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Marktbericht

Rekordhoch beim S&P 500 US-Börsen auf Erholungskurs

Stand: 27.12.2021 22:24 Uhr

Die Weihnachtsrally ist in den USA allen Corona-Ängsten zum Trotz in vollem Gang. Kein Anleger will auf dem falschen Fuß erwischt werden, wenn es wie oft um diese Zeit mit den Kursen bergauf geht.

Die US-Aktienmärkte sind mit deutlichen Gewinnen auf breiter Front in die letzte Handelswoche des Jahres gestartet. Der Leitindex Dow Jones stieg um 0,98 Prozent auf 36.302 Punkte. Stärker bergauf ging es an der Technologiebörse Nasdaq, die 1,39 Prozent zulegte und bei 15.871 Zählern aus dem Handel ging. Der Auswahlindex Nasdaq 100 rückte um 1,59 Prozent auf 16.567 Zähler vor.

Neuer S&P-500-Rekord

Star des Tages war aber der marktbreite S&P-500-Index, der bei 4791 Punkten ein neues Rekordhoch markierte und auch auf diesem Niveau schloss. Prozentual war es ein Tagesgewinn von 1,38 Prozent. Der Index war schon am Donnerstag nur weniger als 20 Punkte unter seinem bisherigen Rekordhoch geblieben, eher die neue Bestmarke heute erreicht wurde.

Traumstart der Weihnachtsrally

Börsianer sprachen von einem guten Auftakt der "Santa-Claus-Rally" inmitten einer weiter steigenden Zahl von Coronavirus-Fällen. Als "Santa-Claus-Rally" wird ein siebentägiger Zeitraum bezeichnet, der die letzten fünf Handelstage des alten Jahres und die ersten beiden Handelstage des neuen Jahres umfasst. Seit dem Jahr 1969 hat der S&P-500-Index in dieser Periode im Durchschnitt um 1,3 Prozent zugelegt.

Bereits vor dem verlängerten Weihnachtswochenende hatten die drei Börsenbarometer eine mehrtägige Erholungsserie hingelegt. Auch die Jahresbilanzen der drei Indizes können sich sehen lassen: Die Nase vorn hat der Nasdaq 100 mit einem Wertzuwachs von bislang gut 28 Prozent, dicht gefolgt vom S&P 500, der um fast 27 Prozent zugelegt hat. Der Dow Jones Industrial hinkt mit einem Plus von gut 18 Prozent etwas hinterher.

US-Fluglinien unter Druck

Derweil verzeichneten Aktien der US-Fluggesellschaften Kursverluste, auch wenn diese im Verlauf eingegrenzt wurden. Airlines mussten wegen der grassierenden Coronavirus-Variante Omikron sowie schlechten Wetters über das Weihnachtswochenende hinweg Hunderte Flüge streichen. In den USA ist die Omikron-Variante mittlerweile dominant - die Corona-Fallzahlen waren zuletzt in die Höhe geschnellt. Vielerorts wurden Rekorde bei den täglich gemeldeten Neuinfektionen gebrochen.

US-China-Aktien geben nach

Die in den USA gelisteten Anteilscheine chinesischer Unternehmen litten ebenfalls wegen neuer Regeln der chinesischen Führung für eine Notierung von Aktien an ausländischen Börsen. So sanken die Papiere des Amazon-Konkurrenten Alibaba um 1,8 Prozent. Die zuletzt schon rekordtiefen Titel des Fahrdienstvermittlers Didi fielen um 5,3 Prozent.

DAX weiter im Aufwärtstrend

Der DAX hat zum Wochenstart da aufgehört, wo er vor Weihnachten aufgehört hat - mit Kursgewinnen. Der Index setzt damit seine jüngste Aufwärtsbewegung fort, was saisonal aber nicht unüblich ist. Er schloss bei 15.835 Punkten um 0,5 Prozent höher und schwankte dabei zwischen 15.697 und dem Tageshoch von 15.854 Punkten. Rückenwind für die Börsenbullen kam am Nachmittag dann noch aus New York, wo die großen US-Aktienindizes ebenfalls freundlich eröffneten.

Der eine oder andere Portfoliomanager betreibe sicher noch Bilanzkosmetik vor dem Jahreswechsel, sagte Analyst Timo Emden von Emden Research. Diese legten sich noch diejenigen Werte ins Depot, die in den vergangenen Monaten besonders gut gelaufen seien. Die Umsätze waren mäßig, auch weil mit London heute die größte europäische Börse geschlossen war.

Omikron schwebt über allem

"Eine Belastung stellen die nach wie vor hohen Infektionszahlen dar", warnte Analyst Jochen Stanzl vom Online-Broker CMC Markets. "Auch wenn das Infektionsgeschehen zumindest auf den ersten Blick etwas abflacht, könnte schon im neuen Jahr eine neue Omikron-Welle das gesellschaftliche, aber auch wirtschaftliche Leben lahmlegen."

Dem steht eine starke Saisonalität gegenüber, traditionell gehören die ersten Handelstage im Jahr zu den stärksten. Vor allem institutionelle Anleger bauen Positionen auf "neue Rechnung" auf. "Anleger wägen nun ab, welche der beiden Faktoren derzeit schwerer wiegen", so Stanzl weiter.

Merck auf Rekordhoch

Die meisten Einzelwerte im DAX legten zu. Besonders gefragt waren Titel des Chipherstellers und Tagessiegers Infineon, die zusammen mit dem Darmstädter Pharmakonzern Merck zu den größten Gewinnern gehörten. Vor allem Merck setzen damit ihren Siegeszug fort und markierten bei 229,30 Euro im Verlauf ein Rekordhoch.

Daimler-Titel gaben hingegen moderat nach. Der Stuttgarter Autobauer reduziert seinen Anteil am Elektroauto-Gemeinschaftsunternehmen Denza deutlich. Der Kooperationspartner, die chinesische BYD Auto Industry, halte künftig 90 Prozent an der Firma, teilte Daimler am Freitag mit. Die Stuttgarter begnügen sich mit den restlichen zehn Prozent

Euro stabil, türkische Lira wieder im Abwärtssog

Keine nennenswerten Ausschläge gibt es am Devisenmarkt. Der Euro bewegte sich im europäischen Handel lange um die Marke von 1,13 Dollar. Im US-Handel wird er bei 1,1324 Dollar noch etwas höher notiert, insgesamt bleiben die Ausschläge aber überschaubar. Die Europäische Zentralbank setzte den Referenzkurs auf 1,1312 (Freitag: 1,1319) Dollar fest. Marktbeobachter sprachen von einem weiterhin niedrigen Handelsvolumen.

Lira gibt wieder nach

Die Erholung der türkischen Währung scheint dagegen vorerst beendet. Dollar und Euro verteuern sich im Gegenzug wieder merklich. In der vergangenen Woche waren sie wegen einer Staatsgarantie für Spareinlagen und milliardenschwerer Interventionen der Notenbank stark eingebrochen. Zuvor war die türkische Landeswährung jedoch in schweres Fahrwasser geraten, da die türkische Notenbank trotz hoher Inflation von zuletzt 21 Prozent die Zinsen gesenkt hatte.

Ölpreise ziehen an

Die Ölnotierungen sind derweil im Handelsverlauf immer stärker ins Plus gedreht. Händler verwiesen auf die freundlichen Aktienmärkten. An den Finanzmärkten wächst die Zuversicht, dass die Ausbreitung der Omikron-Variante die wirtschaftliche Entwicklung weniger als zunächst erwartet belasten wird. Experten verwiesen auf die möglicherweise geringere Krankheitsschwere.

Wirtschaftsverbände überraschend positiv

Lieferengpässe und Omikron scheinen die Aussichten für die deutsche Wirtschaft nicht anhaltend zu trüben. Der Präsident des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW), Michael Hüther, sieht das in einer Umfrage unter 48 Verbänden ermittelte Stimmungsbild im "erstaunlich positiv". Dies zeige sich bei den Erwartungen mit Blick auf Investitionen, Beschäftigung und auch bezüglich der Produktion. Viele Sparten gingen davon aus, nächstes Jahr wieder das Vorkrisenniveau zu erreichen. Zudem gebe es die Hoffnung, dass sich die Lieferengpässe auflösten - sei es zur Jahresmitte oder erst im dritten Quartal.

Einzelhandel leidet unter Omikron

Der Handelsverband Deutschland (HDE) befürchtet allerdings, dass die Ausbreitung der besonders ansteckenden Corona-Variante Omikron dem Einzelhandel in den deutschen Innenstädten noch einmal einen Schlag versetzen wird. "Wenn die Inzidenzzahlen in die Höhe schnellen, werden wahrscheinlich wieder weniger Menschen in die Innenstädte kommen", sagte der Hauptgeschäftsführer des Handelsverbandes Deutschland (HDE) Stefan Genth der Nachrichtenagentur dpa. Weitere Konjunkturdaten, auch aus den USA, standen heute nicht mehr auf der Agenda.

T-Aktie zu gut gelaufen?

Aktien der Deutschen Telekom verbuchen leichte Gewinne. Das US-Analysehaus Bernstein Research hat das Kursziel für die T-Aktie von 28,80 auf 24,60 Euro gesenkt, die Einstufung aber auf "Outperform" belassen. Die Zielsenkung reflektiere die jüngsten Trends sowie die Ausblicke für die Telekommärkte Deutschland sowie USA, so Analyst Stan Noel in einer am Montag vorliegenden Studie. Trotz der Zielsenkung sieht der Experte noch ausreichend Kurspotenzial für eine Empfehlung der Aktien

Wacker bleibt auf Wachstumskurs

Der Münchner Spezialchemiekonzern will in der Sparte Biosolutions auch durch Übernahmen in den kommenden Jahren wachsen. 2030 soll die Sparte eine Milliarde Euro Umsatz einbringen, viermal so viel wie bisher. Die operative Rendite soll auf 25 Prozent von zuletzt etwa 15 Prozent steigen.

"Rein organisch werden wir das Umsatzwachstum wahrscheinlich nicht schaffen, wir schauen uns deshalb auch nach jungen Unternehmen um, deren Technologien unser Portfolio komplettieren", so Vorstandschef Christian Hartel gegenüber der "Frankfurter Allgemeine Zeitung".

Lufthansa-Aktie reduziert Verluste

Auf die Folgen der vielen Neuinfektionen mit Omikron reagierte die Aktie der Airline im MDAX mit Verlusten, am Ende verlor das Papier rund ein Prozent. Die Airline fliegt nach eigenen Angaben ohne weitere Flugausfälle in das neue Jahr. Der Flugbetrieb verlaufe regulär, sagte ein Lufthansa-Sprecher zu Reuters. Zu den vor Weihnachten wegen vermehrter Krankheitsausfälle beim Personal gestrichenen Langstreckenflügen seien keine weiteren hinzugekommen.

Talanx verkauft Russland-Tochter

Der Versicherungskonzern aus dem MDAX zieht sich zum Teil aus dem Russland-Geschäft zurück. Die Talanx-Tochter HDI International trennt sich von ihrem Lebensversicherer in Russland. Die CiV Life werde für einen nicht genannten Betrag an die russische Sovcombank verkauft, teilte Talanx mit. Die Aufsichtsbehörden müssen noch zustimmen. Mit dem Verkauf wolle man sich im Privat- und Firmenkundengeschäft weiter auf die Kernmärkte im Ausland konzentrieren, so Talanx. Mit einem Bruttoprämienvolumen von umgerechnet 83 Millionen Euro im Jahr 2020 ist die CiV Life ein kleinerer Lebensversicherer. Als Industrieversicherer bleibt HDI Global in Russland vertreten.

Apple Zulieferer mit Personalnot

Die indische iPhone-Fabrik des taiwanischen Technologieriesen Foxconn bleibt länger geschlossen. Das seit einer Woche wegen einer Massen-Lebensmittelvergiftung geschlossene Werk werde weitere drei Tage nicht geöffnet, hieß es. Inzwischen kontrolliere die Regierung die Unterkünfte der Arbeiter. Zuletzt mussten mehr als 250 Frauen wegen einer Lebensmittelvergiftung behandelt werden. In dem indischen Werk in der Nähe der Stadt Chennai arbeiten rund 17.000 Menschen. Am Donnerstag sollen dem Insider zufolge rund 1000 davon die Arbeit wieder aufnehmen. Apple kämpft bereits mit Lieferengpässen in Folge der Corona-Pandemie.

Strafen für Meta und Google in Russland

Ein russisches Gericht hat den US-Internetriesen Google und den Facebook-Konzern Meta zu ungewöhnlich hohen Geldstrafen verurteilt. Die Unternehmen hätten sich wiederholt geweigert, "verbotene Inhalte" zu löschen, teilte das Gericht am Freitag in Moskau der Agentur Interfax zufolge mit. Demnach muss Google 7,2 Milliarden Rubel (umgerechnet 86,8 Millionen Euro) und Meta, dem etwa auch die Plattform Instagram gehört, rund zwei Milliarden Rubel (24 Millionen Euro) zahlen. Die Höhe der Strafe habe sich erstmals am Jahresumsatz der Konzerne in Russland orientiert.

Über dieses Thema berichteten am 27. Dezember 2021 BR24 u.a. um 07:13 Uhr sowie um 08:42 Uhr und MDR aktuell um 09:11 Uhr.