Händler an der New Yorker Börse | picture alliance / ASSOCIATED PR
Marktbericht

Ernüchterung in New York Inflationsängste drücken die US-Börsen

Stand: 10.11.2021 22:18 Uhr

Überraschend hoch ausgefallene Inflationszahlen haben die New Yorker Aktienbörse ausgebremst. Sie nähren Ängste, dass die Notenbank Federal Reserve schneller als gedacht die Zinsen erhöhen muss.

Wieder aufgeflammte Angst vor vorzeitigen Zinserhöhungen der Notenbank Fed machte heute der Wall Street zu schaffen. Der US-Standardwerteindex Dow Jones und der breit gefasste S&P 500 fielen am Mittwoch um 0,66 Prozent auf 36.079 Zähler beziehungsweise um 0,82 Prozent auf 4646 Punkte.

Die Technologiebörse Nasdaq gab stärker um 1,66 Prozent nach und schloss bei 15.622 Zählern. Der Auswahlindex Nasdaq 100 büßte 1,44 Prozent ein auf 15.985 Punkte. Alle Indizes bauten ihre Verluste im Handelsverlauf deutlich aus, nachdem sie zur Eröffnung noch moderater ausgefallen waren.

Auch der Rentenmarkt tendierte schwach. Die Rendite der zehnjährigen Staatsanleihe stieg deutlich um elf Stellen auf 1,56 Prozent.

US-Inflation außer Rand und Band

Die US-Teuerungsrate stieg im Oktober überraschend stark um 6,2 Prozent, den höchsten Stand seit 31 Jahren. Analysten hatten im Schnitt nur mit einer Beschleunigung auf 5,9 Prozent gerechnet. Im Vormonat hatte die Rate 5,4 Prozent betragen.

"Auch wenn die Fed glaubt, dass die Inflation vorübergehend ist, gibt es immer mehr Anzeichen dafür, das dies nicht stimmt", sagte Rick Meckler, Partner beim Vermögensverwalter Cherry Lane. Bislang hätten die US-Notenbanker keine überraschenden Schritte gemacht. "Aber selbst sie werden sich angesichts dieses Anstiegs wohl langsam etwas Sorgen machen."

"Die Inflation scheint außer Rand und Band zu sein. Eigentlich war davon auszugehen, dass der Inflationsscheitel bereits hinter uns liegt - doch weit gefehlt", kommentierte Thomas Gitzel von der VP Bank.

DAX zeigt sich robust

Auch eine nachgebende Wall Street hat die heimischen Anleger heute nicht aus der Ruhe gebracht. Mit überwiegend positiv aufgenommenen Quartalsergebnissen der Unternehmen im Rücken hat der deutsche Leitindex heute moderat zugelegt und damit sein hohes Niveau vorerst behauptet. Gleich mehrere Index-Mitglieder öffneten ihre Bücher.

Am Ende schloss der DAX bei 16.067 Punkten um 0,17 Prozent höher. Neue Preisdaten in den USA, die einen weiteren Anstieg der Inflation signalisierten, brachten die Anleger heute nicht aus der Ruhe. Nachbörslich allerdings sackte auch der DAX mit einer zunehmend schwächeren Wall Street ab in Richtung 16.000 Punkte.

Preisdaten im Fokus

Neben den Firmenbilanzen standen heute neue Preisdaten auf der Agenda. Aus China und Deutschland kamen am Morgen schon höhere Raten, am Nachmittag zeigten dann die neuesten US-Verbraucherpreisdaten für Oktober, dass sich die Teuerung von hohem Niveau aus weiter beschleunigt hat.

"In den vergangenen Wochen haben die starken Geschäftszahlen die Rally befeuert", sagte Analystin Daniela Sabin Hathorn vom Brokerhaus IG. "Es gibt aber Bedenken wegen der Entwicklung im Rest des Jahres." Eine Abkühlung der Nachfrage würde die Fähigkeit der Unternehmen, steigende Preise an die Kunden weiterzugeben, schmälern.

Euro srürzt unbter 1,15 Dollar

Der Euro fiel nach den US-Preisdaten am Nachmittag stärker zurück und baute seine Verluste im US-Handel deutlich aus auf 1,1483 Dollar. Die Europäische Zentralbank (EZB) setzte den Referenzkurs auf 1,1558 (Dienstag: 1,1577) US-Dollar fest. Auf die warnenden Worte der Wirtschaftsweisen hierzulande reagierte er am Vormittag kaum. Die Experten prophezeien 2021 nur noch einen Anstieg der Wirtschaftsleistung von 2,7 Prozent. Die Ölpreise fielen mit der Stärke des Greenback ebenfalls stärker zurück. Der Goldpreis hingegen zog aufgrund der gestiegenen Inflationsängste deutlich an. Das Edelmetall gilt traditionell als Schutz vor Geldentwertung.

Siemens Energy trotz Minus im Plus

Die Probleme der Windkraft-Tochter Siemens Gamesa sowie die anhaltende Restrukturierung in der Energietechnik haben Siemens Energy im vergangenen Geschäftsjahr belastet. Dennoch will das Unternehmen im ersten vollständigen Jahr seines Bestehens den Aktionären eine kleine Dividende zahlen. Analyst Simon Toennessen von der Investmentbank Jefferies hob zudem hervor, dass die Resultate der Sparte Gas & Power stark ausgefallen seien. Die Aktien von Siemens Energy waren Tagessieger im DAX und legten 3,5 Prozent zu.

Chipmangel treibt Infineon-Erwartungen

Auch die Infineon-Aktie stand im Fokus, konnte anfängliche Gewinne aber nicht halten. Der Halbleiterkonzern wird dank der hohen Chip-Nachfrage beim Blick auf das laufende Geschäftsjahr optimistischer und rechnet bei der Profitabilität im Kerngeschäft mit einem etwas besseren Wert als noch Anfang Oktober. Die Marge gemessen am operativen Ergebnis, dem sogenannten Segmentergebnis, soll in den zwölf Monaten bis Ende September 2022 bei etwa 21 Prozent liegen. Im vergangenen Geschäftsjahr 2020/21 legte Infineon - wie bereits bekannt - kräftig zu. Die Dividende soll um fünf Cent auf 27 Cent je Aktie steigen.

e.on profitiert von schlechtem Wetter

Der Energiekonzern e.on hat im vergangenen Quartal von kühlerem Wetter, Kosteneinsparungen und dem Wegfall negativer Corona-Effekte profitiert. Das bereinigte Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) stieg von Juli bis September um 52 Prozent auf 765 Millionen Euro im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Der Umsatz erhöhte sich von 12,8 auf 15,1 Milliarden Euro, auch dank eines Zukaufs. Das bereinigte Konzernergebnis stieg von 139 auf 424 Millionen Euro. Die Aktie legte rund 1,3 Prozent zu.

Adidas-Aktien am DAX-Ende

Adidas-Papiere verloren über drei Prozent und waren Schlusslicht im DAX. Globale Lieferschwierigkeiten und ein Nachfrageeinbruch in China machen dem Sportartikelhersteller mehr zu schaffen als bislang erwartet. Vorstandschef Kasper Rorsted bekräftigte nach einem Gewinneinbruch im dritten Quartal zwar die Prognose für das Gesamtjahr. Das Wachstum werde aber am unteren Ende der angegebenen Spanne liegen. Der Gewinn aus fortgeführten Geschäften fiel um 10,4 Prozent auf 479 Millionen Euro. Der Umsatz stieg um 3,4 Prozent auf 5,75 Milliarden Euro. Die Ergebnisse lagen knapp unter den Erwartungen von Analysten.

Lob für Allianz-Ergebnis

Die Allianz steuert operativ in diesem Jahr auf ein Rekordergebnis zu. Das operative Ergebnis werde bei etwa 13 Milliarden Euro liegen, so der Versicherungskonzern am Morgen. Die Zahlen für das dritte Quartal lagen über den Erwartungen, angetrieben von allen Geschäftsbereichen", sagte ein Händler. Vor allem das Wachstum im Asset Management sei "beeindruckend".

Kurseruption bei SMA

Aktien des Solartechnikkonzens legten im TecDAX über 14 Prozent zu. SMA hat trotz Materialknappheit in den ersten neun Monaten einen Gewinnsprung verbucht. Bis Ende September erzielte das Unternehmen ein operatives Ergebnis (Ebitda) von knapp 53 Millionen Euro nach 41,4 Millionen vor Jahresfrist. Der Umsatz schrumpfte allerdings von 774 auf 745 Millionen Euro. Der Vorstand kündigte an, dass die Materialknappheit auch im Abschlussquartal belasten werde. Daher bestätigte er die bereits reduzierte Jahresprognose. Doch der hohe Auftragsbestand lasse 2022 ein deutliches Umsatzwachstum erwarten.

Veganz-Börsengang läuft schleppend

Der Börsengang des Herstellers von veganen Lebensmitteln Veganz ist bislang kein Erfolg. Der erste Kurs lautete 86,90 Euro, danach gab er aber nach und schloss bei 83,00 Euro. Verglichen mit dem Ausgabepreis von 87 Euro bedeutet dies einen Abschlag von gut fünf Prozent. Den Ausgabepreis hatte das Unternehmen zuvor fast am unteren Ende der anvisierten Preisspanne festgelegt, die bei 85 bis 110 Euro je Aktie gelegen hatte. Mit dem Ausgabepreis ergibt sich früheren Angaben von Veganz zufolge ein Gesamtvolumen des Börsengangs von rund 47,6 Millionen Euro, wobei das Unternehmen mit mehr als 106 Millionen Euro bewertet wird.

Rivian - Börsengang beeindruckt

Der US-Elektroautobauer Rivian hat bei seinem von Amazon und Ford unterstützten vielbeachteten Börsengang eine Marktbewertung von deutlich mehr als 100 Milliarden Dollar erreicht. Der hoch gehandelte Tesla-Konkurrent wurde am Mittwoch nach Handelsbeginn zwischenzeitlich mit rund 111 Milliarden Dollar (knapp 96 Milliarden Euro) bewertet - mehr als etablierte US-Autobau-Giganten wie Ford und General Motors.

Reges Anleger-Interesse bescherte Rivian damit den weltweit größten Börsengang des laufenden Jahres. Die Aktien stiegen bei ihrem Debüt am Mittwoch auf 119,46 Dollar und lagen gut 53 Prozent über dem Ausgabepreis von 78 Dollar. Die Bewertung basiert auf allen in Umlauf befindlichen Aktien sowie Aktienoptionen.

Über dieses Thema berichteten am 10. November 2021 Deutschlandfunk um 07:35 Uhr und tagesschau24 um 09:05 Uhr.