Broker an der New Yorker Börse | picture alliance / newscom
Marktbericht

US-Börsen ohne klare Linie US-Anleger werden etwas vorsichtiger

Stand: 28.12.2021 22:27 Uhr

Nach zunächst gutem Start haben die Anleger an der Wall Street Gewinne mitgenommen, vor allem bei Tech-Aktien. Die führenden Aktienindizes präsentierten sich letztlich uneinheitlich.

Die US-Aktienmärkte haben sich heute im Handelsverlauf ohne klare Richtung präsentiert. Während die Standardwerte an der Wall Street mehrheitlich im Plus notierten, bewegten sich die Technologietitel an der Nasdaq überwiegend auf tieferem Terrain. Händler sprachen von einem unruhigen Handel mit geringen Umsätzen. Damit hat die Weichnachtsrally, die in New York "Santa-Claus-Rally" heißt und zuletzt für stark steigende Indizes gesorgt hatte, heute zumindest eine Pause eingelegt.

Negative Impulse lieferten im Handelsverlauf Nachrichten über einen weltweiten Rekordanstieg der Corona-Fälle. Damit rückt die Krise wieder etwas mehr in den Fokus, nachdem sie zuletzt ignoriert worden war.

Der Dow-Jones-Leitindex der Standardwerte war der einzige der großen Indizes, der am Ende im Plus stand. Er legte moderat um 0,26 Prozent zu auf 36.398 Punkte. Gewinnmitnahmen prägten hingegen das Geschäft an der Technologiebörse Nasdaq. Nach solider Eröffnung bröckelten die Notierungen, am Ende verlor der Composite-Index 0,56 Prozent auf 15.781 Punkte. Der Auswahlindex Nasdaq 100 gab um 0,48 Prozent nach auf 16.488 Zähler.

S&P-500 nach Rekord schwächer

Im besonderen Fokus der Investoren stand heute erneut der Benchmarkindex S&P-500. Dieser markierte im frühen Geschäft bei 4807 Punkten noch ein Rekordhoch, ehe die Gewinne im Gefolge abbröckelten. Am Ende schloss der Index bei 4786 Zählern, ein leichter Tagesverlust von 0,1 Prozent.

Der S&P 500, in dem sowohl Standard- als auch Technologieaktien enthalten sind, ist in den USA maßgeblich für den Erfolgsausweis der großen institutionellen Kunden. Er hat im Kalenderjahr bisher über 27 Prozent zugelegt und damit eine Erfolgsgeschichte geschrieben. Auch die Technologiebörse Nasdaq konnte bisher in ähnlicher Höhe zulegen, der Dow Jones bleibt mit rund 18 Prozent Zugewinn im Vergleich etwas zurück. Die Hoffnung auf eine starke Erholung "nach der Krise", aber auch das anhaltend billige Geld der Notenbank, hat den Aktienmärkten 2021 einen gewaltigen Schub gegeben.

Der DAX nimmt 16.000 Punkte ins Visier

Der deutsche Leitindex DAX knüpfte auch heute an seine jüngste Gewinnserie an und ist weiter gestiegen. Am Ende schloss der Index bei 15.963 Punkten, ein Tagesgewinn von 0,81 Prozent. Das Tageshoch lag bei 15.974 Zählern nur knapp höher. Damit rückt die Marke von 16.000 Punkten ebenso wieder ins Visier der Anleger, wie das Allzeithoch bei 16.290 Punkten aus dem November.

Es war für den Leitindex heute der fünfte Handelstag in Folge mit Gewinnen. Seit seinem Zwischentief am Montag vor Weihnachten hat er um sechs Prozent zugelegt.

Ist Omikron beherrschbar?

Zwar bleiben Sorgen über die Dauerhaftigkeit des Anstiegs angesichts geringer Umsätze und saisonal nicht unüblicher Handelsusancen zum Jahresultimo. Traditionell werden Positionen zum Jahresende nämlich aufgehübscht. "Wir sehen das bekannte Window Dressing", schreibt Analyst Marcel Mußler vom Börsenmagazin Mußler-Briefe. Der Terminus bezeichnet Aktienkäufe kurz vor Jahresende, um die Papiere noch im Portfolio vorweisen zu können.

Gleichzeitig steigt aber auch die Hoffnung, dass sich die Corona-Mutation Omikron als nicht so schwerwiegend erweisen könnte wie befürchtet, die Folgen für die Wirtschaft damit überschaubar bleiben: "Die jüngste Erholung wird getragen von Berichten, denen zufolge die Omikron-Variante des Coronavirus zwar ansteckender ist, aber zu weniger Krankenhaus-Aufenthalten und Todesfällen führt", sagt Analyst Charalambos Pissouros vom Brokerhaus JFD. In Kombination mit fehlenden anderen kursrelevanten Nachrichten und feiertagsbedingt dünnen Umsätzen sei dies die Basis für eine Jahresendrally.

Hellofresh an der DAX-Spitze

Titel von DAX-Neuling Hellofresh gewannen über zwei Prozent und waren damit Tagessieger im DAX. Die Aktie setzte damit ihre gestrige Erholung fort. Auch RWE-Aktien waren gesucht. Insgesamt waren die allermeisten der 40 DAX-Aktien am Ende im grünen Bereich zu finden.

Erneut gegen den Trend am Indexende, wenn auch nur mit moderaten Verlusten, stand das Daimler-Papier. Der Stuttgarter Konzern hatte zuletzt seinen Anteil am Elektroauto-Gemeinschaftsunternehmen Denza deutlich reduziert. Der chinesische Kooperationspartner BYD Auto Industry hält künftig 90 Prozent an der Firma. Gegründet worden war Denza als 50-50-Joint Venture im März 2012.

Euro bei 1,13 Dollar

Am Devisenmarkt handelt der Euro im US-Handel weiter etwas über der Marke von 1,13 Dollar. Damit notiert die Gemeinschaftswährung leicht unter den am späten Vorabend erreichten Niveaus. Die Europäische Zentralbank setzte den Referenzkurs auf 1,1331 (Montag: 1,1312) Dollar fest.

Der Euro bewegt sich bereits seit Mitte letzter Woche zumeist über 1,13 Dollar. Marktbeobachter begründeten dies mit der guten Grundstimmung an den europäischen Finanzmärkten zum Jahresende hin, die auch der Gemeinschaftswährung zugutekomme. Insgesamt dürften die Handelsvolumina am Devisenmarkt weiter niedrig bleiben.

Trotzdem, noch im Mai stand der Euro mit 1,2266 Dollar noch deutlich höher gegenüber dem US-Dollar. Hintergrund ist das sich abzeichnende Auseinanderdriften der Geldpolitik in der Eurozone und in den USA. Während die US-Notenbank den Ausstieg aus ihrer lockeren Geldpolitik beschleunigt und für 2022 laut aktuellen Prognosen mit insgesamt drei Zinsschritten rechnet, wird in der Eurozone noch keine Leitzinserhöhung erwartet.

US-Hauspreisanstieg bleibt auf hohem Niveau

Der Anstieg der US-Hauspreise hat sich im Oktober den dritten Monat in Folge abgeschwächt, bleibt aber auf hohem Niveau In den 20 großen Metropolregionen der Vereinigten Staaten stiegen die Preise gegenüber dem Vorjahresmonat zwar um 18,41 Prozent, wie aus dem heute in New York veröffentlichten S&P/Case-Shiller-Index hervorgeht. Im Vormonat hatte der Anstieg aber noch 19,09 Prozent betragen. Analysten hatten im Schnitt im Oktober mit 18,50 Prozent gerechnet. Im Vergleich zum Vormonat stiegen die Preise im Oktober um 0,92 Prozent, nach 0,96 Prozent im Vormonat.

Die Immobilienpreise haben in den vergangenen Monaten einen Höhenflug hingelegt. Dieser wurde durch die Pandemie ausgelöst. Viele Menschen zog es heraus aus den großen Städten in die Vorstädte. Die starke Nachfrage traf auf ein knappes Angebot. Gestützt wird der Markt auch durch die niedrigen Hypothekenzinsen. Hier zeichnet sich jedoch eine Wende ab, da die US-Notenbank schrittweise aus ihrer sehr lockeren Geldpolitik aussteigt.

Türkische Lira erneut mit Verlusten

Die türkische Währung gibt dagegen weitere Teile ihrer jüngsten Kursgewinne ab. Im Gegenzug gewannen Dollar und Euro zeitweise jeweils mehr als zwei Prozent. In der vergangenen Woche waren ihre Kurse wegen einer Staatsgarantie für Spareinlagen und milliardenschwerer Interventionen der Notenbank um etwa 45 Prozent eingebrochen. Weil die türkische Zentralbank die Zinsen trotz hoher Inflation niedrig hält, sind weitere Rekordtiefs der Lira nach Einschätzung von Experten aber nur eine Frage der Zeit.

Öl bleibt teuer

Die Ölpreise haben heute zunächst an ihre deutlichen Gewinne vom Vortag angeknüpft, konnten die Gewinne aber nicht halten. Sie waren zeitweise auf den höchsten Stand seit Ende November gestiegen. Bereits am Montag hatten die Ölpreise deutlich zugelegt.

Die Ausbreitung der Omikron-Variante des Coronavirus macht den Märkten mittlerweile weniger Sorgen, denn die Krankheitsschwere ist offenbar niedriger als bei der Delta-Variante. Geringere Einschränkungen durch die Corona-Krise würden auch die Nachfrage nach Rohöl beflügeln. Noch Ende November hatten Sorgen wegen konjunktureller Folgen der sich rasch ausbreitenden neuen Omikron-Variante die Ölpreise auf Talfahrt geschickt.

Aktien statt Kryotowährungen?

Im Gleichklang mit der Rally an den Aktienmärkten scheinen sich Investoren Richtung Jahresschluss von Krytowährungen zu verabschieden. Nachdem der Kurs des Bitcoins vergangene Woche wieder die Marke von 50.000 Dollar erreicht und gestern deutlich überschritten hatte, rutscht er nun auf unter 48.000 Dollar ab.

Ein genauer Grund für das plötzliche Absacken der Kurse der beiden größten Digitalwährungen war nicht ersichtlich. Händler erklärten die Kursausschläge mit den derzeit vor dem Jahresende weniger liquiden Märkten.

BASF verkauft Mineralstoff-Geschäft

DAX-Schwergewicht BASF verkauft sein Geschäft mit dem Mineralstoff Attapulgit an den Schweizer Spezialchemiekonzern Clariant. Auch der US-Produktionsstandort von BASF geht an die Schweizer. Der 60 Millionen Dollar schwere Zukauf soll im Sommer 2022 abgeschlossen werden. Der Mineralstoff auf Tonbasis wird unter anderen bei der Herstellung von Biokraftstoffen verwendet. BASF habe mit dem neuen Eigentümer einen langfristigen Liefervertrag abgeschlossen, erklärte der deutsche Chemiekonzern.

Autobauer hoffen auf China

Die Aktien der Autohersteller standen im Fokus, können aber anfangs stärkere Gewinne nicht halten. Sie profitierten zunächst von Nachrichten aus China. China schafft einem Medienbericht zufolge die Investitionsgrenzen für ausländische Autobauer im Pkw-Sektor ab. Die Änderung solle ab 2022 gelten, schreibt die Finanzzeitung "Nikkei" unter Berufung auf die zuständige Behörde.

China hatte im April 2018 mitgeteilt, die Branche für Ausländer in mehreren Schritten zu öffnen. Ausländische Autokonzerne sind damit in China nicht mehr zwingend auf einheimische Partner angewiesen.

Bundesregierung kauft Covid-Tablette von Pfizer

Die Bundesregierung kauft eine Million Packungen des Medikaments Paxlovid der US-Firma Pfizer gegen schwere Covid-Verläufe. Das sagte Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach der Deutschen Presse-Agentur in Berlin. Mit ersten Lieferungen werde noch im Januar gerechnet.

"Das Medikament ist extrem vielversprechend, weil es in der frühen Gabe den schweren Verlauf von Covid deutlich abschwächen kann. Ich rechne damit, dass wir damit zahlreiche schwere Verläufe auf den Intensivstationen verhindern können."

Mittel wie Paxlovid gelten unter Experten als eine Säule der Coronavirus-Bekämpfung. Sie sind aber im Vergleich zu vorbeugenden Impfungen deutlich teurer und in der Anwendung oft komplizierter mit vielen Nebenwirkungen. Auch die US-Gesundheitsbehörde FDA hatte erklärt, dass das Medikament für die breite Bevölkerung kein Ersatz für eine Impfung sei. Pfizer-Papiere geben nach.

Boeing 737 MAX darf wieder in Indonesien fliegen

Drei Jahre nach dem Absturz eines Passagierjets der indonesischen Fluglinie Lion Air darf das Unglücksmodell 737 MAX in dem Land wieder fliegen. Bei dem Unfall im Oktober 2018 waren 189 Menschen ums Leben gekommen. Das indonesische Verkehrsministerium teilte mit, nach einer Bewertung der von Boeing vorgenommenen Änderungen an dem Flugzeug haben man sich wie andere Länder zur Freigabe entschlossen. Die nationale Fluggesellschaft Garuda Indonesia werde das Modell jedoch nicht wieder in Betrieb nehmen, sondern sich auf ihre laufende Umschuldung konzentrieren, sagte Garuda-Chef Irfan Setiaputra zu Reuters.

S&T beruhigt die Anleger nur kurz

Aktien des österreichischen IT-Dienstleisters S&T aus dem SDAX haben ihre Anfangsgewinne bereits wieder aufgezehrt und notierten im Minus. Das Unternehmen lässt die von dem Finanzinvestor Viceroy Research erhobenen Vorwürfe extern prüfen. Viceroy Research habe in seinem Report zahlreiche weitreichende Fehleinschätzungen getroffen, die einer objektiven Prüfung nicht standhalten würden, so Unternehmenschef Hannes Niederhauser. Zur Untermauerung der Aussagen hat das Unternehmen eine externe Prüfung durch Deloitte in Auftrag gegeben. Zusätzlich werde vom Aufsichtsrat ein externer, unabhängiger Experte als Chief Compliance Officer bestellt. Hinter Viceroy Research steckt der durch die Wirecard-Pleite bekannte Spekulant Fraser Perring.

Mehr Windräder für Encavis

Aktien des Hamburger Solar- und Windparkspezialisten Encavis tendieren weiter leichter. Das Unternehmen hatte am Morgen bekannt gegeben, zwei Solarparks in Dänemark kaufen zu wollen. Gestern hatte das Unternehmen erklärt, seine Beteiligung an drei Windanlagen in Österreich zu verkaufen. Der Regionalversorger Wien Energie, der sich bereits vor einem Jahr mit 49 Prozent an den Windparks "Pongratzer Kogel" und "Herrenstein" in der Steiermark sowie "Zagersdorf" im Burgenland beteiligt hatte, übernehme nun auch die restlichen 51 Prozent, teilte Encavis gestern mit.

Über dieses Thema berichtete am 28. Dezember 2021 BR24 um 07:43 Uhr in der Börse und die tagesschau um 12:00 Uhr.