Broker handeln an der New Yorker Börse | picture alliance/dpa/AP
Marktbericht

Gewinne auf breiter Front US-Börsen nehmen wieder Fahrt auf

Stand: 16.11.2021 22:17 Uhr

In New York haben die Anleger heute am Aktienmarkt zugegriffen und honorierten damit eine hohe wirtschaftliche Dynamik. Auch das Tauwetter im Verhältnis zu China kam bei den Anlegern gut an.

Die Anleger an der Wall Street haben nach dem trüben Wochenbeginn wieder Mut gefasst. Die wichtigsten Aktienindizes schlossen heute allesamt im Plus, neue Rekordstände wurden aber nicht markiert. Der Leitindex Dow Jones ging bei 36.142 Punkten um 0,15 Prozent höher aus dem Handel.

Gewinne gab es auch wieder an der Technologiebörse Nasdaq, die zuletzt schwächer tendiert hatte. Der Composite-Index stieg um 0,76 Prozent auf 15.973 Punkte, der Auswahlindex Nasdaq 100 um 0,75 Prozent auf 16.309 Zähler. Der marktbreite S&P-500-Index, der sowohl Technologie- als auch Standardwerte enthält, rückte 0,39 Prozent vor auf 4700 Punkte.

Die US-Wirtschaft läuft rund

Neben neuen Unternehmensergebnissen blickten die Anleger auf eine Reihe ebenso neuer Konjunkturdaten, die das hohe Wachstum der US-Volkswirtschaft deutlich machten. Börsianer zeigten sich zudem erleichtert über den Verlauf des Video-Gipfels von US-Präsident Joe Biden und Chinas Staats- und Parteichef Xi Jinping. Biden betonte, der Wettbewerb mit China dürfe nicht in einen Konflikt ausarten und auch Xi äußerte sich positiv. Unter Bidens Vorgänger Donald Trump war das Verhältnis stark angespannt gewesen.

Der Einzelhandel brummt

Der Oktober hat den US-Einzelhändlern derweil ein überraschend dickes Umsatzplus beschert. Die Einnahmen legten um 1,7 Prozent im Vergleich zum Vormonat zu, wie das Handelsministerium mitteilte. Ökonomen hatten lediglich mit einem Zuwachs von 1,4 Prozent gerechnet. Offenbar starteten viele US-Amerikaner dieses Jahr früher in das Weihnachts-Shopping - auch aus Sorge, Artikel könnten wegen der weit verbreiteten Lieferengpässe später vergriffen sein.

"Es gibt einen enormen Nachholbedarf, weil die Leute so lange und aufgrund so vieler Einschränkungen nicht kaufen konnten, was sie wollten", sagte George Young, Portfoliomanager bei Villere & Co.

Aufgehellte Mienen gab es auch in vielen Autohäusern - der Umsatz in diesem Bereich zog erstmals seit einem halben Jahr an. "Dank der sich erholenden Pkw-Verkaufszahlen können die Einzelhandelsumsätze insgesamt die Erwartungen übertreffen", so Helaba-Experte Ralf Umlauf. Auch ohne die Komponenten Pkw und Treibstoffe sei das Plus noch kräftig und angesichts der hohen Preissteigerungen überzeugend.

Im- und Exportpreise steigen

Im Gegenzug hält der starke Inflationsdruck in den USA an. Die Einfuhrpreise stiegen im Oktober um 10,7 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat. Gleichzeitig hoben die US-Exporteure ihre Preise im Oktober im Rekordtempo von 18,0 Prozent an. US-Währungshüter James Bullard dringt angesichts der rasant steigenden Preise auf eine möglichst frühe Zinswende im nächsten Jahr.

Es stünde der Notenbank Federal Reserve gut an, eine straffere Linie zu fahren, um der Inflationsgefahr angemessen zu begegnen, sagte der Chef des Fed-Bezirks St. Louis heute Bloomberg TV. Bullard, der nächstes Jahr im für die Zinspolitik zuständigen Offenmarktausschuss stimmberechtigt ist, hält zwei Zinserhöhungen im kommenden Jahr für angebracht.

Läuft die US-Konjunktur allzu gut, könnte die US-Notenbank schneller an der Zinsschraube drehen als bislang erwartet. Steigende Anleiherenditen deuten bereits auf eine solche Erwartung bei vielen Investoren hin.

Walmart hebt Prognose an

Der größte Einzelhändler der Welt, dessen Aktie im Leitindex Dow Jones enthalten ist, legte heute Quartalszahlen vor. Das Unternehmen erwartet trotz Lieferengpässen ein florierendes Weihnachtsgeschäft und hat daher seine Jahresziele für die USA angehoben. Der Vorstand erwartet, dass der Umsatz in den USA 2021 um sechs Prozent höher ausfallen wird als der bisherige Zielwert. Im dritten Quartal legten die Erlöse in den USA dank einer gestiegenen Lebensmittel-Nachfrage um 9,2 Prozent zu. Walmart-Papiere, die zuletzt gut gelaufen waren, gaben heute aber nach.

Home Depot auf Rekordkurs

Die US-Baumarktkette Home Depot, ebenfalls im Dow gelistet, profitiert derweil weiter vom Heimwerker-Boom in der Corona-Pandemie. Der Umsatz sei mit 36,8 Milliarden US-Dollar im dritten Quartal fast zehn Prozent höher ausgefallen als ein Jahr zuvor, teilte der Konzern mit. Damit konnte zwar das Rekord-Umsatzergebnis von 40 Milliarden Dollar im zweiten Quartal nicht getoppt werden, die Erlöse waren aber höher als von Analysten im Schnitt erwartet. Die Aktie legte deutlich 5,7 Prozent zu, stand damit an der Indexspitze und erreichte kurzzeitig ein Rekordhoch bei etwas über 394 Dollar.

DAX: Die Hausse nährt die Hausse

Der DAX, so scheint es, ist derzeit nicht zu bremsen. Der deutsche Leitindex markierte im Handelsverlauf ein weiteres Rekordhoch bei 16.266 Punkten, den dritten Tag in Folge. Der Schlussstand, natürlich ebenfalls eine Bestmarke, lag dann bei 16.247 Zählern etwas tiefer. Es war ein Tagesgewinn von 0,61 Prozent.

Hinter der nüchternen Statistik steckt die Tatsache, dass der DAX seit Anfang Oktober vom Zwischentief bei 14.818 Punkten mittlerweile rund 9,6 Prozent oder etwas über 1400 Punkte zugelegt hat. Lange Zeit war der Index dabei den US-Märkten hinterher gelaufen, jetzt zieht er nach - zu einem Zeitpunkt, an dem sich die Wall Street immer schwerer damit tut, weiter zu steigen.

"Wenn auch nur in kleinen Dosen, aber die Frankfurter Börse entwickelt aktuell eine Art Eigenleben und hat sich von der großen Wall Street abgekoppelt", konstatierte Jochen Stanzl, Analyst beim Handelshaus CMC Markets. Allerdings stellten die steigenden Corona-Zahlen ein Risiko dar.

Billiges Geld und billiger Euro als Treibsätze

Für das zuletzt relativ bessere Abschneiden des DAX und der anderen europäischen Märkte gibt es gleich mehrere Gründe. Anders als in den USA geht hierzulande nämlich die Party des billigen Notenbankgeldes ungebremst weiter, wie EZB-Chefin Christine Lagarde erst gestern nochmals ausdrücklich bestätigte. Mindestens noch das ganze Jahr 2022 will die EZB die Zinsen bei Null Prozent halten.

Die Bank koppelt sich damit von der US-Notenbank Federal Reserve (Fed) ab, die im Zinszyklus wesentlich weiter ist und nun anfängt, auf die Bremse zu treten. Dies wiederum stärkt den Greenback und schwächt im Gegenzug den Euro. Ein weiterer wichtiger Treibsatz für die heimische Börse. Denn die exportabhängige deutsche Wirtschaft dürfte ihr Glück derzeit schwer fassen können - werden doch Produkte "Made in Germany" im Dollar-Raum billiger.

Heute sank der Eurokurs im Tief in Europa bis 1,1320 Dollar, dem tiefsten Stand seit Sommer 2020. Im US-Handel werden 1,1319 Dollar bezahlt, rund ein halber Cent weniger als zum Fixing durch die Europäische Zentralbank (EZB). Diese setzte den Referenzkurs auf 1,1368 (Montag: 1,1444) Dollar fest.

Kein Wunder, dass die Anleger auf den fahrenden Zug aufspringen, niemand will schließlich etwas verpassen. Genau dieses Phänomen beschreibt die alte Börsenweisheit, nach der die Hausse die Hausse nährt. "Die Börsianer scheinen sich im Moment nur eine Frage zu stellen: Wie hoch kann der DAX fliegen?", kommentierte Portfoliomanager Thomas Altmann von QC Partners. Extrem wenige seien derzeit dazu bereit, die Jahresend-Rally zu verlassen und Gewinne mitzunehmen.

Siemens-Aktie auf Rekordhoch

Unter den Einzelwerten fiel Index-Schwergewicht Siemens ins Auge. Die Aktie erreichte heute bei 163,64 Euro im Verlauf ein Rekordhoch. Das Papier ging bei 153,60 Euro nur knapp darunter aus dem Handel, ein Tagesgewinn von 2,36 Prozent. Der Münchener Konzern wird damit an der Börse mit fast 120 Milliarden Euro bewertet.

Das Ende der Fahnenstange muss damit noch nicht erreicht sein: Die Analysten Simon Toennessen und Andreas Willi von Jefferies Research beziehungsweise der Großbank JPMorgan trauen den Papieren mit ihren Kurszielen schon länger einen Anstieg bis auf 190 Euro zu.

DAX-Tagessieger Qiagen nach Übernahmegerüchten

Übernahmespekulationen haben die Aktien von Qiagenam Dienstag auf den höchsten Stand seit 21 Jahren katapultiert. Am Markt herumgereichte Gerüchte trieben die Papiere des Gendiagnostik- und Biotechunternehmens erstmals seit 2000 über die 50-Euro-Marke. Der Schwung ließ aber wieder nach, am Ende stand noch ein Plus von 4,3 Prozent auf 49 Euro zu Buche. Sie blieben damit der Spitzenreiter im DAX, in den sie zuletzt bei der Aufstockung auf 40 Indexwerte aufgerückt waren.

Marktteilnehmer verwiesen im Tagesverlauf auf einen Bericht des Researchdienstes Betaville über ein mögliches Übernahmeangebot für Qiagen. In der Folge war der Kurs am Nachmittag in der Spitze bis auf 51,10 Euro gestiegen. Das Unternehmen, das mit seinen Lösungen nach wie vor kräftig vom Test-Boom in der Corona-Pandemie profitiert, steht seit längerer Zeit im Fokus von Interessenten.

Ölpreise ohne große Bewegung

Die Ölpreise legten im Handelsverlauf noch moderat zu, größere Kursbewegungen gab es aber nicht. Schon seit Tagen spekulieren die Märkte, ob die US-Regierung einen Teil ihrer strategischen Rohölreserve freigibt, und agieren daher insgesamt vorsichtig.

Aktienboom hilft Sparkassen-Fondsgesellschaft

Vor allem die Aktien-Kauflust der Anleger hat den Gewinn der Sparkassen-Fondsgesellschaft Deka angeschoben. Für 2021 erwartet Deka nun ein wirtschaftliches Ergebnis, die maßgebliche Gewinnkennzahl des Unternehmens, von mindestens 700 Millionen Euro. Für Rückenwind sorgte laut Deka erneut die gestiegene Wertpapier-Begeisterung der Sparer. Im Privatkundengeschäft legte der Absatz um fast 90 Prozent auf 18,1 Milliarden Euro zu. Gefragt waren vor allem Aktienfonds, Rentenfonds und Immobilienfonds. Positiv entwickelten sich auch die Sparpläne: In den ersten neun Monaten schlossen Kunden rund 830.000 neue Sparpläne ab - 50 Prozent mehr vor Jahresfrist.

Post hofft auf schonenden Ausstieg des Bundes

Die Deutsche Post hofft bei einem möglichen Ausstieg des Bundes auf einen marktschonenden Abschied des Großaktionärs. "Das muss der Bund entscheiden", sagte Post-Chef Frank Appel auf die Frage nach einem Ausstieg beim "Süddeutsche Zeitung Wirtschaftsgipfel 2021". "Der Bund war immer ein sehr guter Aktionär, wenn er aber rausgeht, ist das für mich auch fein", fügte Appel hinzu. Wichtig sei aber, dass ein Ausstieg kapitalmarktschonend erfolge.

Der Bund hält über die staatseigene Förderbank KfW rund 20,5 Prozent der Post-Aktien. Das Paket ist Appel zufolge rund zwölf Milliarden Euro wert. In Berlin beraten derzeit SPD, FDP und Grüne über die Bildung einer Ampel-Koalition und die Finanzierung ihrer Pläne.

Deutsche Bank begibt Milliardenanleihe

Die Deutsche Bank hat mit einer neuen Nachranganleihe mehr als eine Milliarde Euro bei Investoren eingesammelt und stärkt damit ihre Kapitalposition. Das Volumen der Anleihe liege bei 1,25 Milliarden Euro, teilte Deutschlands größtes Geldhaus heute in Frankfurt mit. Bei den Wertpapieren handelt es sich um eine sogenannte Additional-Tier1-Anleihe (AT1), also eine Nachranganleihe. Sie funktionieren wie klassische Unternehmensanleihen, nur dass ihre Gläubiger im Falle einer Insolvenz erst später - nachrangig - bedient werden.

Wegen ihres Risikos sind solche Wertpapiere höher verzinst. Sie haben zudem sehr lange Laufzeiten. Die jetzt emittierte AT1-Anleihe hat einen jährlich zahlbaren fixen Zinskupon von 4,50 Prozent bis zum 30. April 2027. Ab dann wird der Zinssatz für jeweils fünf Jahre neu festgesetzt.

Kurssprung bei ThyssenKrupp

Ein möglicher Börsengang (IPO) des Wasserstoffgeschäfts und die Spekulation über eine hohe Bewertung haben die Anleger von ThyssenKrupp am Dienstag in Feierlaune versetzt. Nach einigen Monaten der Flaute wurden die Aktien des Industrie- und Stahlkonzerns dank eines Kurssprunges erstmals seit Juni wieder zu Kursen über zehn Euro gehandelt. Sie schloss bei 10,35 Euro um zwölf Prozent höher.

Von den IPO-Überlegungen berichtete die Nachrichtenagentur Bloomberg unter Berufung auf Kreise. Wie es in dem Bericht weiter heißt, könnte das Geschäft mit bis zu fünf Milliarden Euro bewertet werden. Das ist mehr, als bisher erwartet wurde.

Übernahme drückt Zooplus in die roten Zahlen

Der Online-Haustierbedarfshändler ist durch Kosten infolge der Übernahme durch Finanzinvestoren in die roten Zahlen gerutscht. Das operative Ergebnis (Ebitda) betrug im dritten Quartal 26,8 Millionen Euro. Im Vorjahreszeitraum hatte hier noch ein Gewinn von 18,4 Millionen Euro gestanden. Unter dem Strich fiel ein Verlust von 24,6 Millionen Euro an nach einem Gewinn von 7,3 Millionen Euro ein Jahr zuvor. Der Umsatz kletterte hingegen dank einer guten Nachfrage um fast 18 Prozent auf 514 Millionen Euro. Die Finanzinvestoren EQT und Hellman & Friedman (H&F) hatten jüngst die Mehrheit an Zooplus übernommen. Sie wollen den Online-Tierbedarfshändler Zooplus von der Börse nehmen.

Dermapharm erwartet weniger Umsatz und mehr Gewinn

Der Arzneimittelhersteller und -importeur Dermapharm senkt die Umsatzprognose und erhöht seine Gewinnerwartungen. Der Umsatz soll in diesem Jahr nun um 15 bis 20 Prozent zulegen statt wie gedacht um 24 bis 26 Prozent, weil das Geschäft mit Parallelimporten lahmt. Angesichts des florierenden Geschäfts mit Vitaminen, Allergiemitteln und der Abfüllung des Covid-19-Impfstoffs von BioNTech werde das operative Ergebnis (Ebitda) aber um 50 bis 60 Prozent steigen.

Vodafone legt die Latte höher

Der britische Telekommunikationskonzern blickt nach guten Geschäften im ersten Halbjahr etwas optimistischer auf das Ergebnis im laufenden Jahr. Das bereinigte Ergebnis vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen nach Leasingkosten (Ebitda AL) soll im bis Ende März 2022 laufenden Geschäftsjahr nun bei 15,2 bis 15,4 Milliarden Euro liegen. Als Zwischendividende will der Vorstand um Konzernchef Nick Read 4,5 Eurocent je Aktie zahlen. Im ersten Halbjahr stieg der Umsatz verglichen mit dem Vorjahreszeitraum um fünf Prozent auf knapp 22,5 Milliarden Euro. Der auf die Aktionäre entfallende Gewinn lag bei 996 Millionen Euro nach knapp 1,3 Milliarden Euro im Vorjahreszeitraum.

Tesla-Chef verkauft erneut Aktien

Am US-Aktienmarkt sorgte am Abend Tesla-Chef Elon Musk wieder für Furore. Musk hat wegen Steuerverpflichtungen im Zusammenhang mit der Ausübung von Aktienoptionen weitere Unternehmensanteile im Wert von rund 930 Millionen Dollar auf den Markt geworfen. Die Tesla-Aktie setzte ihre Talfahrt aus der Vorwoche fort und verlor zwischenzeitlich mehr als fünf Prozent. Damit rutschte der Börsenwert des Elektroautobauers unter die Marke von einer Billion Dollar.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 16. November 2021 um 09:05 Uhr.