Etwa ein Viertel der Anstellungen soll laut Mitteilung für die Bereiche Cybertechnologie oder Digitalisierung vorgesehen werden. Wegen heftiger Auswirkungen der Corona-Krise auf die Luftfahrtbranche hatte Airbus Ende Juni 2020 den Abbau von 15.000 Stellen weltweit angekündigt. Später hieß es allerdings, es könnten ein paar Tausend weniger werden. Zuletzt beschäftigte der Konzern weltweit knapp 126.000 Mitarbeiter.

Leoni im Visier des Kartellamts

Eine Untersuchung des Bundeskartellamts bei mehreren Kabelherstellern setzte die Aktie des Autozulieferers und früheren SDAX-Mitglieds Leoni unter Druck, sie verlor gut sieben Prozent. Das Kartellamt geht dem Verdacht von Preisabsprachen in der Branche nach. Leoni bestätigte, dass es eine Durchsuchung gegeben habe. Ein Sprecher des Kartellamts sagte, es gebe Verdachtsmomente, dass Unternehmen und Verbände Preise abgesprochen hätten. Laut Leoni geht es darum, "dass Kabelhersteller die Berechnung branchenüblicher Metallzuschläge in Deutschland miteinander koordiniert haben sollen".

ASML im Glück

Der niederländische Chipausrüster ASML hat im vergangenen Jahr dank der hohen Nachfrage der Halbleiterhersteller gut verdient. Der Überschuss legte um knapp zwei Drittel auf fast 5,9 Milliarden Euro zu, wie das EuroStoxx-50-Schwergewicht meldete. Das war mehr als Experten erwartet hatten. Die Anteilseigner sollen durch eine auf 5,50 Euro verdoppelte Jahresdividende profitieren.

Verizon und AT&T lenken ein

Wegen Sicherheitsbedenken der Luftfahrtbranche machen AT&T und Verizon in letzter Minute Zugeständnisse bei ihren erweiterten 5G-Services für schnelleres Internet auf Mobiltelefonen. Man habe sich freiwillig entschieden, die Einführung des neuen Mobilfunkstandards in der Nähe von Flughäfen zunächst zu begrenzen, teilte Verizon mit. Vorausgegangen war ein Konflikt mit US-Fluggesellschaften, die Beeinträchtigungen des Luftverkehrs befürchten, da sich ein Funkfrequenzbereich des 5G-Internets und bestimmte Flugzeugelektronik in die Quere kommen könnten.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 19. Januar 2022 um 09:05 Uhr.