Händler an der New York Stock Exchange | REUTERS
Marktbericht

Dow Jones hinkt DAX hinterher Zinssorgen an der Wall Street

Stand: 17.11.2021 21:59 Uhr

Nach überraschend guten Konjunkturdaten wächst in den USA die Sorge vor einer Zinserhöhung im nächsten Jahr. Das brachte heute die Wall Street aus dem Takt. Der DAX hingegen kletterte in neue Rekordhöhen.

Mehrere amerikanische Einzelhandelsketten stellen sich auf ein glänzendes Weihnachtsgeschäft ein. Schon jetzt decken sich Verbraucher mit allerlei Weihnachtsartikeln ein. Damit trotz der Engpässe vor der Weihnachtssaison die Regale ausreichend gefüllt sind, rüsten sich große US-Einzelhändler für den wachsenden Bedarf und chartern etwa Containerschiffe oder leasen Frachtflugzeuge. Weil die Amerikaner aus Angst vor leeren Regalen schon früh mit ihren Weihnachtseinkäufen begonnen haben, hoben der US-Einzelhandelsriese Walmart und heute auch Rivale Target die Umsatzprognose für das Weihnachtsgeschäft an.

Zinswende schon im nächsten Jahr?

Die starken Einzelhandelsumsätze verstärken die Spekulationen auf eine baldige Zinswende in den USA. "Die gute Nachricht für die Anleger ist, dass die Gesamtnachfrage den Inflationsanstieg bisher zu verkraften scheint", erklärten die Analysten der Bank of America. "Die schlechte Nachricht ist, dass die Kombination aus robuster Nachfrage und einem großen Angebotsschock ein starkes Argument für eine Straffung durch die Fed darstellt." Schon Mitte kommenden Jahres könnte die Fed die Leitzinsen anheben, befürchten die Börsianer.

Dow fällt unter 36.000 Punkte

Die Angst vor einer früher als erwartet kommenden Zinswende zog heute die Wall Street nach unten. Der Dow Jones verlor knapp 0,6 Prozent und fiel auf unter 36.000 Punkte. Damit wurden die gestrigen Kursgewinne wieder aufgezehrt. Auch der breiter gefasste S&P 500 büßte 0,3 Prozent auf knapp 4.689 Zähler ein. Nur die Nasdaq konnte zulegen.

DAX eilt von einem Rekord zum nächsten

Trotz des Gegenwinds aus den USA behauptete sich der DAX im Plus. Er setzte seine Gewinnserie fort und schloss 0,02 Prozent fester. Mit 16.283 Punkten erreichte der deutsche Leitindex ein neues Rekordhoch - trotz weiter steigender Corona-Neuinfektionszahlen und drohender Restriktionen, die die Wirtschaft belasten könnten. "Der DAX läuft und läuft und läuft", kommentierte Indexexperte Uwe Streich von der Landesbank Baden-Württemberg die jüngste Serie mit DAX-Bestmarken. Die nächste Marke von 16.300 Punkten rückt immer näher.

Wie hoch geht's noch?

Der schwächelnde Euro und der leichte Ölpreisrückgang stützten heute den deutschen Aktienmarkt. Vieles deutet daraufhin, dass die meisten Anleger auf eine anhaltende Jahresendrally setzen. "Die Börsianer scheinen sich im Moment nur eine Frage zu stellen: Wie hoch kann der DAX noch fliegen?", sagt Marktbeobachter Thomas Altmann vom Vermögensberater QC Partner.

Warnzeichen mehren sich

Trotz des anhaltenden Rekordlaufs an den Börsen mehren sich die Warnzeichen, sagte Marktexperte Altmann. "Es gibt immer noch Fragezeichen bei Schlüsselthemen“, räumte Roland Kaloyan, Stratege bei der französischen Bank Société Générale, ein. Unklar sei, wie sich die hohen Energie- und Rohstoffpreise, die Lieferkettenprobleme, die Abschwächung der Wirtschaftsdynamik in China und die nahende geldpolitische Wende der Fed auf die europäischen Märkte auswirken.

Euro rutscht weiter ab

Spekulationen auf eine bevorstehende Zinserhöhung in den USA stärken den Dollar gegenüber vielen anderen Leitwährungen. Der Dollar-Index, der den Kurs zu wichtigen Währungen widerspiegelt, stieg heute auf bis zu 96,26 Punkte. Der Euro gab im Gegenzug bis auf 1,1263 Dollar nach und war damit so billig wie seit Juli 2020 nicht mehr.

Öl wieder günstiger

Die Warnung der Internationalen Energieagentur (IEA) und der OPEC vor einem drohenden Überangebot belastete den Ölpreis. Die Sorte Brent aus der Nordsee gab um 0,5 Prozent auf 82,05 Dollar pro Barrel nach. Der Preis für die US-Sorte WTI verbilligte sich um knapp ein Prozent auf 80,08 Dollar pro Fass. Die IEA teilte am Dienstag mit, die US-Ölproduktion werde wegen des hohen Preisniveaus 2022 wieder steigen. OPEC-Generalsekretär Mohammed Barkindo sagte zugleich, die Gruppe der Ölförderländer sehe ab nächsten Monat Anzeichen für einen Angebotsüberschuss.

VW herabgestuft

Im DAX zählte VW zu den schwächsten Werten. Die Titel verloren nach einer Herunterstufung durch die Investmentbank Exane. Diese hat die Titel auf "Underperform" von "Neutral" heruntergenommen. VW hatte am Morgen erklärt, dass das Unternehmen angesichts steigender Corona-Zahlen wieder mehr Mitarbeiter aus dem Homeoffice arbeiten lassen will.

Siemens Healthineers legt dank Übernahme zu

Dagegen kamen neue Nachrichten zur ehemaligen Siemens-Tochter gut am Markt an. Der Medizintechnikkonzern will sein Wachstum in den kommenden Jahren beschleunigen. Überdurchschnittlich wachsen soll dabei die US-Neuerwerbung Varian. Der Krebsspezialist soll den vergleichbaren Umsatz um neun bis zwölf Prozent pro Jahr steigern und bis 2025 eine Marge von über 20 Prozent erreichen. Healthineers hatte die milliardenschwere Übernahme im April abgeschlossen.

Commerzbank will eigenständig bleiben

Die Commerzbank will mit ihrem umfassenden Umbau ihre Unabhängigkeit sichern, so Vorstandschef Manfred Knof am Mittwoch auf einer Wirtschaftskonferenz der "Süddeutschen Zeitung". Je erfolgreicher die Bank dabei sei, desto mehr Rückenwind gebe es. Auch im Aktienkurs sei in einem Jahr schon einiges geschafft. Das Institut befindet sich in einem tiefgreifenden Umbau, der den Abbau von 10.000 Stellen bis 2024 vorsieht. Unter anderem soll das Filialnetz in Deutschland auf 450 Zweigstellen schrumpfen. Zuletzt waren es noch 790 Filialen.

Talanx will profitabler werden

Der Versicherungskonzern Talanx (HDI) will sein Geschäft in der Erstversicherung in den kommenden Jahren kräftig ausbauen und deutlich profitabler machen. Die Industrieversicherung sowie die Privat- und Firmenversicherung Deutschland und International sollen bis 2025 eine Eigenkapitalrendite von jeweils mehr als zehn Prozent erreichen. Damit kämen die Bereiche auf ein ähnlich hohes Niveau wie die Rückversicherungstochter Hannover Rück, an der Talanx gut die Hälfte der Anteile hält.

Auto1 mit Rekordquartal

Die zuletzt belastete Aktie des Gebrauchtwagen-Onlinehändlers Auto1 legt am Morgen zu. Der Börsenneuling hat nach einem Rekordquartal seine Umsatz- wie auch die Ergebnisprognose für das Gesamtjahr angehoben. Im dritten Quartal stieg der Umsatz um 64 Prozent auf bisher nie erreichte 1,26 Milliarden Euro. Das Rohergebnis kletterte um 34 Prozent auf 116 Millionen Euro. Auto1 ist seit Februar börsennotiert und inzwischen im Mittelwerteindex MDAX vertreten.

FMC baut Jobs in Deutschland ab

Der geplante Abbau von weltweit 5000 Jobs beim Dialysekonzern Fresenius Medical Care soll auch die Belegschaft in Deutschland treffen. Das DAX-Unternehmen habe die Beschäftigten informiert, dass man 500 bis 750 Stellen hierzulande streichen wolle, sagten die Gesamtbetriebsratsvorsitzende Stefanie Balling und IG-BCE-Bezirksleiter Ralf Erkens der Nachrichtenagentur dpa. Betroffen dürften alle Bereiche am Hauptsitz in Bad Homburg sein, aber auch weitere Standorte in Deutschland. Ein Sprecher bestätigte, dass 500 bis 750 Stellen an deutschen FMC-Standorten "innerhalb von zwei bis drei Jahren" abgebaut werden könnten.

Pfizer-Medikament kommt

Das Pharmaunternehmen Pfizer hat in den USA eine Notfallzulassung für sein Covid-19-Medikament Paxlovid beantragt. Die entsprechenden Unterlagen wurden bei der US-Arzneimittelbehörde FDA eingereicht. Die in einer jüngsten Studie ermittelte Wirksamkeit des Medikaments verdeutliche, dass oral einzunehmende antivirale Therapien eine entscheidende Rolle im Kampf gegen Covid-19 spielen könnten, so Konzernchef Albert Bourla. Nach Angaben des Unternehmens von Anfang November verhindert die Corona-Pille sehr erfolgreich schwere Krankheitsverläufe bei Hochrisikopatienten.

Cisco enttäuscht

Der US-Netzwerkausrüster Cisco sieht seine Geschäfte durch die Lieferketten-Probleme und dadurch bedingte höhere Kosten belastet. Für das laufende Quartal sagte der Konzern am Mittwoch ein Umsatzwachstum von 4,5 bis 6,5 Prozent voraus. Analysten haben im Schnitt mit einem Plus von 7,4 Prozent gerechnet. Die Cisco-Aktien verloren nachbörslich rund 6,3 Prozent.

Sono Motors elektrisiert die Börse

Der Münchner Solarauto-Bauer Sono Motors ist am Mittwoch erfolgreich an der US-Technologiebörse Nasdaq gestartet. Die Aktie schoss im Handelsverlauf um fast 155 Prozent auf 38,20 Dollar nach oben. Durch den Börsengang wird Sono voraussichtlich netto rund 135 Million Dollar erlösen und dürfte die drohende Insolvenz abwenden: Sono Motors platzierte 10 Millionen Stammaktien für 15 Dollar je Aktie. Das entspricht 15 Prozent der Unternehmensanteile.

Qualcomm wächst auch ohne Apple

Der US-Halbleiterhersteller Qualcomm bleibt auch ohne seinen Hauptkunden Apple auf Wachstumskurs. Die zurückgehenden Umsätze mit dem iPhone-Hersteller werde Qualcomm mit steigenden Erlösen in der Autoindustrie und anderen Branchen mehr als wettmachen, so Firmenchef Cristiano Amon bei einer Investorenkonferenz. Künftig sollen Qualcomm-Chips vermehrt bei autonom fahrenden Autos, in vernetzten Technologien wie dem "Internet of Things" oder in kabellosen Kopfhörern oder Smartwatches verbaut werden. Die Aktien legen rund acht Prozent zu.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 17. November 2021 um 09:05 Uhr.