Händler an der New Yorker Börse
Marktbericht

Wall Street dreht ins Minus Omikron erreicht die USA

Stand: 01.12.2021 22:25 Uhr

Während in Europa die Omikron-Sorgen heute nachließen, hat der erste Fall in den USA die Wall Street verunsichert. Die Corona-Virus-Mutante sorgt damit weiter für viel Bewegung an den Märkten.

Der erste Infektionsfall mit der neuen Omikron-Variante des Coronavirus in den USA machte am Mittwoch der Wall Street zu schaffen. Der Leitindex Dow Jones, die Tech-Börse Nasdaq und der S&P 500 gaben ihre teils kräftigen Anfangsgewinne wieder ab und notierten am Ende allesamt im Minus. Nach gutem Start hat die Omikron-Meldung wohl so manchen US-Anleger auf dem falschen Fuß erwischt, wobei sich die Verluste im späten Geschäft ausweiteten.

Am Ende alles tief rot

Der Dow ging bei 34.022 Punkten und damit fast genau 1000 Punkte unter seinem Tageshoch von 35.004 Punkten aus dem Handel, letztlich ein Tagesverlust von 1,34 Prozent. Auch an der Nasdaq lag das Schlussniveau ebenfalls deutlich unter ihren Tageshöchstständen und im Minus. Der Composite-Index schloss bei 15.254 Punkten, ein Verlust von 1,83 Prozent. Der Auswahlindex Nasdaq 100 lag am Ende bei 15.877 Punkten um 1,6 Prozent im Minus. Der marktbreite S&P-500-Index, der sich lange noch in der Gewinnzone behauptete, rutschte im späten Geschäft ebenfalls noch um 1,27 Prozent ins Minus auf 4509 Punkte. Im Tageshoch lag der Index ebenfalls deutlich höher notiert bei 4653 Punkten.

Erster Fall in Kalifornien

Die anfangs gute Börsenstimmung am Markt war spätestens nach der Nachricht der US-Seuchenbehörde CDC verflogen, der zufolge bei einer vollständig geimpften Person, die aus Südafrika zurückgekehrt war, Omikron nachgewiesen wurde. Die Variante sei im Bundesstaat Kalifornien bei einer Person entdeckt worden, die am 22. November aus Südafrika zurückgekehrt sei, teilte die Behörde weiter mit.

Die Person sei vollständig geimpft, habe milde Symptome, sei in Quarantäne und bereits auf dem Weg der Besserung. US-Präsident Joe Biden hatte angesichts der neuen Variante bereits vor einigen Tagen vor übertriebener Angst gewarnt und erneut zum Impfen aufgefordert.

US-Wirtschaft wird durch Lieferprobleme gebremst

Der traditionell vielbeachtete Wirtschaftsausblick der Notenbank Federal Reserve (Fed), das sogenannte Beige Book, trat in den Hintergrund. Die US-Wirtschaft wächst laut Fed derzeit in einem mäßigen bis moderaten Tempo. Zurückgehalten wird das Wachstum vor allem durch die vielseitigen Lieferschwierigkeiten im Welthandel. Die Probleme lassen sich weitgehend auf Folgen der Corona-Pandemie zurückführen. Fachleute rechnen nicht mit einem schnellen Abklingen.

Der Konjunkturausblick sei durch die Frage bestimmt, wie lange die Lieferschwierigkeiten und die Engpässe am Arbeitsmarkt noch anhielten, heißt es in dem Bericht. Preisanhebungen habe es auf breiter Front gegeben. Gründe seien steigende Preise für zahlreiche Vorprodukte und Rohstoffe, Logistikprobleme und der enge Arbeitsmarkt mit einem Mangel an Arbeitskräften.

Salesforce-Ausblick enttäuscht

Unter den Einzelwerten sorgte ein verhaltener Ausblick des Softwarekonzerns Salesforce trotz eines guten Quartalsergebnisses für lange Gesichter. Die Aktie fiel kräftig über zehn Prozent. Ähnlich wie bei Salesforce sah es beim Informationstechnikunternehmen Hewlett Packard Enterprise aus: Auch hier überwog ein enttäuschender Ausblick einen guten Quartalsbericht. Die HPE-Aktie gab aber nur leicht nach.

Die DAX-Bullen sind wieder da

Zur Wochenmitte haben sich die "Börsenbullen" eindrucksvoll zurückgemeldet. Der DAX baute im späten Geschäft seine Gewinne noch aus und schloss letztlich um 2,47 Prozent höher bei 15.472 Punkten. Im Tageshoch war der Leitindex sogar bis auf 15.509 Zähler gestiegen. Er schaffte es auch wieder über die 200-Tage-Linie, einen wichtigen technischen Indikator für den längerfristigen Trend.

Damit hat der DAX einen Teil der heftigen Verluste der letzten Handelstage wieder aufgeholt. Denn mittlerweile blicken die Anleger hierzulande wieder gelassener auf die Verbreitung der neuen Corona-Mutation Omikron. "Anleger nutzen die jüngsten Kursrücksetzer für Käufe, da die neue Coronavirus-Variante wohl nicht so verheerend sein wird wie zunächst gedacht", sagte Analyst David Madden vom Brokerhaus Equiti Capital.

BioNTech-Chef beruhigt die Gemüter

Auf dem deutschen Börsenparkett kamen vor allem Äußerungen von BioNTech-Chef Ugur Sahin über die Wirksamkeit des Impfstoffs auch gegen die Omikron-Variante als Beruhigungspille gut an. Niemand solle wegen Omikron die Nerven verlieren, vielmehr gehe es jetzt darum, allen möglichst schnell Auffrischungsimpfungen zu verabreichen, sagte Sahin dem "Wall Street Journal". Omikron könne zu mehr Infektionen führen, aber der von BioNTech und Pfizer auf den Markt gebrachte Impfstoff habe auch bei anderen Varianten gut gegen schwere Erkrankungen geschützt.

Moderna erwartet Omikron-Impfung nicht vor März

Deutlich skeptischere Aussagen von Moderna-Chef Stephane Bancel zur Wirksamkeit der bisherigen Impfstoffe gegen Omikron hatten gestern die Börsen belastet. Bancel sagte in der "Financial Times", bestehende Impfstoffe dürften mit der Omikron-Variante ihre Probleme haben.

Moderna könnte derweil nach eigenen Angaben eine gezielte Auffrischungsimpfung für Omikron ab März entwickelt und für einen Zulassungsantrag in den USA bereit haben. Moderna-Präsident Stephen Hoge sagte heute, der ganze Vorgang könne drei bis vier Monate dauern. "Die Omikron-spezifischen Booster kommen realistischerweise nicht vor März und vielleicht eher im zweiten Quartal."

Beide Impfstoffaktien gaben an der Nasdaq nach, vor allem Moderna verloren deutlich um 11,87 Prozent auf 310,61 Dollar.

Autoaktien im DAX vorn

Im DAX notierten die Autowerte ganz vorne. VW und Daimler gewannen je rund vier Prozent. Der Daimler-Konzern wird in einen Auto- und einen Lkw-Hersteller aufgespalten. Dazu wird die bisherige Sparte Daimler Truck mit weltweit über 100.000 Mitarbeitern aus dem Konzern herausgelöst und in die unternehmerische Selbstständigkeit entlassen.

Das Vorhaben wird seit Monaten intensiv vorbereitet. Die Aktionäre des Autoherstellers hatten Anfang Oktober grünes Licht gegeben. Daimler Truck will am 10. Dezember an die Börse gehen. Tagessieger im Leitindex waren Infineon, im Gegenzug gaben die Aktien der Corona-Profiteure nach, etwa der Tagesverlierer HelloFresh, Delivery Hero oder Zalando.

Zinsängste "eingepreist"

Auch die Aussicht auf eine baldige Straffung der US-Zinsen prallte heute am Markt ab. US-Notenbank-Chef Jerome Powell warnte vor dem Kongress vor einer anhaltend höheren Inflation in den Vereinigten Staaten. Die Notenbank werde ihre Instrumente zur Abkühlung der Preise einsetzen. Von diesem Schock hätten sich die Marktteilnehmer nun erholt, die warnenden Worte Powells seien wohl "eingepreist", kommentiert Marktexperte Andreas Lipkow von Comdirect.

Euro schwächlet am Abend

Der Euro hat sich im europäischen Handel heute nach starken Kursverlusten am Vortag über 1,13 US-Dollar stabilisiert. Im US-Handel wird die Gemeinschaftswährung aber wieder bei 1,1313 Dollar tiefer gehandelt und damit etwa auf dem gleichen Niveau wie am Morgen. Die Europäische Zentralbank setzte den Referenzkurs auf 1,1314 (Dienstag 1,1363) Dollar fest.

Gestern war der Euro zeitweise stark unter Druck geraten. Die Dollar-Stärke hatte den Kurs der Gemeinschaftswährung nach den Aussagen von Jerome Powell in kurzer Zeit um mehr als einen Cent fallen lassen.

Neue Konjunkturdaten konnten dem Euro am Vormittag keine Richtung geben. Im November hellte sich die Stimmung in den Industriebetrieben der Eurozone leicht auf. Der deutsche Einzelhandel kommt hingegen noch immer nicht richtig in Schwung. Im Oktober gingen gingen die Umsätze real (also preisbereingt) um 0,3 Prozent gegenüber dem Vormonat zurück, wie das Statistische Bundesamt mitteilte. Analysten wurden vom Dämpfer überrascht. Die Industriestimmung in den USA lag derweil in einer zweiten Schätzung leicht unter den Prognosen.

Türkische Notenbank interveniert

Etwas Entspannung verschaffte die türkische Notenbank der im Abwärtsstrudel befindlichen Landeswährung Lira. Erstmals seit längerer Zeit intervenierte die Zentralbank direkt am Devisenmarkt. Ein Großteil des Effekts verpuffte allerdings. Währungsexperten sind skeptisch und verweisen auf die geringen Devisenreserven der Notenbank, die anhaltende Interventionen unwahrscheinlich erscheinen lassen. Hintergrund des Eingriffs ist die extreme Lira-Schwäche, die eine Folge der lockeren Ausrichtung der Notenbank ist. Kritiker sprechen von politischer Beeinflussung seitens Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan.

Ölpreise ebenfalls im Rückwärtsgang

Die Ölpreise haben anfänglich stärkere Gewinne nach dem Corona-Dreh an der Wall Street ebenfalls abgegeben. Die Omikron-Nachrichtenlage sorgt damit auch beim Preis für das schwarze Gold für wilde Bewegungen.

"Mit rationalen Argumenten kann man diese Preisbewegung kaum noch erklären", so Rohstoffexperte Carsten Fritsch von der Commerzbank. Offenbar werde am Markt davon ausgegangen, dass die Omikron-Variante zu ähnlich starken Auswirkungen auf die Ölnachfrage führen könnte wie der Ausbruch der Pandemie.

Die großen Exportländer aus dem Opec+-Kartell wollen angesichts eines drohenden Nachfragerückgangs durch die neue Corona-Variante Omikron über ihre Förderpolitik beraten. Mit Ergebnissen wird morgen gerechnet.

RWE wird Großauftrag zugelost

Der Energiekonzern RWE hat in Dänemark einen Auftrag zum Bau eines Offshore-Windparks an Land gezogen. RWE sei per Los aus der Ausschreibung als Sieger hervorgegangen, teilte die dänische Energiebehörde heute mit. Bei dem Windpark handele es sich um den bislang größten seiner Art in Dänemark. Das Land sei einer der wichtigsten Offshore-Märkte in Europa mit großen Wachstumsambitionen, erklärte RWE. Der Windpark mit dem Namen Thor werde vor der dänischen Westküste errichtet und solle im Jahr 2027 seinen vollen Betrieb aufnehmen. RWE-Papiere stiegen im DAX überdurchschnittlich um rund drei Prozent.

FMC verkleinert Vorstand

Der Dialysekonzern Fresenius Medical Care (FMC) verschlankt seinen Vorstand von acht auf fünf Mitglieder. Die Manager Harry de Wit, Vorstand für die Region Asien-Pazifik, Produktionsvorstand Kent Wanzek und Olaf Schermeier, verantwortlich für Forschung und Entwicklung, werden in das Executive Committee, das oberste Leitungsgremium direkt unterhalb des Vorstands, wechseln. Damit wird die Besetzung des Vorstands an das neue Betriebsmodell angepasst, das 2023 eingeführt werden soll, wie FMC erklärte. Rice Powell bleibt Vorstandschef, Finanzchefin Helen Giza wird zusätzlich die Rolle des Chief Transformation Officer (CTO) übernehmen.

Symrise verlängert Vertrag mit Vorstandschef Bertram

Heinz-Jürgen Bertram bleibt Vorstandschef des Duft- und Aromenherstellers Symrise. Der Aufsichtsrat verlängerte den Vertrag des 63-Jährigen vorzeitig für drei weitere Jahre, wie das Unternehmen aus dem niedersächsischen Holzminden mitteilte.

Bertram steht seit 2009 an der Spitze von Symrise, baute den Konzern weiter aus und führte ihn zuletzt im September in den Leitindex DAX. Symrise bekräftigte zudem seine mittelfristigen Geschäftsziele. Der Umsatz soll bis 2025 auf 5,5 bis 6,0 Milliarden Euro steigen, die operative Umsatzrendite (Ebitda-Marge) soll sich auf 20 bis 23 Prozent belaufen. 2020 setzte Symrise 3,52 Milliarden Euro um und erzielte bei einem operativen Ergebnis von 742 Millionen Euro eine Marge von 21,1 Prozent

Lufthansa im MDAX vorn

Papiere von Lufthansa lagen im Index der zweiten Reihe knapp fünf Prozent im Plus und gehörten damit an den größten Gewinnern. Damit wurden ebenfalls einige der Verluste aus den vergangenen Tagen wieder wettgemacht. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hatte sich gestern gegen allzu starke Reisebeschränkungen und für konsequentes Testen von Reiserückkehrern ausgesprochen. Auch andere Aktien aus dem Reise- und Freizeitsektor legten heute zu.

Schluss mit Zooplus an Börse

Der Online-Tierbedarfshändler Zooplus soll nach der milliardenschweren Übernahme durch Finanzinvestoren von der Börse verschwinden. Vorstand und Aufsichtsrat empfehlen den verbleibenden Aktionären die Annahme des Delisting-Angebots von Hellman & Friedman und EQT, wie das Unternehmen mitteilte. Bislang haben laut Zooplus fast 90 Prozent der Aktionäre ihre Anteilsscheine an die Investoren abgegeben. Der Rest hat noch bis zum 12. Januar Zeit, seine Aktien für 480 Euro anzudienen. Das Delisting werde voraussichtlich mit Ablauf dieser Frist wirksam, hieß es weiter.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 01. Dezember 2021 um 10:00 Uhr.