Apple Store New York
Marktbericht

Robuste Wall Street Apple schiebt die Nasdaq an

Stand: 08.12.2021 22:17 Uhr

Nach den jüngsten Gewinnen ging es heute an der Wall Street ruhiger zu. Weiter robust präsentierte sich jedoch die Technologiebörse Nasdaq. Auch weil die Apple-Aktie ihren Siegeszug fortsetzte.

An der New Yorker Aktienbörse haben es die Anleger heute etwas ruhiger angehen lassen als zuletzt. Der Leitindex Dow Jones, gestern 1,4 Prozent im Plus, stieg nur leicht um 0,1 Prozent auf 35.754 Punkte. Die Technologiebörse Nasdaq, die gestern drei Prozent zugelegt hatte, rückte nach schwächerem Beginn erneut vor. Am Ende legte sie 0,64 Prozent zu auf 15.787 Punkte und auch der Auswahlindex Nasdaq 100 stieg um 0,42 Prozent auf 16.394 Punkte. Die Tech-Aktien ließen damit Zinsängste hinter sich und profitierten gleichzeitig von der zunehmenden Erleichterung in Sachen Corona.

Der marktbreite S&P-500-Index schloss bei 4701 Punkten um 0,31 Prozent höher. Die US-Märkte haben damit ihre Omikron-Sorgen vorerst beiseite geschoben und präsentierten sich erneut äußerst robust. Selbst die Aussicht auf steigende Zinsen schockt die Anleger nicht. Von einer Korrektur, die den Namen auch verdient, scheint die Wall Street jedenfalls weit entfernt.

Omikron-Erleichterung überwiegt

Mut machte Börsianern die Mitteilung von BioNTech und Pfizer, dass vorläufigen Ergebnisse von Laborstudien zufolge drei Dosen ihres Vakzins einen effektiven Schutz gegen die neu entdeckte Omikron-Variante des Coronavirus böten. Das sei eine gute Nachricht, sagte Analystin Fiona Cincotta vom Brokerhaus City Index. Jetzt komme es darauf an, die Booster-Impfungen so schnell wie möglich zu verteilen und neue Lockdowns zu verhindern.

Apple bald drei Billionen Dollar wert

Unterdessen setzten die Aktien von Apple ihre atemberaubende Rekordjagd fort. Sie gewannen 2,28 Prozent auf 175,08 Dollar und waren mit 175,96 Dollar im Verlauf teuer wie nie. Legen sie weitere rund fünf Prozent zu, durchbricht der Elektronik-Anbieter als erstes Unternehmen die Marke von drei Billionen Dollar bei der Marktkapitalisierung.

"Apple scheint gegen die Höhen und Tiefen der wirtschaftlichen Entwicklung immun zu sein", sagte Analystin Susannah Streeter vom Brokerhaus Hargreaves Landsdown. Das verdanke das Unternehmen seinem starken Markennamen.

Gewinnmitnahmen im DAX

Der DAX hat zur Wochenmitte nachgegeben und beendete damit zumindest kurzfristig seine kräftige Erholung der vorherigen beiden Handelstage. Diese hatte dem Index ein Plus von über 500 Punkten oder rund 3,5 Prozent beschert. Der DAX ging letztlich bei 15.687 Punkten aus dem Handel, ein Tagesverlust von 0,8 Prozent.

Es fehle nach der jüngst fulminanten Aufholjagd derzeit an Kaufanreizen, um die Kursdynamik aufrechtzuhalten, erläuterte Marktexperte Andreas Lipkow von Comdirect.

Omikron weiter im Fokus

Die Corona-Variante Omikron blieb auch heute das beherrschende Thema an der Börse. Als Kursstütze erwiesen sich wie später dann auch in New York zunächst die Aussagen des US-Pharmariesen Pfizer sowie seines Mainzer Partners BioNTech, demnach der gemeinsame Corona-Impfstoff gegen die neue Mutante zwar weniger wirksam als gegen bisherige Varianten. Bei drei Dosen - also nach einem Impfbooster - habe sich hingegen eine ähnlich neutralisierende Wirkung gezeigt wie bei zwei Dosen beim Urtyp des Virus.

"Diese ersten Daten lassen darauf schließen, dass eine Auffrischungsimpfung immer noch einen ausreichenden Schutz gegen eine durch die Omikron-Variante ausgelöste Erkrankung jeglicher Schwere bieten kann", erläuterte BioNTech-Chef Ugur Sahin die Ergebnisse der Laboruntersuchung.

BioNTech und Pfizer arbeiteten bereits an einem Varianten-spezifischen Impfstoff gegen Omikron. Sie gehen davon aus, diesen bis Ende März bereit stellen zu können, sollte eine Anpassung für einen höheren sowie langanhaltenderen Schutz notwendig sein

Dennoch bleibe die Nervosität hoch, warnte Neil Wilson, Chef-Analyst des Online-Brokers Markets.com. "Eine negative Schlagzeile kann die Stimmung schnell kippen lassen."

Risikofaktoren in China und Russland

Risiken kamen heute aus Fernost und Russland. An der Börse in Hongkong wurde der Handel mit Aktien des hochverschuldeten Immobilienentwicklers Kaisa ausgesetzt. Nach Angaben der Börse erfolgte der Handelsstopp auf Wunsch des Unternehmens. Kaisa nannte als Grund dafür die anstehende Veröffentlichung einer Ankündigung, die "Insider-Informationen" beinhalte. Die größte Gefahr für den Immobilienmarkt geht aber vom Immobilienriesen Evergrande aus, der große Schwierigkeiten hat, seine Kredite zu bedienen

Auch eine mögliche russische Aggression gegenüber der Ukraine könnte die Börsenrally schnell wieder abbremsen. Die USA sind offenbar mit Deutschland übereingekommen, im Falle einer russischen Invasion der Ukraine die umstrittene Pipeline Nord Stream 2 zu schließen. Dies hätten US-Regierungsvertreter Abgeordneten gesagt, erfuhr die Nachrichtenagentur Reuters von einem Kongressmitarbeiter.

Euro erholt sich

Der Euro erholte sich zur Wochenmitte weiter und wird im US-Handel bei 1,1349 Dollar wieder deutlich über der Marke von 1,13 Dollar gehandelt. Die Europäische Zentralbank setzte den Referenzkurs auf 1,1299 (Dienstag: 1,1256) Dollar fest. Händler sprachen von einem impulsarmen Handel, nennenswerte Konjunkturdaten gab es heute nicht.

Unter Druck stand dagegen das britische Pfund. Am Markt wurde auf einen Bericht der Zeitung "Financial Times" verwiesen, wonach die britische Regierung neue Corona-Beschränkungen beschlossen hat. Am Abend verkündete Premierminister Johnson dann die neuen Beschränkungen.

Die Maßnahmen sehen unter anderem die Aufforderung zum Arbeiten von zuhause vor, zudem eine Maskenpflicht für Theater und andere Innenräume sowie die Pflicht zum Vorlegen eines Immunitätsnachweises oder eines negativen Testergebnisses beim Einlass zu Großveranstaltungen und Nachtclubs. Die Regelungen sollen im Laufe der kommenden sieben Tage schrittweise in Kraft treten.

EZB bleibt weiter gelassen in Sachen Inflation

Laut EZB-Vizechef Luis de Guindos ist für nächstes Jahr mit einem Abflauen der Inflation zu rechnen. Er sei fest davon überzeugt, dass die Teuerungsrate 2022 zu sinken beginne, so de Guindos auf einer Finanzkonferenz. Allerdings räumte er ein, dass es etwas länger dauern dürfte, bis sich die Teuerungsrate dem Zielwert der Europäischen Zentralbank von 2,0 Prozent annähere. Die Inflationsrisiken seien moderat nach oben gerichtet.

Die damit im Vergleich zur US-Notenbank Federal Reserve (Fed) unverändert lockere Geldpolitik ist maßgeblich für die jüngste Euro-Schwäche verantwortlich. Eine Änderung ist nicht in Sicht, trotz auch in Europa höherer Inflationsraten.

Öl wenig verändert

Die Ölpreise haben sich trotz volatilem Handelsverlauf heute letztlich nur leicht nach oben bewegt. Prinzipiell erhalten die Notierungen Unterstützung durch die etwas abnehmende Corona-Angst. Allerdings drückte die Erkenntnis, dass die Schutzwirkung der bisherigen Impfstoffe geringer sei, die Kurse. An den vergangenen Tagen hatten die Ölpreise noch deutlich zugelegt.

"Zu nennenswerten Bremsspuren bei der Ölnachfrage ist es bislang nicht gekommen", schreibt Commerzbank-Analyst Carsten Fritsch. Selbst im Flugverkehr, der als erstes hätte betroffen sein müssen, sei es nur zu marginalen Rückgängen der Sitzplatzkapazitäten gekommen.

Der Goldpreis hat anfängliche Gewinne wegen der angespannten Situation zwischen Russland und der Ukraine wieder abgegeben und bewegte sich kaum.

Porsche und Symrise im DAX ganz vorne

Aktien der VW-Mutter Porsche Holding legten im DAX am stärksten zu. Volkswagen schaut sich Insidern zufolge einen Börsengang der Sportwagen-Tochter Porsche weiter als Möglichkeit an, um Mittel für den Schwenk zur Elektromobilität freizusetzen. VW-Vorzugsaktien schlossen dagegen klaum verändert.

Eine verhaltenere Meinung der UBS hat die Aktien von Givaudan heute kalt gelassen. Die Papiere des Schweizer Aromen- und Duftstoffherstellers kletterten mit 4803 Franken auf ein Rekordhoch und bauten ihr Jahresplus auf fast 29 Prozent aus. Viel fehlt auch den Papiere des deutschen Wettbewerbers Symrise aus dem DAX nicht bis zum Höchststand von 132,65 Euro. Sie liegen 2021 mit aktuell 130 Euro etwa 20 Prozent vorn und legten auch heute zu.

VW macht Hoffnungen in der Chipkrise

Volkswagen sieht gute Chancen, den globalen Chipmangel 2022 zusehends besser in den Griff zu bekommen. Für den Auf- und Ausbau der Batteriesparte tut sich der Autokonzern außerdem mit weiteren Partnern zusammen. Technik- und Investitionsschwerpunkte der nächsten fünf Jahre gehören auch zu den Themen des Aufsichtsrats, der sich am Donnerstag zu einer Sitzung treffen soll. Dabei könnten überdies einige wichtige Personalentscheidungen gefällt werden.

Ein starkes Leasing- und Gebrauchtwagengeschäft hat der Finanzsparte des VW-Konzerns (VWFS) derweil das bisher höchste Ergebnis in der Unternehmensgeschichte verschafft. Nun sollen weitere Investitionen etwa in die Online-Plattform Heycar fließen, die man europaweit ausbauen wolle. "2021 wird das beste Jahr aller Zeiten sein", sagte Vorstandschef Lars Henner Santelmann. Eine genaue Zahl nannte er noch nicht, hierfür müsse man den restlichen Dezember abwarten.

HelloFresh-Aktie fällt durch

Papiere des DAX-Neulings HelloFresh waren mit einem deutlichen Verlust von fast elf Prozent größter DAX-Verlierer. Die geringeren Wachstumsaussichten des Kochboxen-Versenders schmeckten Investoren nicht. HelloFresh geht für das kommende Jahr von einem schwächeren Umsatzplus zwischen 20 und 26 Prozent aus. Seit Beginn der Pandemie profitiert der zehn Jahre alte Anbieter von Lebensmitteln in sogenannten Kochboxen, die im Abo-Modell mit Rezepten und abgemessenen Zutaten direkt an die Haustür geliefert werden, von Hygienebeschränkungen und dem Trend zum Homeoffice. Hohe Investitionen in das Geschäftsmodell schmälern aber die Gewinne.

BMW macht Chip-Deal

BMW hat eine Partnerschaft mit dem Münchener Halbleiterhersteller Inova Semiconductors und dem US-Chipproduzenten Globalfoundries abgeschlossen. Jährlich bekomme BMW mehrere Millionen Speicherchips geliefert, so der Autobauer. Die Halbleiter werden zunächst im Elektroauto BMW iX und später auch bei anderen Modellen eingesetzt. Weltweit gibt es derzeit einen Mangel an Halbleitern, unter dem vor allem die Autohersteller leiden. BMW hatte Mitte November auch eine Kooperation mit dem US-Speicherchipkonzern Qualcomm vereinbart, um sich Lieferungen von Halbleitern für Autonomes Fahren zu sichern.

Post regelt Appel-Nachfolge

Vorstandschef Frank Appel bleibt nur bis 2023 Chef der Deutschen Post. Der im kommenden Jahr auslaufende Vertrag des 60-Jährigen ist laut der Post bis Mai 2023 verlängert worden. Appel hatte sich entschlossen, nicht für eine weitere volle Vertragslaufzeit zur Verfügung zu stehen. Nachfolger Appels an der Spitze der Post soll dann im Mai 2023 der jetzige Chef des deutschen Brief- und Paketgeschäfts, Tobias Meyer, werden. Er ist seit März 2019 Mitglied des Vorstands.

TUI hofft auf den Sommer

Die Corona-Pandemie hat dem weltgrößten Reisekonzern TUI den zweiten Milliardenverlust in Folge eingebrockt. Im Geschäftsjahr 2020/21 bis Ende September stand unter dem Strich ein Minus von fast 2,5 Milliarden Euro, wie das Unternehmen heute in Hannover mitteilte. Damit fiel der Verlust allerdings um rund ein Fünftel niedriger aus als ein Jahr zuvor. Nach einem kräftigen Geschäftszuwachs im Sommer und angesichts der bisherigen Buchungen für 2022 sieht TUI-Chef Fritz Joussen den Konzern jedoch auf dem Weg aus der Krise. Die Aktie steht heute dennoch unter Druck.

Hornbach im Handwerker-Boom

Aktien des Baumarktkonzerns Hornbach Holding gewannen im SDAX rund zehn Prozent. Hornbach ist für das laufende Geschäftsjahr 2021/22 (bis Ende Februar) optimistischer. Er peilt nun ein Umsatzwachstum von zwei bis sieben Prozent an. Das bereinigte Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) soll nun bei 330 bis 380 Millionen Euro liegen, ebenfalls höher als zuletzt erwartet. Im dritten Quartal stiegen die Erlöse konzernweit im Jahresvergleich um 2,2 Prozent auf 1,4 Milliarden Euro. Das bereinigte Ebit ging aber deutlich um 16,3 Prozent auf 55,9 Millionen Euro zurück.

Facebook-Chef investiert in Gesundheitsforschung

Die Wohltätigkeitsorganisation von Facebook-Chef Mark Zuckerberg und seiner Frau Priscilla Chan will über die kommenden zehn bis 15 Jahre bis zu 3,4 Milliarden Dollar in medizinische Forschung investieren. Die neue Initiative solle dazu beitragen, jeglichen biologischen Prozess im menschlichen Körper über einen längeren Zeitraum zu beobachten, zu messen und zu analysieren, teilte die Chan-Zuckerberg-Initiative (CZI) am Dienstag (Ortszeit) mit.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 08. Dezember 2021 um 07:35 Uhr.