Händler an der Frankfurter Börse | picture alliance / AP Photo
Marktbericht

Ruhiger Handelsausklang Positive DAX-Bilanz

Stand: 30.12.2021 14:29 Uhr

Fast 16 Prozent Zuwachs hat der DAX im Jahr 2021 geschafft. Die Aktienmärkte haben sich in einem turbulenten Börsenjahr gut geschlagen. Die besonderen Risiken des zweiten Corona-Jahres bleiben aber bestehen.

Mit einem Schlussstand von 15.873 Punkten hat der DAX den letzten Handelstag des Jahres fast exakt auf Vortagesniveau beendet. Der Handel lief heute nur bis 14 Uhr, Impulse von der Wall Street konnten die Anleger damit heute nicht mehr nutzen.

Schwergewichte besser als zweite Reihe

Wie schon an den vergangenen Tagen hielten sich die Umsätze in den Aktien der Leitindizes der DAX-Familie in Grenzen. Mit 15,7 Prozent Kursplus hat sich der DAX auch besser geschlagen als der MDAX. Der Index der "zweiten Reihe" verbuchte einen Zuwachs von rund 14 Prozent. Beim technologielastigen TecDAX ging es um 21 Prozent aufwärts. Der SDAX mit weiteren Nebenwerten legte nur um elf Prozent zu.

Auf und Ab im Jahresverlauf

Für Anleger war das Jahr 2021 mehrfach mit heftigen Kursrückgängen verbunden. Auf die Aufbruchsstimmung an den Börsen nach Beginn der Impfkampagne im Frühjahr und Sommer folgten massive Rücksetzer. Lieferengpässe drohten die Konjunktur wieder abzuwürgen, das Inflationsgespenst ging um und nährte Befürchtungen einer restriktiveren Geldpolitik durch die Notenbanken. Im November trieb dann der "Omikron-Schock" den DAX von einem Allzeithoch von 16.290 Punkten noch einmal deutlich bergab, bevor er dann zu einem Jahresschlussspurt ansetzte.

International nur Mittelfeld

Im internationalen Vergleich schnitten die deutschen Indizes damit gut, aber nicht überragend ab. Die US-Börsenbarometer legten allesamt mehr als 20 Prozent zu, der Index der Technologiebörse Nasdaq schaffte sogar fast 30 Prozent Plus. Auch der europäische Auswahlindex Euro Stoxx 50 hängte den DAX mit rund 20 Prozent Performance ab. Der französische Auswahlindex CAC 40 stürmte um knapp 28 Prozent nach vorne, beim österreichischen ATX gab es gar ein Jahresplus von fast 40 Prozent.

Mehr Hoffnung als Skepsis für 2022

Vor dem Jahr 2022 scheint die Hoffnung der Anleger an den Finanzmärkten größer als die Skepsis. Die Börse dürfte auch in den ersten Wochen des neuen Jahres "wie ein Seismograf auf die Erkenntnisse und Zahlen zur Omikron-Variante des Coronavirus reagieren", meint Jürgen Molnar, Kapitalmarktstratege beim Broker RoboMarkets. Anleger hofften darauf, dass die wieder verschärften Pandemie-Beschränkungen nur vergleichsweise kurze Zeit in Kraft blieben.

Euro gefangen bei 1,13

Am Devisenmarkt hat der Euro ein eher schwaches Jahr gegenüber dem US-Dollar hinter sich. Bei Kursen von 1,17 gestartet, verlor die Gemeinschaftswährung zunehmend an Wert. Die Aussicht auf steigende Zinsen in den USA trieb den "Greenback" an. Zum Jahresschluss bewegte sich der Euro wie schon in den vergangenen Wochen in einer engen Handelsspanne bei 1,13 Dollar.

Öl wurde 2021 deutlich teurer

Die große Nachfrage einer sich erholenden Weltkonjunktur nach Treibstoff ließ die Notierungen für Rohöl im Jahresverlauf deutlich steigen. Eine unklare Förderpoltik des Ölkartells OPEC und knappe Lagerbestände trugen ebenfalls dazu bei. Ende Dezember kostet ein Barrel Öl der Nordseesorte Brent knapp 79 Dollar. Die US-Sorte WTI notiert bei rund 76 Dollar. Die "Krisenwährung" Gold ist zum Jahresende nicht mehr so stark gefragt wie während der Krisenphasen im laufenden Jahr. Der Preis für die Feinunze des Edelmetalls liegt derzeit wieder unter 1800 Dollar.

DAX-Gewinner Sartorius

Im DAX schloss die Aktie des Medizintechnik-Konzerns Sartorius nicht nur den Handelstag, sondern auch das ganze Börsenjahr als größter Gewinner des Leitindex ab. Auf Jahressicht stieg die Aktie um fast 72 Prozent. Mit dem Pharmakonzern Merck (plus 66 Prozent) und Siemens Healthineers (plus 56 Prozent) folgen zwei weitere Titel aus dem Bereich "Gesundheit" auf den Plätzen. Am Ende der DAX-Rangliste stehen am Jahresende Siemens Energy (minus 24 Prozent) und der Zalando (minus 23 Prozent).

Siemens Healthineers darf in den USA testen

DAX-Neuling Siemens Healthineers hat heute noch einen Erfolg in den USA erreicht: Die US-Arzneimittelbehörde FDA hat grünes Licht für den Covid-19 Antigen-Schnelltest von Siemens Healthineers gegeben. Der Test für Personen ab 14 Jahren habe die Notzulassung erhalten, teilen die Behörde und Siemens Healthineers mit. Der Schnelltest liefere ein Ergebnis innerhalb von 15 Minuten.

Halbleiter-Branche mit Lieferproblemen

Aktien von Halbleiter-Unternehmen wie Infineon aus dem DAX hatten ein gutes Börsenjahr, dank der hohen Nachfrage nach ihren Produkten. Derzeit leidet die Branche allerdings wieder unter Lieferschwierigkeiten. Händler verweisen auf Warnungen von Samsung Electronics und Micron, dass der anhaltende Lockdown in der chinesischen Metropole Xi'an die Halbleiterproduktion weiter beeinträchtigen könnte. Die Region steht für rund zehn Prozent der weltweiten Produktionskapazitäten für sogenannte NAND-Chips. Gestern hatte auch Infineon-Vorstand Helmut Gassel vor Lieferengpässen bis Ende 2022 gewarnt.

RWE schaltet ab

Nur einen Minigewinn von einem Prozent schaffte die RWE-Aktie 2021. Heute gab das Unternehmen bekannt, dass zum Jahresende Atom- und Kohlekraftwerke mit einer Gesamtkapazität von 2.200 Megawatt (MW) abgeschaltet werden. Am bayerischen Standort Grundremmingen werde als letzte Anlage des Atomkraftwerks der Siedewasserreaktor Block C mit rund 1.300 MW stillgelegt, so RWE. Im rheinischen Braunkohlerevier werden die 300-MW-Blöcke Neurath B, Niederaußem C und Weisweiler E abgeschaltet. Die Stilllegungen erfolgen im Rahmen des gesetzlich festgelegten Stilllegungsfahrplans und sind laut RWE der Bundesnetzagentur angezeigt worden.

Hugo Boss setzt auf die Türkei

Der Modekonzern will seine größte Produktionsstätte in der Türkei noch weiter ausbauen und die Fertigungen näher an die Verkaufsstandorte verlagern. Die Fabrik in Izmir will das Unternehmen aufstocken und die Zahl der Beschäftigten um 1000 und damit um ein Drittel erhöht werden, so Konzernchef Daniel Grieder der "Financial Times" am Donnerstag. Die Strategie des Unternehmens zielt in Zukunft noch stärker darauf, mehr Kleidungsstücke in der Nähe der Märkte zu produzieren, wo sie verkauft werden. Zudem will Boss einen Teil der Produktion in "City-Fabriken" in westlichen Ländern verlagern.

Evergrande wieder in Zahlungsverzug?

Die Immobilienkrise lässt die Finanzmärkte auch am letzten Handelstag des Jahres nicht los. Der hoch verschuldete chinesische Wohnungsbaukonzern China Evergrande offenbar erneut Zahlungsfristen ungenutzt verstreichen lassen. Einige Anleihegläubiger hätten die fälligen Kuponzahlungen noch nicht erhalten, berichtet Reuters. Evergrande hatte am Dienstag neue Kuponzahlungen im Wert von 255 Millionen Dollar für zwei Anleihen vom Juni 2023 und 2025 zu bedienen. Für beide Zahlungen gibt es eine 30-tägige Nachfrist.

Tesla kommt in Grünheide voran

Die erste europäische Produktionsstätte des US-Elektroautobauers Telsa mit Gestalt an. Tesla reichte nach Angaben der Brandenburger Landesregierung die noch fehlenden Dokumente für das Genehmigungsverfahren ein. Zum Ende der 50. Kalenderwoche seien die ausstehenden Unterlagen und Informationen eingegangen, die die Voraussetzung für eine Entscheidung über den Tesla-Antrag bildeten, so ein Sprecher des Umweltministeriums gegenüber der Nachrichtenagentur dpa. Diese Unterlagen würden nun unter anderem vom Landesamt für Umwelt und der Unteren Wasserbehörde des Landkreises Oder-Spree geprüft.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 30. Dezember 2021 um 12:00 Uhr.